Religion in Indonesien: Ein Überblick

Ein Beitrag von Corinna Pleuser

Die Religionen in Indonesien sind definitiv genauso vielfältig wie alles andere in diesem Land. Indonesien ist eines der wenigen Länder, wo mehr als sechs verschiedene Religionen zum größten Teil friedlich zusammen leben. Das liegt auch daran, dass die unterschiedlichen Religionen sich meist in bestimmten Regionen angesiedelt haben.

Vor der Kolonialzeit waren große Teile Indonesiens, abgesehen von den Hauptinseln wie Java und Sumatra, noch komplett animistisch geprägt. Du findest auch heute noch viele unterschiedliche Abänderungen der Hauptreligionen auf den verschiedenen Inseln. So gibt es ca. 245 nicht-offizielle Religionen in Indonesien.

Die Pancasila (fünf Grundsätze der nationalen Verfassung der Republik Indonesien) wurde gleich nach der Unabhängigkeit Indonesiens aufgestellt. Sie besagt, dass jeder Indonesier einer Religion angehören muss, welche nur an einen Gott glaubt. Demnach muss jeder Indonesier eine Religion in seinem Pass eintragen lassen.

Religion in Indonesien: Islam

Religion IndonesienDie Hauptreligion in Indonesien ist der Islam. Fast 90 Prozent der Indonesier sind Muslime und Indonesien ist zudem die größte islamische Nation der Welt. Trotzdem ist der Islam nicht die vorgeschriebene Staatsreligion.

Die meisten Muslime in Indonesien sind Sunni Muslime, die größtenteils auf den Inseln Java, Sumatra, Sulawesi und Kalimantan vertreten sind. Der Islam kam schon während dem 8. Jahrhundert durch muslimische Händler nach Indonesien, verbreitete sich aber erst im 15. Jahrhundert verstärkt.

Was ist gerade los in Indonesien?

Selten war Indonesien so präsent in der Weltpresse wie in den letzten Wochen und Monaten. Seit Anfang November 2016 ist einiges los in Jakarta, der Hauptstadt von Indonesien: Die Rede ist von Massenprotesten, religiöser Intoleranz und heftigen politischen Auseinandersetzungen. Mehr dazu gibt es unter dw.com.

LesetippRamadan in Indonesien: Alles was du wissen musst

Religion in Indonesien: Christentum

Religion-Indonesien

Majestätische Kirche auf den Bunaken

Es gibt jedoch auch Inselregionen die vorwiegend christlich geprägt sind. Dabei sind sowohl der Protestantismus als auch der Katholizismus vertreten. Das Christentum wurde während der Kolonialzeit durch die Holländer und die Portugiesen verbreitet, konnte sich aber nur auf verhältnismäßig wenigen Inseln gegen den Islam durchsetzen.

Heute ist der Protestantismus mit um die 6 Prozent vor allem unter den Tana Toraja in Zentral Sulawesi, im Norden Sulawesis, auf Sumba und in Westpapua vertreten.

Während der portugiesischen Kolonialzeit und dem Gewürzhandel im 16. Jahrhundert kam der Katholizismus nach Indonesien. Ca. 3 Prozent der Indonesier sind heute Katholiken und auf Flores, den Molukken, in Zentral Java, West Kalimantan und Timor vorzufinden.

Religion in Indonesien: Hinduismus

religion-indonesien-2Der Hinduismus dominiert als Religion nur auf Bali und ist sonst nur sehr vereinzelt vorzufinden. In Lombok gibt es auch einige hinduistische Gemeinden. Gemessen an der gesamten Bevölkerung Indonesiens, sind 1,7 Prozent Hindus. In Bali sind rund 93 Prozent der Einwohner Hindus. Der in Indonesien praktizierte Hinduismus unterscheidet sich jedoch in vielerlei Hinsicht von dem Hinduismus, der im Rest der Welt praktiziert wird:

  • Das Kastensystem, das den Hinduismus in Indien stark definiert, existiert in Indonesien nicht
  • Ursprünglich schon vorhandene Götter, Geister sowie verstorbene Vorfahren wurden in die Religion mit aufgenommen
  • Die Lehren des Mahabharata und des Ramayana werden durch traditionellen Puppentanz weitergegeben

Der balinesische Hinduismus beschäftigt sich vor allem mit den Beziehungen zwischen Mensch und Gott, Mensch und Mensch und der Beziehung zwischen der Natur und Mensch. Das wird deutlich in den täglichen Opfergaben und den unzähligen Zeremonien.

In der indonesischen Gesetzgebung nimmt der Hinduismus Balis eine kleine Sonderstellung ein, denn laut der Pancasila kann ein Indonesier nur Religionen folgen, die nur einen einzigen Gott haben. Für den Hinduismus wurde dies etwas hin gebogen und somit gilt dieser auch als anerkannte Religion in Indonesien.

Lesetipp:

Religion in Indonesien: Buddhismus

Der Buddhismus kam im 6. Jahrhundert nach Indonesien und ist die zweitälteste Religion in Indonesien die Fuß fasste. Buddhistische Königreiche, vor allem auf Java, halfen der Religion dabei, sich zu verbreiten.

Obwohl an vielen Orten der Buddhismus dem Islam gewichen ist und heute nur noch ca. ein Prozent der Indonesier als Buddhisten eingetragen sind, kann man noch heute mehrere bedeutende buddhistische Tempel in Indonesien besuchen.

Einer davon ist der Borobodur Tempel in der Nähe von Yogyakarta auf Java. Er zählt zu den größten buddhistischen Tempeln der Welt. Auf Bali findest du das buddhistische Kloster Brahma Vihara Ashrama in Buleleng.

Religion in Indonesien: Konfuzianismus

Der Konfuzianismus kam mit chinesischen Händlern nach Indonesien, entwickelte sich aber nicht zu einer fest organisierten Gruppe von Anhängern. Es blieb eher bei individuellen Anhängern der Religion.

Während des Suharto Regimes litten diese Religion und ihre Anhänger jedoch sehr unter der anti-Chinesen Politik und hat seitdem einen eher schwierigen Standpunkt in der indonesischen Politik.

Wo findest du die jeweiligen Religionen?

Auf den indonesischen Inseln verteilt findest du den Islam vor allem auf Sumatra, Java, Kalimantan, Lombok, Sumbawa und Sulawesi verteilt.

Währenddessen ist Bali fast die einzige Insel die hinduistisch geprägt ist. Der Protestantismus hat vor allem in Sumba, im Norden Sulawesis und Westpapua Fuß gefasst und auf Flores sind die meisten Indonesier Katholiken. Der Buddhismus tritt nur sehr vereinzelt auf Java und Sumatra auf.

Religion Indonesien Karte

Religionen in Indonesien – Quelle: Wikipedia

Religion in Indonesien: Das Besondere

Wie schon oben erwähnt, hat sich der Hinduismus Indonesiens in eine etwas andere Richtung entwickelt. Aber auch andere Religionen in Indonesien wurden je nach Insel und deren vorheriger Traditionen oder Glauben abgewandelt und besitzen ihre ganz speziellen Eigenarten.

So praktizieren viele Religionen in Indonesien eine Art Misch-Glauben, aus animistischen, sowie traditionell muslimisch bzw. christlichen Glaubensvorstellungen.

Die Religionsgruppe Bali Aga lebt beispielsweise heute noch nach den Regeln des Animismus, einer Naturreligion. Man glaubt an die Beseeltheit aller Dinge und lebt in einer Art Kommune, die sich mit Handwerk und Landwirtschaft sowie Kunst versorgt.

Ein weiteres Beispiel sind die Dayak in Kalimantan. Obwohl die meisten von ihnen Muslime oder Christen sind, werden die jeweiligen Religionen sehr locker gesehen. Vor allem von der Bedeckung der Frauen ist bei den traditionellen Dayak Tänzen nichts zu sehen. In den kleinen Dörfern lebt der Kaharingan Glaube weiter. Beerdigungen, Tiwah Zeremonien, Opfergaben und das Zusammenleben der Dayak richtet sich noch immer stark nach den Geistern und Göttern des Regenwaldes.

Religion in Indonesien: Kaharingan Glaube

Die Dayak während einer Kaharingan Zeremonie

Auch in Zentral Sulawesi leben die Tana Toraja noch weiter ihren animistischen Glauben aus, obwohl die meisten als Christen eingetragen sind. Ihre Zeremonien und traditionellen Bräuche bestehen immer noch aus den ursprünglichen Opfergaben, Tänzen und Riten und haben nicht viel mit dem christlichen Glauben zu tun.

Animistische Abänderungen der oben genannten Hauptreligionen kann man vor allem in den ländlichen Regionen Indonesiens beobachten. Mystische Kulturen leben mit denen vom Staat anerkannten Religionen zusammen. Die meisten Indonesier sind sogar mit mehr als einer Religion vertraut.

Religion in Indonesien

Eine traditionelle Zeremonie der Tana Toraja

Auf meiner Reise in Kalimantan nahmen mich meine Freunde zu einem christlichen Klosterberg mit und obwohl sie muslimisch sind bezeugten sie ihren Glauben an der kleinen Kapelle und forderten auch mich ausdrücklich dazu auf dies zu tun.

Momente wie diese sind nicht selten in Indonesien, denn die kulturelle, religiöse, ethnische und linguistische Diversität bringt eine Notwendigkeit der gegenseitigen Akzeptanz mit sich.

Religion in Indonesien: Islam

Religion in Indonesien: Die Scharia

Eine Ausnahme von der oben beschriebenen religiösen Gelassenheit der Indonesier bildet Banda Aceh. Es ist die Hauptstadt der streng islamischen Provinz Aceh auf Sumatra.

Die Einführung der Scharia 2004 fand dort fast ohne Probleme statt. Nun gelten dort Scharia Gesetze und der Islam wird sehr viel strenger als im Rest Indonesiens ausgelegt. Regeln sind u.a.:

  • Frauen müssen offiziell einen Schador tragen
  • Frauen dürfen nicht breitbeinig auf einem Motorrad sitzen
  • Bars, Alkohol und Haustiere sind verboten
  • Tanz und Gesang in der Öffentlichkeit sind verboten
  • u.v.m.

Touristen werden von den Ordnungshütern etwas entspannter beobachtet.

Religion in Indonesien: Stadt-Land Unterschiede

Die oben genannten Hauptreligionen finden sich in den Städten Indonesiens in einer pureren Form wieder und die animistisch geprägten und ethnischen Religionseinflüsse machen sich vor allem auf dem Land bemerkbar. Oft hält sich die Stadtbevölkerung strikter an die Vorschriften der jeweiligen Religion als die Landbevölkerung und sind demnach eher konservativ geprägt.

Religion in Indonesien: Verhaltenstipps

Im Alltag

Da der größte Teil Indonesiens vom Islam geprägt ist, sollte man sich in verschiedenen Teilen des Landes doch ein bisschen genauer informieren wie man sich zu verhalten hat. Besonders als Frau solltest du dich dementsprechend kleiden und den Vorschriften folgen.

Tipps für die richtige Kleidung in Indonesien

In den muslimischen Gegenden (z.B. Java und Lombok) sollte man sich als Frau etwas bedeckter kleiden – anstelle von Hotpants sind lockere Hosen empfehlenswert. Und anstelle von Tops sollten T-Shirts getragen werden.

In Gebieten wie Bali sind die Einheimischen sehr an den Anblick des „Bule“ (dt. Ausländer) gewöhnt und man kann auch als Frau problemlos im Bikini (nicht unbedingt “oben ohne“) am Strand liegen. Außerhalb Balis kann man dabei aber den ein oder anderen skeptischen Blick ernten.

Aber auch bei Männern wird es höher angesehen wenn du normale T-Shirts statt Muskelshirt und in konservativeren Gegenden auch gerne mal eher eine lange Hose statt den Shorts anziehst. Vor allem bei religiösen Anlässen solltest du auf die längeren Kleidungsstücke zurückgreifen.

Beim Besuch eines Tempels oder einer Moschee

Bei dem Besuch einer Moschee in Indonesien solltest du als Frau deine Haare bedecken. Dabei reicht ein normales Tuch vollkommen aus. Bezüglich der Kleidung gilt auch hier wieder die Regel: Schultern und Knie bedecken. Bei den bekannteren Moscheen wirst du die Möglichkeit haben, ein Kopftuch beim Eingang auszuleihen. Auch Männer sollten darauf achten, ihre Schultern zu bedecken und lange Hosen zu tragen.

Wenn du einen Tempel auf Bali betreten möchtest, sollten deine Schultern bedeckt sein. Außerdem benötigst du einen Sarong und ein Selendang (Hüftschal). Wenn du ein Top trägst kannst du deine Schultern auch mit einem Schal bedecken. Ein Sarong ist ein Tuch, welches durch die richtige Wickeltechnik zu einem Rock wird, der bei Frauen bis zu den Fußknöcheln und bei Männern mindestens bis zu den Waden reicht. Die Wickeltechnik ist für Männer und Frauen unterschiedlich.

Indonesier sind jedoch sehr nachsichtig und erklären dir gerne alles was du über die religiöse Etiquette wissen musst. Solange du dich respektvoll verhältst und kleidest, bist du definitiv auf der sicheren Seite.

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Autorin: Corinna Pleuser

Corinna war vor und während ihrem Studium viel unterwegs, lernte Indonesisch und wohnt jetzt seit einem Jahr dort. Auf Reisen möchte sie neue Möglichkeiten finden um Ideen, Projekte und Initiativen zu entwickeln. Dabei geht es ihr viel um Umweltschutz, nachhaltiges Wirtschaften und Kreativität.

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6 Comments
  1. Hallo Melissa,

    würdest Du Indonesien zurzeit für “sicher” einstufen? Wir sind am überlegen, ob es im Feb/März für ca. 2 Wochen nach Indonesien gehen könnte.

    Gruß Peter

  2. Pingback: Große Tour am Samstag: Prambanan Temple und Borobudur, Teil 2 – IBM CSC Indonesia mit Anette

  3. Kaum bekannt, aber es gibt auch eine Anzahl Juden in Indonesien, eine jüdische Bekannte schätzte die Zahl auf ca 30.000 über ganz Indonesien verteilt, hauptsächlich in Jakarta, ihre Familie lebt seit 400 Jahren in Indonesien.

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