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Orang-Utan Trekking: Warum du „Nein“ zum Füttern sagen solltest

von Melissa Schumacher

Ein Beitrag von Anna und Chris von blogaufmeer.de

Sie kamen in die fremde Welt. Es sollte ihre Heimat werden.

Doch mit einer Sache hatten sie nicht gerechnet: Die Natur war gegen sie.

Daher überdauerten sie nicht lange in ihrem neuen zu Hause.

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Welcome to the jungle.

Klingt nach Science-Fiction, oder? Was in groben Zügen das Ende des Alienstreifens „Krieg der Welten“ ist, kann auf unserer Erde traurige Wahrheit werden.

Aber nicht, weil Aliens in unseren Lebensraum eingedrungen sind, sondern wir in den Lebensraum anderer Lebewesen.

Aber fangen wir von vorne an.

Der Mensch und andere Spezies

Da wären einerseits wir Menschen. Eine neugierige Spezies, die gerne die Welt erkundet.

Sie dringt dabei in Lebensräume vor, die gar nicht für sie gedacht sind.

Nicht, um wie die Aliens eine neue Heimat zu erobern. Das war einmal – lang, lang ist es her. Sondern um zu entdecken, ein Foto zu machen und wieder nach Hause zurückzukehren.

Die Spezies Mensch fühlt sich ganz besonders hingezogen zu anderen Lebewesen. Am meisten zu Säugetieren. Ganz attraktiv findet sie Menschenaffen, zum Beispiel die Orang-Utans, denen sie bei einem Orang-Utan Trekking gerne in der Wildnis begegnet.

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Beim Orang-Utan Trekking beobachtet: Ein Orang-Utan Weibchen mit Kind

Auffälliges Verhalten gegenüber anderen Lebewesen

Begegnet der Mensch einem interessanten Tier, so kann man häufig ein bestimmtes Verhalten beobachten: Der Mensch meint stets andere Lebewesen füttern zu müssen.

Dabei sind die wilden Tiere doch bisher sehr gut ohne ihn zurechtgekommen. Wissenschaftlich lässt es sich daher nicht erklären, warum der Mensch das macht.

Je stärker vor dem Füttern von Tieren gewarnt wird oder gar Verbote wie bei den australischen Quokkas eingeführt werden, desto mehr scheint es den Menschen zu reizen, dieses Tier zu füttern.

Ohne Gedanken an Konsequenzen für die Umwelt und das gefütterte Tier.

Hierzulande wird der Mensch sehr gerne beim Enten füttern beobachtet. Er schadet den Enten, indem er ihnen Brot und anderes „Enten Fast Food“ zuwirft.

Orang-Utan Trekking: Bitte die Menschenaffen nie füttern

Das sind also wir Menschen. Wir füttern so gerne Tiere, damit wir sie anfassen können und damit sie am besten ganz nah vor unsere Kameras kommen. Weil sie so niedlich sind.

Als wir unseren Orang-Utan Trekking in Bukit Lawang machten, hatten wir schon gehört, dass es einige Guides gibt, die Orang-Utans füttern. Wir wollten das nicht unterstützen und hoffen du auch nicht.

Warum solltest du die Orang-Utans bei deinem Trek nicht füttern?

Weil du die Orang-Utans krank machen kannst

Wusstest du, dass Krankheiten leichter übertragen werden je verwandter sich Lebewesen sind?

Daher gilt ganz besonders bei Säugetieren: nicht füttern! Vor allem nicht Menschenaffen wie Orang-Utans.

Ein leichter grippaler Infekt, von dem viele von uns Menschen gerade mal einen Schnupfen bekommen, kann einen Orang-Utan töten, weil sein Immunsystem die Keime nicht kennt.

Wenn du in Bukit-Lawang auf Sumatra einen Orang-Utan Trekking machst, triffst du überwiegend auf die semi-wilden Orang-Utans, die aus einem früheren Rehabilitationszentrum ausgewildert wurden. Ihnen wirst du wahrscheinlich nicht schaden. Sie sind den Menschenkontakt schon gewohnt.

Sie gehen aber tiefer in den Wald hinein, tragen deine Keime mit sich und stecken die wilden Orang-Utans an. Ohne es zu wissen, hast du dann einen Orang-Utan auf deinem Gewissen.

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Bei dieser großen Orang-Utan Trekking Gruppe durfte jeder mal füttern

Weil du dich bei den Orang-Utans anstecken kannst

Die Ansteckung kann auch andersherum erfolgen und ein Orang-Utan könnte dich anstecken.

Auf ähnliche Weise kam z.B. das HI-Virus in unsere Zivilisation. Eine Schimpansenform des Virus wurde auf den Menschen übertragen (Übertragungsweg unbekannt) und mutierte im Menschen zur humanen Virusform, die die Krankheit AIDS verursachen kann.

Weil du den Lernprozess der Orang-Utan-Jungen störst

Ein Oran-Utan Junges bleibt bis zu zehn Jahre bei seiner Mutter, um alles über das Leben in der Wildnis zu lernen.

Zuerst wird es bis zu vier Jahre gesäugt. Später lernt es vom Muttertier wie es Nester baut und wie es sich im Wald selbst versorgen kann.

Nur, wie soll es das je lernen, wenn die Mutter ständig zu den Menschen geht und sich von ihnen ihr Futter holt? So wird aus einem in der Wildnis geborenen Jungtier ein semi-wilder Orang-Utan, der sich nicht richtig selbst versorgen kann. Denn was Mama macht, kann ja nur gut sein, oder?

Ganz besonders schlimm waren die Auswirkungen des Zufütterns auf eine andere Säugetierart: die Delfine von Monkey Mia (West Australien). In den 60er und 70er Jahren starben viele Delfinkälber, weil Menschen die Muttertiere fütterten.

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Lasst uns aus einem in der Wildnis geborenen Jungtier keinen semi-wilden Orang-Utan machen

Weil du die Aggressivität von Orang-Utans förderst

Im Gunung Leuser Nationalpark in der Nähe von Bukit-Lawang lebt die berüchtigte Mina. Ein Orang-Utan Weibchen, das einst eingesperrt war, dann im Rehabilitationszentrum landete und schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hat. Sie ist Menschen gegenüber, die ihr bei einem Orang-Utan Trek begegnen, meist aggressiv.

Mit der Zeit hat das intelligente Weibchen gelernt Nahrung von Menschen zu erpressen, z.B. indem sie diese festhält und nicht mehr loslässt bis sie eine Banane bekommt. So ist es bei Mina leider fast unvermeidlich sie zu füttern.

Die beste Maßnahme ist es, ihr Revier bei Orang-Utan Trekkingtouren zu umgehen.

Auch ohne negative Erfahrungen können Orang-Utans durchs Zufüttern ein aggressives Verhalten entwickeln. Möchtest du dieses fördern?

Verhaltensregeln beim Orang-Utan Trekking

  • Füttere keine Orang-Utans und suche dir einen Guide, der keine Tiere füttert. In Bukit Lawang z.B. gibt es eine offizielle Guide Association. Vergewissere dich dort.
  • Mache andere Guides, die füttern oder füttern lassen darauf aufmerksam, dass du das nicht gut findest.
  • Bestehe auf kleine Orang-Utan Trekking Gruppen (max. 6 Personen ohne Guides). Gute Guides halten sich an diese Regel der Guide Association und nehmen nur in Ausnahmefällen mehr Teilnehmer mit.
  • Halte immer möglichst viel Abstand zu den Tieren. Und komm nicht auf die Idee den Orang-Utan anzufassen.
  • Verhalte dich ruhig bei einer Orang-Utan Beobachtung.
  • Gehe nie mit Schnupfen oder einer Magen-Darm-Erkrankung in den Dschungel, kläre erkältete Mitreisende auf.
  • Vermeide Niesen und Husten in der Nähe des Orang-Utans. Gehe ggf. noch einige Schritte zurück.
    Versuche deine Exkremente zu vergraben.
  • Nimm alles was du mitgebracht hast wieder mit, auch Obstreste. Oder vergrabe sie, wenn möglich.

Das alle gilt auch für die anderen Tiere des Dschungels.

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Einen Orang-Utan von der Ferne erleben, das reicht doch auch, oder?

Alles fürs Foto bei einem Orang-Utan Trekking

Obwohl wir vorher davon gehört hatten, dass manche Guides die Orang-Utans füttern, waren wir geschockt, dass einige auch die Besucher füttern ließen.

Die Argumente, als wir einen Guide darauf ansprachen waren: „Du hast eine große Kamera, die Leute nur eine kleine, aber sie wollen auch ein gutes Foto.“

Müssen wir immer alles für dieses eine Foto aufs Spiel setzen? Ich denke gerade an die Seesterne, die auf den Inseln von Bocas del Toro (Panama) unbedingt aus dem Wasser gehoben werden mussten für ein Selfie. Sie starben durch die in dieser kurzen Zeit aufgenommene Luft.

Wo einst das Wasser voller quietsch-orangener Seesterne war, sieht man heute nur noch vereinzelt Überlebende.

Erfährt der rothaarige Orang-Utan bald ein ähnliches Schicksal?

Viele Besucher informieren sich nicht vor ihrem Orang-Utan Trekking

Als ich die Guides auf die potenzielle Krankheitsübertragung ansprach, war das Argument, dass die Besucher doch Insektenschutzmittel aufgetragen hätten. Eine unsinnige Ausrede. Ich erklärte weiter und hakte nach, aber offensichtlich wollte er nicht zuhören.

Business eben. Das wird von ihm beim Orang-Utan Trekking erwartet. Und dann liefert er eben die Show, die die Besucher möchten. Denn sie selbst sind nicht aufgeklärt, nach dieser Darbietung aber zufrieden und das Trinkgeld des Guides stimmt.

Was aber wäre, wenn der Guide vorher aufklären würden? Sicher würden viele Besucher es verstehen und eine Fütterung ablehnen.

Setze ein Zeichen

Setze daher ein Zeichen! Mache auf die Konsequenzen aufmerksam, wenn du so etwas bei deinem Orang-Utan Trekking beobachtest!

Frag vor deiner Trekking-Tour gezielt nach einem Guide, der richtig ausgebildet ist und nicht füttert. Am besten quetscht du Rückkehrer zu ihrer Erfahrung und einer Empfehlung aus.

Auch wenn du an den falschen Guide gerätst, der doch füttern möchte, dann betone, dass du das nicht willst! Das ist auch ein Zeichen. Vielleicht würden alle Guides umdenken, wenn sie merken würden, dass es den Besuchern wichtig ist?

Der Lebensraum der Orang-Utans schrumpft

Die Orang-Utan Populationen schrumpfen. Denn der Lebensraum der Orang-Utans wird immer kleiner, weil der Wald Palmölplantagen weichen muss. Manche haben die Hoffnung sogar schon aufgegeben, dass der Orang-Utan überlebt.
Müssen wir diese wunderbaren Tiere dann noch zusätzlich bedrohen, indem wir sie füttern?
Wir gehen hin, weil wir sie in der Natur erleben wollen und doch fördern wir mit unserem Besuch genau das Gegenteil: dass sie bald nicht mehr in der Natur beobachtet werden können.
Das ist kein Öko-Tourismus. Aber immerhin helfen wir der Gemeinschaft vor Ort.

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Luftaufnahme eines intakten Regenwaldes auf Borneo

Wo Füttern von Orang-Utans erlaubt ist

Möchtest du semi-wilde Orang-Utans nah vor die Linse bekommen, so sind Rehabilitationszenten wie Sepilok im malaysischen Borneo eine wunderbare Alternative zum Orang-Utan Trekking.

Dort werden Jungtiere, die meist aus Gefangenschaft gerettet wurden, aufgepäppelt, aufgezogen und anschließend ausgewildert.

Für die Übergangszeit, bis sie hoffentlich vollkommen selbstständig sind, werden sie an einer Fütterungsplattform zugefüttert.

Allerdings darf das nur ein zugeteilter Pfleger, der mit Handschuhen und Maske Futter verteilt. Die Kost ist meist einseitig, damit die Tiere animiert werden, sich selbst zu versorgen.

Auch in Bukit-Lawang gab es mal eine Fütterungsplattform. Die Orang-Utans, die du dort auf deiner Trekking-Tour zu Gesicht bekommst, sind daher meist semi-wilde Tiere, die einst im Rehabilitationszentrum aufgezogen wurden.

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Orang-Utan auf der Fütterungsplattform im malaysischen Sepilok

Wo kannst du Orang-Utans noch sehen oder Orang-Utan Treks unternehmen?

Lass die wilden Orang-Utans wild sein. Das bedeutet auch, dass du sie vielleicht gar nicht oder nur von Weitem siehst.

Neben Bukit Lawang gibt es noch einige weitere Orte, wo du gut wilde Orang-Utans zu sehen bekommst ist Ketambe auf Sumatra und der Tanjung Putin Nationalpark oder der Sebangau Nationalpark in Kalimantan (indonesisches Borneo).

Auch bei einer Flusssafari auf dem Kinabatangan im malaysischen Borneo kannst du mit Glück wilde Orang-Utans sehen und ganz sicher die liebenswerten Nasenaffen.

Diese wunderbaren Affen kannst du übrigens von ganz Nahem im Bako Nationalpark (Borneo) sehen. Ganz ohne füttern! Einfach nur, weil sie sich morgens ihr frühstückt von den Mangrovenbäumen holen.

Ja wirklich, man glaubt es kaum: Der Affe schafft es tatsächlich allein zu frühstücken, ganz ohne die Hilfe des Menschen.

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Die Orang-Utan Nursery in Sepilok

Text und Fotos: Anna und Chris von blogaufmeer.de

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Über die Autoren

Hey, ich bin Anna. Ich bin keine Tierbiologin aber eine interessierte Reise- und Tierliebhaberin, die über Dinge schreibt, die ihr am Herzen liegen. Mein Mann Chris und ich haben 2017 geheiratet, Jobs gekündigt, unsere Wohnung aufgelöst und sind auf Weltreise gegangen. Wir sind zurück, aber versorgen dich auf unserem Blog auf Meer mit Infos zur Weltreiseplanung, zum House Sitting und wertvollen Infos & Tipps zu all unseren Reisezielen neben Indonesien z.B. Kolumbien und Panama – jetzt auch mit unserem Panama Reiseführer!

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