Home Natur und Tierwelt Carstensz Pyramide (Puncak Jaya): Indonesiens höchster Berg

Carstensz Pyramide (Puncak Jaya): Indonesiens höchster Berg

von Melissa Schumacher

Ein Beitrag von Michael Leitzinger

Der Puncak Jaya (auch unter Carstensz Pyramide bekannt) ist der höchste Inselberg der Welt. Der Gipfel in Papua hat über die letzten Jahrhunderte unzählige Abenteurer, Forscher und Wissenschaftler angezogen.

Komm mit uns auf eine Reise auf den Puncak Jaya, zu dem Volksstamm der Amungme und in den Lorentz-Nationalpark. Wir nehmen dich mit von der Gegenwart bis in die Vergangenheit und erzählen die spannende Geschichte vom Schnee am Äquator.

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Carstensz Pyramide: Schnee am Äquator – Foto: Martin Rietze

Die höchste Erhebung auf der Insel Neuguinea ist mit 4.884 Metern zugleich der weltweit höchste Berg auf einer Insel.

Im Laufe der Zeit trug er viele Namen: Sukarno, Djalaspitze, Puncak Jaya, Puncak Jayakesuma oder Carstensz-Pyramide, wie er unter Bergsteigern geläufig ist.

Auf der Weltkarte ist dieser Berg unter folgenden Koordinaten zu finden: S 04°04.733, E 137°09.572 .

Carstensz Pyramide: Schneebedecktes Gebirge – Foto: Martin Rietze

Die Besteigung der Carstensz Pyramide

Seit 1971 vergibt die indonesische Regierung offizielle Permits für die Besteigung. Das Jahr war somit der Startschuss für Bergsteiger aus der gesamten Welt.

Inoffiziell werden die höchsten Berge unserer 7 Kontinente als „7 Summits“ bezeichnet. Ihre Besteigung ist ein Wunschtraum vieler Bergsteiger. So manch einer konnte sich diesen Traum bereits erfüllen.

Der Amerikaner Dick Bass war der Erste und vollendete seine „Bass-Liste“ am 30. April 1985. Jedoch zählte damals der Mount Kosciuszko (2.228 m) als höchster Berg des australischen Festlandes. Die höchste Erhebung des Kontinents Ozeaniens ist jedoch der Puncak Jaya bzw. Carstensz-Pyramide (4.884 m).

Keinem geringeren als der Südtiroler Bergsteigerlegende Reinhold Messner, der bereits die Carstensz-Pyramide in seiner „Messner-Liste“ als höchste Erhebung Ozeaniens aufnahm, gelang eine erfolgreiche Besteigung.

Zu seinem Ärger kam ihm aber der Kanadier Patrick Morrow am 5. August 1986 gerade einmal vier Monate zuvor.

Lesetipp: Reinhold Messner: Aufbruch ins Abenteuer. Bergerlebnisse aus fünf Kontinenten

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Carstens Pyramide – Foto: Martin Rietze

Routen und Besteigung von Carstens Pyramide

Trekkingrouten führen von den Dörfern Sugapa-Bilogai/ Ugimba (2.394 m), Tsinga (1.754 m), Beoga (2.354 m) und Ilaga (2.286 m) aus ins Basecamp (4.260 m) im Seen-Tal/ Meren Valley/ Lakes Valley/ Lembah Danau.

Eine Woche für den Anmarsch und eine weitere Woche für den Rückweg muss man mind. einkalkulieren (etwa 70 km pro Wegstrecke).

Um die Dörfer mit ihren kurzen Landepisten zu erreichen, ist es unumgänglich ein Flugzeug bei den örtlichen Missionen (MAF, AMA) oder ein Kleinflugzeug bei Susi Air zu chartern.

Größere Gruppen greifen auf die zweimotorigen Twin Otter Maschinen von Airfast, Rimbun Air und Trigana zurück.

Mögliche Abflughäfen sind Timika im Süden, Nabire im Nordwesten und Wamena im Osten.

Es ist nicht selten, dass die Trekkingrouten auf Grund von Spannungen zwischen dem indonesischen Militär und den ansässigen Papuas, gesperrt sind. Dann besteht aber weiterhin die Möglichkeit mit einem gecharterten Hubschrauber von Timika aus in 20 Minuten das Basecamp anzufliegen.

Auf Grund der aufwendigen und schwierigen Beschaffung des Besteigungspermits, der logistischen Vorbereitungen, der Buchung von Charterflügen wie die Auswahl an zuverlässiger Trägern, ist es empfehlenswert, sich einer gut organisierten Gruppenexpedition anzuschliessen.

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Expedition auf Carstens Pyramide – Foto: Martin Rietze

Der Ngga Pulu Gipfel

Der Ngga Pulu, ein nur knapp 3 Kilometer entfernter Gipfel im gleichen Massiv, wird heute wegen seiner geringen Dominanz und Schartenhöhe als Nebengipfel bezeichnet. Nach anderer Meinung soll es sich jedoch dabei um einen eigenständigen Berg handeln.

Noch 1936, vor dem Abschmelzen seines Gletschers, war der Ngga Pulu (damals 4.900 m, heute 4.862 m) mit seiner Eiskappe die höchste Erhebung der Insel. 

Des Weiteren dominieren die Gipfel Sumantri/ Ngga Pulu NW (4.870 m), East Carstensz Top (4.820 m), Ngga Pilimsit/ Idenburg Peak (4.717 m) und Dom/ Platen Spitz (4.420 m).

Lesetipp: Ruth Barensteiner, Michael Leitzinger: Abenteuer Trekking Neuguinea

Ngga Pulu – Foto: Martin Rietze

Interview mit Bergführer Lucky Guntur Kolompoy

Mir gelang es den indonesischen Bergführer Lucky Guntur Kolompoy, der aus Tomohon in Nord Sulawesi stammt und zahlreiche Bergsteiger:innen erfolgreich auf die Carstensz-Pyramide geführt hatte, zu treffen und ihn bei ein paar Bieren zu interviewen. 

1. Wann standest du das erste Mal auf dem Gipfel und wieviele Besteigungen hast du bereits hinter dir?

Es muss im Juli 2015 gewesen sein. Damals noch als Assistent des Bergführers. Das Gipfelerlebnis durfte ich seitdem mit meinen Gästen 24 Mal teilen.

2. Welche Anforderungen werden an die Teilnehmer:innen gestellt?

Die Teilnehmer:innen einer Carstensz-Expedition müssen umsichtige, erfahrene und gut konditionierte Bergsteiger sein.

Gehzeiten von täglich bis zu 9 Stunden mit schwerem Rucksack durch wegloses Gelände und auf anspruchsvollen Pfaden muss in Kauf genommen werden.

Tagsüber kann das Thermometer auf 30 Grad steigen und nachts auf  -7 Grad abfallen. Stürme und Hagelschauer erschweren das Vorwärtskommen mitunter.

3. Wie muss man sich die Gipfelbesteigung vorstellen?

Die Gipfelbesteigung ist eine 12-Stunden-Tour. Selbstständiges Klettern ist Grundvoraussetzung.

Ich wähle gerne die Normalroute der 700 m hohen Nordwand. Zu Beginn leichte Kletterei im II.-III. Schwierigkeitsgrad.

Die letzten 80 Höhenmeter bis zum Erreichen des Gipfels haben es jedoch in sich. Es wird extrem steil und Klettern mit Bergstiefeln im IV. Schwierigkeitsgrad stehen auf dem Programm.  Zuvor bringe ich Fixseile an, die den Aufstieg etwas entschärfen.

Ist der Gipfelgrat endlich in greifbarer Nähe, muss lediglich noch ein scharfer Einschnitt bezwungen werden, bevor dann schliesslich der Gipfel auf 4.884 m erklettert werden kann. 

4. In welchen Monaten empfielst du eine Expedition zur Carstensz-Pyramide?

Für mich gibt es keine beste Jahreszeit um die Carstensz-Pyramide zu besteigen. Eine Expedition kann grundsätzlich das ganze Jahr über durchgeführt werden.

Ich persönlich schätze die europäischen Wintermonate als idealer ein, da in dieser Zeit das Wetter beständiger ist und man häufiger gute Fernsichten geniessen kann.

Nicht zu vergessen, Jan Carstensz hatte im Februar eine gute Sicht und auch Harrer wählte diesen Monat aus.

5. Wie sieht die tägliche Verpflegung aus?

Je nach vorherigem Wunsch der Teilnehmer:innen kauft unser Expeditionskoch ein. Drei Mahlzeiten pro Tag, die auf Gaskochern zubereitet und im Gruppenzelt aufgetischt werden.

Nach erfolgreicher Besteigung schenken wir Whiskey aus. Muss doch gebührend gefeiert werden. Und Eis haben wir hier oben zur Genüge um ihn standesgemäß „on the rocks“ zu servieren. 

6. Hast du ein Lebensmotto?

„Climbing to the top, to getting home“

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Nur gut konditionierte Bergsteiger können den Carstensz-Gipfel besteigen – Foto: Martin Rietze

Woher kommt der Name Carstensz-Pyramide?

Man schrieb das 17. Jahrhundert. Es war mal wieder so ein Tag, den der Niederländer gar nicht mochte, als er durch die Straßen schlenderte. Frauen tuschelten mit vorgehaltener Hand, als sie an ihm vorbei liefen.

Männer zeigten auf seine Person, schüttelten die Köpfe. Ein Spinner, ein Schwindler, ein Fantast.

Wer war dieser Mann, dessen Geburts- und Sterbedatum nicht einmal bekannt ist?

Die Sprache ist von Carstenszoon, besser bekannt unter Kapitän Jan Carstensz.

Seine Sichtung, die er im Jahre 1623 machte, wurde erst 200 Jahre danach auf ihre Richtigkeit bestätigt: Schnee 4 Grad südlich des Äquators!

Wegen der ersten schriftlichen Dokumente über die Existenz dieses Gebirges seitens Jan Carstenszoon, nennt man die 4.884 Meter hohe Spitze demnach bis heute Carstensz-Pyramide.

Die ersten Aufzeichnungen vom Schnee am Äquator

1623 leitete Carstenszoon im Auftrag der Niederländischen Ostindien-Kompanie eine Expedition an die Südküste Neuguineas. Kapitän des zweiten Schiffes der Expedition, der Arnhem, war Willem van Coolsteerd.

Grund dieser Expedition zur See, war die Fahrt von Willem van Janszoon im Jahre 1606 zu bestätigen, und seine gesammelten Kenntnisse über diese bislang unerforschte Ecke der Welt zu vervollständigen.

Es war der 16. Februar 1623, ein herrlicher und wolkenfreier Tag mit einer guten Weitsicht ins Landesinnere. Es war der Tag, als Jan Carstenszoon mit seiner Besatzung das mit Schnee bedeckte Gebirge von der Pera aus sah.

In seinem Logbuch verzeichnete er:

„We were at about 1½ mile’s distance from the low-lying land in 5 or 6 fathom, clayey bottom; at a distance of about 10 miles by estimation into the interior, we saw a very high mountain-range in many places white with snow, which we thought a very singular sight, being so near the line equinoctial.”

Jan Carstenszoon – 16. Februar 1623

Seine Ausführungen über die schneebedeckten Kuppen wurden aufgrund der Äquatornähe jahrhundertelang nur belächelt.

Frühere Spuren am Puncak Jaya

Die ersten Menschen, von denen jedoch bekannt ist, dass sie in diese Region vordrangen, war eine Gruppe von Papua-Jägern, die unter dem Gletscher, einen Kilometer von der Nordwand entfernt, Spuren ihrer Feuer hinterlassen haben. Man datierte diese Funde auf 5.000 Jahre zurück. 

Lesetipp: Geschichte Indonesien: Kolonien, Gewürzhandel, Islamisierung & Diktatur

Der Volksstamm der Amungme

Abgeschieden vom Rest der Welt und unberührt von der damaligen Zivilisation, lebten in Tälern nördlich und südlich des langgestreckten, schneebedeckten Zentralgebirges, der Volksstamm der Amungme.

Sie führten ein Leben wie wir einst in der Steinzeit. Ihre Gottheit Nagawan Into schuf Nemankawi, die weißen Pfeile, welche als Eroberer, Verwalter und Erben des Amungme-Reiches angesehen wurden.

Die Härte des Gesteins machte den Charakter der Amungme-Gemeinschaft aus: hart, kompromisslos, gerecht und männlich.

Noch heute stehen die weißen Pfeile für die vergletscherten Berge im Herzen von Papua.

Der Volksstamm der Amungme – Foto gefunden auf cerita-indonesian.blogspot.com

Erdgeschichtlichler Überblick des Puncak Jaya

Die heutige Insel Neuguinea gehört gemeinsam mit Australien zur Australischen Kontinentalplatte. Nördlich grenzt diese an die philippinische, östlich an die pazifische Platte. Ihre Entstehungsgeschichte liegt 30 Millionen Jahre zurück.

Im Wechselspiel dieser Kontinentalplatten fand eine Auffaltung der Gebirgskette statt, welche die Grundlage der heutigen Insel bildet. Im gleichen geologischen Zeitraum entstanden unter anderem die Alpen und der Himalaya.

Die Carstensz-Pyramide, die im indonesischen Teil von Neuguinea liegt, zählt zur Sudirman (Nassau) Range, die wiederum einen Teil des Maokegebirges darstellt.

Erdgeschichtlich gesehen ist sie alpidischen Ursprungs und ist durch das Abtauchen der Pazifischen Platte unter die Indisch-Australische Platte entstanden. Bei weitem sind diese Bewegungsprozesse noch nicht abgeschlossen.

Diese Region ist nach wie vor geologisch sehr aktiv und wird durch Vulkanausbrüche geprägt und häufig von Erdbeben heim gesucht.

Während der Eiszeiten war Neuguinea mehrfach mit Australien durch Landbrücken verbunden, da in dieser Zeit der Meeresspiegel viel tiefer lag. Hieraus erklärt sich auch so manche Ähnlichkeit mit der australischen Tierwelt, im Gegensatz zur Pflanzenwelt.

Neben Indonesien findet man noch in Ecuador, Kolumbien, Tanzania, Uganda und Kenya schneebedeckte Berge in Äquatornähe.

Foto: Martin Rietze

Wie können Gletscher in den Tropen existieren?

Pro tausend Meter Höhe nimmt die Lufttemperatur um sieben Grad ab. Grund dafür ist, dass die immer dünner werdende Luft weniger Wärme halten kann.

Jakarta, die Hauptstadt von Indonesien, liegt am Meer. Es herrschen täglich Temperaturen um die 32 Grad.

Wendet man nun die 7-Grad-Regel an, so misst die Temperatur am Gipfel der Carstensz-Pyramide (4.884 m) um die vier Grad

Foto: Martin Rietze

Carstensz-Expeditionen und dessen Auswirkungen

Erst viele Jahre später, im Jahre 1909, machte sich der Holländer Hendrikus Albertus Lorentz mit sechs Dayak-Trägern (wie gerne wir ihre Namen hier aufführen würden), die er in Borneo rekrutiert hatte, auf, um vom Süden her über Flüsse hinweg und zu Fuss zum mächtigen Gebirge aufzubrechen.

Sie erreichten schliesslich das Schneefeld des 4.730 m hohen Wilhelmina-Gipfels (heute Puncak Trikora).

1919 veröffentlichte er seinen Expeditionsbericht. Man benannte einen Nationalpark (Taman Nasional Lorentz) und einen Fluss (Sungai Lorentz) nach ihm.

Eine alte Karte des damaligen „Dutch New Guinea“ mit einem Foto von Lorentz – gefunden auf tokohpenemu.blogspot.com

Lorentz Nationalpark – Südostasiens größter Nationalpark

80% aller Säugetierarten und 65% aller Vogelarten, die auf Neuguinea vorkommen, finden in ihm einen Lebensraum.

Zahlreiche Volksgruppen, darunter die Amungme, Nakai, Sempan, West Dani und Kamoro nennen ihn ihr Zuhause.

Die Rede ist vom Lorentz Nationalpark, der sich von der Mangrovenküste im Süden bis hin in die Gletscherwelt im Norden erstreckt.

Mit einer Fläche von 25.056 km² (etwas grösser als Mecklenburg-Vorpommern – 23.295 km²) ist er Indonesiens grösster Nationalpark – sogar von ganz Südostasien!

Er wurde 1999 durch die Zustimmung des damaligen Präsidenten Bacharuddin Jusuf Habibie von der UNESCO als Naturdenkmal auf die „World Heritage List“ aufgenommen. Heute gehört er dem Weltkulturerbe an.

Foto: Martin Rietze

Tierreichtum im Lorentz Nationalpark

Wissenschaftler sind von seiner Biodiversität, seiner Unberührtheit und seines Tierreichtums immer wieder von Neuem begeistert.

Biologen zählten 164 Säugetier-, 324 Reptilien- und 650 Vogelarten. Man vermutet noch zahlreiche neue, unentdeckte Arten.

Besondere Stellenwerte haben der Kurzschnabel- und Westliche Langschnabeligel, vier Kuskusarten, der Neuguinea Beutelmarder, diverse Baumkängurus, flugunfähige Helmkasuare, majestätische Kronentauben und große Papageien genannt Borstenköpfe.

1994 machte der Nationalpark weltweit Schlagzeilen, als der australische Zoologieprofessor Tim Flannery im Hochgebirge eine neue Baumkänguruart, das Dingiso, entdeckte.

Der Bergstamm der Moni nennt dieses schwarzweisse Tier „mbaiso“ (das verbotene Tier). Sie schützen und verehren dieses Beuteltier, weil in ihrer Glaubensvorstellung der Geist ihrer Ahnen in ihm weiter lebt.

Tierreichtum im Lorentz Nationalpark – gefunden auf ksdae.menlhk.go.id

Über gescheiterte und geglückte Riesen-Expedition in Papuas Gebirge

Noch im selben Jahr wie Lorentz (1909), versuchte die British Ornithological Union (BOU) in die westlichen Berge vorzudringen.

Mit einer groß angelegten Expedition bestehend aus fünf britischen Wissenschaftlern, 50 Ausrüstungsträgern von der Insel Ambon auf den Molukken, 10 nepalesischen Gurkhas, 44 britischen Soldaten und 60 Gefangenen, die die Verpflegung transportieren.

Dieses Vorhaben, das bis 1911 andauerte, scheiterte jedoch. 16 Menschen wurden getötet und 120 Menschen verletzt.

Gerade einmal ein Jahr später, 1912,  stand ein weiterer BOU-Forscher, der Brite Dr. Alexander Frederick Richmond Wollaston, seines Zeichens Arzt , Ornithologe, Botaniker und Kletterer am Ufer des Otunggung-Flusses, seinem gewählten Startpunkt. 

Im Schlepptau sage und schreibe 224 Dayaks. Sie erreichten die Schneefelder im Süden und sammelten Pflanzenproben aus den Bergen.

Erst jetzt wurde diese Bergregion jedoch benannt: Carstensz Toppen

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Foto: Martin Rietze

Ein Trio auf Carstensz-Expedition und dessen langfristige Auswirkungen auf die Region

24 Jahre spaeter, 1936, ging ein niederländisches Trio ein erneutes Wagnis ein, die Carstensz-Expedition, im Auftrag der Royal Netherland Geography Society.

Die Leitung hatte der Ingenieur und Hobbybergsteiger Dr. Antonie Hendrikus Coljin inne. Für die Geologie war Jean Jacques Dozy zuständig. Der Marinepilot Fritz Wissel legte zuvor mit seinem Flugzeug S-38 „Skorsky“ Verpflegungsstützpunkte entlang der geplanten Route an.

Das Dreigespann startete am 29. Oktober 1936 im Küstendorf Aika und folgte dem Otonama-Fluss. Auf einer Höhe von 4.000 m erreichten sie schliesslich die Schneezunge.

Doch eine Besteigung des vergletscherten Ngga Pulu Gipfels (4.900 m), wie eigentlich geplant, blieb ihnen vergönnt. Die Wetterlage hat es einfach nicht zugelassen. Immerhin sind alle wieder wohlbehalten an die Küste zurück gekehrt. 

Zu dieser Zeit war der Ngga Pulu sechs Meter höher als die Carstensz-Pyramide und somit die höchste Erhebung.

Jedoch haben sie Spuren hinterlassen. Dozy stoss auf ein enormes Erz- und Goldvorkommen, wo heute die Grasbergmine liegt. (Traurig, oder?)

Und der Pilot Wissel entdeckte ein paar Monate nach der Expedition auf einem Erkundungsflug ins Hochland drei Seen, die man daraufhin Wissel-Seen nannte. Diese Bergregion wurde und wird jedoch vom Stamm der Ekari bewohnt. Heute sind die Bergseen umbenannt worden in Paniai-, Tage- und Tigi-See

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Anton Colijn, Frits Wissel und Jean Jacques Dozy während der Carstensz-Expedition – Quelle: Wikipedia

Über die erste geglückte Gipfelbesteigung der Carstensz-Pyramide

1961 machte die New Zealand-New Guinea Expedition unter der Leitung des Neuseeländers Philip Temple Schlagzeilen.

Er suchte einen Weg, um von Ilaga aus in die Eisregion vorzustossen. Sie scheiterte daran, dass ein geplanter Verpflegungsflug nicht stattfinden konnte.

Das Team musste umkehren.

Ein weiteres Jahr ging ins Land.

Am 13. Februar 1962 war es wieder soweit. Der Österreicher Heinrich Harrer kam nach Neuguinea. 

Zusammen mit Russel Kippax vom Roten Kontinent, Albert Huizenga aus den Niederlanden und Philip Temple als Scout, standen alle vier als  erste Menschen auf dem Gipfel der Carstensz-Pyramide.

Sie wählten eine Route über die unvergletscherte  Nordwand. Während ihres Anmarsches von Illaga aus, fanden sie einen schneefreien Pass, der heute den Namen New Zealand Pass trägt.

In seinem Buch „Ich komme aus der Steinzeit – Ewiges Eis im Dschungel der Südsee“ berichtete Harrer im Tagebuchstiel ausführlich darüber. 

Blick ins Buch von Harrer – Foto gefunden auf booklooker.de

Erinnerungen eines Ingenieurs inmitten der Bergwelt

Im April 1967 schloss die amerikanische Minengesellschaft Freeport, als erstes ausländisches Unternehmen, einen Vertrag mit Indonesien unter Präsident Suharto, um das Ertsberg-Kupfervorkommen zu erschliessen.

Freeport nahm daraufhin das Ingenieurunternehmen Bechtel-Pomeroy, ebenfalls aus den Staaten, mit ins Boot, um die Gegend ausgiebig zu vermessen.

Der Deutsche Peter Neiseke, damals Jungingenieur bei Bechtel, verbrachte mehrere Jahre mit einem philippinischen Team in der Bergwelt, um Kartenmaterial zu erstellen.

Heute ist Peter Rentner und lebt in Nord-Sulawesi. Er hat mir freundlicherweise für diesen Artikel einige seiner Erinnerungsfotos zur Verfügung gestellt.

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Fotos: Peter Neiseke

Mein persönliches Fazit zur Carstensz-Pyramide

Auf Grund der globalen Erderwärmung ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die weissen Pfeile nicht mehr in den Himmel ragen und das „Ewige Eis im Dschungel der Südsee“ dahin geschmolzen ist.

Was mir aber bleiben wird, ist die Erinnerung an eine einmalige und unvergessliche Expedition im Land der Paradiesvögel. 

Buchtipps zur Carstensz Pyramide

Über den Autor Michael Leitzinger

Heinrich Harrers Buch „Ich komme aus der Steinzeit“ war mein Grund 1991 für zwei Monate lang in das Hochland von Papua, damals noch Irian Jaya genannt, zu reisen. In den Folgejahren zog es mich immer wieder nach Papua um weitere abgelegene Landstriche zu Fuss und mit dem Schlauchkanadier zu erkunden. 

Als Guide führte ich 1993 deutsche Touristen zum Stamm der Danis im Baliemtal und den Asmat im Tiefland.

Weitere Expeditionen folgten zu den Nabis, Ekaris, Mek, Yali, Kombai und Korowai die in dieser Zeit noch sehr traditionell lebten. Gipfelbesteigungen im Jayawijaya-Gebirge und Hochland-Tiefland-Trekkingtouren stellten mich immer wieder vor neue Herausforderungen.

1996 erschien mein Buch, dass ich zusammen mit Ruth Barensteiner geschrieben habe: Abenteuer Trekking – Neuguinea gemeinsam mit dem Bruckmann Verlag.

Als erster ausländischer Expeditionsleiter führte ich über mehrere Jahre hinweg Gäste eines deutschen Expeditionsveranstalters durch das Flusslabyrinth des Mamberamo-Beckens, dem Amazonas von Neuguinea.

2014 erhielt ich die Goldene Palme von GEO Saison für eine der besten Abenteuerreisen: Expedition in das Foja-Gebirge von Neuguinea.

Seit neun Jahren arbeite und lebe ich fest in Sulawesi und spezialisierte mich auf Sonderreisen, massgeschneiderte Expeditionen, Betreuung von Wissenschaftlern und internationalen Filmteams.

Über den Fotografen Martin Rietze

Martin Rietze

Martin Rietze ist Ingenieur für Elektrotechnik, passionierter Astrofotograf und Fachbuchautor.

Vor gut 20 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für aktive Vulkane und bereist seitdem den gesamten Globus, um Ausbrüche in atemberaubenden Bildern zu dokumentieren.

Die Carstensz-Pyramide ist zwar kein Vulkan aber die Trekkingtour dorthin und die Besteigung einiger Gipfel machten für ihn einen besonderen Reiz aus.

Mehr über Martin und seine Bilder auf www.mrietze.com.

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1 Kommentar

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1 Kommentar

Collin Key 29. April 2021 - 13:53

Sehr informativ und spannend!

Antworte Collin

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