Trekking in Papua: Eine Reise zu den Lani in den Bergen des Baliemtals

[post_ender]

Heute dreht sich alles um die Abenteuer des bekennenden Indojunkie Dominique Wirz, welche er in seinem Buch “Abenteuer Indonesien” veröffentlichte. Erfahrt mehr über sein Trekkingabenteuer zu den Lani in den Bergen des Baliemtals in Papua.

Wenn wir hier nur wieder heil hinunterkommen, schiesst es mir durch den Kopf. Die fünfzehn-plätzige Fokker tanzt durch kreiselnde Winde, bekommt Schub und verliert wieder an Kraft. Ab und zu wird der Blick durch die Wolken frei auf die saftig grünen Felder entlang des Baliem-Flusses. So mag es wohl ausgesehen haben, als der amerikanische Entdecker Richard Archbold das fruchtbare Baliemtal im Jahre 1938 als erster Weisser aus dem Flugzeug erspähte.

INIZ_022

Ein schwieriger Anflug!

Auch heute noch ist das abgelegene Hochtal im mächtigen Felsgürtel im Herzen von West Papua nur mit dem Flugzeug erreichbar. Erst gestern bin ich in Wamena, dem Hauptort des Baliemtals angekommen. Damals noch alleine, auf der Suche nach einer Gelegenheit für ein Trekking fernab der Zivilisation. Ich hatte Glück. Am Abend traf ich Peter und Mark, zwei sympathische Amerikaner, die Gleiches vorhatten. Alles war schon organisiert: Führer, Flug, ungefähre Trekkingroute, Proviant. Morgen würde es losgehen, ich solle doch auch mitkommen. Dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht.

Plötzlich bin ich wieder in der Gegenwart. Der Pilot nimmt die Schubhebel zurück. Regen prasselt auf die Cockpitscheibe. Erst jetzt erblicke ich die steil in den Hang gebaute Graspiste vor uns. Ein schwieriger Anflug! Trotz den starken Seitenwinden schafft es der Pilot, die Maschine sicher zu landen. Hier im Dorf Karubaga, im Westen des Baliemtals.

INIZ_192b

Es leben 250 verschiedene ethnische Gruppen in Papua

Erleichtert steigen wir aus und werden sogleich umringt von jungen kräftigen Papuas, die unser Gepäck tragen wollen. Wie die Aborigines von Australien wanderten sie während der letzten Eiszeit vor über 16.000 Jahren bei bis zu 150 Meter tieferem Meeresspiegel aus Südostasien ein und breiteten sich auf der ganzen Insel Neuguinea aus. Heute werden allein im westlichen, dem zu Indonesien gehörenden Teil der Insel offiziell etwa 250 verschiedene ethnische Gruppen unterschieden. Die Menschen hier gehören zur Volksgruppe der Lani.

Der Schweiss rinnt mir in die Augen, als wir am nächsten Tag die Hügelflanken hochsteigen. Die überwältigende Aussicht auf das Dorf und die umliegenden Hügelketten belohnt uns für die Anstrengung. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es ein Stück durch den kühlenden Schatten eines Waldes, dann wieder hinunter durch terrassierte Süsskartoffelfelder. Ein paar Frauen in Grasröcken bearbeiten sie mit einfachen Hackstöcken.

INIZ_188

INIZ_378

So sollen die bösen Geister vertrieben werden

Am Fluss unten begegnen wir Knaben, die sich mit Lehm einschmieren. Seifenersatz. Es ist schon später Nachmittag, als wir vom Fluss wieder hochsteigen. Die tief stehende Sonne taucht die Hügelzüge und die strohbedeckten Rundhütten vor uns in goldenes Licht. Ferne Gesänge dringen zu uns herüber und betonen den mystischen Moment.

„Mit den Gesängen wird ein neues Haus eingeweiht“

klärt uns der Träger Maranus auf. So sollen die bösen Geister vertrieben werden. Dann klettern wir über den Dorfzaun von Alobaga, wo wir von der ganzen Gemeinde dieses winzigen Dorfes neugierig empfangen werden. Die älteren Männer geben uns zur Begrüssung die Hand und weisen uns eine Rundhütte zum Schlafen zu.

INIZ_447INIZ_358

Zu Besuch bei den Lani-Völkern

Als wir am nächsten Morgen aus der Hütte kriechen, wartet schon das halbe Dorf, um uns einen guten Morgen zu wünschen. Die Kinder beobachten uns sehr genau. Als Mark, der besonnene Berufsfotograf, seine Kamera auspackt, drängeln sich die Kinder vor das Objektiv.

Peter, von Beruf Karikaturist, hat sich etwas abseits auf einen Stein gesetzt und skizziert die Szene in seinem Malbuch. Die Lani gucken ihm ungläubig über die Schultern und verfolgen jeden Strich. Zum Abschied versammelt sich das ganze Dorf und winkt uns noch lange zu.

Abermals steigen wir den Hügel hinauf, und danach wieder hinunter zum Fluss, um wackelige Brücken zu überqueren, welche die Träger für uns kurz vorher ausgebessert haben. Das Dorf Goyage, unser Ziel heute, ist auf dem flachen Teil einer Bergflanke gelegen. Von hier haben wir freie Sicht entlang des Flusses in die Berge von Tenaqui, die wir übermorgen überqueren wollen.

INIZ_392

Zeugen eines Lani-Fest

Auf der gegenüberliegenden Flusseite haben wir am nächsten Tag die Gelegenheit, einem Lani-Fest beizuwohnen. Steine und Holz werden aufeinander geschichtet. Der Haufen wird anschliessend in Brand gesteckt. Wir haben keine Ahnung, was das soll. In einiger Entfernung schmücken sich die Lani mit weissen, brauen und schwarzen Bemalungen, diversen Blumen und kleinen Farnen: Gross und Klein, Jung und Alt, alle wollen am Fest teilhaben.

INIZ_441

Traditionelle Kleidung, Schweineschlachtung und Geschrei

Einige Frauen waschen Süsskartoffeln und tragen Blattgemüse heran. Wir zählen über hundert Anwesende. Sie tragen ausser ihren Kotekas – den traditonellen Penisköchern – und Grasröcken kaum Kleidung. Plötzlich ertönen Schreie aus dem Gebüsch. Mit Speeren bewaffnete, üppig bemalte Krieger stürmen auf den Platz. Zwei der Krieger halten ein Schwein fest. Ein Dritter zielt aus fünf Metern Entfernung mit Pfeil und Bogen. Der Pfeil durchbohrt das Herz des Tieres. Es ist augenblicklich tot. Zwei Knaben entfachen in wenigen Minuten mithilfe eines rotierenden Holzstabes ein Feuer. Damit werden die Borsten des Schweines abgebrannt, bevor sein Fleisch in einzelne Stücke zerlegt wird.

Das Schlachten eines Schweines ist notwendig, um die bösen Geister zu besänftigen. Der eigentliche Zweck dieses Festes. Schliesslich werden die heissen Steine aus dem Feuer mit grossen Holzzangen herangetragen und in eine Vertiefung im Boden gelegt. Aha! Naturgrill bei den Lani!

INIZ_470

INIZ_432

Ein Zeuge der Urtümlichkeit dieser Erde

Die laut rufenden Frauen füllen die ‚Kochgrube’ mit Fleisch, Kartoffeln und Gemüse. Am Schluss werfen sie frisches Gras darüber; der Kochdeckel. Während der Naturgrill ruhig vor sich hin dampft, versammeln sich Krieger und Frauen in Gruppen und singen eine Art Kanon. Die Menge der Leute verleiht dem Gesang ein eindrückliches Volumen. Die harmonisch bemalten Gesichter und Körper, die fantasievollen Kopfbedeckungen, die fröhlichen Gesichtsausdrücke und der rhythmische Gesang entführen mich vollends in eine andere Welt. Eine Welt, die uns zwar fern scheint, aber im Innersten doch so nah ist. Für mich jedenfalls ein Moment des Glücks, den ich nie vergessen werde. Denn ich bin mir bewusst, dass es in unserer schnell wandelnden Welt ein besonderes Privileg ist, dass ich noch soviel Urtümlichkeit auf unserer Erde erleben darf.

INIZ_127 INIZ_176INIZ_607

Danke für diesen tollen Beitrag. Wenn ihr mehr über seine Arbeit und sein Buch erfahren möchtet, schaut auf Dominiques Website vorbei oder besorgt euch sein tolles Buch.

Wenn dir der Beitrag gefallen hat und du mehr über Indonesien erfahren möchtest, folge uns auch auf Facebook oder abonniere unseren Newsletter. Alle wichtigen Infos für deine Reise in Indonesien findest du in dem Beitrag “Alle Tipps für deine Reise nach Indonesien“. 

Offenlegung

Dieser Beitrag kann Affiliate-Links und Werbung enthalten. Es entstehen dir keine zusätzlichen Kosten. Wir empfehlen nur Produkte, die wir selber nutzen, von denen wir 100% überzeugt sind oder die uns von einer fachkundigen Person empfohlen wurden. Durch Werbung und Affiliate-Links können wir die Zeit aufbringen diesen Blog zu gestalten und mit Liebe und Inhalten zu füllen. Peace, Love & Banana Pancake. Euer Indojunkie Team.

Welche Services wir auf Reisen nutzen

dkb
Java Gruppenreise

Was tun in Indonesien?

Indojunkie Reiseführer: Neuerscheinung

surfbali
3 Comments
  1. Pingback: Welche indonesische Insel ist die richtige für dich? (+ Quiz)

  2. Wow tolle Bilder und ein schöner Bericht! Das wollten wir in Indonesien eigentlich auch erst machen…aber die Flüge nach Papua sind ja leider nicht so low-budget ;) Müssen also definitiv noch einmal hin!!

    Bestimmt auch eine klasse Erfahrung mit den Menschen dort…wie “authentisch” war denn das Leben da noch so wie es wirkte? Manchmal ist es ja nur noch für Touristen so, dass die Einheimischen ihren Schmuck / Bemalung etc tragen, und anschließend dann doch in Adidas Tshirts rumlaufen..

    • Hallo Björn! Der Beitrag ist ein Gastbeitrag. Ich selber war noch nicht in Papua. Aber du hast Recht, einiges an “Kulturtourismus” ist gefaked. Wenn du das “authentische” Leben sehen möchtest, brauchst du eine ganze Weile Zeit, einen guten Guide und musst tief in den Dschungel hinein… Aber die Globalisierung wird irgendwann auch dort zu spüren sein. Ob das gut oder schlecht ist, ist eine andere Geschichte :) LG, Melissa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.