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POEM: Eine kreative Revolution gegen Bali’s Plastikmüll

von Anna-Carina Kruse

Ein Gastbeitrag von Anna-Carina Kruse von waytooindo.org

Das Umweltprojekt POEM hat als zentrale Idee dem überflüssigen Plastikmüll als ungenutzte Ressource einen neuen Zweck zu geben. Die künstlerischen Lehmbänke symbolisieren mehr Bewusstsein im Umgang mit Müll. Gleichzeitig stehen sie für mehr Achtsamkeit im Alltag untereinander. Deshalb ist ein Markenzeichen der Friedensbänke, eine oder mehrere Stellen frei zu lassen, um Vorbeigehenden einen Einblick ins Bankinnere – also auf die umfunktionierten Plastikmüllflaschen zu gewähren. Doch zurück zum Anfang.

Vom Bananenblatt zur Plastiktüte

Manchmal gibt es sie noch, diese wunderschöne Art indonesisches Essen ins Bananenblatt einzuwickeln. So ist der Snack transportfähig und man praktischerweise gleichzeitig eine saubere Unterlage für sein Fingerfood mitgeliefert. Natürlich ist es nicht schlimm, wenn das Bananenblatt anschließend einfach liegen gelassen oder vom Regen weg gespült wird. Doch wurde das Bananenblatt verdrängt.

Trash BeachSeitdem die indonesische Regierung damit begann, Massen an industriellen Waren aus dem Ausland zu importieren – meist in Plastik verpackt – erlebte auch die nationale Verpackungsmentalität einen enormen Wertewandel. Nicht nur an der Supermarktkasse, sondern auch in lokalen Warungs hat die Plastiktüte ihren festen Platz gefunden. In manchen Regionen Indonesiens (Yogyakarta, Jakarta, Bali) wird deshalb seit Jahrzehnten auf lokaler Ebene versucht dem Müllproblem mit unterschiedlichen Methoden, wie zum Beispiel dem Müllbank-Konzept (bank sampah), oder regelmäßigen Beach Clean-Ups entgegen zu wirken.

Indonesien’s Müllproblem: organic becomes plastic

Müll produziert und weg geworfen haben Menschen schon immer. Das, was sich allerdings im Laufe der Zeit verändert hat ist die Art des Mülls. Was damals das ökologische Bananenblatt war ist heute die Plastikverpackung.

1 Cinta Alam Bali

(dt.: Liebe die balinesische Natur)

Zwar gibt es Mülleimer und Deponien, aber der Verpackungsrest landet trotzdem auf dem Boden, in Flüssen, in den Weltmeeren – ja sogar hinter dem eigenen Haus.

Ein solches Müllproblem ist typisch für Länder, die ihre Wirtschaft öffneten und innerhalb kürzester Zeit ökonomisch wuchsen. Deshalb ist das Bewusstsein für einen verantwortlichen Umgang mit Plastik gesellschaftlich noch nicht etabliert und wächst erst nach und nach.

Eine kreative Revolultion: Plastikmüll als ungenutzte Ressource

Im internationalen Kontext hat sich ein junger kalifornischer Mann darüber Gedanken gemacht, auf welche Art der nutzlose Plastikmüll dieser Erde umfunktioniert werden kann. Mit seiner Initiative Peace On Earthbench Movement (kurz: POEM) möchte er Plastikmüll im öffentlichen Raum etwas verschwinden lassen.

© Anna-Carina Kruse

Der dem Projekt zu Grunde liegende Gedanke ist dabei selbst aktiv zu werden. Menschen sollen sich auf lokaler Ebene miteinander vernetzen und miteinander ins Gespräch kommen. POEM bietet eine neue Art Plastik zu recyceln, da der gesammelte Müll zu Baumaterial von Lehmsitzbänken wird.

So funktioniert POEM

Um eine Friedensbank zu bauen sucht man zuerst eine Menge gebrauchter Plastikflaschen. Diese werden zu kleinen Müllbehältern umfunktioniert, indem man den herumliegenden Müll einfach dort hinein stopft. Ist der Müll etwas sperriger, lohnt es sich ihn mittels einer Schere etwas zu zerkleinern. So passt er locker in die kleine Öffnung der Plastikflasche.

bottle brick / © Anna-Carina KruseMit Hilfe eines Stockes sollte so viel Müll fest in die Plastikflasche gedrückt werden, bis diese voll und hart sind. Nun sollten die Flaschen nicht mehr einzudrücken oder verformbar sein. Mit dem Zudrehen des Plastikdeckels sind die vollgestopften Plastikbehälter (auch: bottle bricks) zum fertigen Baumaterial transformiert.

Das Fundament einer Sitzbank kann mit Hilfe von großen Steinen entstehen (siehe Fotos weiter unten). In diesem Fundament verankert man dann ein Bambusgerüst, in das die Bottle Bricks gesteckt und später mit Lehm ummantelt werden.

Umwelterziehung: reduce, reuse & recycle

Laut des Initiators symbolisieren die Bänke ein kollektives Verlangen nach einer nachhaltigeren gerechteren und friedvolleren Welt. Jugendliche werden in ihrem Bewusstsein darüber gestärkt ihre direkte Umwelt sauber zu halten. Denn das Projekt leitet dazu an, die Natur vom giftigen Plastikmüll zu befreien. Der gesamte POEM-Prozess hat einen Lerneffekt, der die 3-R-Strategie beinhaltet: reduce, reuse and recycle.

Kids making the trash bank

Die erste Bank Indonesiens

Im Februar 2014 stießen wir auf die Idee des POEM-Initiators mit dem Ziel eine solche Friedensbank* erstmalig in Indonesien zu bauen. In Kooperation mit der IHF Bali und den zahlreichen Kinderhänden des Dorfes bauten wir insgesamt drei dieser Bänke im Karangasem Distrikt. Direkt am Strand des Homestays Lumbung Damuh.

Das Projekt eignet sich gut um es an Schulen umzusetzen. Die bunten Bänke können in Stadtparks, auf privaten Grünflächen oder an anderen kommunalen Gemeindeplätzen entstehen. Durch die Friendensbänke soll ein Community Space entstehen der zum aktiven Austausch lokaler Akteure führt.

*Warum die Bänke für Frieden stehen erfahrt ihr unter „Mission“ auf der Projekt-Website.

Gib es weiter: pay it forwards…

Es ist jedem möglich sich spontan dieser kreativen und wirklich spaßigen Bewegung anzuschließen. Der Initiator Brennan ist über Facebook oder seine Homepage erreichbar und beantwortet gern Fragen zur Umsetzung und zum Arbeiten mit Lehm.

Peace On Earthbench Movement Bali / © Anna-Carina Kruse

Tipp: Es braucht natürlich eine gute Planung und neben vielen Kinderhänden (die eher Spaß an der Freude haben sollen) ein paar starke Erwachsenenhände, die das Projekt zu Ende bringen. Deshalb sollte man insgesamt genug Zeit (einige Tage hintereinander) für das POEM-Projekt einplanen. Denn erst wenn der Lehm getrocknet und angehärtet ist, kann man weitere Schichten auftragen.

Zugegebenermaßen löst das Bauen von ein paar Lehmbänken nicht das Plastikproblem Indonesiens. Aber es kann dazu beitragen Kindern spielerisch ein Bewusstsein für die Problematik zu vermitteln und es hilft dabei in die richtige Richtung zu denken: für kreativere Lösungen als zum Beispiel das Verbrennen von Müll.

Ort der Begegnung: Buitan, Manggis, Karangasem, Bali

Gruppenbild

Kooperationspartner:

  • Lumbung Damuh (Tania Ionker & Wayan Metro)
  • IHF Bali (Johanna Natalia & Gregor Ottolinger)
  • Eine bilinguale Homeschooling Gruppe
  • Die vielen Kinderhände des Dorfes Buitan
  • Spontane Helfer
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Text & Fotos:  Anna-Carina Kruse

Autorin

Über die Autorin: Die Sprach- und Kulturwissenschaftlerin Anna-Carina Kruse studierte an der Uni Göttingen und Uni Hamburg und hat sich dabei auf Indonesien spezialisiert. Im Jahr 2011 reiste sie das erste Mal nach Indonesien konzentrierte sich auf die Landessprache Bahasa Indonesia und kehrt seitdem regelmäßig zurück. Sie findet, dass eine Lebensspanne nicht ausreicht um die große Vielfalt des Archipels zu erforschen. Sie ist gern redaktionell tätig – mal mit Blick auf die Region als freie Journalistin, oder auf ihrem eigenen Blog waytooindo mit interkulturellen & entwicklungspolitischen Themen im Fokus.

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