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Palmöl in Indonesien: Was du unbedingt wissen solltest

von Lisa Scheffold

Ein Gastbeitrag von Sara Phung

Seit Jahren beherrschen Debatten über Atomausstieg, alternative Energien und die Bedrohung des steigenden Meeresspiegels die Medien und somit den vermeintlich gesellschaftlichen Konsens.

Atomenergie beherbergt Gefahren, die Entsorgung ist umstritten; Erdöl ist endlich und darüber hinaus umweltschädlich; der Anstieg des Meeresspiegels unumstritten.

All das bedroht Mensch, Klima, Natur und Biodiversität.

Umweltbezogene Katastrophen, wie die wochenlang anhaltenden Waldbrände in Indonesien, finden hingegen scheinbar nur beiläufig und temporär Erwähnung.

Der potenzielle Zusammenhang zwischen der Rodung des Regenwalds, der Kultivierung von Ölpalmen, die Bedrohung des Artensterbens, der Verletzung indigener und universaler Menschenrechte sowie der Herstellung herkömmlicher Supermarktprodukte wird (meist) erst gar nicht erwähnt.

Es könnten ja Nachfragen kommen, die unternehmensschädlich sind.

All die oben erwähnten Probleme sind so umfassend und tiefgreifend, dass sie mindestens einen eigenen Artikel in Anspruch nehmen würden, um die Thematik genügend berücksichtigen zu können.

Daher soll der folgende Artikel als ein erster Einstieg in die Thematik „Palmöl“ dienen.

Du wirst viele Hyperlinks finden, die dich zu weiteren externen Artikeln führen werden, die sich den beschriebenen Schwerpunkten widmen.

Palmoel-Indonesien

Palmöl in Indonesien

Wo steckt überall Palmöl drin?

Ein großes Problem in Indonesien ist der Verlust des Regenwalds und der damit einhergehenden Biodiversität.

Viele von euch kennen vermutlich Werbekampagnen des WWFs oder von Greenpeace, in denen Orang-Utans vor Bulldozern flüchten, die dabei sind, indonesische Wälder zu vernichten.

Klar, die Wirkung der Kampagnen wird kontrovers wahrgenommen.

Dennoch zeigt sie einen realen Umstand, dessen vielfältigen Ursachen vielen nicht bewusst ist.

Diese Tatsache ist einer weitgehend nicht existenten Transparenz von Politik und Wirtschaft geschuldet.

Wer weiß schon genau, wo überall Palmöl drin steckt?

In Schokoaufstrichen, Keksen, Tiefkühlpizza, Kosmetik, Waschpulver, .. eine endlos lange Liste lässt sich hier tippen!

Hoffnung und Verzweiflung zugleich bietet hier der Palmöl-Check 2017 vom WWF.

Der Palmölboom führt zu Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen

Palmöl hat in Indonesien bereits eine lange Tradition als Koch- und Frittieröl.

Aufgrund ihrer enormen Rentabilität und damit günstigeren Alternative zu anderen Pflanzenölen, sind seit einigen Jahren vermehrt Unternehmen auf die Verwendung des tropischen Öls umgestiegen.

Ihre wahnsinnige Expansion binnen der letzten 30 Jahre führt allerdings zu erheblichen Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen.

Palmoel-Indonesien

Palmöl ist das beliebteste Frittieröl in Indonesien

Palmöl Indonesien: Der wahre Preis des Palmöls

→ Verlust von Regenwaldfläche von 35 Fußballfälder pro Minute

→ Verlust der tropischen Vielfalt: Flora und Fauna

→ Verlust wichtiger Kohlenstoffmonoxid-Speichern: Ein Hektar Regenwald speichert etwa 300 Tonnen Kohlenstoff, ein Hektar Palmölplantage weniger als 40 Tonnen (siehe hier).

→ Steigende Bedrohung für Tiere durch den Verlust ihres Lebensraums: Orang-Utan und der Sumatra-Tiger sind dabei nur die populärsten Beispiele. Viele weichen hierhin auf der Suche nach Nahrung aus. Dort sind leichte Beute für Jäger und Wilderer, die sie erschießen, fangen oder verstümmeln (siehe hier).

→ Häufiger auftretende Erosionen (Erdrutsche) durch eine steigende Versalzung des Bodens und der Konsequenz, dass kein Wasser mehr absorbiert werden kann.

→ Kontaminierter Boden: der Einsatz von Pestiziden und Düngemittel zur Gewährleistung einer rentablen Ernte fordert ihren Tribut.

→ Verschmutze Flüsse und Seen: Die Chemikalien fließen meist ungehindert in anliegende Gewässer und machen das Trinkwasser ungenießbar.

→ (Zwangs-)Umsiedlung der lokalen Bevölkerung: Die meisten sind nun darauf angewiesen sich als Tagelöhner ihren Lebensunterhalt auf den Ölpalmen-Plantagen zu verdienen. Faszination Regenwald ist die nicht einzige Organisation, die weiß: „Der Palmölboom kommt bei den Menschen in Indonesien nicht an.

→ Enorme Menschenrechtsverletzungen*, darunter: Recht auf Eigentum (v.a. Landraub ist ein großes Problem), Recht auf Nahrung, Recht auf Trinkwasser, Recht auf Zugang zu Ressourcen, Recht auf Meinungsfreiheit, Recht auf faire Arbeitsbedingungen und eines existenzsichernden Lohns, Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit (Gewaltandrohungen über Verhaftungen bis hin zum Mord, Rechte indigener Völker)

→ Vertrauensverlust in „Nachhaltigkeits“-Siegel und Zertifikate: Die undurchsichtige Handhandhabung des Roundtable on Sustainable Palm Oil

palmoel-indonesien

Palmöl Indonesien

Wie können wir rund 11.000 Kilometer weit entfernt etwas dagegen ausrichten?

1. Bedachteres Konsumieren

Utopia und Codecheck zeigen einige Palmöl-Alternativen

2. Konzerne und Produzenten auffordern

Wenn du nicht auf Palmöl verzichten kannst, dann solltest du zumindest auf Palmöl zurückzugreifen, welches

  • den Mindestanforderungen entspricht und sich entlang der Wertschöpfungskette zurückverfolgen lässt
  • keine Menschenrechtsverletzungen mit sich zieht
  • den Lebensraum der Orang-Utans auf Borneo unberührt lässt, also keine Vernichtung von Regenwald zur Folge hat
  • sich nicht weiter negativ auf unser Weltklima und die globale Erwärmung auswirkt, sprich keine Torfmoore/-wälder trocken legt

3. Aktives Engagement

Viele Organisationen und Initiativen setzen sich für den Erhalt der Biodiversität und der Stärkung der Menschenrechte in Indonesien ein; darunter Rettet den Regenwald, Robin Wood, Pro Regenwald, Survival International, Watch Indonesia.

Spenden, Unterschreiben von Petitionen (s.o.), Beitritt oder „bloßes“ Aufmerksam machen sind auch ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

→ Weitere NGOs in Indonesien, die sich für den Erhalt des Regenwaldes einsetzen, findest auch bei unseren Indojunkie Vibes!

palmoel-indonesien

*Die in der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 erklärten Rechte und Freiheiten sind universal und unveräußerlich, d.h. sie gelten ohne Einschränkung für alle Menschen auf der gesamten Welt. Hier findet ihr weitere Information zu dem Menschenrechtsabkommen, zum Inhalt und Entstehung sowie zu wichtigen Institutionen.

Über die Autorin: Sara Phung hat ihren Bachelor of Arts in Regionalwissenschaften Asien/Afrika an der Humboldt Universität absolviert und ist derzeitig dabei, den Master der Southeast Asian Studies an der Universität Passau zu beenden. Ihr Schwerpunkt liegt fachlich vor allem auf den wirtschaftlichen Auswirkungen auf Umwelt und Menschenrechte sowie regional auf Indonesien und Vietnam.

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7 Kommentare

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7 Kommentare

Doris Krumm 23. Februar 2020 - 13:37

Sehr guter Artikel der mich traurig macht, weil die Zeit verdammt knapp wird…Inzwischen weiss doch jeder in Deutschland über das Palmöl Bescheid, kaufe nur im Biomarkt ein, obwohl ich garantiert nicht zu Gutverdienern gehöre, aber das uns alle etwas an, es betrifft uns und diesen Planeten! Weiß jemand einen anderen?

Antworte Doris
Hr Dersch 28. Januar 2018 - 16:38

Also 35 Fußballfelder pro Minute ist ja sowas von einem Schwachsinn. Das sind 0,25 Quadratkilometer und exakt 360 Quadratkilometer pro Tag. Nach der Rechnung gäbe es nach 14 Jahren Plantagenproduktion kein Indonesien mehr weil alle 1.900.000 Quadratkillometer aus Ölpalmen bestünde. Immer diese Pseudonaturkenner die zuviel von etwas geraucht haben!

Antworte Hr
Kurt Seib 19. März 2017 - 17:19

Die deutsche Regierung möchte 2% des deutschen
Waldes als Naturwald schützen (ohne Bewirtschaftung)
Das ist mit den deutschen Waldbesitzern nicht möglich
und wir wollen den Indonesiern vorschreiben , was sie
mit ihrem Wald machen .
Ich war bestimmt schon 20 mal in Medan , Nord
Sumatra u. weiß , ohne Palmöl , keine Arbeit u. kein
Einkommen . Durch die Politik der mosl. Regierung
wächst die Bevölkerung sehr stark u. alle brauchen
etwas zum Essen .
Ich stehe dazu u. schreibe mit meinem richtigen Namen .

Antworte Kurt
Alex 26. März 2016 - 2:32

Hallo Sara,

danke für diesen informativen Beitrag über die Auswirkungen des Palmöl-Konsums.

Ein Wandel beginnt immer mit einem Umdenken und einem bewussteren Konsum. Nach und nach Produkte ersetzen, bis man irgendwann ohne Palmöl auskommt.

Den Denkanstoß liefern dann meist solche Artikel wie der hier, sehr schön.

Grüße aus Laos

Alex

Antworte Alex
Cosmo 21. März 2016 - 17:38

Wo Nachfrage gibt, gibt es auch Angebot, so einfach ist das freie Marktwirtschaft.
Jeder will wohl in den Wohlstand kommen, wo er, vergleichbar mit mit anderen Wohlstandnationen, noch nicht angekommen ist.

Um den Bedarf und die Nachfrage des Binnenmarkts abzudecken, muss sicherlich nicht der Urwald in Indonesien in den bekannten Ausmass gerodet werden.

Deshalb ist immer die Frage, würdest Du als erster bereits sein, Dein Konsum etwas zurückzunehmen ? Es muss unbedingt radikal gleich um 100% sein, soviel wie Du es leisten könntest, wäre schon wirksam.

Na dann…

Antworte Cosmo
Sara 22. März 2016 - 20:39

Hallo Cosmo,
Ja, da gebe ich dir Recht – Angebot wird durch Nachfrage bestimmt. Eine Schwierigkeit ist aber, dass vielen nicht bewusst ist, was die Kultivierung mit sich zieht oder worin es überall enthalten ist. Ich beschäftige mich seit geraumer Zeit mit dieser Thematik und bin immer wieder aufs Neue erschrocken, welche Dimensionen das ganze annimmt.
Falls du mit deiner letzten Frage gezielt die Autorin meinst, kann ich das bejahen. Ich beziehe keine Lebensmittel und Kosmetik, die Palmöl enthalten- auch keins, das als „nachhaltig“ deklariert ist.

Antworte Sara
Cosmo 23. März 2016 - 18:31

Hallo Sara,

mit meiner letzten Frage habe ich sicherlich nicht an die Autorin gezielt, aber sicherlich an denen, die mein Schreiben lesen, gelesen haben und an das Thema sich interessieren.

Ich freue mich, dass Du auf Deinen Bedarf Acht gibst, sicherlich wird es seinen Beitrag leisten.

Viele Grüsse

Antworte Cosmo

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