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Kochbuch schreiben: So entstand unsere Rezeptsammlung

von Melissa Schumacher

Ein Kochbuch schreiben ist eine lange und aufregende Reise. Wir nehmen euch mit hinter die Kulissen von unserem Kochbuch „38 indonesische Rezepte: Authentisch Indonesisch Kochen„.

Wie entstand die Idee, ein Kochbuch zu schreiben? Wie war die Vorgehensweise beim Konzipieren und Erstellen der Rezepte? Was waren die größten Herausforderungen und was haben wir für die nächste Auflage gelernt? Antworten dazu findest du in diesem Artikel.

Jemanden mit ihm Boot zu haben, der die Gerichte schon seit Kindheitstagen kennt, für den das Essen zur eigenen Kultur gehört und weiß, wie es wirklich schmecken muss, war für dieses Projekt unabdinglich.

Sanita
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Kochbuch schreiben: Die Idee zum Buch

Begonnen hat alles mit einem Beitrag zum Thema „Flitterwochen auf Bali“ für den Indojunkie Blog, da ich mit meinem Unternehmen Traumreise Bali auf Hochzeiten vor Ort spezialisiert bin. Als Corona losging und diese Themen (leider) in den Hintergrund rückten, sammelten wir spaßeshalber ein paar reiseunabhängige Artikelideen, wodurch der Beitrag „Superfood in Indonesien“ entstand. So kamen wir über das Thema indonesisches Essen ins Gespräch und meine Leidenschaft fürs Kochen.

Eines Tages fragte mich Melissa, ob ich nicht ein paar Rezepte auf Indojunkie veröffentlichen möchte. Wir entschieden uns für die Klassiker Nasi Goreng, Sate Ayam und Gado Gado. Das Ergebnis und das Feedback der Community war der Hammer, wodurch dann letztendlich die Idee entstand, für den Indojunkie Verlag ein Rezeptbuch zu kreieren. Ich war sofort hin und weg von der Idee. Und das Timing hätte nicht besser sein können.

Wegen Corona wurden alle unsere Hochzeiten abgesagt oder verschoben. Somit hatte ich genügend Zeit mich dem Projekt voll und ganz zu widmen.

Nur wenige Monate vorher, hatte ich auf meine persönliche Bucket-Liste ,,ein Buch herausbringen“ hinzugefügt und kann es heute noch kaum glauben wie schnell dieser Traum erfüllt wurde. 

Simon war ebenfalls von der Idee begeistert und ist heute richtig stolz auf das Projekt. Dass wir durch die Rezeptsammlung ein Stück der indonesischen Küche und somit seiner Kultur nach Deutschland bringen konnten, macht ihn unfassbar glücklich.

Er verpasst kein einziges Bild und keine Story von den Gerichten, die auf Instagram gepostet werden und es erfüllt ihn jedes Mal mit Stolz und Freude zu sehen, dass so viele Menschen, von so weit weg, die Gerichte aus seiner Heimat nachkochen und wir ein Stück dafür verantwortlich sind 🙂 

Ich bin froh, dass Simon von Anfang an zu 100% hinter der Idee stand. Ohne ihn hätte uns nicht nur ein professioneller Fotograf und leidenschaftlicher Koch-Kritiker gefehlt, ich hätte mich wahrscheinlich nicht einmal getraut, dieses wundervolle Projekt anzugehen.

Jemanden mit ihm Boot zu haben, der die Gerichte schon seit Kindheitstagen kennt, für den das Essen zur eigenen Kultur gehört und weiß, wie es wirklich schmecken muss, war für dieses Projekt unabdinglich.

Nur wenige Monate vorher, hatte ich auf meine persönliche Bucket-Liste ,,ein Buch herausbringen“ hinzugefügt und kann es heute noch kaum glauben wie schnell dieser Traum erfüllt wurde. 

Sanita
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Kochbuch schreiben: Die Auswahl der Gerichte

Wir wollten in der Rezeptsammlung widerspiegeln, wie abwechslungs- und facettenreich die indonesische Küche ist. Genauso war uns wichtig, dass es sich um bekannte Gerichte handelt, die man aus seinem letzten Indonesien-Urlaub kennt und vermisst. Schließlich war einer der Hauptgründe für die Rezeptsammlung, ein Stück Indonesien nach Hause zu bringen, vor allem zur Zeit, wo es nicht möglich ist zu reisen.

Daher sollte es sich bei den Rezepten um authentische Gerichte handeln, was natürlich bedeutet, originale Zutaten zu verwenden. Dies war uns natürlich nur möglich, da es mittlerweile eine Reihe an indonesischen Onlineshops mit originalen Zutaten gibt und auch die Asiamärkte und normalen Supermärkte immer besser ausgestattet sind.

Um die ,,Gewürzjagd“ zu vereinfachen, haben wir versucht Gerichte zu wählen, bei denen sich die Zutaten wiederholen, sodass man zum Beispiel nicht nur für ein Gericht Garnelenpaste kaufen muss, sondern diese dann für verschiedene Gerichte verwenden kann. Das Feedback der Community war bis jetzt sehr positiv, was das Organisieren und Einkaufen anging.

Wir hatten lange überlegt, eine separate, vegetarische Version der Rezeptsammlung zu kreieren, damit auch die Vegetarier:Innen unter uns nicht zu kurz kommen und daheim in den Genuss der indonesischen Küche kommen.

Schlussendlich waren jedoch innerhalb der 38 Gerichte schon so viele vegetarisch, dass wir stattdessen bei vielen Rezepten einfach Tipps hinzugefügt haben, wie diese ohne Fleisch zubereitet werden können. Für die entfernte Zukunft ist jedoch eine rein vegetarische und vegane Version mit neuen Rezepten geplant 😉

Natürlich mussten es auch Gerichte sein, die entweder Simon oder ich gerne essen. Persönlich finde ich es schwer, wenn nicht sogar unmöglich, ein Gericht mit Liebe zuzubereiten, wenn es mir selbst nicht schmeckt.

Somit ist die Rezeptsammlung ein bunter Mix aus bekannten indonesischen Gerichten, vielen vegetarischen Versionen und Lieblingsgerichten von uns beiden.

Wir haben uns für authentische Rezepte mit originalen Zutaten entschieden

Kochbuch schreiben: Das Erstellen der einzelnen Rezepte

Simon und ich kochen ständig daheim und probieren immer wieder gerne neue Rezepte aus. Manchmal war ich mir aber nicht sicher, ob die Gerichte, wie wir sie kochen, wirklich typisch, authentisch indonesisch sind – oder wir eventuell zu viel von unserem eigenen Kochstil bei den Gerichten mit einbringen.

Deswegen habe ich zunächst online (auf etlichen indonesischen Rezeptseiten) recherchiert, um herauszufinden, ob es denn das authentische Rezept schlechthin gibt. Dabei musste ich immer wieder feststellen, dass es nicht zweimal dasselbe Rezept zu einem indonesischen Gericht gibt. Jeder bringt seinen eigenen Twist mit ein.

Bei den Recherchen habe ich auch gelernt, dass das Wichtigste die richtigen Zutaten sind. Ohne die Gewürzvielfalt bekommt man den authentischen, indonesischen Geschmack einfach nicht nachgekocht.

Einige Rezepte habe ich von Simons Tante, die leidenschaftliche Köchin ist und ein kleines Catering in Medan auf Sumatra betreibt. Bei jedem Besuch tischt sie immer die leckersten Gerichte auf und packt uns 2 Kilo Rendang für den Heimweg ein (ich übertreibe nicht, es sind manchmal sogar 3 Kilo :D). So habe ich einige Rezepte und viele Tipps von ihr bekommen. Die Kommunikation dabei lief hauptsächlich über WhatsApp.

Da wir auf Bali leben, wollte ich auch ein paar der Rezepte (wie zum Beispiel das Urap Urap) in der balinesischen Version zubereiten, so habe ich dieses Rezept beispielsweise von Freunden aus Sidemen, einer kleinen Ortschaft im Osten von Bali. 

Kochbuch schreiben: Die Vorgehensweise beim Erstellen und Festhalten der Rezepte

Anschließend habe ich das Rezept Schritt für Schritt aufgeschrieben.

Als ersten Schritt habe ich alle notwendigen Zutaten aufgelistet, um mich für den Einkauf am traditionellen Markt vorzubereiten.

Viele Rezepte, die ich bekommen habe, waren für 10+ Portionen (Indonesier:Innen kochen eindeutig in größeren Portionen). Daher musste ich die Mengenangaben erst einmal anpassen, damit sie für Haushalte mit 2 bis 4 Personen geeignet sind.

Die Zutaten habe ich sorgfältig mit einer Küchenwaage abgemessen und dann ging das Kochen los.

Gekocht wurde Mini-Schritt für Mini-Schritt, da wir alles fotografisch festhalten mussten und ich währenddessen Anpassungen an dem Rezept notieren musste.

Diese Weise zu kochen war für mich sehr gewöhnungsbedürftig, da ich sonst eigentlich ein Multi-Tasking-Mensch bin und alles gleichzeitig machen möchte. Hier war das aber absolut nicht möglich.

Währenddessen etwas wegräumen? Unmöglich! Unsere Küche war eine reine Katastrophe 😀

Nachdem alles fertig gekocht, gegessen, gespült und aufgeräumt war, saß ich dann am Laptop, um das Rezept ordentlich mit den angepassten Mengen und Angaben niederzuschreiben

Fertig, Tada!

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Kochbuch schreiben: Welche Schritte folgen nach dem Festhalten der Rezepte?

Sobald die Rezepte alle fertig waren (niedergeschrieben und fotografiert), ging es weiter. Zum einen mussten die Texte lektoriert und die Fotos bearbeiteten werden. Dabei haben wir mit Sandra, einer professionellen Lektorin zusammen gearbeitet, die auch auf Bali lebt. Simon hat sich natürlich um die Fotobearbeitung gekümmert.

Sobald die Texte und Fotos final waren, übernahm die Designerin Pia Himmelein. Sie hat auch den Indojunkie Bali Reiseführer illustriert und gelayoutet. Beim Setzen der Rezepte mithilfe von InDesign mussten immer wieder Abschnitte gekürzt oder ergänzt werden. Außerdem fehlte das ein oder andere passende Foto, weshalb ich manche Gerichte mehrfach nachgekocht habe.

Das Verrückte: Zuerst wollten wir nur ein E-Book gestalten. Erst während des Designprozess entschieden wir uns dazu, auch eine gedruckte Variante zu kreieren. Da wir aus Buch-Layout-Gründen noch einige Seiten zu füllen hatten, entschieden wir uns dazu, noch ein paar allgemeine Tipps rund ums Indonesisch Kochen zu liefern.

Wie verarbeitet man Gewürze nach indonesischer Art? Wie geht man am besten mit scharfen Chilis bei der Zubereitung um? Und das Wichtigste: Wir setzt man Mörser und Stößel* richtig ein?

* Mörser und Stößel sind in indonesischen Haushalten nicht wegzudenken – vor allem für die vielfältigen Gewürzpasten. Eine Anschaffung für die eigene Küche lohnt sich demnach auf alle Fälle. Die Preise für Mörser und Stößel liegen zwischen 15 und 40 Euro.

Nachdem die Rezeptsammlung fertig gelayoutet war, ging die Datei in die zweite Lektorat-Runde. Denn beim Layoutprozess entstehen erfahrungsgemäß immer nochmal eine Reihe an Fehler.

Derweil wurden reichlich Druckangebote eingeholt. Der Gewinner war letztendlich DieUmweltDruckerei, da die Bücher bei dieser Druckerei klimaneutral gedruckt werden können. Außerdem verwendet die Druckerei 100% Recyclingpapier, Öko-Farben und Öko-Strom. Außerdem war der Kundenservice sehr hilfreich.

Da wir das Buch für unter 20 Euro anbieten wollten, konnten wir leider kein Hardcover-Buch drucken, wie es viele andere Kochbücher haben. Der Preisunterschied zwischen Hardcover und Softcover ist wirklich enorm.

Nachdem die Druckerei die finale Druckdesign erhalten hatte, ging es weiter im Programm: Landingpage basteln, Shop-Einträge gestalten, ISBN-Nummern beantragen, Buch im VLB anmelden und auf amazon listen, Versandtaschen bestellen, Mockups erstellen, Buchhaltung anpassen und Hoffen und Bangen, dass das fertige Buch gut aussieht und alles mit dem Druck geklappt hat.

Wow, was für eine Reise!

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Kochbuch schreiben: Die größten Herausforderungen bei der Kochbuch-Produktion

Wir waren an manchen Tagen etwas zu motiviert und wollten gleich drei Gerichte auf einmal kochen. Indonesische Gerichte sind ja allgemein nicht fix zubereitet und dadurch, dass wir wegen dem Fotografieren und Notieren alles Schritt für Schritt und nacheinander machen mussten, hat das Kochen doch um einiges länger gedauert.

Da waren wir manchmal erst am Nachmittag fertig und bis dahin schon richtig hangry 😀 

Die andere Herausforderung war, dass wir nicht immer die besten Lichtverhältnisse zum Fotografieren der Gerichte und Schritte hatten. Unsere Küche ist draussen und überdacht, somit haben wir das Glück natürliches Licht zu haben.

Doch wenn es mal bewölkt war oder wir erst nachmittags kochen konnten und künstliches Licht nutzen mussten, waren wir nicht immer super zufrieden mit den Ergebnissen, wodurch wie das ein oder andere Gericht mehrfach kochen mussten, bis alle Parteien mit dem Ergebnis happy waren.

Kochbuch schreiben: Das Feedback der Community

Nachdem unsere Kochbücher bei der Community nach und nach eintrudelten, konnten wir unseren Augen kaum glauben. So viele liebe Menschen kochten die Rezepte wirklich nach und posteten ihre Ergebnisse auf Instagram, schickten uns Feedback per Mail und sendeten gleich ein paar Fotos mit. Der Wahnsinn – die Mission ist gelungen! 

Ich weiß, wie viele Menschen Indonesien vermissen und traurig sind, zurzeit nicht kommen zu können. Ihnen mit der Rezeptsammlung ein Stück Indonesien nach Hause bringen zu können, macht mich unfassbar glücklich.

Wir waren anfangs so nervös, ob mit dem Nachkochen auch alles klappt, ob die Anleitungen einfach und verständlich genug sind, ob die Zutaten bei jedem auch erhältlich sind und ob die Gerichte überhaupt schmecken werden.

All die Bilder von den Gerichten auf Social Media und per E-Mail zu sehen und das viele wundervolle Feedback zu lesen, beweist mir dass die Arbeit sich zu 100% gelohnt hat!

Kochbuch schrieben: Learnings für die nächste Auflage

Die wichtigste Lektion war: zuerst essen, dann kochen. Mit leerem Magen die leckeren Gerichte zu kochen, tut den Nerven nicht gut!

Eventuell werde ich das Koch-Team zudem etwas erweitern und eine Küchenhilfe mit ins Boot holen. Die Vorbereitung und das viele Schälen und Schnippeln nehmen unglaublich viel Zeit in Anspruch. Ich will mich lieber auf das Kochen selbst und die Aufnahmen konzentrieren. Dann schaffe ich es bestimmt auch besser, ein paar mehr Behind-The-Scenes aufzunehmen.

Simon möchte etwas mehr ins Kameraequipment investieren. Am liebsten würde er ja ein Küchen-Studio mieten, aber darüber müssen wir uns noch unterhalten 🙂

Kochbuch schreiben: Die Nachwirkungen der Arbeit

Anfangs war es so komisch, wieder ,,normal“ zu kochen, ohne während jedem Schritt für ein Foto pausieren, oder Zutaten ins richtige Licht rücken zu müssen.

Manchmal habe ich alle Zutaten zusammengestellt bis mir dann eingefallen ist, dass ich ja gar kein Foto der Zutaten-Übersicht brauche 😀

Mittlerweile hat sich das wieder gelegt, aber jedes mal wenn ich etwas koche oder in einem Warung esse, überlege ich, ob das Gericht für eine zweite Auflage gut ankommen könnte und habe super viele Ideen für weitere Rezeptbücher.

Und jetzt unsere Fragen an dich: Welche Gerichte wünscht du dir für unsere 2. Auflage? Wie hat dir unser 1. Kochbuch gefallen? Welche Verbesserungsvorschläge hast du für uns? Her damit in den Kommentaren unter diesem Artikel. Bis dahin sagen wir: Selamat Masak & Selamat Makan (Frohes Kochen & Guten Appetit)!

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