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Tierwelt in Nord-Sulawesi: SAGENhaftes Sulawesi

von Melissa Schumacher

Wo Erdwärme Hühnereier ausbrütet, Schweine Geweihe tragen, Affen per Ultraschall kommunizieren, Schlangen mit Wärmebildkameras ausgerüstet sind und Frösche Kaulquappen zur Welt bringen. All das ist kein Jägerlatein oder entspringt der Sagen- und Märchenwelt Indonesiens. 

Erschreckend und beängstigend ist, dass 400 Millionen Vögel in den vergangenen 30 Jahren auf unserem Erdball verschwunden sind!  Innerhalb von 25 Jahren  wurden 60% der weltweiten Graslandschaften vernichtet und somit zahlreiche Schmetterlinge ausgerottet!

Die indonesische Insel Sulawesi kann, nach Madagaskar, die höchste Zahl endemischer Tierarten auf unserer Erde aufweisen. Viele darunter wurden durch den englischen Naturforscher Sir Alfred Russel Wallace entdeckt und bestimmt.

In den Nationalparks Nantu-Boliyohuto, Bogani Nani Wartabone, wie im Naturschutzgebiet Tangkoko Batuangus in Nord Sulawesi, finden seltene und auf dieser Sundainsel endemische Tierarten letzte Rückzugsgebiete.

Hier ein Tierportrait, von den Arten, die du in Nord Sulawesi beobachten kannst.

Helmhornvogel (Aceros cassidix)

Helmhornvogel

Eine besondere endemische Vogelart ist dieser bunte Hornvogel, der mit einer Flügelspannweite von bis zu zwei Metern zu den größten Vogeln auf dieser Insel zählt.

In Nord Sulawesi kann man diesen, zur Familie der Nashornvögel zählenden Vertreter, sehr gut im Tangkoko Naturreservat beobachten, wo er in den küstennahen Wäldern bis in einer Höhe von 1.100 Metern vorkommt. Dieses Reservat hat mit 51 Vögeln pro qkm die höchste Dichte an Hornvögeln weltweit!

Helmhornvögel sind monogam. Baumhöhlen dienen ihnen als Nistplätze, indenen das Weibchen 2 bis 4 Eier ablegt, sich mittels Nahrungsresten, Kot und Holzteilen zumauert und vom Männchen durch eine schmale Öffnung täglich gefüttert wird.

Nach ca. 16 Wochen ist die Brut flügge. Das Weibchen hämmert sich samt den Jungtieren frei, die dann selbst nach 4 Jahren ihre Geschlechtsreife erreichen.

Wasserhaltiges Fruchtfleisch, speziell von Feigen, die im Reservat häufig vorkommen, dient als Hauptnahrungsmittel. Aus diesem Grund müssen Nashornvögel recht selten trinken.

Däumlingspapageichen (Loriculus exilis)

Däumlingspapageichen

Mit einer maximalen Größe von 11 cm trägt er seinen deutschen Namen „Däumlingspapageichen“ zurecht.

Im englischen nennt man diesen auf Sulawesi endemischen Winzling „Red-billed Hanging-Parrot„, da er überwiegend kopfunter seine Nahrung, die aus Beeren und Früchten besteht, aufnimmt.

Da viele Menschen hier gerne Kleinpapageien in Käfigen halten, steht er bereits kurz vor der Bedrohung. Vögelfänger und  -händler erzielen hohe Preise für diesen Zwerg.

Hammerhuhn (Macrocephalon maleo)

Diese großen, bodenbewohnenden tropischen Hühnervögel mit ihren schwarzen, helmartigen Hauben auf dem Kopf, ernähren sich von Insekten, Schnecken, Sämereien und Früchten. Sie selbst betreiben keine Brutpflege, sondern lassen ihre bis zu 35 Eier, die sie in mehrtägigen Abständen legen, von vulkanischer Bodenwärme ausbrüten.

Zum Nestbau verwenden sie ihre großen Füße, weshalb man sie auch als Großfußhühner bezeichnet. Nach 60 Tagen schlüpfen die Jungen und sind bereits nach einem Tag flugfähig – was besonders wichtig ist, um vor ihren Fressfeinden (Schlangen, Warane, Wildschweine) zu fliehen.

Hammerhühnerpaare sind monogam und bleiben ein Leben lang zusammen. Von der IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen) wird das Hammerhun als stark gefährdet klassifiziert.

Celebes- Schwarzschwanznatter (Gonyosoma jansenii)

Schwarzschwanznatter

Unter den 60 Schlangenarten, die auf der Insel Sulawesi vorkommen, ist die Ular ungka sulawesi, wie sie auf indonesisch heißt, endemisch. Während diese bis zu 230 cm lange und kräftige Natter in Nord Sulawesi vielerorts von 100 bis 1.000 Höhenmeter vertreten ist, findet man sie im restlichen Sulawesi nur noch stellenweise.

Typisch ist der deutlich vom Kopf abgesetzte Hals und die zugespitzte Schnauze. Ihr langer, meist schwarz gefärbter Greifschwanz läuft dünn aus. Im Minahasa Hochland von Nord Sulawesi trifft man auf unterschiedliche Farbvarianten. Die 45 cm großen Jungtiere sind nach dem Schlüpfen  in der Regel grün und verfärben sich nach 18 Monaten zu grauen, gelblicholiven, sogar fast schwarzen Exemplaren.
Diese tagaktive auf dem Boden und in Bäumen lebende Celebes-Schwarzschwanznatter ernährt sich nicht nur von Ratten. Zu ihren Beutetieren zählen unter anderem auch Vögel.
Obwohl diese scheuen Reptilien absolut ungiftig sind, werden sie aus Unwissenheit und Angst von der lokalen Bevölkerung getötet.

Celebes Grubenotter (Tropidolaemus subannulatus celebensis)

Celebes Grubenotter

Eine 80 cm lange, baumbewohnende Giftschlange mit einem sechsten Sinn. Hierbei handelt es um das sogenannte Grubenorgan, mit dem die Viper Temperaturdifferenzen von Bruchteilen 1°C wahrnehmen kann.

Diese grubenartigen Vertiefungen am Kopf sind mit zahlreichen Nervenenden durchsetzt, die feinste Temperaturschwankungen in der Umgebung registrieren. Ein entscheidender Nachteil für die warmblütigen Beutetiere: das Kriechtier setzt in seinem Gehirn das  silhouttenhafte Bild seiner Beute zusammen, das dem von Wärmebildkameras gleicht. Mit einem gezielten Giftbiss lähmt die Grubenotter zuerst ihre Beute und stellt ihr solange hinterher, bis sie durch das Gift verendet ist. Kopfvoran wird diese dann verschlungen.

Sulawesi-Koboldmaki (Tarsier spektrum)

Kobaldmaki

Diese kleinste aller Primaten (Kopfrumpflänge: 10 – 11 cm, Schwanz mit buschiger Spitze: 20 -26 cm, Gewicht: 100 – 130 g) verfügt über einen einzigartigen Kommunikationskanal im Tierreich: sie kommunizieren im Hochfrequenz-Ultraschallbereich!

Ihre Rufe und Laute erreichen Frequenzen von über 70 Kilohertz, weit über dem menschlichen Hörvermögen, das bei 20 Kilohertz liegt.

Wissenschaftler von der Humbolt State University fanden heraus, dass sie auf verschiedenen Frequenzen  untereinander kommunizieren, um sich gegenseitig zu warnen aber auch um auf Beutetiere aufmerksam zu machen. Da weder ihre Fressfeinde, noch ihre Beutetiere diese Ultraschalllaute hören, bleiben sie sehr lange unbemerkt.

Eine Koboldmakiefamilie besteht aus 2 bis 6 Tieren die in einem Territorium von 1 – 4 ha Größe leben.

In Sulawesi gibt es einige Orte wie z.B die Inseln Siau, Sangihe, Manado Tua und das Tangkoko Natur Reservat, wo man diese nachtaktiven, endemischen Trockennasenprimaten u.a. beobachten kann.

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Schwarze Schopfmakake (Macaca nigra)

Schwarzkopfmakake

Die Yakis, wie sie von den Einheimischen genannt werden, sind eine sehr seltene Affenart, die nur in Nord Sulawesi und auf der Insel Manado Tua im Bunaken Nationalpark vorkommt. Mit dem Tangkoko Batuangus Reservat wurde 1980 ein 87 qkm großer Lebensraum für die letzten ihrer Art geschaffen.

Diese Primaten werden von den Minahasa gejagt. Einerseits weil sie Plantagen und Felder verwüsten, andererseits  ihres delikaten Fleisches wegen. Gerade vor christlichen Feiertagen findet man Affen auf den lokalen Märkten im Angebot. Die Abholzung der Regenwälder stellt ein weiteres, ernsthaftes Problem dar.

Mit bis zu  10 kg zählen sie zu den kleineren Makakenarten. Typisch sind ihre bernsteinfarbenen Augen und ihre Irokesenfrisur, die ihnen zu ihrem Namen verhielf.

Diese geselligen, tagaktiven Primaten leben in Gruppen bis zu 100 Tieren – Weibchen sind stets in der  Überzahl.

Die Tragzeit eines Muttertieres beträgt ein halbes Jahr bevor ein einzelnes Junges geboren wird. Meist fällt dies in die Regenzeit, inder die Wälder voll mit Nahrung sind. Nach 3-4 Jahren werden sie  Geschlechtsreif. Erreicht ein junges Männchen die Geschlechtsreife, muss es die Gruppe verlassen. Deshalb findet man auch reine Männergruppen, die sich allmählich ihren Harem suchen. Ihre Lebenserwartung wird auf 20 Jahre geschätzt.

Viel Zeit verbringen sie mit der Nahrungsaufnahme die aus Früchten, Beeren, Feigen, Kokosnüssen, Raupen und Vogeleiern besteht. Dabei legen sie täglich Distanzen von bis zu 10 Kilometern zurück

Sulawesi-Hirscheber (Babyrousa celebensis) 

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Er verdankt seinem Namen den geweihartigen Eckzähnen, die die Schnauzenhaut nach oben  durchstossen. Sein Lebensraum ist der tropische Wald, wobei er vorallem in flacheren, küstennahen Gebieten anzutreffen ist.

Diese tagaktiven, in Gruppen lebenden Schweine erwachen mit den ersten Sonnenstrahlen, verrichten ihre Morgentoilette und gehen auf Nahrungssuche. Mit Vorliebe knacken sie Nüsse mit ihren kräftigen Kiefern, verschmähen aber  Wurzeln und Früchte auch nicht. Den größten Teil ihrer Aktivitätszeit verbringen sie mit Suhlen und Schlammbaden.

Nach einer Tragezeit von ca. fünf Monaten bringt die Muttersau, die lediglich über zwei Zitzen verfügt,  bis zu zwei 800 Gramm schwere Frischlinge  zur Welt.

Außer dem Menschen hat der Hirscheber keine natürlichen Feinde. Ab und an jedoch fallen sie Phytons und Krokodilen zum Opfer.

Erfahrene Ranger und naturbegeisterte Guides bringen einem diese faszinierende Tierwelt näher. Selbst sollte man für Wildlifesafaries in Nord Sulsawesi  gut ausgerüstet sein. Dazu gehören Taschenlampe, Fernglas, Kamera, Regenschutz, Tagesrucksack mit ausreichend Trinkwasser, Snack, Insektenschutz und festes Schuhwerk.

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Text & Fotos (außer speziell markierte Fotos): Michael Leitzinger

Über den Autor: Michael ist Manager der Bobocha Cottages auf Siladen, Expeditionsleiter und so oft es geht in der Natur unterwegs. Neben Tauchen, Kochen und Bergsteigen erforscht er gerne unbekannte Inseln, undurchdringliche Regenwälder und Naturvölker. Für namhafte Fernsehsender organisiert er Drehs und ist seit 1990 vom Indonesien-Virus befallen.

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