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Aktive Vulkane Indonesien: Die Wilden 13

von Melissa Schumacher

Ein Beitrag von Michael Leitzinger und Martin Rietze

Du interessierst dich für Vulkane und besonders Vulkanausbrüche? Du würdest gerne wissen, welche Vulkane in Indonesien besonders aktiv sind und welche du aus nächster Nähe beobachten kannst?

In diesem Beitrag stelle ich dir die Wilden 13 vor und liefere wertvolle Hintergrundinformationen zu Vulkanausbrüchen in Indonesien. Dabei kannst du dich auf spektakuläre Fotos von dem talentierten Fotograf Martin Rietze freuen. Er hat bereits unzählige Vulkanausbrüche in Indonesien erleben können.

Wenn du am Ende noch Fragen zu Vulkanen und Vulkanausbrüchen in Indonesien hast, nutze die Kommentarfunktion unterhalb des Artikels.

Buchtipp: Vulkane: Schöpfung und Zerstörung

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Der Ibu Vulkan in Indonesien – Foto: Martin Rietze

Es gibt nur wenige Plätze auf unserer Erde, wo Naturgewalten ungebremst auf die menschliche Zivilisation prallen.  Zweifelsohne, Indonesien gehört dazu, denn nirgendwo sonst auf unserem Globus wagt das irdische Leben derart oft und auf engstem Raum den berühmten „Tanz auf dem Vulkan“.

Die Milchstraße des Meeres“ wird Indonesien auch genannt , denn fast 18.000 Inseln sprenkeln den Indischen Ozean und sind Teile des „Ring aus Feuer“.

Doch zwischen diesem Sternenozean leuchten immer wieder feuerrote Punkte auf – einige der 129 aktiven Vulkane – 65 davon als gefährlich eingestuft, Auslöser für verheerende Katastrophen bei denen Menschen in Todesgefahr geraten.

Nirgendwo sonst auf der Erde leben derart viele Menschen in der Nähe von so zahlreichen aktiven Vulkanen. Alleine auf der Insel Java sind es um die 120 Millionen. Ein Umstand, der in den letzten 500 Jahren über 140.000 Todesopfer brachte.

TIPP: Schau dir die interaktive Karte von MAGMA indonesia an. Dort findest du alle Vulkane Indonesiens mit ihrer aktuellen Aktivität auf einen Blick. Auch als kostenlose App zum Runterladen auf das Smartphone vorhanden.

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Ausbruch des Krakatau Vulkan in Indonesien – Foto: Martin Rietze

Der 4-Farben-Code zu Vulkanaktivitäten als Warnsystem

Die United States Geological Survey (USGS) Behörde entwickelte ein farbcodiertes Vulkan-Alarm-System, um die tatsächliche Aktivität eines Vulkans dem Laien, wie aber auch Mitarbeitern von Luftfahrtbehörden und Meteorologiestationen, auf einen Blick darzustellen.

Dabei werden die Vulkane in vier Stufen unterteilt und durch Symbole farblich markiert: 

GRÜN – Vulkan ist nicht eruptiv.

GELB – Vulkan zeigt Anzeichen erhöhter Unruhe über das übliche Niveau hinaus

ORANGE – Vulkan zeigt erhöhte oder eskalierende Unruhe mit erhöhtem Eruptionspotential

ROT – Eruption steht unmittelbar bevor oder ist im Anzug. Deutliche Erhöhung der Aschenemission in die Atmosphäre ist wahrscheinlich.

Quelle: eskp.de

Die wilden 13 – Aktive Vulkane in Indonesien

1 | Sinabung Vulkan (Nord-Sumatra) / ROT

Seit 400 Jahren döste der Sinabung Vulkan vor sich hin. Doch 2010 ist der Sinabung  wieder ausgebrochen. Drei Jahre später folgte eine weitere Eruption. Seitdem gilt  der Vulkan als sehr aktiv und forderte bereits Menschenleben. Seine unmittelbare Umgebung ist zur Sperrzone erklärt worden.

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Ausbruch des Sinabung Vulkans in Indonesien – Foto: Martin Rietze
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Sinabung Vulkan in Indonesien – Foto: Martin Rietze

2 | Merapi Vulkan (Zentral-Java) / ROT

Der Merapi (= Feuerberg) gehört zu den aktivsten und bedrohlichsten Vulkanen unserer Erde. Bei seinem bislang letzten grossen Ausbruch im Jahr 2010 starben mehr als 300 Menschen und rund 280.000 mussten ihre Häuser verlassen. Er liegt sehr nahe an der Millionenstadt Yogyakarta.

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Merapi Vulkan auf der Insel Java – Foto: Martin Rietze
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Merapi Vulkan von oben – Foto: Martin Rietze

3 | Semeru Vulkan (Ost-Java) / ROT

Der Semeru Vulkan (auch Mahameru genannt) erscheint wie ein klassischer Vulkan aus einem Bilderbuch. Kegelförmig ragt er gen Himmel und lässt Rauchschwaden aufsteigen. Dann, am Dienstag, den 04. Mai 2021, kam die Meldung: Semeru Vulkan stösst 3.700 Meter hohe Aschenwolke aus. Zusammen mit dem Bromo Vulkan liegt er in der Tengger-Caldera.

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Der Semeru Vulkan sieht aus wie ein Bilderbuch-Vulkan – Foto Martin Rietze
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Ausbruch des Semeru Vulkan in der Nacht – Foto: Martin Rietze

4 | Dukono Vulkan (Halmahera, Molukken) / ROT

Seit 1933 kann man den Dukono Vulkan als „Dauerbrenner“ bezeichnen. Doch die wenigen Touristen, die in seine Nähe gekommen sind, fanden den Begriff „Dreckschleuder“ passender für dieses hyperaktive Aschemonster. Seine häufigen Ascheauswürfe lassen einen schnell wie einen Kaminfeger aussehen.

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Im Krater der Dreckschleuder namens Dukono – Foto: Martin Rietze
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Der Dukono Vulkan von oben – Foto: Martin Rietze

5 | Ibu Vulkan (Halmahera, Molukken) / ROT

Der Ibu Vulkan ragt markant aus den Kokosnussplantagen von Nord-Halmahera hervor und produziert seit Jahren kontinuierlich schöne, strombolianische Explosionen, die von einem pfannkuchenartigen Dom ausgehen. Keine Anzeichen für eine zukunftsnahe Auszeit. Er gehört zu den wenig daueraktiven Vulkanen der Welt.

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Spektakuläre Aufnahme des Ibu Vulkankraters – Foto: Martin Rietze
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Ausbruch des Ibu Vulkan in Indonesien – Foto: Martin Rietze

6 | Ili Lewotolo Vulkan (Lembata, östliche Kleinen Sundainseln) / ROT

Der Ili Lewotolok ist seit Oktober 2017 immer wieder erneut ausgebrochen. Medienberichte vom 30. November 2020 zufolge stieg eine riesige 4.000 Meter hohe Aschewolke in die Luft. Bewohner aus 28 Ortschaften, die am Fusse des Vulkans siedelten, machten sich regelrecht aus dem Staub. Bis heute haben die Aktivitäten angehalten.

7 | Kerinci Vulkan (Zentral-Sumatra) / ORANGE

Der 3.805 Meter hohe Vulkan Kerinci ist die höchste Erhebung auf Sumatra und liegt im Kerinchi-Seblat-Nationalpark. Im März 2019 hat er weltweit für Schlagzeilen gesorgt.

8 | Raung Vulkan (Ost-Java) / ORANGE

Dieser 3.332 Meter hohe Stratovulkan befindet sich am Ijen-Plateau, wo auch der bekanntere Kawah Ijen, berühmt durch seinen Schwefelabbau, dazu gehört. Im Sommer des Jahres 2015 war sein letzter grosser Ausbruch bei dem er einen neuen Schlackenkegel in der Caldera wachsen lies. Mitten in der touristischen Hauptsaison mussten vier kleinere Flughäfen auf Java ihren Betrieb einstellen und auch am 150 Kilometer entfernten internationalen Flughafen von Denpasar auf Bali startete und landete kein Flugzeug mehr.

9 | Krakatau Vulkan (Sundastrasse) / GELB

Eine gigantischer Vulkanexplosion sprengte am 27. August 1883 die Insel Krakatau in die Luft. Der Donnerhall war auf einem Drittel der Erde zu vernehmen. Ascheregen ging hernieder, Tsunamis verwüsteten die umliegenden Küsten und tausende Menschen mussten sterben. Seit 1927 stieg eine neue Vulkaninsel vom Meeresgrund empor, der „Anak Krakatau“ (= Kind des Krakatau) war geboren. Stetig spukte der Emporkömmling Asche, Feuer und Lava aus, wuchs auf  338 Meter voran, bis ihn am 23. Dezember 2018 mehrere Ausbrüche zerstörten.

Buchtipp: Krakatau – Ein atemberaubender Wissenschaftskrimi

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Anak Krakatau von oben – Foto: Martin Rietze
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Ausbruch des Krakatau Vulkans in Indonesien – Foto: Martin Rietze

10 | Bromo Vulkan (Ost-Java) / GELB

Majestätisch und von legenden umrankt – der Bromo Vulkan im Bromo-Tegger-Semeru-Nationalpark. Regelmäßig steigen Rauchschwaden aus seinem Krater auf, der zwischendurch auch vulkanische Aktivität zeigte, wie zuletzt am 20. Juli 2016. Richtig aktiv hingegen war er zehn Jahre zuvor.

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Der Bromo Vulkan zählt zu den bekanntesten Vulkanen Indonesiens – Foto: Martin Rietze
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Ausbruch des Bromo Vulkan in Indonesien – Foto: Martin Rietze

11 | Karangetang Vulkan (Insel Siau, Nord Sulawesi) / GELB

Auch als Api Siau (= Feuer von Siau) wird der Karangetang Vulkan bezeichnet und stellt das Wahrzeichen der Insel Siau dar.  Ein Schichtvulkan mit einem Nord- (1.784 m) und einem Südgipfel (1.827 m). Mit über 50 Ausbrüchen seit dem Jahre 1675, gehört er zu den aktivsten Feuerbergen des Archipels.

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Ausbruch des Karangetang auf der Insel Siau – Foto: Martin Rietze
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Blick auf den Karangetang Vulkan aus der Ferne – Foto: Martin Rietze

12 | Soputan Vulkan (Minahasa, Nord Sulawesi) / GELB

Der Soputan Vulkan gehört zwar zu den ausbruchsstarken Vulkane im Land, allerdings ist er kein besonders gefährlicher Vulkan. Die Menschen, die in seiner Nähe wohnen, respektieren ihren Feuerberg, aber fürchten ihn nicht. Am 19. Dezember 2018 war seine letzte Eruption.

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Der Soputan Vulkan von oben – Foto: Martin Rietze
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Der Krater des Soputan Vulkan – Foto: Martin Rietze
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Panorama Aufnahme des Soputan Vulkan in Indonesien – Foto: Martin Rietze

13 | Doro Api Sangean Vulkan (Insel Sangean, westliche Kleinen Sundainseln) / GELB

Innerhalb einer alten Caldera hat sich der 1949 m hohe und aktive Vulkan Doro Api aus andesitischen und basaltischen Laven aufgebaut. Er ist im Moment der aktivste Vulkan der Kleinen Sundainseln. Seine Eruptionen beginnen mit heftigen Explosionen, die dazu führen, dass ältere Magmamassen auf dem Gipfel regelrecht weggesprengt werden. Sein letzter Ausbruch fand im Jahr 2018 statt.

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Der Doro Api Sangean Vulkan – Foto: Martin Rietze
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Der Doro Api Sangean Vulkan aus der Ferne – Foto: Martin Rietze

VEI (Volcanic Explosivity Index)

Mit Hilfe des VEI (Volcanic Explosivity Index) geben Geologen die Explosivität von Vulkanen an. Dabei erfolgt die Klassifizierung aufgrund folgender drei Faktoren:

1. Volumen des geförderten Tephra (vulkanische Lockerstoffe)
2. Höhe der Eruptionssäule
3. Art des Vulkanismus

Die VEI-Skala besteht aus 9 Stufen und reicht von 0 bis 8. Die Heftigkeit eines Ausbruchs steigt mit jedem höheren Wert um das 10-fache an.

Ein Beispiel: Eine VEI von 1 besagt, dass der Vulkan Lava- und Gesteinsmassen von 100.000 bis 1 Million m³ bis zu 1 km hoch schleudert. Ab VEI 8 spricht man von einem Supervulkan. Hierbei werden über 1000 km³ Tephra in Höhen von über 25 km geschleudert.

Trotzdem bleibt eine exakte Messung der Stärke von Vulkanausbrüchen sehr schwierig. Für effusive Eruptionen (Laven mit hohen Fördertemperaturen von 1.000 bis 1.200 Grad Celsius und geringem Kieselsäuregehalt) gibt es keine Klassifikation und werden durch den VEI nicht quantitativ erfasst.

Der höchste Explosivitätsindex, der seit Menschengedenken in Indonesien erreicht wurde, liegt im Betrachtungszeitraum VEI 7, als im Jahre 1815 der Vulkan Tambora auf der Insel Sumbawa Tephramassen von mindestens 100 km³ über 25 km hoch in den Himmel schleuderte. Eine derartige Intensität wird in der Regel nur alle 1.000 Jahre erreicht.

Überblick der VEI-Klassifikation

Hawaiianisch = sehr dünnflüssiges, basaltisches Lava, wie auf Hawaii typisch
Strombolianisch = Bezeichnung bezieht sich auf den Vulkan Stromboli (Aeolische Inseln/Italien)
Vulcanianisch = Eruptionsart benannt nach dem Vulkan Vulcano (Aeolische Inseln/Italien)
Peleanisch = nach dem Vulkan Pelée auf Martinique benannt
Plinianisch = nach Plinius dem Jüngeren, dem Verfasser der ersten Beschreibung der Vesuv-Eruption 79 n. Chr., bezeichnet
Tephra = vulkanische Lockerstoffe, die als Lavabruchstücke explosiv gefördert werden

VEIBeschreibungRauchsäulen- höheVolumen der ausgeworfenen TephraHäufigkeit
0Hawaiianisch< 0.1 km< 0.00001 km³täglich
1Hawaiianisch/
Strombolianisch
0.1 – 1 km> 0.0001 km³täglich
2Strombolianisch/
Vulcanianisch
1 – 5 km> 0.001 km³wöchentlich
3Vulcanianisch3 – 15 km> 0.01 km³jährlich
4Vulcanianisch/
Peleanisch
10 – 25 km> 0.1 km³10 Jahre
5Peleanisch/
Ultra Peleanisch
20 – 35 km> 1 km³> 50 Jahre
6Plinianisch/
Ultra Plinianisch
> 30 km> 10 km³> 100 Jahre
7Plinianisch/
Ultra Plinianisch
> 40 km> 100 km³> 1000 Jahre
8Plinianisch/
Ultra Plinianisch
> 50 km> 1000 km³> 10.000 Jahre

Supervulkane weltweit und in Indonesien

Bereits zweimal hatten die früheren Menschen den Ausbruch eines Supervulkans miterleben müssen.  Zuletzt explodierte vor 26.500 Jahren der Taupo auf Neuseeland. Der Ausbruch des Toba auf der Insel Sumatra in Indonesien vor 74.000 Jahren verdunkelte die Erde ganze sechs Jahre lang.

Es folgte der „Vulkanische Winter„, der die Vorfahren des heutigen Menschen, genetischen Untersuchungen zufolge, auf 5.000 bis 10.000 Überlebende dezimierte. Die Homo sapiens wären damals beinahe komplett ausgestorben!

Es gab insgesamt nur zwanzig Supervulkane auf unserer Erde. Weitere recht bekannte sind der Yellowstone-Supervulkan im gleichnamigen Nationalpark der USA, die Phlegräischen Felder bei Neapel in Italien, die griechische Insel Kos sowie die Tondano–Caldera in Nord Sulawesi, also Indonesien.

Den Begriff „Supervulkan“ hat die Fachliteratur erst kurz nach der Jahrtausendwende aus Medienberichten übernommen.

Die Art eines Ausbruchs von Supervulkanen unterscheidet sich von allen anderen Vulkantypen: der Druck unter dem Erdboden steigt an, bläht und wölbt ihn regelrecht auf wie einen Hefeteig. Nach der Explosion stürzt der gesamte, ausgeleerte Krater ein und bildet die sogenannte Caldera (kommt aus dem Spanischen und bedeutet „Kessel“).

Vulkankegel sind später nicht erkennbar. Zurück bleibt lediglich ein grosses Becken, umringt von der Caldera mit ihrer kesselförmigen Oberflächenform. 

Buchtipp: Tambora und das Jahr ohne Sommer: Wie ein Vulkan die Welt in die Krise stürzte

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Auch der Vulkanausbruch des Tambora Vulkan im Jahr 1815 ging in die Geschichte ein – Foto: Martin Rietze

Magma oder Lava?

Magma (altgriechisch und bedeutet „geknetete Masse“) entsteht im Erdinneren, in Tiefen, wo Hitze und Druck sehr hoch sind. Gestein schmilzt und es entsteht ein zähflüssiger Gesteinsbrei, das Magma.

Druckzunahmen lassen das Magma aus seinen unterirdischen Hohlräumen an die Erdoberfläche emporsteigen.

Sobald das Magma bei einem Vulkanausbruch aus dem Schlot geschleudert wird, nennt man es Lava (aus dem italienischen, was „Einsturz“, „Herabfallen“ und „Erdrutsch“ bedeutet).

Gase, die zuvor im Magma eingeschlossen waren, entweichen. Deshalb unterscheiden sich Lava und Magma stark in ihrer chemischen Zusammensetzung.

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Ausbruch des Doro Api Sangean Vulkan in Indonesien – Foto: Martin Rietze

Vulkanüberwachung in Indonesien

Die Überwachung liegt in den Händen des Indonesischen Vulkanologischen Dienstes (Volcanological Survey of Indonesia , kurz VSI) .

Die Geologen dort haben ein eigenes Beobachtungsnetzwerk, dass in erster Linie aus kurzperiodischen Seismometern besteht.

Diese empfindlichen Gerätschaften können jedoch erst Aktivitäten aufzeichnen, wenn es zu spät ist. Mit den ersten aufsteigenden dunklen Aschewolken sieht dann auch jeder Mensch, was sich am Vulkan gerade zusammenbraut.

Vorhersagen lassen sich Vulkanausbrüche deswegen unglücklicher Weise nicht immer.

Da eine permanente Vulkanüberwachung sehr kostspielig  ist  – ca.1 Million Euro pro Vulkan – und  Indonesien bekanntlich 129 aktive davon besitzt, können nur diejenigen, die sich in Gebieten mit einer hohen Einwohnerdichte befinden, präziser überwacht werden.

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Vulkanausbrüche lassen sich nicht so einfach vorhersagen – Foto: Martin Rietze

Nutzen und Gefahren für den Menschen

Trotz all der bekannten Risiken und Gefahren, die ein Vulkanausbruch und deren Folgen für die Menschen hier haben können, leben weiterhin recht viele in unmittelbarer Nähe und nehmen es in Kauf, der zerstörerischen Kraft ausgesetzt zu sein. 

Abgesehen davon, dass gerade viele Regionen Indonesiens, speziell auf den Inseln Java und Bali, so dicht besiedelt sind, dass die Bevölkerung  gar keine Möglichkeit hat, ausreichend Abstand zu wahren. In ihren Augen stellen aktive Vulkane aber auch keine unmittelbare Gefährdung dar, sondern bringen ihnen im Gegenteil grossen Nutzen.

Bauern betreiben intensiven Ackerbau, da die Vulkanasche die weniger nährstoffreichen tropischen Böden mit Mineralien anreichern und sie dadurch besonders ertragreich machen. Bis zu drei Ernten im Jahr möglich!

In Geothermal-Kraftwerken wird das durch Magma erhitzte Sickerwasser zur Herstellung von Storm genutzt. In der Nähe von Tomohon und Lahendong in Nord Sulawesi gibt es schon einige davon. Indonesien hat insgesamt 251 Orte im Land benannt, an denen aus Erdwärme Strom erzeugt werden könnte. Doch hohe Investitionskosten, Bürokratiedschungel und Kompetenzgerangel zwischen der Zentral- und den Provinzregierungen erzeugen Probleme bei der Errichtung der Kraftwerke.

Auch der bei Vulkanausbrüchen durch Gase entstehenden Schwefel wird in der Industrie z.B. für die Härtung von Reifengummi verwendet.

Basalt und Bimsstein, beide vulkanischen Ursprungs, finden Verwendung im Bau.

Das schwefelhaltige Wasser und die Dämpfe vieler Thermalquellen heilen Hauterkrankungen, lindern Rheuma- und Atembeschwerden.

Ich hatte schon viele Gespräche mit Personen, die in unmittelbarer Nähe von aktiven Vulkanen über Jahre hinweg leben. Auch vor meiner Haustüre ragen zwei aktive Vulkane in den Himmel – der Lokon Vulkan und Mahawu Vulkan. Dabei stellte ich immer wieder fest, dass die Gefahreneinschätzung um so geringer ist, je häufiger ein Vulkan ausbricht. Sie kennen die Gefahren, haben gelernt damit zu leben und halten sich in gebührendem Abstand auf.

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Der Lokon Vulkan ist einer meiner Hausvulkane – Foto: Martin Rietze

Bei weitem sind Vulkane gefährlicher, die nur sehr selten aktiv werden. Im Laufe von Jahrhunderten wird ihre Bedrohung oft vergessen und unterschätzt. Menschen siedeln auf dem fruchtbaren Land zu dicht an seinem Krater. Ein plötzlicher und schwer vorhersehbarer Ausbruch eines solchen Vulkans hat dann meistens grosse Katastrophen zur Folge und fordert viele Menschenleben.

Leider reagieren die Menschen nicht rechtzeitig auf die Warnungen der Vulkanologen, die den Vulkan ständig beobachten und überwachen. Auch gelingt es den Spezialisten nicht immer einen Ausbruch rechtzeitig vorherzusagen, damit eine Evakuation eingeleitet werden kann. 

Auf jeden Fall besteht die grösste Gefahr in der Nähe zu einem aktiven Vulkan mit plinianischem Ausbruchstyp (siehe Tabelle weiter oben).

Durch die rasante Zunahme des Flugverkehrs stellen grosse Vulkanausbrüche auch eine ernst zu nehmende Gefahr für vorbeifliegende Flugzeuge dar. Es hat schon Beinahe-Abstürze dadurch gegeben, dass die Turbinen bei grossen Eruptionswolken Asche angesaugt haben und dadurch verstopften.

Zusammenfassend kann ich jedoch sagen, dass die Hauptgefahren einer vulkanischen Eruption Gase,    pyroklastische Ströme (Glutlawinen) und Ascheströme, Ascheniederschlaege (Airfalls), Lapillis (Steinchenfragmente von Erbsen- bis Nussgrösse), Bomben, Blöcke, Lava- und Schlammströme (Lahars), Bergstürze und Erdrutsche sowie Tsunamis sind.

Lesetipp: Anak Krakatau verursacht Tsunami: Das ist passiert und so kannst du helfen

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Bananenblatt inmitten eines Aschefelds – Foto: Martin Rietze

Indonesiens Tierwelt und deren Frühwarnsystem

Viele Tiere machen sich Erdwärme, heisse Quellen oder mineralienhaltigen Böden zunutze.

Hammerhühner (Maleos) scharren für ihre Eier tiefe Löcher in den warmen Vulkansand und verwenden sie als Brutkästen.

Pustelschweine und Hirscheber suhlen sich im mineralienreichen Schlamm und trinken an Sohlen.

Auf abgelegenen kleinen Vulkaninseln finden bedrohte Lederschildkröten ideale Bedingungen für ihre Nistgruben.

Wenn die Tiere verrückt spielen, lauf weg vom Meer und geh ins Hochland“, singen indonesische Kinder in einem bekannten Kinderlied.

Menschen auf Sumatra berichteten, dass Elefanten vor dem Seebeben mit anschliessendem Tsunami am 26. Dezember 2004 von der Küste Sumatras ins Landesinnere geflohen sind. Jedoch in unserer heutigen technikbasierten Gesellschaft haben diese Fähigkeiten der Tiere, Naturkatastrophen vorherzusehen, an Bedeutung verloren und so blieb damals dieses Warnsignal einfach unbeachtet.

Und auf einmal war es da, das stärkste je gemessene Seebeben (Magnitude 9,1 auf der Richterskala) – haushohe Wellen, die rund 230.000 Menschen in den Tod rissen.

Buchtipp: Feuerberg und Tigerholz: Erzählungen aus Indonesien 

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Ausbruch des Rinjani Vulkan auf der Insel Lombok – Foto: Martin Rietze

Wer ist der grössere Umweltsünder – Mensch oder Vulkan?

Da gibt es wohl einen neuen Sündenbock für den weltweiten CO2-Ausstoss namens Vulkan? Oder doch nicht? Einigen Politikern wäre es recht.

Zu behaupten, Vulkane stießen mehr CO2 als wir Menschen aus, ist nichts neues. Der durchschnittliche weltweite CO2-Ausstoss von Vulkanen bewegt sich zwischen 200 und 300 Millionen Tonnen im Jahr.

Das Umweltbundesamt hingegen teilte mit, dass die Kohlenstoffdioxid-Emission des Menschen mehr als 41 Milliarden Tonnen pro Jahr (Stand 2018) beträgt. Das ist etwa 100 Mal mehr als die gesamten vulkanischen CO2-Emissionen auf der Welt pro Jahr.

Eindeutig, der Mensch ist und bleibt der Umweltsünder schlecht hin! 

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Der Gamalama Vulkan auf der Vulkaninsel Ternate – Foto: Martin Rietze

Du möchtest einen ausbrechenden Vulkan selbst einmal erleben?

In Indonesien gibt es einige Spezialreiseveranstalter, die sich u.a auf Vulkantourismus spezialisiert haben. Sie können euch vor eurer Abreise über die gerade aktiven Vulkane ausführlich informieren, beraten und eine sichere Tour organisieren.  Gerne kannst du dafür auch mich kontaktieren.

Seit mehreren Jahren brechen die Vulkane Ibu und Dukono, beide auf der Nord-Molukkeninsel Halmahera, in regelmässigen und kurzen Abständen (20 Minuten bis 2 Stunden) aus, was man aus nächster Nähe gut beobachten, fotografieren und vor allem erleben kann.

PDF zum Runterladen: Umgang mit Naturgewalten – Verhalten an aktiven Vulkanen

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Spektakulärer Blick auf den Vulkanausbruch des Rinjani auf Lombok – Foto: Martin Rietze

Ausrüstung für eine Vulkantour

Die Besteigung eines Vulkans ist nichts anderes als eine Bergtour. Entsprechend gut eingelaufenes Schuhwerk (knöchelhohe Trekking- oder Bergstiefel) ist selbstverständlich.

Auch das Wetter kann am Vulkan umschlagen. Denke an Kälte-, Regen- und Windschutz (atmungsaktive Jacke, Überhose, Mütze, Handschuhe, Gamaschen).

Teleskopierbare Wanderstöcke können deine Beine und Kniegelenke beim Auf- und Abstieg enorm entlasten. 

Ausreichend Trinkwasser (min. 2 Liter) und kohlenhydratreiche Snacks (Müsli- und Schokoriegel) mitnehmen. 

Je nach Vulkan sind auch Helm und Atemschutzmaske empfehlenswert und manchmal sogar dringend notwendig. 

Oft findet der Aufstieg in der Nacht statt. Als recht praktisch haben sich lichtstarke Stirnlampen erwiesen. An Ersatzbatterien denken!

Ausbrechende Vulkane sind ohrenbetäubend laut. Wer da etwas empfindlich ist, dem rate ich zu Ohrenstöpsel. 

Erste Hilfe-Set, Sonnenbrille und Sonnenschutzlotion nicht vergessen. 

Und alles möglichst staub- und wasserdicht mittels Drybags im Rucksack verstauen.

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Der Bromo Vulkan auf der Insel Java zählt zu den meist besuchtesten Vulkanen Indonesiens – Foto: Martin Rietze

Auch du kannst gute Vulkanfotos machen

Auf jeden Fall solltest du auf eine Kompaktkamera, Systemkamera, Spiegelreflexkamera oder Bridgekamera zurückgreifen und ein stabiles Stativ mitführen.

Weitwinkel und Teleobjektiv dürfen nicht fehlen. Zwei bis drei geladene Akkus, schnelle und große Speicherkarten und einen Fernauslöser mit einpacken. Dann kann es schon los gehen.

Vor dem Fotografieren ist noch einiges einzustellen:

1. Rohdatenformat (RAW)
2. Fokus manuell (für nächtliche Feuerausbrüche)
3. Belichtungszeit 10 bis 60 Sekunden
4. Blende 1,4 bis 8
5. ISO 100 bis 1600 (für nächtliche Feuerausbrüche)
6. Je nach Teleobjektiv Brennweite zwischen 100 bis 200 mm
7. Bildstabilisator ausstellen

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Ausbruch des Ibu Vulkan – Foto: Martin Rietze

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Über den Autor Michael Leitzinger: Michael lebt in Nord-Sulawesi, umringt von aktiven Feuerbergen, zu denen er so manche amüsante Legende zu erzählen weiß. Als er 1990 Indonesien das erste Mal besuchte, haben es ihm der Batur auf Bali, der Rinjani auf Lombok, wie der Kelimutu auf Flores angetan. Im Laufe der Zeit kamen weitere dutzende hinzu. Besonders macht es ihm Spaß, interessierten Gästen, die aktiven Vulkane, speziell in Sulawesi und auf den Molukken, näher zu bringen. Zur Webseite von Michael Leitzinger.

Über den Fotograf Martin Rietze: Martin arbeitet als Ingenieur im Astronomiebedarf und lebt in Bayern. Schon früh begeisterte er sich für die Astrofotografie und entdeckte seine Leidenschaft für Vulkanismus. Seine Geduld beim Fotografieren ist legendär und hat ihm fantastische Vulkanaufnahmen beschert. Zusammen mit dem Autor Michael Leitzinger hat er bereits mehrmals aktive Vulkane in Indonesien bestiegen und am 09. März 2016 die totale Sonnenfinsternis in Indonesien von den Nord-Molukken aus beeindruckend abgelichtet. Zur Webseite von Martin Rietze.


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1 Kommentar

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1 Kommentar

Jens 2. Juni 2021 - 11:03

Stellvertretend für die vielen Beiträge von Michael Letzinger möchte ich unter diesem Artikel mal ein Lob dalassen. Top Beitrag. Sehr informativ und vor allem die vielen Fotos sind echt beeindruckend. Es ist schön zu sehen, dass aktuell so viele Beiträge zu Naturthemen erscheinen und auch der ein oder andere Beitrag zu historischen Themen seinen Weg auf die Seite fand.

Also, gerne weiter so 🙂

Antworte Jens

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