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Yogyakarta abseits von Batik: Das „Berlin Südostasiens“

von Melissa Schumacher

Ein Beitrag von Eva Stockinger

Yogyakarta bietet Batik, Schattenpuppentheater, Tempel und Vulkanausflüge? Das ist bei Weitem nicht alles, das diese faszinierende Universitäts- und Kulturstadt Javas zu bieten hat.

Das Berlin Südostasiens

Yogyakarta, oder kurz nach alter Schreibweise „Jogja“, gilt als Zentrum der indonesischen zeitgenössischen Kunst.

Die prestigeträchtigste Kunstuniversität Indonesiens ist hier beheimatet für das Institut Seni Indonesia (ISI), Ausbildungsstätte vieler international erfolgreicher indonesischen Künstler wie FX Harsono oder Eko Nughoro.

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Eko Nughoro, „Big country, narrow mindset“ (2007; Ausschnitt), Singapore Art Museum

Jogja wird häufig als das Berlin Südostasiens beschrieben, und obwohl solche Vergleiche natürlich viel zu kurz greifen gibt es in der Tat Gemeinsamkeiten mit den Kreativen der deutschen Bundeshauptstadt.

Künstler organisieren sich in Kollektive und betreiben eigene Art Spaces. Die Stadt ist voller Street Art, pop-up-Veranstaltungsorte, Siebdruckstudios, kommerzieller Galerien wie Nonprofit-Offspaces.

Das Motto lautet DIY „Do it Yourself„, und die Szene arbeitet interdisziplinär wie international.

Nicht nur in der bildenden Kunst, auch in experimenteller Musik und Sound Art, Video Art und an der Schnittstelle von Kunst und Technologie wird umtriebig geforscht und gearbeitet.

Arbeiten des in Yogya lebenden Künstlers Hahan auf der art berlin contemporary 2013, Arndt Gallery

Arbeiten des in Yogya lebenden Künstlers Hahan auf der art berlin contemporary 2013, Arndt Gallery

Veranstaltungsorte

Erste Anlaufstelle für Kunstinteressierte in Jogja ist das Kedai Kebun Forum, ein von Künstlern betriebenes Restaurant und Veranstaltungszentrum, das Ausstellungen, Workshops und Artist Talks organisiert (und hervorragende Speisen zubereitet).

Hier liegt die praktische, kostenfreie Contemporary Art Map aus, die alle wichtigen Institutionen und Orte auf dem Stadtplan verzeichnet.

Kedai Kebun Forum & Restaurant

Kedai Kebun Forum & Restaurant

Der wohl wichtigste Art Space Jogjas ist gleich um’s Eck: Das von dem niederländisch-indonesischen Künstlerpaar Mella Jaasma und Nindityo Adipurnomo 1988 gegründete Cemeti Art House, das als Ausstellungs- und Veranstaltungsort aus Yogyakarta nicht mehr wegzudenken ist und auch ein internationales Residency-Program betreibt.

Hier können einige Arbeiten indonesischer Künstler auch direkt erworben werden.

Cemeti Art House (links: Stockroom)

Cemeti Art House (links: Stockroom)

Die Biennale Jogja, die 2015 wieder stattfindet, ist die wohl wichtigste Schau zeitgenössischer indonesischer Kunst (und zeigt auch internationale Arbeiten).

Weitere Orte von Interesse sind die Langgeng Art Foundation und der Sankring Art Space.

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Langgeg Art Foundation (links) und das Jogja Biennale Office

Yogyakarta bietet auch Medienkunstschaffenden und Biohackern ein wichtiges Netzwerk durch das HONFablab, die Community-Plattform Hackteria und die Initiative Lifepatch.

Schon wieder so eine Berlin-Referenz: Die BioArt-Künstlergruppe House of Natural Fiber (HONF) war Preisträger des transmediale Awards 2011 für ihr Projekt „Intelligent Bacteria“.

Hauptquartier des House of Natural Fiber (HONF) und HONFablab

Hauptquartier des House of Natural Fiber (HONF) und HONFablab

Das Goethe-Institut Jakarta fördert den deutsch-indonesischen Austausch und veranstaltet kulturelle Events auch in Yogyakarta.

Für in Österreich lebende Künstler vergibt das BMUKK ein Auslandsstipendium samt Atelierwohnung am Sewon Art Space.

Künstlergespräche mit der taiwanesischen Tänzerin Delfine Mae (links) und Cemeti Artist-in-Resident Jae Hoon Lee (NZ/Korea)

Künstlergespräche mit der taiwanesischen Tänzerin Delfine Mae (links) und Cemeti Artist-in-Resident Jae Hoon Lee (NZ/Korea)

Es empfiehlt sich, einzelnen Institutionen und Gruppen auf Facebook und Twitter zu folgen, um von aktuellen Veranstaltungen zu erfahren.

Die Szene ist sehr zugänglich und international, viele Veranstaltungen werden in englischer Sprache abgehalten.

Und wo eine hippe Kunstszene ist, darf auch eine hippe Partyszene nicht fehlen: Abends trifft man sich im Yes No Klub oder im Oxen Free (wenn man sich hier ein Getränk leisten kann).

Performance der experimentellen Band Senyawa auf der Ausstellungseröffnung "Psychonautics" des Künstlers Cahyo Basuki Yopi

Performance der experimentellen Band Senyawa auf der Ausstellungseröffnung „Psychonautics“ des Künstlers Cahyo Basuki Yopi

Praktische Informationen

Yogyakarta ist an den Rest Indonesiens per Bus, Bahn und Flug hervorragend angebunden. Air Asia fliegt mitunter zu sagenhaft günstigen Promopreisen nonstop nach Kuala Lumpur. Günstige Flüge findest du u.a. über tiket.com.

Hotels gibt es in Yogyakarta mehr als Bedarf, für Kunstinteressierte empfiehlt es sich, in einem der Homestays und Hotels verschiedenster Preiskategorien an der Jalan Prawirotaman zu wohnen. Hier ist man von den Galerien nicht weit weg, ein Moped auszuleihen ist dennoch von Vorteil. Empfehlenswert ist der liebevoll geführte Homestay De Pendopo mit komfortablen Zimmern und tollem Frühstück.

Noch näher am Kunstgeschehen ist man in der Jalan Tirtodipuran, wo es von Hotels mit Swimmingpools im Garten (z. B. dem Tulips Hotel) bis zu einfacheren Hotels ebenfalls für jedes Budget geeignete Unterkünfte gibt. Ich bekam im Tirto 27 ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Eingangsbereich des Cemeti Art House

Eingangsbereich des Cemeti Art House

Die Gegend Prawirotaman/Tirtodipuran ist auch mit einer Fülle ausgesprochen guter Restaurants gesegnet, insbesondere hervorgehoben sei das Milas Restaurant in einer kleinen, unscheinbaren Seitenstraße: Hier gibt es in einem wunderschönen Garten fantastische vegetarische Speisen und frisch gepresste Fruchtsäfte. Das Obst und Gemüse kommt aus dem eigenen Bioanbau und in einem kleinen Shop kann man hübsche, handgemachte Souvenirs erwerben. Jugendliche aus einkommensschwachen Familien werden hier in Kochen, Gemüseanbau und Service trainiert.

Karte für Yogyakarta

Alle im Artikel erwähnten Orte findest du auf dieser Karte:

→ noch mehr Tipps zu Yogyakarta findest du hier.

Text und Fotos: Eva Stockinger

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10 Kommentare

Rob 9. Juli 2014 - 14:41

Ich kann anstatt des auszuleihenden Motorrads empfehlen ein Becak zu nehmen, das Becak ist ein indonesisches Rikscha, die zumeist englisch sprechenden Fahrer fahren Euch wohin ihr wollte und auch z.B. zu Künstlerkommunen die diese Kunstwerke selbst erschaffen. Ich hatte da 2004 ein wundervolles Erlebnis und verbrachte 2 Tage in einer solchen Kommune, die wunderbares erschaffen und zeitgleich zumeist „von der Hand in den Mund“ leben oder zum überleben Eva’s oben besagten Souvenirs herstellen. Nehmt Euch auf alle Fälle ein Becak und ladet Euren Fahrer zu Drinks und zum Essen ein – er wird Euch Yogya aus einer ganz anderen Sicht zeigen, ihr müsst ihn nur danach fragen. Vielleicht schlaft ihr ja in der Prawirotaman dann könnt ihr sogar mit meinem Freund, dem Becakfahrer „Pa Tri“ fahren, der kann sogar etwas deutsch und freut sich sicher Grüße vom Rob aus Germany zu hören, die ihr ihm dann gerne ausrichten dürft.

Antworte Rob

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