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Wie nachhaltig ist Bambus wirklich?

von Melissa Schumacher

Bambus-Produkte sehen toll aus, sind funktional und gelten als besonders nachhaltig. Längst hat das Lieblingsfutter von Pandas Einzug in unsere Haushalte gefunden und füllt unsere Küchen, Badezimmer, Wohnzimmer und Kleiderschränke.

Vor allem umweltbewusste Konsumenten schwören auf Bambus – da er zahlreiche Eigenschaften hat, die ihn zu einer umweltschonenden Alternative zu Plastik und Holz machen. 

Doch sind Bambus-Produkte wirklich so nachhaltig?

Wir haben nachgeforscht und verraten dir in diesem Artikel, wie nachhaltig Bambus wirklich ist und worauf du beim Kauf deiner Bambus-Produkte achten solltest.

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Was genau ist Bambus eigentlich?

Bambus ist ein Sammelbegriff für immergrüne Riesengräser aus der Familie der Süßgräser, die vor allem in Asien und Südamerika, aber auch in Afrika und einigen Teilen der USA beheimatet sind.

Insgesamt gibt es mehr als 1.000 verschiedene Bambusarten, die sich in Größe und Aussehen der Halme, Blätter und Zweige voneinander unterscheiden.

Unterirdisch zeichnet sich Bambus durch Rhizome und ein dichtes Wurzelgeflecht aus. An jedem Rhizom entwickeln sich Augen, aus denen neue Halme oder weitere Rhizome entstehen. 

Überirdisch besteht ein Bambus aus Halmen, Knospen, Zweigen und Blättern. Einige Arten entwickeln nach 80 bis 120 Jahren eine unscheinbare Bambusblüte. Die Gründe dafür sind bis heute unerforscht. In einigen Fällen (wie bei den Fargesien-Arten) kostet die Blüte dem Bambus so viel Kraft, dass er danach abstirbt. 

Die Bambushalme brechen senkrecht aus dem Boden hervor. Sie kommen weich aus der Erde und härten am unteren Ende sofort aus. Die harte Halmwandung wird von festen Fasern zusammengehalten, die auch in Holz enthalten sind. Zudem sind die Halme hohl, was sie extrem stabil macht und ein Brechen weitestgehend verhindert.

In China, dem größten Bambus-Exporteur, wird Bambus seit Jahrtausenden angepflanzt. Vor allem nach dem Verbot des Holzschlags im Jahr 1998, das die Verfügbarkeit von chinesischem Holz stark einschränkte, erhöhte sich die Nachfrage.

In Asien finden wir Bambus beim Häuserbau, als Möbelstücke, in Form von Musik-Instrumenten oder Werkzeugen und als Bambussprossen in leckeren Gerichten.

Die Blätter, Wurzeln und Rinde mancher Bambus-Arten enthalten Stoffe, die in der chinesischen Medizin Anwendung finden.

Welche Bambus-Produkte gibt es und warum sind sie so beliebt?

Bambus zeichnet sich durch zahlreiche positive Eigenschaften aus. Es ist vielfältig und findet in (fast) allen Lebensbereichen Anwendung.

1 | Bambus als Baumaterial

Die Härte, Robustheit und Langlebigkeit machen Bambus zum idealen Baumaterial, das sogar mit Hartholz oder Eisen mithalten kann.

Bambus eignet sich als Gerüst, Bodenbelag oder Überdachung und ist eine perfekte Alternative zu Holz. Möbelstücke aus Bambus sind langlebig, unempfindlich und leicht zu pflegen.

In Südostasien wird Bambus sehr gerne als Baumaterial verwendet, wie auf Pinagbuyutan auf den Philippinen

2 | Kleidung und Textilien aus Bambusfasern

Als Kleidung und in Textilien bringt Bambus hypoallergene, und atmungsaktive Eigenschaften mit sich und hält außerdem gefährliche UV-Strahlen ab.

Deswegen gibt es immer mehr Unternehmen, die auf Bambusfasern setzen. Als beliebtestes Produkt aus Bambusfasern galt bisher die Bambus-Reisehandtücher.

Eine bekannte Marke, die ihr Sortiment aus Bambus herstellt, ist beispielsweise Les Lunes.

3 | Bambus für Hygieneprodukte

Bambus-Produkte wie Zahnbürsten, Seifenschalen oder andere Accessoires lösen Plastikgegenstände im Badezimmer ab.

Bambus-Toilettenpapier gilt als umweltschonende Alternative zum herkömmlichen Toilettenpapier.

TIPP: Bei pandoo findest du eine große Anzahl an Bambusprodukten für den Haushalt.

4 | Bambus für Küchenutensilien

Für die Küche bringt Bambus antibakterielle Eigenschaften mit und beweist seine Stärke, u. a. als Salatbesteck, Schneidebrettchen oder Geschirr. Günstige Brettchen findet man meist schon unter 10 Euro.

5 | Bambus als Biokraftstoff

Auch als Biokraftstoff ist Bambus geeignet, da er zu festem, flüssigen oder gasförmigen Brennstoff umgewandelt werden kann.

Was macht Bambus zu einem nachhaltigen Material?

Zahlreiche Gründe machen Bambus zu einem fantastischen, nachhaltigen Produkt.

1 | Schnelles Wachstum

Einer der wichtigsten Argumente für die Nachhaltigkeit von Bambus ist sein Wachstum. Pro Tag wachsen die Halme rund einen Meter – etwa vier Zentimeter pro Stunde. Stell dir das mal kurz bildlich vor. Wie faszinierend ist unsere Natur eigentlich?

Innerhalb weniger Wochen erreichen sie dann ihre Endhöhe. Nach sieben Jahren härtet Bambus zu seiner endgültigen Härte und Wuchsendhöhe aus.

Bambus kann einmal jährlich geerntet werden, da er sich sofort regeneriert und nachwächst.

Zusätzlich sorgt die unterirdische unendliche Verzweigung der Rhizome für ein dichtes Wurzelgeflecht, das Bodenerosion und Erdrutsche verringert.

2 | Hohe Schädlingsresistenz

Die wachsartige Außenschicht des Bambus ist widerstandsfähig und bietet natürlichen Schutz vor Schädlingen.

Das bedeutet, dass Bambus keine Pestizide oder Chemikalien zum Wachsen braucht.

Grundwasser, Böden und die Tierwelt werden nicht – wie bei vielen anderen Naturprodukten – mit giftigen Chemikalien verunreinigt.

3 | Enorme Flexibilität

Bambus kann in Verbindung mit Nässe leicht in Form gebogen werden. Ist er dann wieder trocken, behält er die neue Form – bei gleicher Robustheit und Langlebigkeit. Das macht ihn zu einem unglaublichen Allrounder!

4 | Hohe CO2-Aufnahme & Sauerstoff-Abgabe

Im Vergleich zu anderen Gräsern kann Bambus eine hohe Menge an CO2 aufnehmen – teilweise sogar bis zu fünfmal mehr.

Auch Sauerstoff produziert das Riesengras in hohen Mengen – bis zu 35 Prozent mehr als vergleichbare Pflanzen und Bäume.

Beide Vorgänge sind Folgen seines schnellen Wachstums und wirken optimal dem Klimawandel entgegen.

5 | Geringer Wasserverbrauch

Bambus hat im Vergleich zu Baumwolle oder Eiche einen relativ geringen Wasserverbrauch.

6 | Biologisch abbaubar

Reine Naturprodukte sind in der Regel biologisch abbaubar und tragen somit zu einer Reduzierung unseres Müllproblems bei.

Welche Nachteile hat die Bambus-Produktion?

In natürlichem Zustand hat Bambus viele umweltfreundliche Vorteile: Er wächst schnell und ohne Chemie, kann regelmäßig geerntet werden und sorgt für robuste und langlebige Produkte, die im Idealfall biologisch abbaubar sind.

Doch die Bambus-Produktion bringt auch Nachteile mit sich:

1 | Anbau von Bambus

Das größte Problem der Bambus-Produktion startet bereits beim Anbau.

China, das Hauptanbaugebiet von Bambus, muss auf die steigende Nachfrage reagieren. Monokultur-Plantagen, die mit der Abholzung natürlicher Wälder und der Entfernung sensibler Ökosysteme einhergehen, sind eine Folge davon.

Zwar sind viele modernen Farmen der Welt Monokulturen, doch sie haben verheerende Auswirkungen. Zum einen machen sie Pflanzen, Tiere und Insekten anfälliger für Krankheiten und lassen die Umgebung kahl und unfruchtbar zurück.

Um den Auswirkungen dieses Ungleichgewichts entgegenzuwirken und das Wachstum anzukurbeln, werden häufig Dünger und Pestizide verwendet – auch wenn diese beim Bambus-Anbau nicht nötig wären.

Hinzu kommt, dass China nur wenige Umweltstandards einhalten muss und nur geringfügig Wert auf gute Produktionsbedingungen legt.

Die geringe Transparenz für den Endverbraucher erschwert die Auswahl wirklich nachhaltiger Produkte.

Lese mehr über den Bambus-Anbau in China in einem Artikel des Pulitzer Center, der bereits im Jahr 2011 auf die negativen Auswirkungen von Monokulturen hinwies.

2 | Der Transport zum Endverbraucher

In direktem Zusammenhang mit den Anbaugebieten steht der Transport.

Die langen Transportwege von Asien oder Südamerika nach Europa verursachen eine große Menge schädlicher Treibhausgase.

Dennoch ist Bambus im Vergleich zu anderen Materialien, die ebenfalls einen weiten Weg zurücklegen müssen, wenigstens vor Beginn seiner Reise umweltfreundlicher.

3 | Chemische Weiterverarbeitung

Bambus ist zwar in seiner ursprünglichen Form ein nachhaltiger Rohstoff, doch werden bei der Herstellung einiger Produkte giftige Chemikalien eingesetzt.

Ein Beispiel dafür ist die Herstellung von Bambus-Textilien bzw. den dafür nötigen Bambusfasern. Um den harten Bambus in weiche und geschmeidige Stoffe umzuwandeln, stehen es zwei Möglichkeiten zur Verfügung: der mechanische Prozess oder der chemische Prozess.

Der natürliche, mechanische Prozess dauert länger und ist teurer. Hierbei werden die holzigen Baumbusteile zerkleinert und mit natürlichen Enzymen zu einer Masse vermengt. Die Naturfasern können anschließend mechanisch gekämmt und zu Bambusfasern gesponnen werden.

Der chemische Prozess beschleunigt diesen Vorgang durch den Einsatz giftiger Chemikalien, die schädlich für Arbeiter und Umwelt sind. Laut der Verbraucherzentrale NRW werden vor allem Chemikalien wie Natronlauge oder Schwefelkohlenstoff verwendet. Außerdem können bei dem chemischen Prozess die antibakteriellen und UV-Strahlen abwehrenden Eigenschaften des Bambus verloren gehen.

Ob Textilien letztendlich nachhaltig sind, hängt also nicht nur vom Ausgangsprodukt ab, sondern vor allem davon, welche Chemikalien zur Produktion des finalen Kleidungsstückes eingesetzt werden.

Trotzdem gilt auch hier das Argument: Bambus kann in manchen Fällen die nachhaltigere Alternative sein, da immerhin das Ausgangsprodukt im Vergleich zu vielen anderen Materialien umweltschonender ist. Am nachhaltigsten wäre wie immer: Verzicht üben.

TIPP: Umweltschonendere Textilien sind an den Siegeln Global Organic Textile Standard oder dem Blauen Engel erkennbar.

Welche Bambus-Textilien gibt es?

Für ein besseres Verständnis der erhältlichen Bambus-Textilien gibt es hier eine kleine Übersicht:

a) Rayon

Rayon ist ein weicher Bambusstoff, der chemisch hergestellt wird.

Rayon wird auch häufig als Viskose, Modal oder Lyocell bezeichnet, da sich hinter jeder dieser Bezeichnungen ein anderer Ablauf versteckt.

Rayon ist nicht umweltfreundlich und wird fälschlicherweise von vielen Herstellern als „grün“ gekennzeichnet.

b) Lyocell / Tencel

Lyocell oder Modal können in einem speziellen Closed-Loop-Verfahren hergestellt werden.

Diese Technik ist auch als Tencel bekannt. Das Bambusgewebe wird dabei mit weniger Chemikalien und in einem geschlossenen Kreislauf bearbeitet, d. h. giftige Stoffe werden wiederverwendet und nicht in die Umwelt geleitet.

Diese Methode ist nachhaltiger und umweltfreundlicher als Viskose oder Rayon, doch auch bei diesem Verfahren entstehen früh oder später toxische Abfallprodukte.

Tencel ist teurer und seltener zu finden.

c) Bambusleinen

Als Bambusleinen wird Bambusgewebe bezeichnet, das auf mechanische Weise gewonnen wird.

Es ist der nachhaltigste und umweltfreundlichste Bambusstoff, doch leider ist er nicht so weich und angenehm zu tragen wie oben genannte Varianten.

Über 90 Prozent der Bambus-Textilien auf dem Markt sind derzeit Viskose!

Coffee-to-go-Becher aus Bambus?

Geschirr, Coffee-to-go-Becher und Kochutensilien aus Bambus sind mit Vorsicht zu genießen.

Stiftung Warentest hat herausgefunden, dass sich in vielen Produkten zusätzliche Inhaltsstoffe wie Melaminharz, Leim und andere Kunststoffe befinden.

Diese können sich bei hohen Temperaturen (Mikrowelle oder heißes Wasser) aus dem Produkt herauslösen und in die Lebensmittel übergehen. 

Alternativen zu Bambus: Welche nachhaltigen und umweltfreundlichen Materialien gibt es sonst noch?

Bambus ist nicht das einzige nachhaltige Material, mit dem sich viele (weniger umweltfreundliche) Rohstoffe ersetzen lassen.

Produkte aus Bio-Baumwolle, Hanf, Leinen (Flachs), Ananasleder oder Kork bieten ebenfalls tolle „grüne“ Alternativen.

Soja- oder Friedensseide sind umweltfreundlicher als herkömmliche Seide – allerdings werden für die Herstellung von Sojaseide Chemikalien verwendet.

Bademode aus recyceltem Nylon oder Polyester sind zwar nicht wirklich nachhaltig, aber im Vergleich zur herkömmlichen Bademode durchaus vertretbar.

Unser Fazit: Je natürlicher, desto umweltfreundlicher

Wenn du allgemein nachhaltiger und umweltfreundlicher leben möchtest, triffst du mit dem Kauf von Bambus-Produkten eine sinnvolle Entscheidung. Allerdings solltest du dabei auf folgende Dinge achten:

1) Vermeide bei Bambus-Textilien die chemische Verarbeitung und wähle stattdessen natürliche Bambusleinen. Wenn dir ein weicher Stoff wichtig, solltest du zumindest auf Tencel zurückgreifen.

2) Nimm Herkunft und Hersteller genaustens unter die Lupe und informiere dich bezüglich fairer Arbeitsbedingungen, Garantie für Nachhaltigkeit, zusätzlichen Inhaltsstoffe und eventueller chemische Prozesse.

3) Das Siegel FSC (Forest Stewardship Council) sagt zwar nichts über die Produktionsbedingungen aus, aber es garantiert dir gewisse Umweltstandards und nachhaltige Anbau- und Erntemethoden. Die Siegel Global Organic Textile Standard oder dem Blauen Engel deuten durchaus auf umweltschonende Hersteller hin.

Kein Naturprodukt hat „zero impact“ auf die Umwelt, daher solltest du immer abwägen, welches Material sich für welches Produkt eignet. Im Allgemeinen gilt: je natürlicher das Produkt dem ursprünglichen Rohstoff entspricht, desto umweltfreundlicher ist es.

TIPP: Bevor du etwas neu kaufst, schaue auf Ebay Kleinanzeigen, Vinted & Co. nach, ob es das Produkt deiner Wahl gebraucht gibt. Damit sparst du Geld und schonst die Umwelt, ohne verzichten zu müssen.

Besitzt du bereits Produkte aus Bambus? Aus welchen Gründen hast du dich für den Kauf entschieden? Was sind deine Erfahrungen damit? Hinterlasse uns deinen Kommentar!

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Über die Autorin:

Autorenfoto Gunda mit Hartono

Gunda mit Mann Hartono

Gunda kommt aus der Tauch- und Tourismusbranche und war mehrere Jahre in Südostasien unterwegs, bevor sie ihr Herz an Indonesien verlor. Hier fand sie nicht nur ihre neue Heimat, sondern auch ihre große Liebe. Nach der Leitung eines Tauchresorts in Raja Ampat, entstand die Idee zu ihrer Webseite. Mittlerweile lebt sie als freiberufliche Texterin mit ihrem Mann Hartono auf Morotai, wo die beiden sich eine kleine Selbstversorger-Farm aufbauen möchten.

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