Bali, das Müllparadies: Wayan, der einsame Ökokrieger – KEEP Bali

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Dies ist der letzte Teil der Artikelreihe `Bali, das Müllparadies´, in der Barbara von der Umweltverschmutzung in Bali berichtet und verschiedene Initiativen vorgestellt hat, die für ein gesünderes und grüneres Bali kämpfen. Die Einführung zum Thema findet ihr hier.

Wayan

Wayan hat einen Traum. Er will die Zukunft Balis nachhaltiger und gesünder gestalten und  mit dem Projekt `KEEP Bali´ (`Komala Environmental Education Project Bali´) in seinem Dorf Komala damit anfangen. Er ist einer der vielen inspirierenden Menschen, die ich in meiner Zeit als Volunteer bei ROLE Foundation in Nusa Dua kennen gelernt habe. Dieses Interview ist eine Zusammenschrift mehrerer Gespräche, die ich mit ihm geführt hat.

Stell dich doch bitte vor! Woher kommst du? Was macht deine Familie und was hast du vor diesem Projekt gemacht?

Ich heiße Wayan Tusan und komme aus dem Dorf Komala in Karangasem im Osten von Bali, unweit von Amed. Dort lebe ich mit meiner kleinen Schwester, ihrem Mann und ihrer Tochter und meiner Mutter, die ein kleines Geschäft hat. Mein Vater war Schmied, ist aber vor 16 Jahren gestorben.

Nach der Schule habe ich als Koch in einem Resort in Sanur gearbeitet. Danach war ich 2 Jahre Butler in einer privaten Villa in Seminyak. Da ich sehr gut Englisch sprach und auch sonst recht flexibel war, arbeitete ich auch in anderen Bereichen und verdiente damit sehr gut. Allerdings wollte ich das nicht länger machen und bin 2012 wieder zurück in mein Dorf gezogen.

Wie war es für dich wieder in deinem Dorf zu sein? Hatte es sich für dich verändert?

Ja schon. Früher ist mir nie der ganze Müll hier aufgefallen. Es ist wirklich schlimm! Die Leute schmeißen einfach alles überall hin. Das Hauptproblem dabei ist Plastik. Vieles davon landet einfach im Fluss, was gar nicht gut ist für unsere Umwelt.

Außerdem stört es mich, dass alle Bauern so viele Chemikalien beim Anbau ihrer Pflanzen benutzen. Es sind so viele Chemikalien in unseren Böden und in der Nahrung, was nicht gesund sein kann. Meine Mutter beispielsweise benutzt viel Mononatriumglutamat beim Kochen, welches man hier Säckeweise kaufen kann. Ich spüre jedes Mal ein Kratzen im Hals, wenn ich es esse und versuche sie davon abzubringen, es zu benutzen. Noch hört sie nicht ganz auf mich. Aber das wird schon!

Das Problem ist, dass sie, wie so viele andere Menschen hier so sehr an den Geschmack gewöhnt sind und somit nicht mehr ohne können. Dabei würden unsere Böden hier so viel wohlschmeckende und nahrhafte Nahrung produzieren. Das Problem dabei ist aber auch, dass viele Menschen nicht mehr wissen wie und auch gar kein Interesse mehr an Landwirtschaft haben.

Vor allem die jungen Leute gehen lieber in die Städte im Süden, nach Kuta, Seminyak oder Denpasar, um einen Job in der Tourismusindustrie anzunehmen. So wie ich früher. Aber ich habe irgendwann gemerkt, dass es das nicht sein kann. Die ganze Entwicklung ist überhaupt nicht nachhaltig. Der ständige Bau von immer neuen Hotels und Restaurants zerstört die ganze Umwelt. Und was, wenn die Touristen nicht mehr kommen? Wir machen uns komplett abhängig von dieser Industrie und zerstören dabei unser zu Hause, unser Land, unsere Lebensgrundlage. Das möchte ich ändern!

Müll in Komala

Müll in Komala. Foto: Barbara Nickl

Was willst du tun?

Freunde haben mir von Permakultur erzählt. Sie haben gesagt, diese Methode sei gut. Man könnte so sehr viel Nahrung erzeugen, ohne dabei die Umwelt, das Land und die Böden zu schädigen. Sie sei somit nachhaltig und umweltfreundlich, im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft, die so sehr von all der Chemie und den großen Firmen abhängig ist.

Ich habe mich erkundigt und nach kostenlosen Permakultur-Kursen gesucht und somit ROLE Foundation gefunden. Dort habe ich einiges über Waste Management, Kompostieren und ökologische Landwirtschaft gelernt. Ich informiere mich zusätzlich auch im Internet und lese viele Bücher zu dem Thema. Und natürlich gehört auch viel experimentieren dazu. Ich habe angefangen einen Garten anzulegen und hoffe, dass viele Leute aus der Umgebung kommen und Fragen dazu stellen werden. So kann ich ihnen von Permakultur erzählen, ihnen Tips geben und mein Wissen weitergeben. Vielleicht wollen sie es ja auch machen?

Außerdem will ich die Müllentsorgung in meinem Dorf in die Hand nehmen. Mülltonnen aufstellen, den Müll abholen, trennen, kompostieren, verkaufen und was nicht verkauft werden kann an die offiziellen Müllhalden der Regierung bringen. Ich will die Menschen darüber aufklären, wie gefährlich Plastik für unsere Gesundheit und unsere Umwelt ist. Ich will Kindern und Jugendlichen Englisch Unterricht ermöglichen und auch Umweltthemen in den Unterricht mit einfließen lassen.

Wir haben so viele natürliche Ressourcen hier, aber nur wenige Menschen, die wissen, wie man richtig damit umgeht, wie man nachhaltig und umweltfreundlich genug Ertrag für alle erwirtschaftet.

Mein Ziel ist es, ein gesundes und nachhaltiges Dorf Komala zu schaffen und somit Ökotourismus dort möglich zu machen. Dies kann aber erst geschehen, wenn alle Bauern komplett auf Chemikalien verzichten, der Müll nicht mehr im Straßengraben landet und die Menschen Englisch sprechen können, um die Touristen bei sich aufnehmen und ihnen unsere Kultur näher bringen zu können. Ökotourismus ist für mich die einzige richtige Form von Tourismus, die gesund für uns alle und unsere Umwelt ist.

Und wie läuft´s?

Gut, aber doch sehr langsam. Der Garten sieht ziemlich gut aus. Die Pflanzen müssen nur noch wachsen. Leider sind meine beiden Mitarbeiter, die mir beim Bau des Gartens geholfen haben, vor kurzem in die Stadt gezogen, um dort zu arbeiten. Zurück bleibe ich –  ein einsamer Ökokrieger!

Aber meine Freunde aus der Schweiz unterstützen mich finanziell mit ihrer Firma W.S.W Energy. Hin und wieder kommen Volunteers und im Mai wird eine Gruppe Volunteers aus Singapur da sein und mir helfen. Dann werden wir auch die große Einweihungszeremonie abhalten und hoffentlich auch mit dem Englisch- Unterricht beginnen. Es wird, aber pelan-pelan (langsam-langsam)!

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Wayan´s Garten. Foto: KEEP Bali

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass die Regierung von Bali eine umweltfreundlichere Form des Tourismus propagiert – Ökotourismus oder Spirituellen Tourismus. Ich wünsche mir auch, dass sie Projekte, wie das meinige unterstützen würden – sowohl finanziell, als auch moralisch.

Außerdem wünsche ich mir, dass viel mehr Menschen ähnliche Projekte starten würden, um Bali langsam wieder grüner und gesünder zu machen! Ich appelliere somit an jedem der interessiert daran ist, den Ökotourismus oder die Permakultur in Bali zu fördern,  dies zu tun und mit mir in Kontakt zu treten! Regelmäßige Updates gibt es auch auf meiner Facebook Seite.

Hier gibt es noch das Video, dass ich für Wayan gemacht habe. Ich wollte ihm dabei helfen, selbst sein Anliegen der Welt zu präsentieren, um somit die Unterstützung zu bekommen, die er dringend braucht! Da mir sein Projekt persönlich sehr am Herzen liegt, bitte ich euch, die Geschichte und das Video so viel wie möglich zu teilen und ihn soweit wie möglich zu unterstützen!

Bis dahin wünsche ich euch viel Spaß beim Anschauen!

Fragen? Anregungen? Her damit! Wenn euch der Beitrag gefallen hat und ihr mehr über Indonesien erfahren möchtet, folgt mir auch auf Facebook und Pinterest und abonniert meinen Newsletter. Euer Indojunkie

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12 Comments
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  5. Hallo,

    danke für diesen aufmunternden und bedeutsamen Artikel. Wayan wird nicht lange allein kämpfen müssen….
    Wir sind vor einigen Wochen in ein kleines Dorf im Norden Balis gezogen. Auch wenn es hier auf den ersten Blick recht sauber zu sein scheint, täuscht der Eindruck. Wayan mit seinem Engagement exakt das, was auch mir vorschwebte, als ich beobachteten musste, wie unausgeprägt das Bewusstsein der Balinesen zum Thema Umwelt und Umweltschutz zu sein scheint. Den Ansatz in die Schulen zu gehen halte ich für den nachhaltigsten, den man gehen kann und diesen würde ich u.a. gerne fördern. Ich musste hier in unserem Dorf feststellen, dass es oft nicht am Willen und der Einsicht, sondern in erster Linie an mangelnder Aufklärung liegt… to be continued…

    Liebe Grüße Erik

  6. Hey Melissa,

    super Beitrag. Ich flieg nächste Woche mit meiner Freundin nach Bali und wir möchten gerne mal auf seiner Farm vorbeischauen und Ihn kennenlernen. Kannst du mir Kontaktinformationen geben.

    Das wär super.

    Beste Grüße
    Matthias

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  8. Könnte ich bitte die genaue Adresse per E-Mail bekommen und eventuell auch eine HP? Da ich ab April wieder für ein paar Wochen auf Bali sein werde, würde ich mir das Projekt gerne mal ansehen.

    • Liebe Hella,
      danke für deinen Kommentar! Ja, er ist wircklich ein einzigartiger Mensch! Ich bin sehr froh ihn kennen gelernt zu haben und wünsche Ihm von ganzen Herzen, dass sein Projekt funktioniert! Deshalb will ich auch so viel Öffentlichkeit schaffen, wie möglich!
      Natürlich kann ich dir die Adresse geben. Schick doch eine Email an info@indojunkie.com, dann antworte ich!

  9. Gutes Interview und ein engagierter junger Mann. Jedes Dorf bräuchte junge Leute, die die Dorfbewohner aufklären und ihnen helfen, eine gesündere Umwelt zu schaffen. Es ist ein langer Prozess aber irgendwann werden die Argumente greifen.

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