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Regenwald Indonesien: Tierwelt, Nationalparks, Ausrüstung & Mehr

von Melissa Schumacher

Ein Beitrag von Michael Leitzinger

Die tropischen Regenwälder von Indonesien sind neben des südamerikanischen Amazonas und dem afrikanischen Kongo-Becken-Regenwaldes die grössten noch verbleibenden Regenwaldgebiete auf unserer Erde.

Die Hälfte davon wird als Primärregenwald klassifiziert. Weltweit beherbergen Indonesiens Regenwälder mit Abstand die höchste biologischen Vielfalt.

In diesem Artikel nehmen wir dich mit in Indonesiens Regenwälder, stellen dir die Natur- und Tierwelt vor, liefern nützliches Wissen zum tropischen Regenwald und verraten einige Tipps rund um Ausrüstung, Nationalparks und mehr.

Lesetipp: Bruno Manser & die Penan: Die Stimme des Regenwaldes

Natur & Tierwelt im Regenwald Indonesien erleben

Indonesien besitzt 51 ausgewiesene Nationalparks. Dazu kommen noch unzähligen Natur- und Wildtierreservate. In ihnen hat man die höchste Wahrscheinlichkeit, viele Tier- und Pflanzenarten zu beobachten und zu entdecken.

Die Nationalparkverwaltungen von Indonesien schreiben das Buchen eines örtlichen Rangers vor. Es ist davon abzuraten, alleine in den indonesischen Dschungel aufzubrechen.

Einheimische kennen das oft verwirrende Pfadenetz, wissen, wo man Tiere aufspüren kann bzw. an welchen Stellen besondere Pflanzen wachsen. Es ist somit nicht nur sicherer mit einem lokalen Ranger die Regenwälder von Indonesien zu erkunden, sondern auch um ein Vielfaches ereignisreicher.

Im Folgenden stellen wir dir einige touristisch erschlossene Nationaparks sowie Natur- und Wildtierreservate in Indonesien vor.

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Der tropische Regenwald im Tatawiran-Gebirge von Nord Sulawesi aus der Vogelperspektive – Foto: Andreas Eich

10 touristisch erschlossene Regionen für ein Regenwald-Trekking in Indonesien

1) Gunung Leuser Nationalpark, Sumatra (Erfahrungsbericht)

2) Gunung Halimun Nationalpark, Java (Erfahrungsbericht)

3) Gunung Gede-Pangrango Nationalpark, Java (Erfahrungsbericht)

4) West Bali Nationalpark, Bali (Erfahrungsbericht)

5) Sebangau Nationalpark, Kalimantan (Erfahrungsbericht)

6) Tanjung Puting Nationalpark, Kalimantan (Erfahrungsbericht)

7) Tangkoko Naturreservat, Sulawesi (Erfahrungsbericht)

8) Bogani Nani Nationalpark, Sulawesi (Erfahrungsbericht)

9) Manembo Nembo Wildtierreservat, Sulawesi (Erfahrungsbericht)

10) Baliem Valley, Papua (Erfahrungsbericht)

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Sebangau Nationalpark von oben, Zentral-Kalimantan

Tierwelt des indonesischen Regenwaldes

Indonesien besitzt zur Zeit die längste Liste an vom Aussterben bedrohter Tierarten. Angeführt vom Orang-Utan, der auf Sumatra und in Kalimantan noch beheimatet ist.

1 | Tierwelt im Regenwald von Sumatra

Die tropischen Regenwälder Sumatras teilen sich Orang-Utans* (Pongo abelii), die kleinen Sumatra-Nashörner (Dicerorhinus sumatrensis), die endemischen Sumatra-Elefanten (Elephas maximus sumatranus) und der scheue Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae).

* Orang-Utan bedeutet aus dem Indonesischen übersetzt übrigens „Waldmensch.“ Noch mehr nützliche indonesische Wörter bringen wir dir in unserem Indonesisch Online-Kurs bei.

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Orang-Utans im Gunung Leuser Nationalpark bei Bukit Lawang

2 | Tierwelt im Regenwald von Java

Auf Java trifft man einhornige Nashörner (Rhinoceros sondaicus) im Ujung Kolong Nationalpark an. Von Baum zu Baum hangelnd, kann man Silbergibbons (Hylobates moloch), manchmal auch Java-Gibbon genannt, beobachten. 

Auch das Javanische Pustelschwein (Sus verrucosus), eine Säugetierart aus der Familie der Echten Schweine (Suidae), ist in den tropischen Regenwäldern von Java und auf der vorgelagerten Insel Madura beheimatet. Ihr Lebensraum erstreckt sich von küstennahen Wäldern bis hinauf in 800 Meter Seehöhe.

Der Java-Tiger (Panthera tigris sondaica) ist leider eine ausgestorbene Unterart des Tigers, die bis in die 1980er Jahre auf Java beheimatet war. Diese Raubkatze war eine von drei Unterarten, deren Vorkommen lediglich auf die Sundainseln beschränkt waren – beziehungsweise noch sind. 

3 | Tierwelt im Regenwald von Bali

Auf Bali zieht es Naturliebhaber in den Nordwesten der Inseln. Dort liegt der Bali Barat Nationalpark geprägt von Regen- und Monsunwäldern.

Mit etwas Glück bekommt man den vom Aussterben bedrohten Balistar (Leucopsar rothschildi) vor die Kameralinse. Entdeckt hatte ihn 1912 der deutsche Ornithologe Erwin Stresemann.

Buchtipp: Hol dir unseren Bali Reiseführer: 122 Things to Do in Bali

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Birdwatching im Bali Barat Nationalpark

4 | Tierwelt auf den kleinen Sundainseln

Der Komodowaran (Varanus komodoensis) lebt auf den „Dracheninseln“ Komodo, Rinca, Gili Dasami, Gili Motang und Flores die allesamt zu den Kleinen Sundainseln gehören.

Er stellt weltweit das größte landlebende Reptil dar. Bei drei Metern Länge können sie ein Gewicht von 800 kg erreichen.

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Komodo Warane auf Pulau Komodo

5 | Tierwelt im Regenwald von Kalimantan

Die tropischen Regenwälder Kalimantans, dem indonesische Teil der Insel Borneo, sind seit langem ein Ziel von Forschern und Naturwissenschaftlern aus der gesamten Welt.

Zu den zahlreichen Primaten, die auf Kalimantan beheimatet sind, gehört auch der endemische Maronenlangur (Presbytis rubicunda). Er trägt seinen Namen wegen des rotbraunen Fells.

Die Borneo-Orang Utans (Pongo pygmaeus) haben sich in Kalimantan an ein Leben in den Baumkronen der Regenwälder angepasst.

Der Borneo-Zwergelefant (Elephas maximus borneensis) ist eine zwergwüchsige Unterart des Asiatischen Elefanten. Im Norden von Kalimantan ist er heute noch anzutreffen.

Die kleinsten Grossbären der Welt – der Malaienbär (Helarctos malayanus) – lebt vorwiegend in Bäumen der tropischen Regenwälder von Kalimantan. Neben Indonesien kommt dieses Raubtier auch noch stellenweise im östlichen Indien (Assam), dem südlichen China (Sichuan und Yunnan) sowie West-Malaysia vor.

6 | Tierwelt im Regenwald von Sulawesi

Die Insel Sulawesi kann in Sachen Tierwelt mit ihren „Big Seven“ trumpfen:

1. Die farbenprächtigen Helmhornvögel (Rhyticeros cassidix) kann man gut im Tangkoko Naturreservat und Manembo Nembo Wildtierreservat beobachten.

2. Maleos oder Hammerhühner (Macrocephalon maleo) haben ein besonders Brutverhalten. Heisse Böden spielen eine Schlüsselrolle beim Bebrühten. In der Nähe vulkanischer Quellen und an Strandabschnitten, die an „Glutöfen“ erinnern, legt der Maleo ein Ei pro Loch, das durch die Wärme ausgebrütet wird.

3. Hirscheber (Babyrousa celebensis), auch Babi rusa genannt, haben in Teilen des Bogani Nani Wartabone Nationalparks und im Nantu Forest ein letztes Rückzugsgebiet gefunden. Ihren Namen verdanken sie den gewaltigen Hauern, die ihre Rüsselwände durchbrechen. 

4. Koboldmakis oder Gespensteräffchen (Tarsier) gibt es ganze 12 Arten auf Sulawesi – von der Insel Selayar im Süden (Tarsius tarsier) bis hinauf auf die Insel Siau im Norden (Tarsius tumpara). Zum Besten Beobachtungsspot gehört das Tangkoko Naturreservat in Nord Sulawesi. 

5. In kleinen Gruppen lebt der Sulawesi-Kuskus (Ailurops ursinus), eine nachtaktive Kletterbeuteltierart, hoch in den Wipfeln der Bäume. In Primär- und Sekundärwäldern bis in Höhen von 2.000 Metern Höhe sind sie anzutreffen. 

6. Anoas sind Zwergbüffel, die auf Sulawesi endemisch sind. Man unterscheidet das Tiefland-Anoa (Bubalus depressicornis) durch einen längeren Schwanz und grössere Hörner vom Berg-Anoa (Bubalus quarlesi). Was sie gemeinsam haben ist, dass sie leider beide stark gefährdet sind.

7. Vervollständigt von den endemischen Makaken – sieben an der Zahl – die über die gesamte Insel verteilt sind. Diese tagaktiven Primaten leben in Familienverbänden mit klar strukturierter Rangordnung.

Lesetipp: Tierwelt in Nord-Sulawesi: SAGENhaftes Sulawesi

Anoas, Zwergbüffel, auf Sulawesi endemisch – Foto: Wieland Meier

7 | Die Tierwelt der Molukken-Gewürzinseln

Die Molukken, besser als Gewürzinseln bekannt, weisen seltene und nur auf ihren Inseln vorkommende Tiere auf wie dem rosa schimmernden Molukkenkakadu (Cacatua moluccensis), der stark gefährdeten Molukken-Bronzefruchttaube (Ducula concinna), dem Bänderparadiesvogel (Semioptera wallacii) – und einzige Paradiesvogelart auf den Molukken, die 120 cm lange Webers-Segelechse (Hydrosaurus weberi) die über das Wasser laufen kann, die Wallace-Riesenbiene (Megachile pluto) – mit 4 cm die grösste Biene der Welt, dem blauäugigen Molukken-Kuskus (Phalanger ornatus), um nur einige zu nennen.

Als verschollen gilt der Silberwaran (Varanus zugorum). Ob seine Art noch existiert oder ob er als ausgestorben eingestuft werden muss, ist bis dato noch nicht geklärt.

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Kuskus im indonesischen Regenwald

8 | Tierwelt im Regenwald von Papua

Wo Paradiesvögel tanzen, Kängurus Bäume erklettern, flugunfähige Kasuare die Wälder durchstreifen, Fächertaubenmännchen imponieren, Kuskuse im Dunkel der Nacht auf Nahrungssuche gehen, Frösche Nasen wie Pinocchio haben und Krokodile die Flüsse unsicher machen – das ist Papua.

Diese Provinz besitzt das grösste zusammen hängende tropische Regenwaldgebiet des Archipels. 

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Helmhornvögel im indonesischen Regenwald

Tipps zur erfolgreichen Tierbeobachtung

Im Folgenden verraten wir dir 6 Tipps zur erfolgreichen Tierbeobachtung im indonesischen Regenwald.

1. Wissen aneignen, in welchen Regionen und Gebieten die bevorzugten Tierarten vorkommen.

2. Die richtige Tageszeit zur Beobachtung wählen.

3. Gedeckte Kleidung (Naturfarben) und Kopfschutz tragen.

4. Passende Ausrüstung mitführen: Kamera mit min. 300mm-Teleobjektiv, Makro-Objektiv, Fernglas.

5. Geduldig bleiben und stets die Augen offen halten.

6. Bei Sichtung ruhig und versteckt verhalten, flüstern wenn nötig und das Tier nicht aus dem Auge lassen.

TIPP: Gute Einsteigermodelle für Ferngläser zur Naturbeobachtung gibt es ab 150 Euro. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Ein empfehlenswertes Modell ist beispielsweise das Steiner SkyHawk. Eine günstigere Variante ist das Steiner Safari UltraSharp.

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Ein gutes Fernglas ist essentiell bei einer Regenwald-Trekking-Tour in Indonesien

Flora im Indonesien Regenwald

Auf Grund der klimatischen Bedingungen in Indonesien,  ist die Vegetation äusserst vielfältig und üppig. Es wurden über 30.000 Blütenpflanzen, darunter allein 5.000 Orchideenarten und viele Blütenbäume wie dem Flammenbaum (Frangipani), gezählt. 

Die auf Sumatra, Java und Kalimantan wachsende Riesenrafflesie (Rafflesia arnoldii), bildet die grössten Blüten im Pflanzenreich (1 Meter Durchmesser und bis zu 11 kg schwer). Die Blüte ist leider nur kurzlebig und zerfällt nach wenigen Tagen zu dunklem Schleim.

Auf Sumatra ist die Titanwurz (Amorphophallus titanum) ein Gigant und bringt den grössten unverzweigten Blütenstand im Reich der Pflanzen hervor. Bis zu 3 Meter hoch und mit einem angepassten Aasgeruch lockt sie Aaskäfer an, die für ihre Bestäubung und Fortpflanzung sorgen.

Persönliche Ausrüstung für den tropischen Regenwald

Deine persönliches Equipment muss an die klimatischen Bedingungen des tropischen Regenwaldes angepasst sein.

Als Faustregel gilt: leicht, wasserdicht und robust!

Dein Rucksack sollte ein Fassungsvermögen von 30 bis 40 Litern nicht überschreiten und über ein gutes Belüftungssystem für den Rücken verfügen.

Brauchbare wasserdichte Modelle stellt die Firma Ortlieb her. Man kann aber auch ein Dryback in seinen bereits vorhandenen Rucksack stecken, um den Inhalt vor Nässe zu bewahren.

Der Schutz vor Mücken darf auf keinem Fall fehlen. Moskitoschutz ist besonders in den Tropen sehr wichtig, da in einigen Regionen Malaria oder Denguefieber übertragen werden kann. Gute Erfahrung machte ich mit Nobite und Anti Brumm Forte

Du wirst durch erhöhtes Schwitzen viel Wasser verlieren. Zwei 1,5 Liter Trinkwasserflaschen für eine Tagestour sind ratsam, besonders wenn man in bergigem Gelände unterwegs ist. Denke unbedingt an Wasseraufbereitungsmittel (z.B. Micropur), falls du unterwegs dein Wasser nachfüllen musst. Platzsparende Trinkwasserschläuche sind optional. 

Die Mitnahme von Trekkingstöcken ist oft ein umstrittenes Thema. Für den einen nicht mehr wegzudenken, für den anderen hinderlich im Dickicht des Dschungels. Bleibt demnach jedem selbst überlassen.  

Eine wasserdichte Plastikbox eignet sich für die notwendige Erste-Hilfe-Ausrüstung. Darin sollten vorhanden sein:

  • diverse Wundpflaster
  • Blasenpflaster
  • Tape
  • Vaseline
  • Desinfektionsspray
  • Schmerztabletten
  • Antiallergikum
  • Durchfallmittel
  • Balsam/Creme gegen Mückenstiche
  • persönliche Medikamente
Autor Michael Leitzinger auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer

Tropentaugliche Kleidung: Wie kleidet man sich im Regenwald?

Achte darauf, dass du leichte, helle und am besten möglichst körperbedeckende Hemden und Hosen trägst.

Liegt die Kleidung zu eng an, ist sie nicht nur unbequem, sondern ermöglicht es den Stechmücken durch den Stoff durchzustechen.

Spezieller Funktionskleidung , die aus einem Mischgewebe bestehen, sollten langsam trocknenden Baumwollstoffen den Vorrang gegeben werden.

„Tropentaugliche“ Kleidung muss folgende Kriterien erfüllen:

  • atmungsaktiv
  • stichfest
  • UV-abweisend
  • leicht
  • schnelltrocknend
  • knitterfrei
  • wasser- und schmutzabweisend

Ob Gummistiefel oder Trekkingschuhe, das ist vom Gelände weitestgehend abhängig. Wanderstiefel eignen sich besonders für bergige Regenwälder und Gummistiefel für sumpfige Tieflandregenwälder. Trekkingsandalen rate ich lediglich fürs Camp.

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Zelt, Isomatte & Co.

Professionelle Tourenveranstalter vor Ort wie z.B. CV Minahasa Adventure halten für ihre Gäste auch gute Zelte, aufblasbare Isomatten und Schlafsäcke bereit.

Möchte man aber dennoch nicht auf eigenes Equipment verzichten, rate ich zu leichten und gut belüftbaren Trekkingzelten mit einer hohen Wassersäule.

Auch bietet der Outdoormarkt mittlerweile federleichte, aufblasbare Isomatten an. Jedoch Flickzeug nicht vergessen!

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Dschungelcamp im Bogani Nani Wartabone Nationalpark in Sulawesi

Indonesien Regenwald: Lebensraum für 45 Millionen Menschen

Auch wenn das indonesische Fremdenverkehrsamt die tropischen Regenwaelder als „letzte Paradise“ und „unberührte Natur“ anpreist,  sind diese Wälder seit vielen tausenden von Jahren Lebensraum von Menschen, die deren Nutzung und das heutige Erscheinungsbild massgeblich geprägt haben.

Seit dem vierten Jahrhundert werden beispielsweise Nicht-Holz-Waldprodukte, wie das duftende Gaharu (Adlerholz), Dammarharz und medizinischer Kampfer, aus ihm entnommen.

Wildbeutergruppen wie die Orang Rimba auf Sumatra, die Dayak in Kalimantan und die Korowai in Papua haben unterschiedliche Wirtschaftsweisen über Generationen hinweg entwickelt, um sich ihren Lebensraum, dem tropischen Regenwald, anzupassen. Sie sind bis heute Jäger und Sammler geblieben.

Die Mehrheit der indonesischen Bevölkerung, die in Regenwäldern leben, bestreiten ihre Lebensgrundlage durch eine Kombination aus Feldbau, dem sogenannter Schwendbau,  und der Nutzung von zahlreichen Waldprodukten

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Korowai Familie beim Sago essen

Wer besitzt die tropischen Regenwälder in Indonesien

Es war und ist die sogenannte indonesische Adat (Gewohnheitsrecht), die die individuellen und kommunalen Rechte an Grundstücken, Feldern, einzelnen Bäumen, Waldgärten und –gebieten regelte.

Folgt man dem Adat-Recht, so gehörten die tropischen Regenwälder einer Vielzahl von Gemeinschaften, die über Generationen hinweg in ihnen lebten und wohnten.

Frühere Fürstentümer und Sultanate waren darauf bedacht, Menschen unter ihre Kontrolle zu bringen. An der Landkontrolle bestand hingegen kaum Interesse. In der Kolonialzeit änderte sich dies jedoch schlagartig.

Keinem geringeren als dem Singapur-Gründer Thomas Stamford Raffles ist es zu verdanken, dass während der kurzen britischen Kolonialzeit (1811 bis 1814) in Indonesien, durch Raffles Landreformen, die indonesischen Regenwälder als Staatseigentum klassifiziert wurden.

Nach der Rückübernahme durch die Niederländer, verankerten sie diesen Gedanken in ihrer Agrargesetzgebung.

Doch nach der Unabhängigkeit Indonesiens baute die Regierung nach und nach einen komplexen Gesetzesapparat aus.

Kurz gesagt, die Regierung erkennt das Adat-Gesetz weiterhin an, jedoch währt sie lokalen Gemeinschaften nur vage definierte Nutzungsrechte an den Wäldern, die oftmals wegen nationalen Interessen in Staatseigentum übergehen.

Die Republik Indonesien und ihr Forstministerium besitzen ganze 70 Prozent der Fläche des Landes (Gesamtfläche Indonesiens: 1.905.000 km²)!

Die meisten Menschen, die im tropischen Regenwald leben, gehören indigenen Völkern an. Die AMAN (Aliansi Masyarakat Adat Nusantara = Allianz der indigenen Gemeinschaften des Archipels) nimmt sich ihrer an und wirkt als ihr Sprachrohr.

Diese Organisation konnte sogar schon eine Gesetzesänderung  zu Gunsten gewisser Volksgruppen bewirken. Die Wana auf Sulawesi gehören mit zu den Gewinnern.

Ursachen des Regenwaldschwund und deren Profiteure

Das kommerzielle Abholzen des indonesischen Regenwaldes begann auf der Insel Java während der niederländischen Kolonialzeit.

Neben dem Verkauf von Tropenholz finden auch immense Rodungen für Palmölplantagen statt. Die Kohleförderung und großflächige Waldbrände sind weitere Faktoren.

In- und ausländische Firmen sind die Profiteure. Auch die indonesische Regierung bekommt einiges vom Kuchen ab, die beim illegalen Holzeinschlag gerne mal ein Auge zudrückt und semilegale Bergbaulizenzen vergibt.

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Palmöl so weit das Auge reicht ( © Fairventures Worldwide)

Menschen und Organisationen, die sich für Indonesiens Regenwald engagieren

Lars Gorschlüters  von der Wildlife Conservation Fund Stiftung macht sich mit Aufforstungsaktivitäten und dem Tierschutz auf Sumatra stark.

Die Yayorin Stiftung mit Sitz in Zentral-Kalimantan kümmert sich um den Schutz von Orang Utans und Nashörner.

Die Borneo Orangutan Survival Foundation arbeitet mit lokalen Communities in Kalimantan zusammen, um das Leben und den Lebensraum von Orang-Utans zu schützen.

Der Gründer Willie Smits von der Masarang Stiftung setzt sich für den Erhalt des Regenwaldes und das Überleben der Orang-Utans, der Schwarzschopfmakaken und anderer Tiere ein.

Friends of the National Parks (FNPF) ist eine NGO auf Bali, welche sich den Schutz der bedrohten Tierwelt Indonesiens und deren Lebensraum zur Aufgabe gemacht hat.

Das deutsche Projekt One Million Trees Programm unterstützt Kleinbauern in Kalimantan, abgeholzte Flächen mit schnellwachsenden Hölzern und Nahrungsmitteln wiederaufzuforsten, um ihnen Alternativen zur weiteren Abholzung an die Hand zu geben. 

Regenwald Indonesien: Nützliches Wissen to-go

Regenwälder und deren Schlagworte

Uns ist es wichtig, dir ein paar Begriffe rund um Regenwälder, Urwälder, Dschungel & Co. zu erläutern:

Gemäßigte Regenwälder

Die Regenwälder der gemässigten Breiten befinden sich an Kontinentalküsten, haben mildere Winter und kühlere Sommer als das Landesinnere. Gute Beispiele sind die Regenwälder von Vancouver Island in Kanada und der Valdivianische Regenwald in Chile.

Tropische Regenwälder

Bei tropischen Regenwäldern handelt es sich um einen Sammelbegriff für Tieflandregenwälder und höher gelegene Nebelwälder in der äquatorialen Zone unseres Planeten. Charakteristische Merkmale sind die starke Sonneneinstrahlung, die 2.000 bis 4.000 Liter Regen pro Quadratmeter im Jahr, die hohe Luftfeuchtigkeit und eine ganzjährig dichte, immergrüne Vegetation

Tropische Regenwälder weisen eine ungeheure biologische Vielfalt auf. Alleine auf der Insel Borneo leben 35 von mehr als 200 verschiedenen Säugetierarten Südostasiens.

Dschungel

Wer kennt nicht Walt Disneys Mogli aus dem Dschungelbuch, der von Wölfen aufgezogen wurde und mit Balu dem Bären, Shir Khan dem Tiger, der Riesenschlange Kaa, dem Panther Baghira und einer lustigen Elefantenpatrouille durch den indischen Dschungel streift und immer wieder neuen Gefahren ausgesetzt ist.

Der Begriff „Dschungel“ leitet sich nämlich vom indischen Wort „Jangal“ ab, was soviel wie „Wildnis“ bedeutet.

Urwälder

Man muss nicht nach Indonesien reisen, um echte Urwälder zu erleben.

Auch in Europa sind sie stellenweise noch anzutreffen. Seit dem geologischen Zeitalter, dem Tertiär (vor 66 Millionen  bis 2,6 Millionen Jahren), existieren die eigentlichen Urwälder bereits. Europas letzte findet man heute auch noch in Deutschland: in Nordhessen im Reinhardswald und auf der Urwaldinsel Vilm bei Rügen.

In Russland liegt der Dvinsky-Urwald, Schweden hat seinen MuddusNationalpark und Polen den Bialowieza-Nationalpark. Der Kubany-Urwald gehört zu Tschechien und in Rumänien erstrecken sich die Wilden Karpaten

Als Urwald versteht man primären Wald, der durch den Menschen unberührt geblieben ist und eine ökologische Klimaxgesellschaft (relativ stabiler Endzustand einer Vegetation) aufweist. Urwälder (bzw. primäre Wälder) sind Rückzugsgebiet für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. 

Grüne Hölle

Tropische Regenwälder bezeichnete man lange als „Grüne Hölle“.

Der Mensch hatte die Vorstellung , dass in ihr zahlreiche gefährlichen Tiere und giftige Pflanzen vorkommen. Eine Region der Erde, die menschenfeindlich ist: schier undurchdringlich, schattig und wenig erforscht.

Dichte tropische Regenwälder findet man u.a auf der Insel Halmahera im Norden der Molukken – Foto: Wieland Meier

Wie und wann entstanden die tropischen Regenwälder im Verlauf der Erdgeschichte?

Wie wir aus dem Geopraphieunterricht noch wissen,  hingen die Erdplatten einst zusammen und bildeten einen Ur-Kontinent. Über viele Millionen Jahre drifteten sie langsam auseinander bis sie vor 60 Millionen Jahren ihre heutige Positionen erreicht hatten.

Zur damaligen Zeit schwebte in der Erdatmosphäre 2 bis 3 mal soviel Kohlendioxid wie heute. Die Folge war eine erhöhte globale Erderwärmung.

Durch diesen Temperaturanstieg verdunstete mehr Wasser, was zu erhöhten Niederschlägen führte. Deutlich viel mehr Regenfälle als wir heute kennen. So entstanden, bei diesem Klima nördlich und südlich des Äquators, die ersten tropischen Regenwälder.

Während der Eiszeiten schrumpften sie, in den Warmzeiten breiteten sie sich aus. Alle grossen erdgeschichtlichen Klimaschwankungen und auch das An- und Absteigen der Meeresspiegel haben
die Kernbereiche der Regenwälder stets unbeschadet überstanden.

Der Stockwerkbau des tropischen Regenwaldes

Die Gliederung der Vegetation in verschiedene Stockwerke ist charakteristisch für den tropischen Regenwald.

  1. Bodenschicht: Wurzelwerk, dünne Humusdecke
  2. Krautschicht: Moose, Farne und andere Bodendecker
  3. Stauchschicht: junge Bäume, untere Baumschicht
  4. Schicht der niedrigen Bäume: obere Baumschicht
  5. Kronenschicht: Hauptkronendach
  6. Überständer: Urwaldriesen

Beginnend mit der Bodenschicht, die aus dem Wurzelwerk der Pflanzen und einer meist dünnen Humusdecke besteht. Die Bodenschicht ist die Welt von Klein- und Kleinstlebewesen, Bakterien, Algen und Pilzen.

Die Krautschicht erreicht eine Höhe von bis zu 1,5 Metern. In ihr findet man Moose, Farne und andere Bodendecker, die allesamt mit wenig Sonnenlicht auskommen können. Grund dafür ist, dass gerade einmal 1 Prozent des Sonnenlichts bis zum Boden dringt.

Die Strauchschicht ist die dritte Etage. Diese reicht von 1,5 bis 5 Metern Höhe. Hier wachsen die jungen Bäume heran.

Eine Etage höher spricht man von der Schicht der niedrigen Bäume.

In 40 Metern Höhe befindet sich das Hauptkronendach in der sogenannten Kronenschicht.

Vereinzelt ragen sie als Überständer über das Kronendach hinaus – bis zu 60 Meter hohe Baumriesen (auch Urwaldriesen genannt).

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Uralter Tropenbaum im Regenwald Indonesien

Tagesablauf eines typischen Regenwaldtages

Die Wettervorhersage für einen tropischen Regenwald lautet für jeden der 365 Tage im Jahr recht ähnlich.

Im tropischen Regenwald lösen sich in den Morgenstunden Nebelfelder rasch auf und gegen Mittag wird es erdrückend heiss. Der Regenwald heizt sich auf, wobei er die Sonnenenergie speichert.

Später ziehen erste Wolken auf. Am frühen Nachmittag wird es sehr schwül. Die Wolken verdichten sich und am späten Nachmittag kommt der Regen, oft begleitet von Blitz und Donner.

Abends können sich wieder Nebelfelder bilden, was zu einer „frischen“ Nacht führt mit Temperaturen um die 21 Grad Celsius.

Langsam gibt der Regenwald die gespeicherte Sonnenenergie in die Atmosphäre ab.

Bedenke: Je nachdem, ob eine Regen- oder Trockenzeit vorhanden ist, variieren die täglichen Niederschlagsmengen erheblich – von gar keinem Regen bis zu Wolkenbrüchen.

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Das Ökosystem des tropischen Regenwaldes

Die tropischen Regenwälder zählen zu den artenreichsten Ökosystemen unseres Planeten, in denen Stoffkreisläufe und Lebensvorgänge genau aufeinander abgestimmt sind.

Gekennzeichnet ist das Ökosystem durch eine ausserordentliche Vielfalt unterschiedlicher Tier- und Pflanzenarten (sogenannte Biodiversität).

Ihre Böden sind oftmals jedoch sehr nährstoffarm. Die eigentlichen Nährstoffe sind in der Vegetation gebunden und kreisen beständig im System. Ein fast komplett geschlossener Nährstoffkreislauf.

Um die Nährstoffe besser aufzunehmen, gehen viele Pflanzenarten Mykorrhiza-Gemeinschaften mit Bodenpilzen ein.

Die meisten Stoffkreisläufe und Lebensvorgänge spielen sich übrigens in tropischen Regenwäldern im hohen, lichtdurchfluteten Kronendach ab.

Die Farbe Grün dominiert im tropischen Regenwald. Das Ökosystem wird eindeutig von Bäumen beherrscht, deren Biomasse und Produktivität immens hoch sind. Ermöglicht wird dieser Reichtum durch die Verfügbarkeit von Wasser in Form von hohen Niederschlägen.

Spricht man vom Klimawandel, verwenden viele Autoren fälschlicherweise den Begriff „Grüne Lunge“ für die verbleibenden tropischen Regenwälder, da sie Sauerstoffproduzent sind und diesen in die Erdatmosphere abgeben. Der Begriff „Klimaanlage der Erde“ ist in meinen Augen zutreffender.

Der Begriff „Klimaanlage der Erde“ ist in meinen Augen zutreffender.

Michael Leitzinger

Tropische Regenwälder als Apotheke

 „Die Natur ist die beste Apotheke“, sagte schon der Naturheilkundler Sebastian Kneipp im 19. Jahrhundert.

Eine Apotheke stellt Arzneimittel her, lagert und verkauft auch diese. Deshalb ist ein Vergleich mit den tropischen Regenwäldern recht passend, weil in ihrer Artenvielfalt noch unzählige potenzielle Wirkstoffe für Medikamente verborgen liegen.

Wie viele der pflanzlichen Wirkstoffe ursprünglich aus den tropischen Regenwäldern kommen, ist unbekannt. Bruchteil – Schätzungen gehen von gerade einmal 1 Prozent aus.

Doch einiges ist aus der „Urwaldapotheke“ bereits erprobt und wird in Indonesien erfolgreich eingesetzt:

Aus dem in Indonesien beheimateten Mahagonibaum (Aglaia foveolata) wird der Naturstoff Silvestrol gewonnen. Silvestrol hemmt ein Enzym, das RNA-Viren brauchen um sich in den Wirtszellen zu vermehren. Es wirkt gegen RNA-Viren aus verschiedenen Virusfamilien wie Ebola-, Corona-, Zika-, Chikungunya- und Hepatitis-E-Viren. Gerade weil es kaum schädlich für die Wirtszellen ist, könnte Silvestrol breitflächig in der Therapie von Viruserkrankungen eingesetzt werden. Speziell auf Kalimantan werden Naturstoffe aus diesem Baum traditionell gegen zahlreiche Krankheiten eingesetzt.

Indigene Volksgruppen auf Kalimantan nutzen auch die Blätter des Drachenbaums (Dracaena cantleyi) um akute Gelenk- und Muskelschmerzen zu lindern. Erstaunlicherweise kennen das auch die Orang-Utans. Diese Menschenaffen kauen die Blätter um einen weißen Schaum zu erzeugen, den sie dann zur Schmerzlinderung auf die betroffene Körperstelle auftragen.

Chinin war das erste wirksame Arzneimittel zur Behandlung von Malaria. Die gemahlene Rinde von  Chinabäumen (Cinchona pubescens) wird mit gesüsstem Wasser gemischt, um ein Zittern bei Kälte zu verhindern. Es wird in weiten Teilen Indonesiens verwendet. 

Gegen Gürtelrose (auf Indonesisch „Muntar ular“, was mit „spuckende Schlange“ übersetzt werden kann) verwenden Schamane auf den Molukken beispielsweise Betelnüsse, Kreide, roten Ingwer und frische Betelblätter

Hochlandvölker auf Papua wie die Danis, Yalis und Ekaris verwenden das Elixier der roten Pandanusfrucht (Pandanus tectoris) um Krebserkrankungen vorzubeugen.  

Die Natur ist die beste Apotheke!

Naturheilkundler Sebastian Kneipp, 19. Jahrhundert

Über den Autor Michael Leitzinger: War es das „Dschungelbuch“ oder die Bücher über fremde und exotische Länder meines Vaters, die mein Interesse seit früher Kindheit für tropische Regenwälder geweckt haben? Ich weiß es nicht mehr genau. Mit 19 Jahren reiste ich das erste Mal nach Indonesien. Fasziniert von der Artenvielfalt, der Natur und den Wäldern, zog es mich immer wieder zurück. Mittlerweile darf ich in einer Region Indonesiens leben, wo tropische Regenwälder, aber auch aktive Vulkane, direkt vor meiner Haustüre liegen. So ist es nicht verwunderlich, dass ein sonntäglicher  Spaziergang ganz schnell zu einer Dschungel-Trekking-Tour wird. 

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