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Geschichte Indonesien: Kolonien, Gewürzhandel & Diktatur

von Melissa Schumacher

Die Geschichte Indonesiens liest sich wie das Drehbuch von unzähligen Filmen. Königreiche, Kolonialmächte, Diktatur und Bürgerkriege – der Weg zur heutigen Republik Indonesien war steinig und hart.

Die zahlreichen Ethnien, Kulturen, Religionen und Sprachen, die heute noch im gesamten Archipel erhalten sind, lassen auf eine einzigartige und spannende Geschichte schließen.

In diesem Artikel nehmen wir dich mit auf eine spannende Reise in die Vergangenheit – von den ersten Java-Menschen, die vor über einer Million Jahren die Region besiedelten, bis hin zur heute drittgrößten Demokratie der Welt. 

Also, hol dir einen Bali Kopi, mach es dir gemütlich und tauche mit uns gemeinsam in die Geschichte Indonesiens ab.

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Geschichte Indonesien: Ein Überblick

Früheste Quellen der indonesischen Geschichte: Über den Java-Mann & die Dong-Son-Kultur

Über die Zeit vor dem Eintreffen der ersten Europäer existieren nur wenige Quellen. Wenn welche existieren, sind es einfache Steininschriften der Inseln oder chinesische und indische Aufzeichnungen. Erst mit dem Einzug der Kolonialmächte um 1500 werden die damaligen Ereignisse nachvollziehbarer.

Die Besiedlung Indonesiens begann wahrscheinlich bereits vor über einer Million Jahren, als der Meeresspiegel niedriger und die Inseln Borneo, Sumatra, Java und Bali über eine Landzunge mit dem asiatischen Kontinent verbunden waren.

Das Skelett eines Java-Mannes, das in Zentral-Java gefunden wurde, ist über eine Million Jahre alt. Ein weiterer Skelett-Fund im Jahr 2003 auf der Insel Flores lässt auf eine Bevölkerung der Insel vor rund 100.000 bis 60.000 Jahren schließen.

Die heutige indonesische Bevölkerung stammt größtenteils von austronesischen Völkern ab, die in mehreren Einwanderungswellen in die Region kamen. Sie breiteten sich zwischen 4.000 bis 500 v. Chr. von Taiwan bis auf die philippinischen Inseln aus.

Die Dong-Son-Kultur aus Vietnam und China erreichte etwa 1.000 v. Chr. die Region und brachte Reisanbautechniken, Webmethoden, Bronzeguss und traditionelle Rituale mit sich.

Viele Rituale davon haben sich bis heute gehalten und werden weiterhin praktiziert, u. a. von den Batak auf Sumatra, den Toraja auf Sulawesi und in Teilen Kalimantans und Nusa Tenggara.

Die Reisproduktion etablierte sich im ersten Jahrhundert n. Chr. auf Java. Die konstant hohe Temperatur, der hohe Niederschlag und der Vulkanboden eigneten sich optimal für den Nassreisanbau.

Seehandel: Erste Kontakte mit Hinduismus & Buddhismus

Dominierender Glaube zu jener Zeit war der Animismus, der eng mit der Ahnenverehrung verknüpft war.

Indische Aufzeichnungen weisen jedoch bereits 200 v. Chr. auf ein hinduistisches Königreich auf Java und Sumatra hin. Die ältesten Kunstwerke hinduistischer Kunst stammen aus dem 3. Jahrhundert und wurden in Form von hinduistischen Statuen auf Sulawesi und Sumatra gefunden. 

Wie und wann genau der Hinduismus in die Region kam, ist unklar – sicher ist, dass der Seehandel entscheidend für die religiöse Entwicklung des Landes war. Die Seidenstraße, die China mit Indien verband, brachte hinduistische und buddhistische Einflüsse mit sich. 

Indonesiens Lage und Produkte wie Gewürze, Gold und Benzoe (aromatischer Harz aus dem Benzoe-Baum) spielten bei den Handelsentwicklungen zwischen Indien und China eine wichtige Rolle.

Die Gewürze kamen aus Kalimantan und von den Gewürzinseln (Molukken) und wurden von indischen und südostasiatischen Kaufleuten zu chinesischen oder mediterranen Märkten transportiert und weiterverkauft.

Der Animismus war einst der vorherrschender Glaube in Indonesien: Der Begriff Animismus leitet sich vom griechischen anemos bzw. dem lateinischen animus ab und bedeutet übersetzt so viel wie Wind, Seele oder Geist. Animismus beschreibt den Glauben an die Beseeltheit aller Lebewesen und Objekte. Das Zusammenleben findet meist in kleineren Gemeinschaften statt, die sich mit Handwerk und Landwirtschaft versorgen. Geister und Tote werden geehrt, da sie nach animistischem Glauben den Lebenden weiterhin helfen und natürliche Ereignisse beeinflussen können. Das Gleiche gilt für böse Geister – sie werden in der Regel mit Opfergaben und Zeremonien milde gestimmt. 

Bedeutende hinduistische und buddhistische Königreiche in Indonesiens Geschichte

Bedeutende vorkoloniale Königreiche waren vor allem auf Sumatra und Java zu finden. Um ihre weitläufigen Reiche zusammenzuhalten, ließen Herrscher sich in der Regel als Götter verehren.

Im 5. Jahrhundert entstand das buddhistische Königreich Srivijaya auf Sumatra, der malaiischen Halbinsel und West-Java. Dank seiner günstigen Lage entwickelte es sich zur ersten großen Seehandelsmacht Indonesiens und hatte seinen Höhepunkt im 7. Jahrhundert.

Das Königreich war in ganz Südostasien bekannt und kontrollierte den Handel an der Straße von Malakka, einer Meerenge zwischen der malaiischen Halbinsel und der Nordostküste Sumatras.

Seinen Reichtum erhielt das Königreich hauptsächlich aus dem Handel, bei dem arabische, persische und indische Händler ihre Waren in die Küstenstädte brachten und gegen chinesische oder lokale Produkte eintauschten. Das Königreich Srivijaya bestand bis ins 14. Jahrhundert.

Im 8. und 9. Jahrhundert erblühte in Zentral-Java das buddhistische Königreich Sailendra und fast zeitgleich das hinduistische Königreich Mataram.

Im Gegensatz zu Srivijaya entwickelten sich diese beiden Königreich dank einer hohen Anzahl an menschlicher Arbeitskräfte zu Agrargesellschaften.

Sie standen unter großem indischen Einfluss und ließen im 9. Jahrhundert die prächtigen Bauwerke Borobudur und Prambanan bauen.

Ende des 10. Jahrhunderts erlebte Mataram einen Rückgang seines Einflusses und mit ihm eine Verlagerung des Machtzentrums von Zentral- nach Ost-Java. Hinduistische Elemente vermischten sich mit der buddhistischen Lebensweise und die javanische Kultur florierte

Eine Reihe kleinerer Königreiche folgten, zu denen jedoch wenige Informationen vorhanden sind. Eines davon war das Reich Kahuripan, das später als Kediri bekannt wurde. Es wurde von Airlangga, dem ersten König von Java mit balinesischer Herkunft, gegründet. 

Majapahit war das letzte große hinduistische Reich, das im Jahr 1293 aus dem Reich Singhasari entstand. Seine Hauptstadt befand sich in der Nähe von Surabaya. Majapahit expandierte schnell und erlebte seine militärische und handelstechnische Blütezeit im 14. Jahrhundert.

Mit seiner Eroberung von Palembang, der Hauptstadt von Srivijaya, sorgte es im 14. Jahrhundert für den Untergang des letzten buddhistischen Königreiches.

Lesetipp: Religion in Indonesien: Ein spannender Überblick

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Der Prambanan Tempel in Java
Die Tempel Borobudur und Prambanan laden zu einem Abstecher in Indonesiens Geschichte ein

Einzug des Islam in die Geschichte Indonesiens

Die Ankunft des Islam stellte einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte Indonesiens dar. Einige Provinzen, wie Aceh auf Nord-Sumatra, kamen wahrscheinlich schon sehr früh (im 8. oder 9. Jahrhundert) mit dem Islam in Berührung. Grabsteine aus Nord-Sumatra weisen auf ein islamisches Königreich im 11. Jahrhundert hin.

Der Handel mit muslimischen Händlern war verantwortlich für die Ausbreitung der Religion.

Im 15. und 16. Jahrhundert entstanden entlang der Handelswege mehrere kleine islamische Königreiche und Sultanate.

Als nach und nach die Bevölkerung konvertierte, wurde der Islam die dominierende Religion im Archipel.

Ein weiterer Grund für die Ausbreitung war das Sultanat von Malakka, das die malaiische Halbinsel und später Südsumatra beherrschte. Es entwickelte sich zu einer wichtigen regionalen Seemacht und galt als Zentrum des Islam.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts konnte das gewaltige Majapahit-Reich der Islamisierung nicht mehr standhalten und schaffte mit seinem Untergang die Grundlage für neue, kleine muslimische Staaten.

Angehörige der königlichen Familie, Mitarbeiter des Hofes, Priester und Intellektuelle suchten Zuflucht auf Bali und sorgten dort für den Erhalt des einst im Archipel dominierenden Hinduismus.

Die Europäer, die im folgenden Jahrhundert die Region erreichten, waren zwar den indonesischen Königreichen militärisch stark überlegen, aber bei der Verbreitung des Christentums weniger erfolgreich.

Zu jener Zeit existierten eine Vielzahl an weiteren einflussreichen Sultanaten im Archipel, u. a. das Sultanat von Aceh, von Demak, von Mataram und die kleineren Sultanate von Ternate und Tidore.

Einleitung des Gewürzhandels in die Geschichte Indonesiens

Portugal stieß als erste europäische Macht bis ins indonesische Archipel vor. Beeindruckt von dem Reichtum der kleinen Staaten, leiteten sie den Gewürzhandel zwischen Europa und Indonesien ein.

Durch die militärische Eroberung strategisch wichtiger Handelspunkte versuchten sie, den gesamten Handel in Südostasien zu kontrollieren.

Im Jahr 1511 gelang ihnen zwar die Eroberung des Sultanat von Malakka, doch eine komplette Kontrolle blieb aus.

Handels- und Kaufleute wichen auf andere Häfen und Umschlagplätze auf Java und Sumatra aus, was den zunehmenden Handel nur schwer kontrollierbar machte.

Das Herzstück der indonesischen Geschichte: Die Gewürzinseln

Die Molukken, die berühmten Gewürzinseln, waren zu jener Zeit hart umkämpft, da sie die begehrten Gewürznelken und Muskatnuss lieferten.

Die Portugieser erreichten die Inseln im Jahr 1512 und errichteten in Abstimmung mit dem Sultan von Ternate einen Stützpunkt auf der gleichnamigen Insel. Dieser wurde schnell zum Zentrum portugiesischer Aktivitäten in der Region.

Tidore, die Nachbarinsel von Ternate, ging unterdessen ein loses Bündel mit den Spaniern ein, die dasselbe Ziel wie die Portugieser verfolgten. Ihr Einfluss blieb jedoch im Vergleich zu den Portugiesen – und später den Niederländern – gering. 

Als die Portugiesen im Jahr 1575 schließlich durch den Sultan von Ternate vertrieben wurden, verlagerten sie ihr Zentrum nach Ambon.

Ternate blieb ein expandierendes Handelsreich, bis die Spanier es im Jahr 1606 eroberten und sich dort – trotz des Einzuges der Niederländer – bis 1663 halten konnten.

Das spanische Fort auf Tidore wurde indes im Jahr 1605 von den Niederländern erobert.

Lesetipp: Die kuriose Kolonialgeschichte der Banda Inseln

Die Banda Inseln im 16. Jahrhundert – Quelle (Wikivisually)

Die niederländische Ostindien-Kompanie (VOC)

Die Niederländer erreichten um 1600 die indonesischen Inseln. Sie erkannten das Potenzial des Gewürzhandels und etablierten sich schnell als Herrscher der Region.

Fast 350 Jahre kontrollierten sie das Archipel und machten Niederländisch-Indien zu einem ihrer wertvollsten Besitztümer.

Am Anfang ihrer Herrschaft stand die niederländische Ostindien-Kompanie (VOC), eine Fusion konkurrierender Handelsunternehmen unter Führung der niederländischen Regierung. Sie wurde 1602 gegründet und übernahm dank militärischer Unterstützung die wichtigsten Stützpunkte der Spanier und Portugiesen auf den Gewürzinseln.

Die Portugiesen wurden Richtung Osten zurückgedrängt, wo sie sich auf dem östlichen Teil von Timor (Portugiesisch-Timor) bis 1975 (!) als Kolonialmacht halten konnten. 

Auf der Suche nach einer festen Basis entlang der Handelsrouten der Straßen von Malakka erhielten die Niederländer 1610 vom Herrscher Jayakartas (dem heutigen Jakarta) die Erlaubnis, ein Lager zu errichten. Zur gleichen Zeit erteilte der Herrscher den Briten ebenfalls Handelsrechte in der Region – sehr zum Missfallen der Niederländer. Als die Beziehungen sich verschlechterten, zerstörte die VOC 1619 die Stadt und errichtete Batavia, eine neue Hauptstadt nach dem Vorbild Amsterdams.

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Die Muskatprinzessin von Christoph Driessen

Amsterdam, frühes 17. Jahrhundert: Eva sieht sich gezwungen, ihre Heimat Holland zu verlassen, um mit dem wohlhabende Generalgouverneur der Vereinigten Ostindischen Compagnie nach Ostindien zu ziehen. Acht Monate dauert die Fahrt nach Batavia, um sodann wie ein Herrscherpaar in ihrer neuen Heimat empfangen zu werden. Die Welt, in die Eva nun eintaucht, könnte andersartiger nicht sein.

Batavia sollte das Zentrum innerasiatischen Handels von Japan nach Persien werden. Die VOC genoss eine Monopolstellung.

Dank einer Vereinbarung mit dem Sultan von Ternate erhielt sie die Kontrolle über die Herstellung der Gewürznelken. Mit der Besetzung der Banda Inseln in den Jahren 1609 bis 1621 folgte die Kontrolle über den Muskatnuss-Handel. Verschiedene Abkommen mit Sultanen anderer Inseln verstärkte ihre Monopolstellung zusätzlich.

Die Umsetzung der VOC-Politik hatte fatale Folgen für die einheimische Bevölkerung, die Versklavung, Ausbeutung und Ermordung ausgesetzt war. Die Kontrolle über die Banda Inseln kam mit der fast vollständigen Ausrottung der indigenen Bevölkerung einher. 

Ende des 18. Jahrhunderts verstrickte sich die VOC immer tiefer in die Politik islamischer Staaten und beteiligte sich an Kriegen. Zur gleichen Zeit verlagerte sich der Handel langsam auf Kaffee, Tee und Zucker – Produkte, auf die kein Monopol möglich war.

Als die VOC ihre Kosten nicht mehr decken konnte, wandte sie sich an die Regierung. Eine eingeleitete Untersuchung ergab Misswirtschaft, Korruption und schließlich Insolvenz.

Lesetipp: Kota Tua Jakarta: Auf Spurensuche der Kolonialzeit

Niederländische Kolonialherrschaft in der indonesischen Geschichte

Im Jahr 1799 wurde die VOC aufgelöst und das Handelsimperium zu einem Kolonialimperium: Niederländisch-Indien

Der Großteil von Java wurde zur niederländischen Plantage. Die anfangs von den Bauern fällige Pachtgebühr wurde im Jahr 1830 durch das System Tanam Paksa (Pflanzpflicht) ersetzt. Statt Steuern zu zahlen, mussten einheimische Bauern entweder auf dem eigenen Land 20 % staatliche Pflanzen anbauen oder 60 Tage im Jahr auf staatlichen Plantagen arbeiten. Die Praxis ging meist weit über die offiziellen Angaben hinaus. 

Zudem mussten die Bauern Pflanzen wie Indigo und Zucker anbauen – was einen Rückgang der Reisproduktion zur Folge hatte. Was folgte, waren Hungersnöte und Epidemien in den 1840er Jahren

Währenddessen wurden die Waren nach Europa geschifft und dort gewinnbringend verkauft, was den niederländischen Kolonialherren großen Wohlstand einbrachte.

Zu jener Zeit lieferte Indonesien den größten Teil von Chinin und Pfeffer der Welt, ein Viertel aller Kokosnussprodukte, mehr als ein Drittel Kautschuk und fast ein Fünftel des Kaffees, Tees und Zuckers

Aufgrund zunehmender öffentlicher Kritik wurde das Tanam Paksa im Jahr 1870 abgeschafft. Von nun an konnten Privatunternehmer von den einheimischen Bauern Land pachten und eigene Plantagen anlegen. Einheimische Landwirte mussten zwar keine Exportwaren mehr anbauen, doch stand ihnen weiterhin wenig Land für die Reisproduktion zur Verfügung.

Um ihre steigenden Gewinne und Interessen im gesamten Archipel zu schützen, brachten die Niederländer immer mehr Gebiete unter ihre direkte Kontrolle. Bis zu ihrer Besetzung Mitte des 20. Jahrhunderts hatten sie sich auf dem gesamten indonesischen Archipel ausgebreitet.

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Liebe und Tod auf Bali – Vicki Baum

Die Autorin schildert in ihrem Roman das von Ritualen bestimmte Leben eines balinesischen Dorfes und seine Vernichtung durch die holländischen Kolonisatoren am Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie fängt den Moment eines historischen „Weltuntergangs“ ein, in dem sich die Poesie vom Leben und Sterben einer östlichen Tradition verdichtet.

Indonesien litt über 300 Jahre lang unter dem Daumen der niederländischen imperialistischen Unterdrückung – Foto: Public Image

Britische Besetzung und der Krieg auf Java

Im frühen 19. Jahrhundert besetzten die Briten ebenfalls einige Teile der Region, u. a. Ambon, Ternate und Java.

Im Jahr 1816 gaben sie die Kontrolle an die Niederländer zurück und unterzeichneten in einem Vertrag den Tausch des britischen Bengkulu in Sumatra gegen das niederländische Malakka.

Die europäischen Großmächte hatten sich zwar zu ihrer Zufriedenheit arrangiert, doch die Indonesier blieben alles andere als zufrieden zurück. Es folgten Aufstände und Kriege gegen die Niederländer auf Java (1825-1830) und Sumatra (1821-1838). 

Angeführt wurden die Guerillakriege von Diponegoro, der älteste Sohn des Sultans von Yogyakarta. Die Menschen verehrten ihn als zukünftigen König, der sie von kolonialer Unterdrückung befreien würde.

Etwa 8.000 europäische und 7.000 indonesische Soldaten der niederländischen Armee sowie mindestens 200.000 Javaner starben. Der Java-Krieg endete mit Friedensverhandlungen und einer Verbannung Diponegoros nach Sulawesi.

Zu seinen Ehren wurden in ganz Indonesien Hauptstraßen nach ihm benannt. Außerdem wurde sein Geschicht auf den 1000 Rupiah-Schein von 1975 abgedruckt.

Die Verhaftung von Diponegoro – Bild: Raden Saleh
Diponegoro auf dem 1000 Rupiah-Schein im Jahr 1975

Erste nationalistische Bewegungen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts keimte unter indonesischen Intellektuellen erster Widerstand auf. Nicht ganz unschuldig daran war die im Jahr 1901 von den Niederländern umgesetzte „Ethische Politik“.

Ausgangspunkt für diese Politik war die Überzeugung, als „Mutterland“ verpflichtet zu sein, die einheimische Bevölkerung wirtschaftlich und politisch in einen höheren Stand zu „erheben“. 

So ermutigte die Kolonialregierung javanische Landwirte, auf weniger bevölkerte Inseln umzusiedeln, investierte in Gesundheitsprogramme, förderte die Ausbildung der Einheimischen und unterstütze gesellschaftliche Initiativen. Dabei entwickelte sich eine kleine javanische Elite, die in der höheren Bildung und Verwaltung arbeiten konnte und als Keimzelle der Unabhängigkeitsbewegung gilt.

Die erste antikoloniale Massenbewegung entstand im Jahr 1912 mit der islamischen Vereinigung Sarekat Islam (SI).

1919 richtete die Kolonialregierung als Reaktion eine Volksvertretung ein, die jedoch nur von wenigen Einheimischen gewählt werden konnte.

1926 entstand die Kommunistische Partei Indonesien (Partai Komunis Indonesia PKI), die einst eine Splittergruppe innerhalb der SI gewesen war. Die PKI war die erste vollwertige indonesische Partei, die sich für die Unabhängigkeit Indonesiens einsetzte und ihre Unterstützung hauptsächlich bei Arbeitern in den Industriestädten fand. Sie ermutigte die Bevölkerung und rief zum revolutionären Befreiungskrieg auf. Die Niederländer reagierten prompt – mit Verhaftungen Tausender Parteimitglieder.

1927 gründete Sukarno die Partai Nasional Indonesia (PNI), eine Partei, die sich dem Kampf um die Unabhängigkeit widmete und stark von indonesischem Nationalismus geprägt war. Da sie eine Bedrohung für die Kolonialregierung darstellte, wurden auch ihre Parteimitglieder in den folgenden Jahren verfolgt und verhaftet. 

Trotz Unterdrückung fand die nationalistische Bewegung eine einheitliche Stimme und spiegelte sich 1928 in den drei Idealen der indonesischen Jugend wider: ein Land (Indonesien), eine Nation (indonesisch) und eine Sprache (Bahasa Indonesia).

Obwohl die nationalistische Stimmung in den 1930er Jahren hoch war, lag die Unabhängigkeit mit vielen ihrer Führer im Gefängnis oder Exil in weiter Ferne. 

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Japans Einzug in die indonesische Geschichte

Die Situation änderte sich mit dem Zweiten Weltkrieg, in dessen Folge Japan im März 1942 nach Batavia einzog. Die Stadt wurde zu Jakarta umbenannt und die indonesische rot-weiße Flagge wehte neben der japanischen aufgehenden Sonne im Wind. Alle Spuren der ehemaligen niederländischen Kolonialmacht wurden beseitigt.

Die anfangs gefeierte „Befreiung“ durch die Japaner gab Auftrieb für die antikoloniale Bewegung.

Doch während der dreijährigen Besatzungszeit wurden die Indonesier schnell eines Besseren belehrt – die japanischen Besatzer bauten ein Regime des Schreckens und der Willkür auf.

Sukarno arbeitete mit den Japanern zusammen und konnte sich zusammen mit Mohammad Hatta als Führer der nationalistischen Bewegung etablieren. Zu jener Zeit entstand die Pemuda, eine radikale Jugendgruppe, die die Unabhängigkeit vorantrieb und Sukarno und Hatta schließlich dazu zwang, die Unabhängigkeit auszurufen.

Strafende Sonne, lockender Mond von Alice Ekert-Rozholz

Im Auf und Ab der Schicksale von Kolonialgewaltigen folgen wir der jungen Ärztin Jo van Swanenburgh. Die dramatische Geschichte dieser Frau ist verwoben in die bewegten Lebensläufe von Familien, die in dem chaotischen Wandel der Zeit vielfältigen Prüfungen ausgesetzt sind. Zuckerkönige auf Java sowie Reeder, Tabak- und Kautschukmagnaten verlieren im 2. Weltkrieg Tradition und Besitz. In diesem Roman erleben wir ein Stück Überseegeschichte.

Kampf um die Unabhängigkeit (1945-1949)

Nach der Niederlage der Japaner verkündeten Sukarno und Hatta am 17. August 1945 die Unabhängigkeit. Die Japaner, die nach ihrer Kapitulation auf einen Verbündeten im asiatischen Raum hofften, duldeten und unterstützten stillschweigend die Aktion. 

Die Freude der Indonesier über ihre gewonnene Freiheit währte nicht lange, da die Niederländer nach dem Zweiten Weltkrieg in ihre wertvollste Kolonie zurückkehren wollten. Britische Truppen, die im Oktober 1945 auf Java landeten, versuchten zunächst neutral zu bleiben, verließen die Region jedoch im November 1946 wieder, als 55.000 niederländische Truppen einmarschierten.

Die ehemaligen Kolonialherren und die Unabhängigkeitsbewegung lieferten sich blutige Kämpfe und in den darauffolgenden vier Jahren kamen rund 300.000 Menschen ums Leben – die Mehrheit von ihnen auf indonesischer Seite.

Die radikale Pemuda befürwortete den bewaffneten Kampf und beschuldigte die „alte“ Führung als Verräter der Revolution. 

Im Linggarjati-Abkommen im November 1946 erkannten die Kolonialherren die indonesische Regierung zwar an, doch nur auf Java, Sumatra und Madura. Diese indonesische Republik sollte Teil einer Gemeinschaft unabhängiger Staaten unter niederländischer Verwaltung werden. 

Der Kampf um die Unabhängigkeit schwankte zwischen Krieg und Diplomatie, als die Niederländer in den Jahren 47/48 weitere militärische Offensiven starten. Schließlich verloren die Niederländer die Sympathie der Weltöffentlichkeit und die UNO sah sich gezwungen, einzugreifen

Auf Druck der USA hin wurden im August 1949 erneut die Verhandlungen aufgenommen. Am 27. Dezember 1949 wurde endlich die indonesische Flagge gehisst – die Niederländer hatten die Unabhängigkeit Indonesiens anerkannt.

Sukarno, begleitet von Mohammad Hatta, erklärt am Freitag, 17. August 1945 die Unabhängigkeit Indonesiens – Foto: Frans Mendur 

Chaotische Verhältnisse in der späten Geschichte Indonesiens

Die beiden Führer der Nationalbewegung, Sukarno und Hatta, wurden die ersten Staats- und Vizepräsidenten. Trotz des Versuchs Sukarnos, mithilfe der indonesischen Ideologie Pancasila die Bevölkerung zu vereinigen, war die indonesische Gesellschaft gespalten.

In der Politik existierten die kommunistische PKI, Sukarnos PNI und die islamischen Parteien Masyumi und Nahdatul Ulama. 

Der Mangel an standardisierter Bildung, Organisation und die kulturelle Vielfalt kreierten chaotische Verhältnisse. Große regionale Unterschiede hinsichtlich der Traditionen, Moral und Religionen sorgten für Uneinigkeit im Land.

Die Angst, dass die neuen politischen Herrscher aus Jakarta kommen würden, rief zahlreiche separatistische Bewegungen hervor. 

Die militante Gruppe Darul Islam proklamierte den islamischen Staat und führte von 1949 bis 1962 Guerillakriege in den Regionen West-Java, Süd-Sulawesi und Aceh durch.

Unterdessen versuchten ambonesische Mitglieder der ehemaligen niederländischen Armee auf den Molukken einen unabhängigen Staat aufzubauen. 

Nach jahrelangen Kriegen und Konflikten war die Wirtschaft Indonesiens am Boden. Die Bevölkerung wuchs, die Nahrungsmittelproduktion war gering und die Exportwirtschaft gleich null. Der Analphabetismus war hoch und es gab keine Fachkräfte im Land.

Sukarno: von parlamentarischer Demokratie zu gelenkter Demokratie

Als im Jahr 1955 schließlich die ersten Wahlen stattfanden, erhielten keine der Parteien mehr als ein Viertel der Stimmen.

Sukarno, der das Land von 1955 bis 1967 regierte, kritisierte die parlamentarische Demokratie. Er suchte nach einem System, das auf traditionellem Dorfdiskussions- und Konsenssystem beruhte und stützte sich dabei auf eine dreiteilige Gewaltenteilung: Nationalismus (nasionalisme), Religion (agama) und Kommunismus (komunisme) – abgekürzt: Nas-a-kom.

Dennoch konnte Sukarno die Spannungen zwischen diesen drei Kräften nicht komplett auflösen. Um seine Macht zu halten, verließ er sich immer mehr auf das Militär. Ab 1957 regierte er das Land in einer „gelenkten Demokratie“, die ihm mehr Kontrolle verlieh und ihm die Möglichkeit gab, die nationale Einheit zu wahren. Zu jener Zeit übernahm das Militär viele der ehemaligen niederländischen Firmen und erhöhte schlagartig seinen Wohlstand.

Außenpolitisch verfolgte Sukarno die Politik Konfrontasi. Vereint gegen die Bedrohung von außen ging er auf Konfrontationskurs mit Malaysia, deren Gründung ihm ein Dorn im Auge war.

Auch mit den verhassten Niederländern legte er sich 1960 an und verlangte die Übergabe der noch unter niederländischer Verwaltung stehenden Provinz Irian Jaya (heute Papua und West Papua).

Auf Druck der USA wurde das Gebiet schließlich an Indonesien übergeben. Neun Jahre später, im Jahr 1969, wurde die Region durch einen manipulierten Volksentscheid Teil Indonesiens. Bis heute kämpfen beide Provinzen um ihre Unabhängigkeit von Indonesien.

Sukarnos Außenpolitik hatte fatale Folgen. Die USA zogen ihre finanziellen Hilfen zurück und das ohnehin angeschlagene Land rutschte noch tiefer in die Armut.

Die Massaker der Jahre 1965 und 1966

Die Spannungen zwischen der PKI und dem Militär nahmen weiter zu, bis sie sich schließlich in gewaltsamen Zusammenstößen entluden. Am 30. September 1965 wurden sechs der besten Generäle Indonesiens bei einem Putschversuch in Jakarta ermordet. 

Die wirklichen Hintergründe dieses Ereignisses liegen bis heute im Dunklen, jedoch hatten sie verheerende Auswirkungen. Haji Mohamed Suharto, ein rechtsgerichteter, proamerikanischer General, beschuldigte die PKI und ergriff sofortige Gegenmaßnahmen. Er organisierte eine Antikommunismus-Welle, die mindestens 500.000 bis zwei Millionen Menschen das Leben kostete

In den Dörfern eskalierten die Spannungen zwischen pro-islamischen und pro-kommunistischen Gruppen und Chaos brach aus. Kommunisten, Sympathisanten und chinesisch-stämmige Bürger wurden zu Hauptfeinden der Nation erklärt und systematisch verfolgt.

Die PKI und weitere Mitgliedsorganisationen wurden verboten, ihre Führer getötet oder ohne Gerichtsverfahren in Gefangenenlager gebracht. Tausende Beamte wurden als Sympathisanten der Kommunisten verdächtigt und entlassen. 

Im Laufe dieser Einschüchterungskampagne wurde Sukarno im Jahr 1967 entmachtet. Bis zu seinem Tod im Jahr 1970 blieb er unter Hausarrest. Die Hintergründe hierfür liegen ebenfalls bis heute im Dunkeln. 

Damals bildeten die Massaker der Jahre 1965 und 1966 die Grundlage für das Regime Suhartos und dessen Staatsideologie der „Neuen Ordnung“.

Bis heute wurden die Ereignisse von der indonesischen Gesellschaft weder aufgearbeitet noch Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. 

Filmtipp: The Act of Killing – ein aufrüttelnder Dokumentarfilm des indonesischen Völkermordes. Mit diesem Film versucht der Regisseur Oppenheimer die Täter dazu zu bringen, ihre grausigen Taten zu reflektieren. In einem Klima, in dem sogar das staatliche Fernsehen die Mörder immer noch feiert, ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen.

Filmtipp: The Look of Silence – Eine Familie erfährt, wie ihr Sohn während des indonesischen Massaker ermordet wurde, sowie die Identität der Mörder. Dieser beispiellose Film zeugt vom Zusammenbruch des jahrelangen Schweigen.

Suharto und seine „Neue Ordnung“

Suharto übernahm bereits im Jahr 1967 die Position des Präsidenten, bevor er 1968 vom Kongress zwar offiziell, aber unter Druck, dazu gewählt wurde.

Die „gelenkte Demokratie“  wird die „Neue Ordnung“.

Unter dem Diktator öffnete sich das Land für ausländische Investoren und erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Der Zugang zu den natürlichen Ressourcen Indonesiens, allen voran Öl, waren ein Grund dafür, dass sich die Beziehungen zum Westen verbesserten

Während Suharto außenpolitisch ein gern gesehener Gast war, zeigte er innenpolitisch keine Gnade. Mit dem Verbot aller Parteien (außer seiner eigenen Partei Golkar), schaltete er jegliche Opposition aus. Kandidaten wurden disqualifiziert und ihre Wähler entrechtet. Mit der Beseitigung der Kommunisten und seiner repressiven Politik kehrte vorerst politische Stabilität in das Land ein.

Unter Suhartos Herrschaft fiel die völkerrechtswidrige Besetzung Osttimors im Jahr 1975, bei der insgesamt mehr als 30 Prozent aller Einwohner umgebracht wurden.

Auch in der Region Irian Jaya wurden zu jener Zeit mit der Ermordung und Vertreibung einheimischer Papuas massivste Menschenrechtsverletzungen begangen.

Die Diskriminierung der chinesischen Minderheit wurde weiterhin fortgesetzt.

Das Leben wurde wirtschaftlich für viele Indonesier erträglicher, doch der Alltag war von Korruption, Bestechung und Vetternwirtschaft geprägt. Die Empfänger des neuen Reichtums waren in erster Linie Suharto, seine Familie und seine Geschäftspartner. 

Saman von Ayu Utami

Der katholische Priester Saman stößt über sein Engagement für unterdrückte Kleinbauern auf den indonesischen Widerstand. Er verliebt sich in eine Menschrechtsanwältin und emigriert nach New York. Das Buch thematisiert das schwierige Verhältnis zwischen Muslimen und Christen in Indonesien – sowie den Hass auf die chinesische Minderheit.

Staatsbesuch – Indonesien, Präsident Suharto in Berchtesgaden (Gut Schubert)

Massenproteste im Jahr 1998

Die Asien-Krise im Jahr 1997 hatte für Indonesiens Wirtschaft, Regierung und Gesellschaft fatale Folgen.

Während Waldbrände Tausende von Hektar Land zerstören, verzeichnete die indonesische Rupiah einen starken Wertverlust. Die Regierung Jakartas musste sich eingehender Prüfungen durch die Weltbank und den IMF unterziehen. 

Der IMF versprach finanzielle Unterstützung, verlangte jedoch im Gegenzug die Durchführung verschiedener Sparmaßnahmen, u. a. die Abschaffung staatlicher Subventionen und die Deregulierung von Monopolen

Die dramatische Verteuerung, steigende Arbeitslosigkeit und anhaltende Korruption hatten einen starken Vertrauensverlust der einheimischen Bevölkerung zur Folge, die sich in landesweiten Demonstrationen und Protesten äußerte.

Wieder war es vor allem die chinesische Minderheit, die mit ansehen musste, wie ihre Geschäfte, Wohnungen und Autos geplündert und in Brand gesetzt und ihre Familienmitglieder verfolgt, vergewaltigt und ermordet wurden. Suhartos Regierung reagierte mit verstärkter Armee-Präsenz und Panzern auf Indonesiens Straßen. 

Die Gewalt erreichte ihren Höhepunkt im Mai 1998. Studenten lieferten sich Straßenschlachten mit den Streitkräften und forderten Suhartos Rücktritt. Nachdem das Militär gewaltsam eingriff und dabei vier Studenten erschoss, forderten auch Politiker aus den eigenen Reihen Suhartos Rücktritt.

Nach 32 Jahren trat er schließlich am 21. Mai 1998 zurück.

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Alle Farben rot von Laksmi Pamutjak

Nach Suhartos Sturz sucht eine Frau auf der Gefangeneninsel Buru nach den Spuren ihres Mannes. In einer Straßenschlacht wurden Amba und Bhisma getrennt. Eines Tages erfährt sie aus einer Mail, dass Bhisma damals nach Buru verschleppt wurde. Amba macht sich auf, um Antworten zu finden. Die Autorin entfaltet das Panorama einer jungen Nation zwischen Kolonialzeit, Unabhängigkeit, Diktatur und Demokratie.

Suharto verkündet am 21. Mai 1998 seinen Rücktritt vom Präsidentenamt

Weg zur Demokratie in der Geschichte Indonesiens

Vizepräsident Bacharuddin Jusuf Habibie übernahm vorerst die politische Führung des Landes und läutet mit Reformasi eine neue politische Ära ein.

Er versuchte, die bisherige Diktatur in eine Demokratie umzuwandeln und nach den zwei Militärherrschaften seiner Vorgänger den getrübten Ruf der Armee wiederherzustellen. Dennoch blieben die Zeiten weiterhin turbulent. 

Separatistisch gesinnte Regionen wie Aceh, Irian Jaya und Osttimor kämpften immer noch um ihre Unabhängigkeit.

Anfang 1999 kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Muslimen und Christen in Ambon, in deren Folgejahren bis zu 5.000 Menschen auf den Molukken ihr Leben lassen mussten. 

Ein Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor wurde mit einer blutigen Einschüchterungskampagne durch das Militär begleitet. Als rund 80 Prozent der Bevölkerung für die Unabhängigkeit stimmte, legte das indonesische Militär die Region in Schutt und Asche. 80 Prozent der Infrastruktur des Landes wurden zerstört und rund 3.000 unbewaffnete Zivilisten getötet. Im Oktober 1999 verließen die letzten indonesischen Soldaten die Region. Eine Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen stabilisierte Osttimor, bis im Jahr 2002 die offizielle Unabhängigkeit des Landes Timor-Leste gefeiert werden konnte.

Im Jahr 1999 folgte der erste frei gewählte Staatspräsident Abdurrahman Wahid, Chef der islamischen Nahdatul Ulama. Seine Vizepräsidentin wurde Megawati Sukarnoputri, die Tochter des ehemaligen Präsidenten Sukarno.

Unter Wahid begannen sich die Reformräder langsam zu drehen, doch wurden seine Bemühungen von den Mächtigen, die viel zu verlieren hatten, stark behindert. Sein Versuch, Suharto vor Gericht zu stellen, scheiterte an einer korrupten und schüchternen Justiz.

Ein weiterer Versuch, Frieden in Aceh, Irian Jaya (jetzt: Papua) und auf den Molukken herzustellen, wurde durch das Militär, das eine Rechtfertigung für seine Präsenz in der Region suchte, behindert.

Im Jahr 2001 erhielt Papua dennoch innere Autonomie.

Im Juli gleichen Jahres wurde Wahid aufgrund von Korruptionsvorwürfen abgesetzt und Megawati seine Nachfolgerin.

Obwohl sich unter ihrer Präsidentschaft die politische Situation stabilisierte, standen Korruption, Machtmissbrauch durch das Militär und Menschenrechtsverletzungen weiterhin an der Tagesordnung.

Eine Reihe von Bombenanschlägen mit islamistischem Hintergrund sorgten zu jener Zeit für einen Rückgang ausländischer Investitionen. 

Im Mai 2003 wurde das Kriegsrecht in der nach Unabhängigkeit strebenden Provinz Aceh verhängt. Nach einer Großoffensive mit mehr als 40.000 Soldaten starben mehr als 1.000 Menschen und 20.000 befanden sich auf der Flucht.

Erste direkte Wahlen

Im Jahr 2004 wurden die indirekten Wahlen abgeschafft und es erfolgten zum ersten Mal direkte Präsidentschaftswahlen.

In zwei Runden gewann Susilo Bambang Yudhoyono, ein General, der an der langjährigen Besetzung und Gewaltwelle in Osttimor beteiligt gewesen war. 

Politischer Aktivismus blieb aber weiterhin riskant. Munir Said Thalib, ein Menschenrechtsaktivist, wurde im Jahr 2004 an Bord eines Garuda Flugs vergiftet. Er hatte zuvor die Geschehnisse in Osttimor, Aceh und Papua stark kritisiert. 

Bei den zweiten direkten Wahlen im Jahr 2009 gewann Yudhoyono erneut. Während seiner Amtszeit führte er die staatliche Gesundheitsversorgung ein und einigte sich auf ein Freihandelsabkommen mit Japan. Trotz seiner Versprechen blieben Korruption, Vetternwirtschaft und Terrorismus bestehen. Auch das Militär genoss weiterhin großen Einfluss auf die Gesellschaft.

Das über Jahrzehnte aufgebaute milliardenschwere Netz der Korruption und Machtstrukturen war schwer zu entwirren. Selten wurden korrupte Beamte vor Gericht zur Rechenschaft gezogen, da eine Verurteilung weitreichende Folgen gehabt und einen ganzen Rattenschwanz mit sich gezogen hätte.

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Garuda im Aufwind von Franz Magnis-Suseno

Der Autor beschreibt, welche schweren Erschütterungen Indonesien bisher gemeistert hat, skizziert die 16 turbulenten Jahre nach dem Sturz von Diktator Suharto 1998 und stellt die Entwicklung Indonesiens in den Kontext seiner Geschichte & Kultur. Wie entstand diese relativ junge Nation? Und wie sieht die Zukunft dieses beeindruckenden Landes im Angesicht von Globalisierung und politischer Radikalisierung aus?

Republik Indonesien heute

Im Juli 2014 wurde Joko Widodo indonesischer Präsident, der sich im Jahr 2019 erneut gegen seinen Herausforderer Prabowo Subianto, der Schwiegersohn Suhartos, durchsetzen konnte. Obwohl sein zweites Abschneiden als Sieg moderater, demokratischer Kräfte gefeiert wurde, kann auch er sich dem Einfluss konservativ-islamischer und korrupter Kräfte nicht entziehen.

Im Jahr 2016 wurde der damalige Gouverneur von Jakarta Ahok (Basuki Tjahaja Purnama) auf Druck von radikal-islamische Gruppen wegen Blasphemie verurteilt. Das wachsende konservativ-islamische Lager konnte Jokowi nur mit der Einbindung eines hohen islamischen Geistlichen als seinen Vizepräsidenten auf seine Seite ziehen.

Im Jahr 2019 fanden die größten Studentenproteste seit den Massendemonstrationen 1998 statt, als das Gesetz RKUHP verabschiedet werden sollte. Dieses Gesetz setzte konservativ-islamische Moralvorstellungen um, in dem es das Strafrecht verschärfte, eine nächtliche Ausgangssperre für Frauen verhängte und außerehelichen Sex sowie sexuelle Aufklärung strafbar machte. 

Im selben Jahr erschütterten gewaltsame Zusammenstöße zwischen Studenten und Sicherheitskräften die indonesischen Provinzen West Papua und Papua. Auslöser dafür war ein rassistischer Vorfall zwischen Sicherheitskräften und Studenten aus Papua auf Java. Der jahrelange Frust der andauernden Besetzung durch Indonesien, der konstanten Militärs- und Polizeigewalt sowie der Unterdrückung entluden sich in einem längst überfälligen Schrei nach Unabhängigkeit.

Im Jahr 2020 brachte ein weiteres Gesetz Menschen in ganz Indonesien auf die Straßen. Das sogenannte Omnibus-Gesetz soll ausländische Investoren anlocken, während es die Arbeiterrechte, die Rechte der indigenen Bevölkerung sowie Vorgaben zum Umweltschutz verringert.

Die Korruption ist trotz der Einrichtung einer Anti-Korruptions-Behörde KPK (Komisi Pemberantasan Korupsi) relativ hoch und reicht immer noch bis in die Spitzen staatlicher Organe. Im Jahr 2020 ist sogar ein Anstieg der Korruption zu verzeichnen, was u. a. mit der aktuellen Corona-Krise zusammenhängen kann.

Die Republik Indonesien ist heute die drittgrößte Demokratie der Welt und das Land mit der höchsten muslimischen Bevölkerung.

Nach China, Indien und den USA ist es die viertgrößte Nation.

Mehr als 1.300 ethnische Gruppen, mehr als 700 aktiv gesprochene Sprachen, sechs offizielle und zahlreiche traditionelle Glaubensrichtungen machen den Inselstaat zu einem der vielfältigsten und spannendsten Länder der Welt. 

Archipelago of Fear von Andre Vltchek

Der Autor bringt mehr als ein Jahrzehnt investigativen Journalismus zusammen, um die Geschichte Indonesiens von der Revolution, die 1998 die Völkermorddiktatur von General Suharto stürzte, bis heute aufzuzeichnen. Vltchek führt dabei aktuelle Probleme des Landes auf Suharto und den Völkermord zurück und bietet einen intimen Einblick in Ängste der indonesischen Bevölkerung.

Bahasa Indonesia: Zeuge einer aufregenden Vergangenheit

Bahasa Indonesia, die offizielle Amtssprache Indonesiens, hat sich über viele Jahrhunderte hinweg entwickelt. Handel, Religionen und Kolonialisierung haben dabei ihre Spuren hinterlassen und machen sie zum Zeugen einer spannenden Vergangenheit.

Wörter aus dem Indischen/Sanskrit: Der frühe hinduistische Einfluss brachte viele Wörter aus dem Sanskrit mit sich, u. a. agama (Religion), desa (Dorf), guru (Lehrer), rasa (Geschmack), bumi (Erde), warna (Farbe) und gajah (Elefant).

Wörter aus dem Arabischen: Arabische Händler brachten im 13. Jahrhundert den Islam nach Indonesien und mit ihm eine Vielzahl an arabischen Begriffen, wie masjid (Moschee), istirahat (ausruhen), kabar (Neuigkeiten), masalah (Problem), selamat (begrüßen) und hadiah (Geschenk).

Wörter aus dem Portugiesischen: Die ersten Europäer im Archipel waren die Portugiesen, die während ihrer kurzen Zeit den katholischen Glauben und einige ihrer Wörter in der Region hinterließen, z. B. minggu (Sonntag), dansa (tanzen), natal (Weihnachten), pesta (Party), sekolah (Schule) und gereja (Kirche).

Wörter aus dem Holländischen: Viele Dinge, die während ihrer Kolonialherrschaft von den Holländern eingeführt wurden, tragen bis heute einen holländischen Namen, u. a. knalpot (Auspuff), kulkas (Kühlschrank), wortel (Karotte), handuk (Handtuch), gelas (Glas), asbak (Aschenbecher) und kantor (Büro).

Über die Autorin:

Autorenfoto Gunda mit Hartono

Gunda mit Mann Hartono

Gunda kommt aus der Tauch- und Tourismusbranche und war mehrere Jahre in Südostasien unterwegs, bevor sie ihr Herz an Indonesien verlor. Hier fand sie nicht nur ihre neue Heimat, sondern auch ihre große Liebe. Nach der Leitung eines Tauchresorts in Raja Ampat, entstand die Idee zu ihrer Webseite. Mittlerweile lebt sie als freiberufliche Texterin mit ihrem Mann Hartono auf Morotai, wo die beiden sich eine kleine Selbstversorger-Farm aufbauen möchten.

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