Einmal quer durch’s Tangkoko-Batuangus-Duasaudara Naturreservat im Nordosten Sulawesis

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Ein Beitrag von Michael Leitzinger

Tangkoko-Batuangus-Duasaudara Naturreservat

Die Dua Saudara Vulkane im Tangkoko-Batuangus-Duasaudara Naturreservat von Nord Sulawesi sind touristisches Neuland und seltenst aufgesucht

Von den Dua Saudara Vulkanen zum Schwarzen Strand

Es ist später Nachmittag des 4. August 2011. Tief hängen die Wolken und verbergen die zwei Gipfel der Dua Saudara Vulkane. Im verträumten Bergdorf Dua Saudara geht jeder seiner Arbeit nach oder ruht sich von den Strapazen der Feldarbeit aus. Die Dorfjugend liefert sich ein Rennen mit knatternden Mopeds auf der wenig befahren Straße, die Bitung im Süden mit Likupang im Norden verbindet.

Pak Melky sitzt wie immer auf seiner Terrasse vor seinem schwarzen Kaffee und zieht genüsslich an einer Nelkenzigarette. Plötzlich läßt ein ohrenbetäubender Knall das Zirpen der Singzikaden für Minuten innehalten. Ein Feuerball steigt am Hang des 1.351 Meter hohen Gipfel auf – nimmt der für erloschen geltende Stratovulkan urplötzlich und unerwartet seine Aktivität wieder auf? Verängstigt rennen die Bewohner aus ihren Häusern, die Blicke in Richtung des Feuers gerichtet.

Leserfotoreihe: Giganten der Natur – Indonesiens Vulkane

Pak Meldy schiebt sich seine halbvolle Zigarettenschachtel in die Hemdtasche, schnürt sich sein Buschmesser um und startet zu Fuß in Richtung der Explosion. Er war der erste vor Ort. Erschreckend was er vorfand: ein am Hang zerschellter Hubschrauber mit toten Insassen.

Nein, einer war noch am Leben. Gemeinsam mit einem weiteren Herbeieilenden zogen sie ihn aus dem Wrack und brachten den Schwerverletzten unter großen Anstrengungen durch den unwegsamen Regenwald zur Hauptstraße. Den Weg zum Krankenhaus nach Manado überlebte er jedoch nicht mehr.

Stunden später berichtet die Nachrichtenagentur Reuters über diverse Kanäle:

Besatzung und Minenarbeiter der auf Halmahera (Molukken) gelegenen Goldmine Newcrest Mining verunglückten tödlich bei einem routinemäßigen Helikopterflug an einem Gebirge auf Sulawesi, 2.200 Kilometer von Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens, entfernt. Darunter befanden sich zwei Australier, zwei Südafrikaner und sechs Indonesier. Diese Goldmine zählt zu den größten der Welt.

Wir schmieden Pläne

Heute, es ist der 23. August 2017, sitzen wir auf Melkys Terrasse zusammen mit ihm. Seine Frau machte uns Kaffee, Zigaretten und Feuerzeug liegen auf dem Tisch. Als ob es erst gestern gewesen wäre, berichtet uns der fünfzigjährige Melky von seinem Rettungseinsatz.

Wir haben ihn besucht, um mehr über den wenig aufgesuchten südlichen Abschnitt des Tangkoko-Batuangus-Duasaudara Naturreservates (8.890 Hektar), dass 1942 von den Holländern gegründet wurde, zu erfahren.

Tangkoko-Batuangus-Duasaudara Naturreservat

Die mit dichtem Primärregenwäldern überzogene Gipfel kann man nur kletternd erklimmen und man trifft kaum Tiere in dieser luftigen Höhe an. Sie zieht es an die wenigen Flußläufe des Reservates – recht verständlich.

Da unser Augenmerk eher auf die Tierwelt, speziell auf die vielen endemischen Arten, gerichtet ist, verzichten wir auf die Gipfel und planen mit Melky eine Durchquerung.

Im Gepäck: Zelte, Isomatten, Schlafsäcke, Kocher, Campausrüstung und Verpflegung für mehrere Tage.

Im Team: Andrea und Carsten, zwei deutsche Biologen, eine handvoll Träger und Melky mit seinem Kumpel Jemmy.

Tangkoko-Batuangus-Duasaudara Naturreservat

Ein umgestürtzer Baum dient als Urwaldbrücke – nichts für Menschen mit Höhenangst!

Der Weg ist das Ziel

Wir folgen einem verzweigten Wegenetz das entlang von Feldern und Gärten führt. Bunte Schmetterlinge flattern von Blüte zu Blüte, uns unbekannte Vogelstimmen dringen aus den Wipfeln der Bäume.

Auch heute halten sich die Gipfel der Dua Saudara Vulkane versteckt hinter Wolken. Es ist schwül, unerträglich schwül. Der morgendliche Regen hat die Luftfeuchtigkeit fast an ihren Sättigungspunkt gebracht. Immer wieder wischen wir uns den Schweiß von der Stirn und wehren lästige Mückenangriffe ab.

Lesetipp: Warum Mückenschutz in Indonesien so wichtig ist

Vor Jahren baute die Reservatverwaltung einen Aussichtsturm, unser Rastplatz zur Mittagspause. Von hier aus hat man eine herrliche Sicht auf das Umland und siehe da, für wenige Minuten läßt sich der höhere Gipfel der Dua Saudara Vulkane blicken.

Tangkoko-Batuangus-Duasaudara Naturreservat

Am Fuße des höheren der Dua Saudara Vulkane (1.351 m.ü.d.M.). Urwald so weit das Auge reicht.

Dua Saudara heißt “die zwei Geschwister” und ist die Bergkulisse der Hafenstadt Bitung in Nord Sulawesi. Jemmy treibt zum Weitermarsch an, denn wir wollen noch bei Helligkeit den ersten Kumersut Wasserfall erreichen.

Ein hohler Pfad führt aus dem Waldgebiet auf eine weite Fläche, die mit Gras und Schilf zugewachsen ist. Einige einzelne Bäume ragen hervor, deren Blätter schon recht verwelkt sind. Die Sonne brennt erbärmlich nieder. Dieses Gebiet nennen sie Hutan Patar.

An dieser Stelle, so erläutert Jemmy, befand sich vor vielen vielen Jahren das Dorf Pawunongan, was so viel wie stagnierendes Wasser heißt. Während der holländischen Kolonialzeit verlegte man es an die damals neu errichtete Straße und tauften es in Felter Freden (Fiedensfeld). Heute trägt es den Namen des Vulkans, Dua Saudara.

Tangkoko-Batuangus-Duasaudara Naturreservat

Würgefeigen bieten Koboldmakis Unterschlüpfe und die Früchte schmecken den Nashornvögeln

Endlich wieder Schatten! Die Wipfel der Urwaldriesen schützen uns abermals vor der Sonne. Mächtige Würgefeigen mit einem ausgedehnten Wurzelwerk ragen in den Himmel hinein. Glattechsen huschen über den modrigen Urwaldboden und da, ein männlicher Flugdrache (Draco spilonotus) klettert an einem Baumstamm empor.

Immer wieder stoppt dieses zu den Agamen zählende Reptil , um seine orangefarbenen “Flügel” und seinen imposanten Kehlkopf zur Geltung zu bringen. Reines Imponiergehabe um die holde Weiblichkeit zu beeindrucken. Die Gleitflüge haben eine Weite bis 30 Metern. Dabei enststeht ein Höhenverlust von bis zu 8 Meter. Der Flug wird durch Drehungen des Schwanzes stabilisiert.

Dieser Flugdrache (Draco spilonotus)

Dieser Flugdrache (Draco spilonotus) möchte auf sich aufmerksam machen. Ob ihm das gelingt?

Dschungelcamp

Der Campingplatz, der uns für zwei Nächte als Basislager dient, liegt in einem engen Tal umgeben von hohen Felswänden, dichter Krautvegetation, mächtigen Bäumen, dornigem Ratan und nur wenige Meter vom oberen Kumersot Wasserfall entfernt, der über eine Länge von gut 20 Metern direkt aus dem Felsen entspringt. Diese Wasserader wird von vielen Tieren aufgesucht. Jetzt heißt es nur noch zu warten, sich auf die Lauer zu legen und sich vor allem in Geduld üben.

Tangkoko-Batuangus-Duasaudara Naturreservat

Der obere Kumersot Wasserfall entspringt aus einer Felsspalte. Sein Wasser ist bedenkenlos genießbar.

Melky hat uns nicht zu viel versprochen. Wir beobachten zahlreiche Helmhornvögel wie sie paarweise von Feigenbaum zu Feigenbaum fliegen um deren Früchte zu naschen. Auch die seltenen und kleineren Sulawesi Hornvögel bekommen wir kurz vor die Linse. Eichhörnchen huschen flink die Baumstämme auf und ab während handtellergroße Radnetzspinnen beharrlich auf Beute lauern.

Bei Einbruch der Dunkelheit erleben wir, wie die Koboldmakis aus ihren Schlafverstecken kriechen und von Ast zu Ast hüpfend nach Heuschrecken, ihre Leibspeise, Ausschau halten. Der Tag ist den schwarzen und endemischen Schopfaffen vorbehalten. Sie leben in Gruppenverbänden und können etliche Kilometer am Tag für die Nahrungssuche zurück legen.

Behebig bewegt sich ein Kuskus mit Jungtier im Baumwipfel und verschwindet langsam hinter großen Blättern als er uns entdeckt. Weniger Glück haben wir mit dem Palmroller, einer Unterfamilie der Schleichkatzen, die man in diesem Reservat ab und an zu Gesicht bekommen kann.

Tangkoko-Batuangus-Duasaudara Naturreservat

Campküche – einfach aber lecker! Nur gut gestärkt ist die mehrtägige Trekkingtour zu meistern

Lagerfeuerromantik in der Nacht. Doch der immer wieder einsetzende Regen zwingt uns frühzeitig in unsere Zelte.

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Tierwelt des Reservates

An dieser Stelle könnte ein umfassendes Bestimmungsbuch veröffentlicht werden. Konzentrieren wir uns jedoch lieber auf die Tiere, welche man mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einem mehrtägigen Besuch beobachten und zugleich fotografieren kann.

Der Tangkoko Vulkan

Unter Geologen war der Tangkoko-Ausbruch im Jahre 1680 ein Jahrhundertereignis. Teile seiner Asche, die kilometerweit in die Stratosphäre emporstieg und sich somit um unseren Globus verteilte, wurde viele Jahre später im grönländischen Gletschereis von Forschern datiert.

Es entstand ein 2 x 1 Kilometer großer Krater mit einer Tiefe von fast 200 Metern. 1801 bildete sich im Osten des Vulkans der Batu Angus (474 Meter), der aus basaltisch-andesitischer Lava besteht.

Tangkoko-Batuangus-Duasaudara Naturreservat

Das gewaltige Massiv des Tangkoko Vulkans. Sein letzter Ausbruch liegt 216 Jahre zurück.

Ein Pfad führt in fünf bis sechs Stunden vom Küstendorf Batu Putih aus zum mit Schilfvegetation bewachsenen schmalen Kraterrand auf 1.030 Meter. An dessen Hängen ranken fleischfressende Kannenpflanzen. Wissenschaftler der Universität Sam Ratulangi aus Manado bahnten sich vor fünf Jahren von hier aus einen Pfad auf den 119 Meter höheren, eigentlichen Gipfel, um das Vorkommen von Fledermäusen zu erforschen.

Lesetipps:

Strand von Batu Putih

Wir sind angekommen. Nach mehrtägigen Trekken und Durchschlagen, Pfade freihauen, umgestürzte Bäume umgehen, Berggrade auf- und absteigen, lästige Plagegeister vom Körper fern halten und immer mit offenen Augen und Ohren die Umgebung wahrnehmen, erreichen wir den schwarzen Sandstrand vom Dorf Batu Putih.

Es ist eine Wohltat die schweren Bergstiefel auszuziehen, die langen Hosen gegen kurze auszutauschen und barfuß über den warmen Sand zu laufen.

Tangkoko-Batuangus-Duasaudara Naturreservat

Die Bewohner von Batu Putih leben hauptsächlich vom Fischfang

Bunte Auslegerboote liegen am Strand. Kinder vergnügen sich im Wasser, Fischer flicken ihre Netze, Frauen schnippeln Gemüse vor ihren Häusern und Hunde tollen übermütig umher – eine unbeschreibliche Idylle!

Tangkoko-Batuangus-Duasaudara Naturreservat

Kinder schenken uns stets ein Lächeln

Zufrieden aber auch etwas erschöpft blicken wir zurück gen Süden, wo sich majestätisch der Tangkoko Vulkan aus dem dampfenden Regenwald erhebt.

Anreise: Zwei Stunden von Manado bzw. 2 ½ Stunden von Tomohon aus mit einem gecharterten Auto oder wer Zeit mitbringt mit öffentlichen Verkehrsmitteln via Terminal Tangkoko (kurz vor Bitung) nach Batu Putih.

Wohnen in Batu Putih: Hier stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis – Franky hat vor knapp zwei Jahren das Tangkoko Hill mit neun großzügigen Bungalows, Doppel- bzw. Einzelbetten (alle mit guten Moskitonetzen versehen), Klimaanlage und Ventilator, WC, Warm- und Kaltwasserduschen, WLAN, eröffnet. Bei einem Preis von IDR 450.000 für zwei Personen pro Nacht ist Frühstück, Mittag- und Abendessen inklusive. Nur Bargeldzahlung.

Spezialtouren: Tangkoko- und Dua Saudara-Besteigung, Wildlivesafaris, Vogelkundliche Touren wie Dschungeltrekking mit Campübernachtungen bietet Archipelago Explorer je nach Interessensschwerpunkt maßgeschneidert an.

Wichtig zu wissen: In Batu Putih gibt es keine ATMs. Ausreichend Bargeld in Rupiah mitführen.

Gut ausgerüstet: festes Schuhwerk, lange Hosen, langärmlige Hemden, Kopfbedeckung, Regenschutz, Moskitospray (z.B. No Bite, Anti Brumm, o.ä.), Tagesrucksack, ausreichend Trinkwasser, Pflaster, Desinfektionsspray, Snacks, Stirnlampe, Fernglas, …

Kamera + Zubehör, Ersatzakkus und evt. Stativ nicht vergessen!

Fotos & Text: Michael Leitzinger

[su_box title=”Über den Autor“]

Michael LeitzingerMichael ist Resortmanager der Montain View Resorts in Tomohon, Expeditionsleiter und so oft es geht in der Natur unterwegs. Neben Tauchen, Kochen und Bergsteigen erforscht er gerne unbekannte Inseln, undurchdringliche Regenwälder und Naturvölker. Für namhafte Fernsehsender organisiert er Drehs und ist seit 1990 vom Indonesien-Virus befallen.

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