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Was passiert mit all dem Müll in Indonesien?

von Gunda Wörlein

Wer nach Indonesien reist, freut sich vor allem auf die Natur: paradiesische Inseln, einsame Strände und unberührter Dschungel. Für viele bedeutet das: je weiter raus aus der Stadt, umso besser!

Dass sie dabei jedoch nicht nur an gut besuchten Stränden, sondern auch in abgelegenen Regionen Müll finden, ist für viele Reisende häufig ein Schock. Bunte Strohhalme, Plastiktüten, PET-Flaschen und Verpackungen säumen Traumstrände, Straßengräben und Vorgärten. 

In diesem Artikel erfährst du, warum es so viel Müll in Indonesien gibt, wie die Müllentsorgung (nicht) funktioniert und welche Bemühungen es gibt, das große Müllproblem des Landes in den Griff zu bekommen.

TIPP: Wenn du unseren Indonesisch-Crashkurs machst, spenden wir 5 Euro an das Zero Waste Shool Programm in Indonesien. Dieses fördert das Bewusstsein für die Gefahr von Plastik.

Muell-Indonesien

Ein globales Problem: Plastik

Bevor wir uns dem Müll in Indonesien zuwenden, machen wir einen kleinen Ausflug in die Welt von Plastik. Dieses macht nämlich den Großteil unseres Mülls aus.

Plastik ist schädlich – darüber sind wir uns alle einig. Dank seiner unzerstörbaren Eigenschaften kann es nicht abgebaut werden. Plastik zerfällt nur in kleinere Teile (Mikroplastik) und besteht in irgendeiner Form für immer auf dem Planeten weiter. 

Das Problem von Plastik fängt bereits bei der Produktion an, wie der animierte Kurzfilm „The Story of Plastic“ zeigt. Es ist der gesamte Lebenszyklus vom Anfang bis zum ungewissen Ende, der sowohl für Menschen als auch den Planeten schädlich ist.

Plastik wird aus fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Gas hergestellt. Bei der Extraktion und Umwandlung dieser Materialien fallen Emissionen an, die in die Atmosphäre gelangen und die Umwelt belasten. Kohlenstoffdioxid, Methan und andere austretende Gase schädigen zudem die Gesundheit umliegender Gemeinschaften. 

Während die Gewinnung von Erdöl und Gas als Stromquelle weiter abnimmt, haben die Konzerne mit der Plastikproduktion eine neue Quelle für sich entdeckt. 

Die weltweite produzierte Plastikmenge hat in den letzten 70 Jahren rasant zugenommen – bis auf rund 407 Millionen Tonnen im Jahr. Es werden weltweit mehr Plastikprodukte produziert, als wir verbrauchen können. Asien ist hierbei der größte Abnehmer.

Es werden weltweit mehr Plastikprodukte produziert, als wir verbrauchen können.

Asien: Weltmeister des Plastikkonsums

Im Gegensatz zu anderen Produkten wird die Produktion von Plastik nicht durch die Nachfrage, sondern vom Angebot gesteuert. Durchdachtes Marketing und die systematische Verteilung von Einwegplastik – vorangetrieben durch die üblichen Verdächtigen Unilever, Nestlé und Procter & Gamble – haben einen laufenden Anstieg der Produktion zur Folge.

Gemeinschaften asiatischer Länder (darunter auch Indonesien), die kein bis wenig Verständnis für Plastikmüll und seine Auswirkungen auf die Natur haben, werden mit importierten Waren aus dem Westen überflutet. Wie sie Einwegverpackungen, PET-Flaschen und Plastiktüten jedoch vernünftig entsorgen können, wird ihnen selbst überlassen.

Wo landet der Müll?

Kein Wunder, dass in Ländern ohne existierendes oder nur begrenzt funktionierendes Abfallsystem der meiste Müll in der Natur landet. Geschätzt sind das etwa 32 %.

Etwa 40 % landen auf Mülldeponien, 14 % werden in Fabriken verbrannt und die restlichen 14 % werden recycelt

Von diesen 14 % werden nur schockierende 2 % effektiv recycelt, das heißt in ein anderes, besseres Produkt umgewandelt. Die restlichen 12 % werden „down-recycelt“, d. h. in etwas Schlimmeres als vorher umgewandelt (wie z. B. Plastiktüten). Diese landen in der Regel nach einem Gebrauch dort, wo der restliche Müll bereits ist.

Etwa 40 % landen auf Mülldeponien, 14 % werden in Fabriken verbrannt und die restlichen 14 % werden recycelt. 

Die größten Müllschlucker: unsere Ozeane

Rund 10 Millionen Tonnen Plastikmüll landen jährlich im Meer. Mehr als die Hälfte davon (!) sinkt und verschwindet in den Tiefen der Ozeane. 

Das Erschreckende daran ist: über 80 % des Ozeanmülls kommt ursprünglich vom Land. Über Flüsse und Kanäle gelangt dieser in die Meere – sogar von Regionen fernab der Küsten.

Der restliche Müll setzt sich aus absichtlich entsorgtem oder verloren gegangenem Müll von Schiffen, illegal auf See entsorgtem Müll und Katastrophenmüll von Tsunamis, Hurrikans oder Sturmfluten zusammen.

Spitzenreiter in der Verschmutzung der Ozeane ist China, an zweiter Stelle folgt Indonesien. Länder wie Vietnam, Thailand, Philippinen und Sri Lanka tragen ebenfalls einen erheblichen Teil dazu bei.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich geschätzt mehr als fünf Trillionen Stücke Plastik im Ozean befindet. Strömungen, Wellen und Winde tragen den Müll von den Kontinenten zusammen. Dieser bildet keine Plastikinseln mehr, sondern ist in Form von Mikroplastik als „Plastiksmog“ überall an der Wasseroberfläche zu finden.

Rund 10 Millionen Tonnen Plastikmüll landen jährlich im Meer. Spitzenreiter in der Verschmutzung der Ozeane ist China, an zweiter Stelle folgt Indonesien

Folgen von Ozeanmüll

1 | Giftstoffe gelangen in unsere Nahrungskette

Sonne und Salz zersetzen die Plastikteile zu Mikroplastik. Die raue Oberfläche der Teilchen zieht Gifte und Chemikalien aus dem Ozean an, die kilometerweit davongetragen werden. 

Shrimps, kleine Fische und andere Unterwasserlebewesen, die sich normalerweise von Plankton ernähren, fressen Mikroplastik. Das Plastik landet in den Mägen der Fische und die Gifte werden in den Körper aufgenommen. Auch zusätzliche Weichmacher wie Phthalate oder BPA (Bisphenol A) werden abgegeben und setzen sie sich im Fett- und Muskelgewebe der Tiere fest. 

Thunfische, Makrelen und andere Fischarten, die sich von kleineren Fischen ernähren, nehmen ebenfalls diese Giftstoffe auf. Landen diese wiederum im Anschluss auf unserem Teller, können Chemikalien und Gifte auch unsere Körper erreichen.

Phthalate und BPA können im menschlichen Körper Östrogen imitieren und das Hormonsystem durcheinander bringen. Während der Schwangerschaft können sie zu Missbildungen führen und außerdem Allergien, Übergewicht sowie ein erhöhtes Krebsrisiko bei Erwachsenen auslösen. 

Mikroplastik befindet sich übrigens auch in vielen Kosmetikartikeln wie Peeling, Duschgel oder Shampoo.

LesetippBeihilfe zum Mord: Wie wir unsere Meere langsam zu Grunde richten

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2 | Fatale Folgen für Tiere

Plastikteile werden nicht nur von Fischen aufgenommen, sondern auch von Seevögeln. Geschätzt haben rund 90 % aller Seevögel Plastikteile im Magen. Diese verwechseln sie mit Nahrung, bis ihr Magen mit den Fremdkörpern nicht mehr umgehen kann und sie elendig an den Plastikmengen verenden.

Auch Wale, deren Mägen bis oben mit Plastik vollgefüllt waren, wurden bereits gefunden. Schildkröten, die sich normalerweise von Quallen ernähren, verwechseln im Wasser treibenden Plastiktüten mit ihrer Lieblingsnahrung. Plastik produziert im Magen der Tiere Gas, sodass ein erneutes Abtauchen schwierig werden kann.

Geschätzt haben rund 90 % aller Seevögel Plastikteile im Magen.

3 | Folgen für das Klima

Ein gesunder Planet ist abhängig von den Ozeanen, die insgesamt rund 70 % der Erdoberfläche ausmachen. Zusammen mit den Regenwäldern tragen sie einen erheblichen Teil zu unserem Klima bei.

Ozeane stabilisieren das Klima, indem sie Wärme speichern und CO2 aufnehmen. Kommt dieses zerbrechliche Ökosystem ins Schwanken, kann es fatale Folgen für unser Klima und unseren Planeten haben. 

Indonesien: Plastikland und Wegwerfkultur 

Plastik, Plastik, Plastik – wer sich außerhalb von Touri-Geschäften in „typisch indonesischen“ Läden umschaut, wird schnell feststellen, dass außer Plastik meist nicht viel angeboten wird.

Ob Einrichtungsgegenstände, Haushaltswaren oder Fußabtreter – im ländlichen Indonesien ist es schwer, natürliche, qualitativ hochwertige und alternative Materialien zu Plastik zu finden. 

Wozu auch? Viele der Waren sind so günstig, dass sie im Falle des Versagens einfach neu gekauft werden können. Nicht ohne Grund sind viele Häuser mit altem, unbrauchbaren Ramsch vollgestopft. Wer alte Produkte nicht mehr benutzen möchte oder kann, wirft sie einfach auf den eigenen Müllberg – oder eben in den Vorgarten.

Besonders in ländlichen und abgelegenen Regionen ist der Müll im Garten ein ganz normales Bild. Je abgelegener, desto schlimmer. Einwegverpackungen, Plastikflaschen und bunte Tütchen landen einfach dort, wo man sie gerade leert.

Vor allem Sachets, kleine Einwegbeutel, sind sehr beliebt. Einfache Indonesier können sich häufig keine größeren Mengen auf einmal leisten und greifen aus diesem Grund zu Sachets. Das Problem: Sachets bestehen aus mehreren unterschiedlichen Schichten, die nicht recycelt werden können

Ein Grund dafür, warum Verpackungen dort landen, wo sie geleert werden, ist die alte Gewohnheit. Während früher traditionelle Snacks im Bananenblatt serviert wurden, werden sie heute in billigem Plastik verpackt. Ist die Mahlzeit beendet, wird die Verpackung einfach über die Schulter geworfen. So landen Takeaway-Boxen, Plastikbesteck und Dosen im Gebüsch.

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Müll aus dem Ausland

In Deutschland sind wir stolz auf unsere sauberen Straßen und ordentlich getrennten Müllsäcke. Zufrieden lehnen wir uns zurück und meinen, wir hätten unser Möglichstes getan. Doch ist es wirklich so?

Allein im Jahr 2019 hat die EU 1,5 Millionen Tonnen Plastikmüll exportiert, mit dabei waren Lieferungen aus Deutschland. Die Exporte gingen vor allem in die Türkei und andere asiatische Länder, darunter auch Indonesien. 

Industriestaaten wie Australien, USA und England exportieren ebenfalls fleißig Müll. Nachdem China den Import von jeglichem Müll Anfang 2018 komplett verboten hat, sind es Länder wie Malaysia, Philippinen und Indonesien, die darunter leiden. Denn zusätzlich zu ihrem eigenen Müll müssen sie den ankommenden Müll aus dem Westen bewältigen.

Recyclingbusiness von Import-Müll

Recycling in Asien ist vor allem für westliche Länder lukrativ, da es günstiger als im eigenen Land ist. Einheimische sind von diesem Business ebenfalls abhängig, da es für viele der einzige Lebensunterhalt ist. 

Import-Müll wird in die Dörfer transportiert und Tag für Tag sortiert. Was recycelt werden kann, wird an Recyclingfirmen verkauft. Was nicht recycelt werden kann, wird anderweitig entsorgt.

Das Problem: immer häufiger wird zwischen den Recycling-Müll auch anderer Müll gemischt, wie beispielsweise Elektromüll, Restmüll, Öl oder Medikamentenabfälle. Wird dieser bei der Einfuhr entdeckt, wird er kurzerhand wieder in die Export-Länder zurückgeschickt. Versäumt der Zoll die sorgfältigen Kontrollen, müssen die Einheimischen das Problem bewältigen.

Die Recyclingindustrie ist – ähnlich wie die Palmölindustrie – ein Dilemma, indem die indonesische Bevölkerung steckt. Viele Familien hängen von ihr als Einkommensquelle ab. Dabei bemerken sie nicht, wie sie auf lange Sicht ihr eigenes Land und somit ihre Lebensgrundlage zerstören. 

In einem offenen Brief an Präsident Jokowi hat die Zero Waste Allianz, ein Zusammenschluss mehrerer Organisationen, auf diese Problematik hingewiesen.

Das Abfallsystem in Indonesien

Die Flüsse Jakartas gehören zu den dreckigsten Flüssen der Welt. Wissenschaftler haben in einer Studie herausgefunden, dass pro Stunde rund 20.000 Stücke Plastik aus dem Fluss Ciliwung ins Meer fließen.

Indonesien produziert jährlich rund 6.8 Millionen Tonnen Plastikmüll. Wie in vielen anderen asiatischen Ländern existiert auch im Inselstaat kein vernünftiges Abfallsystem

In der Regel sind die lokalen Regierungen für die Abfallentsorgung verantwortlich. Doch ihnen fehlen meist finanzielle und personelle Mittel sowie die nötige Infrastruktur, um ein Müllentsorgungssystem zu implementieren.

Noch schlimmer ist es auf den kleinen Inseln, wo es keine Sammelsysteme gibt und jeder für seinen eigenen Müll verantwortlich ist.

Gibt es in größeren Städten Müllabfuhren, Reinigungskräfte und Müllsammler, dann können selbst diese die täglich anfallenden Müllberge nicht bewältigen. Hinzu kommt, dass die Mehrheit städtischer Deponien bereits überfüllt sind und viele Abfälle trotzdem ungehindert in die Natur fließen.  

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Wie wird Müll in Indonesien entsorgt?

a) Mülldeponien

Mülldeponien sind nichts anderes als riesige ungesicherte Müllberge, die sich entweder mitten in der Natur oder an Randgebieten von Städten befinden. Eigentlich wird auf einer Mülldeponie Müll langfristig gelagert, um die Umwelt so wenig wie möglich zu schädigen. 

Das Problem von Deponien ist, dass diese offenen Müllberge nie kleiner werden, sondern stetig wachsen. Entsorgt wird dabei alles – Restmüll, Biomüll, Plastik, Elektromüll und Dosen aber auch gefährliche Chemikalien, Öle oder Medizinfläschchen.

Müll, der auf diese Weise über Jahrzehntelang gelagert wird, gibt Giftstoffe und Chemikalien in das Grundwasser und die Erde ab. Der Gestank, der dabei entsteht, ist unbeschreiblich.

Rund um die Müllhalden leben in der Regel Familien, die täglich in den Überresten nach Verwertbarem suchen. Allein auf der Deponie Bantar Gebang in Jakarta sind es über 6.000 Müllsammler. Für sie stellt die Arbeit auf dem Müllberg die einzige Einkommensquelle dar. Kinder helfen ebenso mit wie die Erwachsenen – wenn sie nicht gerade in und mit den Abfällen spielen.

Häufig wird noch vor Ort Müll verbrannt, um an Draht oder Metall zu gelangen. Der aufsteigende Rauch und die giftigen Dämpfe können u. a. Tuberkulose und Atemwegserkrankungen auslösen. Auch Entwicklungsstörungen, Krebs, Unfruchtbarkeit und eine hohe Sterberate sind bei Müllsammlern keine Seltenheit.

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b) Müllverbrennung

Wer öfter in Indonesien unterwegs ist, wird sich bereits daran gewöhnt haben: kleine Feuer vor den Häusern, Rauchschwaden in der Luft und ein beißender, unangenehmer Geruch.

Die private Verbrennung von Müll – allen voran Plastik – ist völlig normal. Dass dabei giftiger Rauch und Asche durch die Luft fliegt, ist komplett nebensächlich. 

Erschreckenderweise wird Plastik jedoch auch als Brennmaterial benutzt, da es schneller brennt und günstiger als Holz ist. Als Brennstoff gelangt es u. a. in Tofu-Fabriken und giftige Dioxinwerte in unsere Nahrungskette. Krebs, ein geschädigtes Immunsystem und Entwicklungsstörungen sind nur einige Folgen davon.

Müllverbrennungen im großen Stil, wie sie in der Nähe von Mülldeponien stattfinden, sind schädlich für Gesundheit und Umwelt. Mit ihnen gelangen Kohlenmonoxid und Treibhausgase in die Atmosphäre.

Giftige Stoffe können außerdem in das Grundwasser und die Erde gelangen und ganze Dörfer vergiften.

c) In die Natur

Die einfachste Art der Müllentsorgung ist der Wurf „aus dem Fenster“. Mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit landet Müll in Vorgärten, Straßengräben, Wäldern und Flüssen. Solange er aus den Augen ist, wird sich das Problem schon irgendwie von selbst lösen. Ganz nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn!

Das meiste davon landet letztendlich im Meer. Wind und Wellen treiben den Müll kilometerweit bis zu unberührten Inseln im Archipel. So wundert es nicht, dass die schönsten Strände – abhängig von der Wetterlage – regelmäßig im Müll versinken. 

Indonesien-Muellproblem

Recycling von Müll: erste Schritte in die richtige Richtung

Initiativen wie die Bank Sampah (übersetzt: „Müllbank“) gibt es bereits an vielen Orten Indonesiens. Das Prinzip von Müllbanken ist simpel, aber effektiv. Sie bieten Einheimischen die Möglichkeit, ihren Müll vorbeizubringen und sich im Gegenzug einen kleinen Betrag auszahlen zu lassen. An einigen Orten wird der Müll sogar von Sammelstellen abgeholt.

Viele der Müllbanken verschiffen den Müll nach Java, wo er bei Recyclingfirmen landet. Diese verarbeiten das Plastik zu kleinen Pellets, die erneut für die Produktion von Plastikprodukten verwendet werden können. 

Kleine Initiativen wie Gili Eco Trust, die Bank Sampah Maumere und Garduaction bieten selbstgemachte Produkte aus recycelten Materialien an. Zusätzlich bemühen sie sich um die Aufklärung der Einheimischen, bieten Workshops an und geben Vorträge zum Thema.

Dennoch – das große Müllproblem löst es nicht. Denn: Viele der Plastikabfälle (vor allem Einwegplastik und Sachets) können nicht recycelt werden. Offiziell landen geschätzt nur etwa 10 % des Plastikmülls in Indonesien beim Recycling

Nur etwa 1.300 Recycling-Stationen gibt es im Land. Meist sind es vor allem gebildetere Menschen, die ihren Müll zum Recyceln bringen. Die einfachen Indonesier bevorzugen weiterhin den Wurf aus dem Fenster. 

Offiziell landen geschätzt nur etwa 10 % des Plastikmülls in Indonesien beim Recycling. 

Herausforderungen im Kampf gegen den Müll

Die größte Herausforderung ist mit Abstand die mangelhafte Bildung der Einheimischen. Der Großteil hat kein Verständnis für die Umwelt oder ihre zusammenhängenden natürlichen Prozesse. Ihnen ist nicht bewusst, was Plastik für Schäden anrichten kann – wichtig ist, dass es günstig und schnell verfügbar ist.

Der rasante Bevölkerungszuwachs in Indonesien begünstigt das Problem zusätzlich, denn mehr Menschen bedeutet auch mehr Müll. 

In einem aktuellen Artikel ist von einem plastic waste emergency Indonesiens die Rede. Schuld daran ist laut UN der übermäßige Konsum von Einwegplastik und das schlechte Abfallmanagement. Geschätzt landen in Indonesien mehr als 600.000 Tonnen jährlich im Meer. Fehlende Mülleimer, unzureichende Bemühungen der Behörden und eine herausfordernde Logistik bei über 17.000 Inseln tun ihr Übriges.

Dabei macht die Corona-Krise die Situation nicht besser. Zum übermäßigen Verbrauch von Verpackungsmaterial gesellen sich Masken, Handschuhe und andere Schutzausrüstungen.

Durch die Corona-Krise gesellen sich zum übermäßigen Verbrauch von Verpackungsmaterial auch noch Masken, Handschuhe und andere Schutzausrüstungen.

Welche Lösungen gibt es?

Indonesien hat sich zum Ziel gesetzt, seinen Plastikmüll bis 2025 um 70 % zu verringern. Bis 2040 soll dieser komplett eliminiert sein.

Ein sehr ambitioniertes Ziel der Regierung, dass nur mit einem Zusammenspiel von Politik, Bildungsprogrammen und kreativen Initiativen erreicht werden kann.

Indonesien hat sich zum Ziel gesetzt, seinen Plastikmüll bis 2025 um 70 % zu verringern. Bis 2040 soll dieser komplett eliminiert sein.

a) Einheimische sensibilisieren

An erster Stelle steht die Mobilisierung der Einheimischen. Solange diese kein Bewusstsein für das Müllproblem entwickeln, wird jede Bemühung zur Abfallentsorgung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein.

Dabei sind es weniger die Städte, sondern vielmehr die abgelegenen Regionen, in denen die Menschen keinen bis wenig Zugang zu Bildung haben. Genau diese Regionen gilt es zu schützen, denn sie beherbergen meist die schönste Natur, die bereits im Müll versinkt.

Es ist nicht genug, als Ausländer den Strand aufzuräumen, wenn die Einheimischen daneben stehen. Viel wichtiger ist es, die Menschen an die Hand zu nehmen und ihnen das Problem näherzubringen. Denn letztendlich sind sie es, die für die Zukunft ihres Landes verantwortlich sind. 

Das Thema Müll und Umweltschutz gehört auf den Tisch jeder regionalen politischen Diskussionen und als fester Bestandteil in den Unterricht.

Aber auch die ältere Generation darf dabei nicht vergessen werden, da sie als wichtigstes Vorbild für ihren Nachwuchs vorangehen. Workshops und Aufklärungsarbeit in den Dörfern sind dafür unverzichtbar.

Wenn du unseren Indonesisch-Crashkurs machst, spenden wir 5 Euro an das Zero Waste Shool Programm. Die Zero Waste School fördert das Bewusstsein für die Gefahr von Plastik (einschließlich Mikroplastik in unseren Lebensmitteln und Ökosystemen) und zeigt die Auswirkungen von Plastikmüll in unseren Ozeanen. Das Programm stellt Kindern Methoden zur Abfalltrennung vor und verdeutlicht, wie organische Abfälle im Gegensatz zu anorganischen Abfällen biologisch abgebaut werden. Die geschulten Pädagogen klären außerdem über die Gesundheitsrisiken auf, die mit der Verwendung sowie Verbrennung von Kunststoffen verbunden sind. Im Programm enthalten sind zudem Einkaufstaschen für jeden Schüler und Lehrer, ein rostfreies Lunchpaket für den Lehrer und ein Nazava-Wasserfilter für die Klasse.

b) Unterstützung der Regierung

Organisationen und Initiativen, die sich für Umweltschutz einsetzen und Recycling-Möglichkeit bieten, geben die Richtung vor. Leider operieren sie jedoch in vielen Fällen ohne oder nur mit geringem Rückhalt der Regierung

Ein Großteil der Recycling-Initiativen sind auf den Inseln Java, Bali und Sumatra angesiedelt. Während in vielen Städten bereits tolle Recycling-Stationen zu finden sind, stehen die restlichen Inseln im Archipel vor dem gleichen Problem wie zuvor. Auch hier sind es wieder die abgelegenen Regionen Indonesiens, die akut die größte Unterstützung benötigen.

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c) Kreislaufwirtschaft

Recycling ist gut, doch wird es das Plastikproblem auf Dauer lösen? Gilt es nicht vielmehr, die Ursache des Problems anzupacken?

Die Optimal-Lösung wäre eine Zero-Waste-Gesellschaft, in der alle Produkte und Verpackungen wiederverwendbar, reparierbar, kompostierbar oder effektiv recycelbar wären. Eine Kreislaufwirtschaft, in der kein zusätzlicher Müll anfällt und die sowohl für Mensch, Tier und Umwelt nachhaltig ist. Erste Schritte dafür werden bereits getan:

Das Zero Waste Living Lab setzt beispielsweise auf Geschäftsmodelle zur Wiederverwendung und Nachfüllung von Produkten, um zusätzlichen Plastikmüll zu vermeiden. Biotec schickt Plastik in Form von Helmen zurück in die Wirtschaft. Rebricks verwandelt nicht-recycelbares Plastik zu Baumaterial. Die NGO Get Plastic verwandelt Plastikmüll in Brennstoff. Und ein vielversprechendes Projekt der Regierung mischt Plastikmüll in den Asphalt für den Bau von Straßen

Die Optimal-Lösung wäre eine Zero-Waste-Gesellschaft, in der alle Produkte und Verpackungen wiederverwendbar, reparierbar, kompostierbar oder effektiv recycelbar wären.

Weitere Beispiele für Initiativen zur Mülltrennung und zum Umweltschutz

Es gibt zahlreiche unterstützenswerte Projekte, die sich an verschiedenen Orten für Umweltschutz in Indonesien einsetzen. Mit viel Engagement und Leidenschaft geben sie Hoffnung auf eine plastikfreie Zukunft

Trash Heros Indonesia ist eine Umweltbewegung in Südostasien. Diverse Trash Hero Gruppen in verschiedenen Regionen befreien Strände, Flüsse und Felder von Müll und setzen sich für die Aufklärung der Bevölkerung ein.

Child Aid Papua ist eine Umweltschule in Raja Ampat. Sie setzt beim Thema Umweltschutz genau dort an, wo es am meisten Wirkung hat: bei der Bildung und Erziehung der jungen Generation.

Diet Kantong Plastik ermutigt und inspiriert Menschen in Indonesien, keine Plastiktüten mehr zu verwenden. Die Organisation setzt auf Bildung und Öffentlichkeitsarbeit und setzt sich außerdem für eine bessere Gesetzgebung ein. Die Mitbegründerin Tiza Mafira ist in dem Film The Story of Plastic zu sehen.

Aliansi Zero Waste ist ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen, die sich für eine Zero Waste Zukunft Indonesiens einsetzen.

Bye Plastic Bags ist eine von den Schwester Melati und Isabel Wisjen gegründete Jugendbewegung, die mit Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnen und politischen Treffen für eine Welt ohne Plastiktüten eintritt.

#breakfreefromplastic ist eine weltweite Bewegung, die sich für eine plastikfreie Zukunft einsetzt. 

bank Sampah
Die Bank Sampah in Maumere

Was kannst du gegen die Plastikflut unternehmen?

Auch du kannst dich jeden Tag für eine plastikfreiere Welt entscheiden. Denn letztendlich wird Plastik erst verschwinden, wenn wir die Industrie zum Umlenken zwingen

✓ Kaufe, wenn möglich in einem der zahlreichen Zero Waste Läden ein, die es mittlerweile in Deutschland gibt.

✓ Vermeide den Kauf von Kosmetikartikeln, die Mikroplastik enthalten und wähle Alternativen

✓ Kaufe keine Einmalprodukte wie Teebeutel und Kaffeepads und vermeide den Kauf von einzeln verpackten Lebensmitteln. Wähle stattdessen Behälter in größeren Mengen.

✓ Vermeide den Kauf von Obst und Gemüse in Plastik. Gibt es keine Alternative, öffne die Verpackung und lasse sie im Laden. Erst wenn die Müllentsorgung zu einem eigenen Problem für den Supermarkt wird, werden Verantwortliche eine Änderung in Erwägung ziehen.

✓ Informiere dich darüber, was du für dein Zero Waste Leben tun kannst.

✓ Mach deine Umgebung auf das Plastikproblem aufmerksam. Filme wie A Plastic Ocean, Trashed und The Story of Plastic können dabei hilfreich sein.

✓ Engagiere dich in der Politik oder unterstütze Organisationen, die auf das Müllproblem und seine Folgen aufmerksam machen und sich für eine müllfreie Zukunft einsetzen.

✓ Spreche bei deiner nächsten Indonesien-Reise über Müll und seine Folgen. Erkläre, warum Ausländer der Anblick von Müll stört und was jeder Einzelne dagegen tun kann. Mit etwas Glück erzielst du damit eine positive Wirkung.

✓ Nutze unseren Flyer für dein nächstes Beach-Cleanup.

Vorderseite
Rückseite

Wie ist deine Erfahrung mit Müll in Indonesien? Was sind deine Gedanken zu diesem globalen Problem? Hast du weitere Tipps für ein Zero Waste Leben? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

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Über die Autorin:

Autorenfoto Gunda mit Hartono

Gunda kommt aus der Tauch- und Tourismusbranche und war einige Jahre in Südostasien unterwegs, bevor sie ihr Herz an Indonesien verlor. Hier fand sie nicht nur ihre neue Heimat, sondern auch ihre große Liebe. Nach der Leitung eines Tauchresorts in Raja Ampat, entstand die Idee zu ihrer Webseite. Mittlerweile lebt sie als freie Autorin und Podcasterin mit ihrem Mann Hartono auf Morotai, wo die beiden sich eine kleine Selbstversorger-Farm aufbauen möchten. Mehr von dieser Autorin lesen.

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