Bali, das Müllparadies: 3 Versuche, den Müll aus Bali zu vertreiben

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In dieser Artikelreihe möchte Barbara etwas näher auf die Umweltverschmutzung in Bali und seine Ursachen eingehen und verschiedene Initiativen vorstellen, die für ein gesünderes und grüneres Bali kämpfen. Den ersten Teil dieser Artikelreihe findet ihr hier.

Diese Woche stelle ich euch 3 Initiativen vor, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Müllproblem in Bali anzugreifen und vor allem durch Workshops und Müllabfuhrdienste die einheimische Bevölkerung zum Umdenken anzuregen.

ecoBali

Deponie_BaLiMa

Eine Halb-Legale Müll-Deponie, Foto: BaLiMa

Die Italienerin Paola Cannuciari gründete 2006 zusammen mit ihrem balinesischen Ehemann Ketut und einem weiteren Umweltaktivisten die Recycling- Organisation ecoBali.

Ziel des Trios war es, Bali´s Müll zu beseitigen und die Menschen zum recyceln und kompostieren zu ermutigen. Mit der Devise `Zero Waste´ bietet ecoBali sowohl Privatleuten, als auch Firmen und Hotels eine wöchentliche Müllabfuhr an. Die verschiedenen Müll-`Sorten´ werden dabei voneinander getrennt und das weiter verarbeitet, was weiterverarbeitet werden kann. Alles andere wird zu den offiziellen Mülldeponien der Regierung gebracht. Dinge wie Papier, Plastik, Metal, und Glas werden an jeweilige lokale Initiativen und Firmen gegeben, damit dort Neues aus den Abfällen entstehen kann.

So produziert zum Beispiel die Firma Sarawasti Paper Fotoalben, Notizbücher oder Postkarten aus natürlich gefärbtem und recyceltem Papier.

ecoBali selbst stellt auch Aluminiumplatten zum Dachdecken aus alten TetraPaks oder Kissenfüllungen aus Stoffresten her.

Neben der wöchentlichen Müllabholung bietet ecoBali auch Training für die Mitarbeiter der Villen, Hotels, und Geschäfte an, damit bereits vor der Abholung Plastik- und Papiermüll voneinander getrennt wird. Da ein großer Teil der Abfälle in Bali organischen Ursprungs sind, propagiert ecoBali auch ihre Kompostierungssysteme, die man ebenso käuflich erwerben kann. Tonnen, Materialien und Training für die Bediensteten inklusive.

Dieser Service ist oft – wohl aus finanziellen Gründen – nur Expats oder Geschäften zugänglich. Er wird hauptsächlich auch nur in den Gegenden südlich von Canggu angeboten, in denen viele Expats leben und sich auch die meisten Touristen aufhalten. Das zweite Standbein der Organisation sind die Workshops und der Unterricht in `positive environmental practices´ an lokalen Schulen, in denen vor allem die jüngsten Mitglieder der Balinesischen Gesellschaft mit Mülltrennung und den 5 R´s vertraut gemacht werden sollen: Reduce, Recycle, Reuse, Refuse, Rethink. Hierfür wurde die Initiative `Adopt-a-School´ gegründet, bei der Individuen Schulen finanziell unterstützen können, damit sowohl Trainings für Schüler und Lehrer, als auch Mülltonnen und deren Abholung angeboten werden können.

Inzwischen kann ecoBali auf 7 erfolgreiche Jahre, viele Kollaborationen mit anderen Organisationen und auf 50-70% Müllreduktion zurückblicken. Außerdem sammeln sie ca. 15 Tonnen nicht-organischen Mülls täglich, sowie recyclen 9-10 Tonnen im Monat.

Mehr Informationen zur Organisation, deren Produkte und Services findet ihr hier.

BaLiMa – Ingenieure ohne Grenzen

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BaLiMa-Unterricht; Foto: BaLiMa

Ein relativ junges und sich noch im Aufbau befindendes Projekt abseits der Haupttouristenrouten in der Kleinstadt Tejakula im Norden Bali´s ist das Projekt BaLiMa (Bali Limbah Management; Limbah = Abfall).

Auf Anfrage der Bewohner aus Tejakula´s Nachbarstadt Bondalem, hatte sich Anfang 2011 eine Projektgruppe von Studenten, Technikern, Ingenieuren und Übersetzern der `Ingenieure ohne Grenzen´ gegründet, um das Müllproblem in der Gegend zu lösen. Die Probleme vor Ort sind die selben, wie überall auf der Insel. Der produzierte Müll wird verbrannt oder in Straßengräben und Flüsse geworfen, von wo aus er irgendwann im Meer landet. Auf diese Weise gelangen Abwasser, Chemikalien und gesundheitsschädliche Bakterien ins Meer und somit auch unkontrolliert in unsere Nahrungskette.

Obwohl es in manchen Orten eine von den Gemeinden organisierte Müllabfuhr für ca. 50 Cent im Monat geben würde, wird diese oft aus Bequemlichkeit oder finanziellen Gründen nicht genutzt. Dabei wäre der Verkauf von Müll ein großes Business. Für ein Kilogramm Papier, Glas oder Metall bekommt man ca. 5, für Plastikflaschen und Pappe sogar 10 Cent. In unseren Augen mag das nach nicht viel klingen, aber bei der Menge an Müll in Bali könnte man damit bestimmt eine ganze Familie versorgen.

In dem Projekt soll nun der Müll gesammelt, getrennt, kompostiert, recycelt oder zu den offiziellen Mülldeponien gebracht werden. Auch Biogas könnte aus den organischen Abfällen erzeugt werden. Dazu arbeiten die beteiligten Techniker und Ingenieure an einer kostengünstigen, verträglichen und effizienten technischen Lösung.

Ausschlaggebend für den Erfolg des Projekts wird aber die Bevölkerung selbst sein.

Nur die Veränderung von Gewohnheiten und des Denkens in der Gesellschaft kann wirklich etwas bewirken. Die Tatsache, dass die einheimische Bevölkerung die Initiative selbst angeregt hat, zeigt bereits sehr deutlich, dass sie ihre Situation ändern wollen.

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Die Ziele der `Grünen Unterrichtsstunden´; Foto: BaLiMa

Allerdings dauert es wohl noch ein bisschen, bis sich die Bewohner an die Idee der Mülltrennung gewöhnt haben. So wurden zwar für jeden Haushalt zwei Tonnen bereit gestellt, allerdings benutzen die Bewohner oft nur eine der beiden als `Mischmülltonne´.

Hauptinitiator vor Ort ist die Organisation Yayasan Gaia Oasis, die seit Dezember 2013 zusammen mit GUS Foundation und ecoBali sogenannte `Grüne Unterrichtsstunden´ vor allem für Kinder und Jugendliche abhält, um sie zu sensibilisieren und zum Umdenken zu bewegen.Falls ihr Interesse oder Ideen habt, wie ihr die Ingenieure ohne Grenzen in Berlin oder die Menschen vor Ort unterstützen könnt, meldet euch Steffen.

Project Clean Uluwatu

Sonnenuntergang in Uluwatu

Sonnenuntergang in Uluwatu; Foto: Barbara Nickl

Der Star unter den Umweltprojekten in Bali ist wohl momentan Project Clean Uluwatu an der Südwestküste der Bukit Halbinsel. Spätestens seit der Veröffentlichung des Surf-Kultfilms `Morning of the Earth´ in den 1970ern gehört Uluwatu zu einem der

bekanntesten und beliebtesten Surfspots Indonesiens. Jeden Tag brechen sich dort perfekte Wellen und man spürt die Magie des Ortes spätestens dann, wenn man bei Sonnenuntergang auf´s offene Meer blickt. Nicht ohne Grund steht dort einer der wichtigsten Tempel der Balinesen. Zwischen 300 und 500 Touristen täglich besuchen Uluwatu. Der Ort ist innerhalb der letzten 30 Jahre rapide gewachsen, allerdings ohne effektive Infrastruktur.

So konnten die etwa 50 Warungs (Restaurants) und Geschäfte, die es mittlerweile dort gibt, ihre Abfälle und das gebrauchte Speiseöl nicht richtig entsorgen. Auch gab es keine öffentlichen Toiletten oder Mülleimer – geschweige denn eine organisierte Müllabfuhr. Etwas versteckt vor den Blicken aber nicht vor den Nasen der Besucher, befand sich daher ein `See´ voller Müll und Abwasser, der mit E.coli Bakterien und Speiseöl verseucht war. Bei Regen konnte all das ins Meer, ins Riff und somit in die Wellen gelangen und nicht nur das Ökosystem sondern auch viele Surfer ernsthaft krank machen.

Im Juni 2011 hatte sich aus Freiwilligen, lokalen Expat Surfern und ein paar Locals das Komitee `Project Clean Uluwatu´ gebildet, dass sich zum Ziel gesetzt hat, ihr geliebtes Uluwatu sauber zu halten. Die GUS Foundation baute Duschen und öffentliche Toiletten und es wurden in einer einmaligen Aktion etwa 30 Tonnen Müll aus der Schlucht hinter den Warungs geborgen und zur offiziellen Mülldeponie in Benoa gebracht. Daraufhin bekam jeder Warung und jedes Geschäft Mülltonnen und es wurde ein Container aus Beton gebaut, in dem nun der ganze Müll gesammelt und dreimal wöchentlich von ecoBali abtransportiert wird. Dieses `Solid Waste Management´ System wurde Ende 2013 von einem Tank ergänzt, in dem sämtliche Abwässer und Flüssigkeiten, die nicht ins Meer gelangen sollen, gesammelt werden.

Ladies Uluwatu

Die Ladies sammeln den Müll ein. Foto: Project Clean Uluwatu

Der Bau des Tanks wurde vor allem durch verschiedene Fundraising Aktionen der Initiatoren, sowie von privaten Spendengeldern finanziert. Auch unterstützen einige Mitglieder der Surfgemeinschaft und der Surfindustrie das Projekt. So haben beispielsweise die beiden ASP-Surfer Kelly Slater und Michel Bourez jeweils ein Surfbrett zur Auktion freigegeben.

Mittlerweile ist der Tank fast komplett funktionsfähig, fast alle Warungs sind angeschlossen und die organischen Abfälle werden kompostiert, damit sie direkt vor Ort in fruchtbare Erde umgewandelt werden können und nicht durch halb Bali transportiert werden müssen.

Alle Beteiligten hoffen nun, dass Uluwatu und das benachbarte Padang Padang bald zum `World Surfing Reserve´ ernannt wird.

Wie ihr seht geschieht einiges auf Bali und das kleine Paradies ist nicht ganz verloren. Es gibt noch viel mehr Initiativen, als ich euch hier vorstellen konnte. Es folgen auch noch einige in den nächsten Artikeln. Trotzdem scheint es, dass die ganze Mühe noch zu wenig ist.

Nächste Woche lernt ihr den großartigen Wayan Tusan kennen! Warum er so großartig ist? Das erfahrt ihr dann…;-)

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10 Comments
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  5. So ist es uberall in diesen Landern.
    Was die Authorenschaft verschweigt, sind die wahren Ursachen.
    Die Eingeborenen sind einfach auch geizig, so muss man es sagen.
    Ihnen ist die Natur nichts wert, und die Abfallkosten wollen sie nicht zahlen.
    Hungern tun die Guesthouse und Ladenbesitzer sicher nicht.

    • “So ist es uberall in diesen Ländern.”

      Was für ein dummer Kommentar! Z.B. bei mir hier in Berlin wäre es nicht anders, wenn es nicht die BSR ab und wann entsorgen würde. Die Arschlochquote ist überall gleich, das hat nix mit “diesen Ländern” zu tun. Will heissen, auch in “diesen Ländern” gibt es jede Menge Menschen, die auf Müllvermeidung/Müllentsorgung achten, inklusive der Touristen.

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    • Danke für deinen Kommentar, Marvin!
      Es ist immer gut Lob zu hören! Gerade bei dem wichtigen Thema. Der Hintergedanke zur Serie war hauptsächlich, auf das Thema aufmerksam zu machen, was uns hoffentlich gelungen ist. :-)
      Barbara

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