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Cap Tikus: Der Schnaps, der von der Palme kommt

von Melissa Schumacher

Erst kürzlich hat die indonesische Ärztekammer (IDI = Ikatan Dokter Indonesia) einen Gesetzesentwurf (RUU = Rancangan undang-undang) gefordert, um schutzbedürftige Bürger von den möglichen Auswirkungen alkoholischen Konsums zu informieren und zu warnen.

Auch die Interessen der Alkohol produzierenden Betriebe, des internationalen Tourismus und des Zolls (immerhin zahlt man 150% Steuer auf einen aus dem Ausland importierten Brandwein) sollen mit bedacht werden, was dann im Gesetz über alkoholische Getränke (Minol = Minuman beralkohol) verankert werden muss.

Gerade das hatte mich dazu bewegt, einen ausführlichen Beitrag über den legendären Cap Tikus aus dem Minahasa Hochland von Nord Sulawesi zu verfassen. 

Cap Tikus Rudi Verkostung
Frisch gebrannter Cap Tikus fertig zum Verkosten vor Ort.

Ballo, Pogasi, Bohito & Cap Tikus: Traditionell hergestellter Alkohol in Indonesien

Tatsächlich hat traditionell hergestellter Alkohol Ausnahmeregelungen erhalten, die schriftlich verankert wurden. Allerdings lädt das derzeit diskutierte Minol-Gesetz zur Kritik ein.

Traditionelle alkoholische Getränke sind aus dem Inselarchipel einfach nicht wegzudenken, nicht zuletzt bei den Völkern auf der Insel Sulawesi.

In Süd-Sulawesi trinkt man Ballo, den Saft der Nipa-Palme (Nypa fruticans). Er hat um die 5% Alkoholgehalt.

Genossen wird der Pogasi in Südost-Sulawesi, der aus fermentierten Klebereis hergestellt wird. Man sagt ihm Potenz steigernde Eigenschaften nach.

Der Bohito, vergorener Saft der Zuckerpalme, wird speziell in der Provinz Gorontalo gerne zu Süsskartoffelsnacks (Ubi goreng) gereicht.

Typisch für die nördlichste Provinz Sulawesi ist der Cap Tikus. Doch darüber gleich viel mehr. 

Fakten über den Cap Tikus

Alkoholgehalt: 40 bis 70 Prozent

Lokale Namen der Zuckerpalme: Pohon Nira, Pohon Seho, Pohon Aren, Pohon Akel, Pohon Enau

Grundstoff: fermentierter Saguer (Palmwein)

Anbaufläche in Nord Sulawesi: ca. 500 Hektar, wenn man alle Bäume nebeneinander setzen würde (zum Vergleich Hessische Bergstrasse 450 Hektar)

Anzahl der Seho-Bäume:  ca. 2.000.000 Stück (Nord- und Süd-Minahasa, Tomohon)

Cap Tikus Brenner:  ca. 1.500 Personen (inkl. Privatbrenner, die nicht veräussern)

Produktion /Jahr: ca. 1.100 Tonnen

Jahresumsatz: ca. 12 Milliarden indonesische Rupiah (ca. 717.000 Euro)

Gesundheit: man ist hier der weitläufigen Meinung, dass täglich ein geringer Genuss das Lebensalter erhöht

Die Polizei-Kampagne „Brenti jo ba gate“ (Hört auf, Cap Tikus zu trinken) führte zu sinkenden Kriminalitätsraten 

Cap Tikus Fruechte der Zuckerpalme
Früchte der Zuckerpalme

Seit wann gibt es den Cap Tikus?

Es gibt leider keine Quellen, aus denen hervorgeht, seit wann Cap Tikus herstellt wird. Die einzigste verlässliche Niederschrift  stammt von Antonio Pigafetta, der Ferdinand Magelans Weltreise schriftlich festhielt.

Als sie mit ihren Schiffen durch den Sangihe- und Talaud-Archipel segelten, gingen sie am 15. Dezember 1521 im Hafen von Ternate (Molukken) zu Anker. Sultan Abu Hayat II reichte Magelan zur Begrüßung  ein Glas Palmweinbrand.

Namensgebung: 5 Geschichten aus der Vergangenheit

Bei meiner Recherche und den Befragungen ueberzeugter Cap Tikus-Kenner, stellte sich heraus, dass es mehrere Überlieferungen der Namensherkunft gibt.

Cap heisst zwar im Indonesischen Stempel, wurde aber in früheren Zeiten auch als das, was man heute als Logo versteht, bezeichnet und als ein Markensymbolaufdruck verwendet. Tikus war und ist das Wort für Ratte

1. Version

Der Begriff „Rattenstempel“ tauchte erstmals auf, als  niederländische Marineinfanteristen um 1900 in Manado stationiert wurden. Da es ihnen oft an Spirituosen wie Bols und Jenever aus der Heimat fehlte, kauften sie bei chinesisch-manadonesischen Händlern den Sopi, der von den Hochland bewohnenden Bauern gebrannt wurde. 

Es handelte sich um blaue Flaschen, dessen Logo eine Ratte zierte. Sopi wurde vom holländischen Zoopje abgeleitet, was soviel wie hochprozentiger Alkohol bedeutet.

2. Version


Einst patrollierten die Truppen des Tondano-Toulimambot-Volkes am Papakelan-Posten, der sich  an der Ostküste von der Minahasa-Region befand. Dort versuchten sie Anoas (eine endemische Zwergbüffelart) zu jagen, solange bis sie müde, erschöpft und durstig waren. Während sie an einem Baum rasteten, tropfte ein weissliches Elixier von der Spitze des Baumes, traf die Köpfe und fand seinen Weg hinunter zu den Lippen. Es war süß und löschte ihren Durst.

Die Neugier wurde geweckt. Ein Soldat kletterte auf den Baum und entdeckte Kratz- und Bissspuren von Ratten, aus denen die Flüssigkeit unaufhörlich austrat. Dieser Baumsaft wurde schließlich zur Grundlage für die Herstellung von Saguer, aus dem der Cap gebrannt wurde, während der „Rattenstempel“ an den Mann erinnern soll, der den „Baumsaft“ entdeckt hatte.

3. Version

Immer wieder wurden Ratten beim Trinken im Wipfel der Palme gesichtet. So kam es zum Namen. 

4. Version

Eine weitere Geschichte führt auf die baumbewohnenden Sulawesi-Weissschwanzratten (Tikus ekor putih) zurück, die sich von den Früchten im Baumwipfel ernährten. Die Einheimischen, die damals bereits diese Waldbewohner jagten, um sie zu verzehren, wussten natürlich, dass diese Palmenart ein beliebter „Treffpunkt“ für ihre Leibspeise war.

Als um das Jahr 1900 den niederländischen Marinesoldaten der Alkohol ausging, sahen die damaligen Händler, vor allem die geschäftstüchtigen Chinesen in Manado, eine Möglichkeit, Sopi als Ersatz für ihren heimischen Alkohol zu verkaufen.

Basierend auf Erzählungen aus dieser Zeit, dass dieser Brand von dem Baum stammte, an dem sich Ratten labten, kreierten die Händler wegen des besseren Werbeeffekts eine Marke mit  „Rattenstempel“ –  das  Rattenlogo war geboren. Darunter zierte der Schriftzug Tjap Tikoes.

5. Version

In der bereits geschilderten Zeitepoche soll es einen Laden mit grosser Lagerkapazität  in Manado gegeben haben, der den Namen „Tjap Tikoes“ trug. Der chinesische Besitzer kaufte den im Hochland gebrannten Schnaps von den Bauern, die ihr Erzeugnis als Nira-Wasser bezeichneten,  auf und druckte sein Ladenlogo samt Ladennamen, die Ratte, auf Papier und klebte es auf blaue Flaschen, in die er es vorher sorgfältig abgefüllt hatte.

Fortan erzählten die einfachen Bauern, dass sie ihr Erzeugnis in Manado im Tjap Tikoes Handelshaus veräußern würden. Aus dem Nira-Wasser wurde Tjap Tikoes. Erst viele Jahre erst später erlangte er seinen heute inselübergreifenden Markennamen CAP TIKUS. 

 Quelle: mytomohon.blogspot.com

Die Dreifaltigkeit der Minahasa

In der Minahasa-Legende kommen drei Gottheiten vor, die mit Saguer und Cap Tikus eng verbunden sind.

An erster Stelle wird der Gott „Makawiley-Saguer“ (Gott des Schaumes) erwähnt.

Gefolgt von Gott „Left Waerong-Saguer“ (der Gott, der dem Saguer dem Zucker zuführt).

Der dritte im Bunde, Gott „Parengkuan-Saguer“ (der letztendlich den Cap Tikus brannte).

Der von Parengkuan hergeleitete Begriff „rengku“ bedeutet soviel wie „in kleinen Schlücken trinken“.

Parengkuan ist der mythische Schöpfer des Cap Tikuses.

Wie und wann trinkt man Cap Tikus?

In geselliger Runde hört man öfters dieses geläufige Sprichwort: „Satu sloki tambah darah, dua sloki nae darah, tiga sloki tumpah darah”.

„Ein Schnapsglas lässt das Blut wallen, zwei Gläser fördern die Aggressivität und drei davon können einen zu unüberlegten Handlungen verleiten“.

Ich muss dazu anmerken, dass es sich hierbei nicht um 2 cl oder 4 cl Schnapsgläschen handelt. Getrunken wird meist aus einfachen, gläsernen Kaffeetassen, die mit mehr oder weniger 10 cl (entspricht einem Sektglas) gefüllt und in der Regel geext werden.

An den Destillerien, wie in den kleinen Bambushäusern auf den Feldern und Äckern, trinkt man Cap Tikus klassisch aus den Hälften von Kokosnussschalen.

Cap Tikus Herstellung: Vom Vorbereiten der Palme bis zum fertigen Feuerwasser

Es gibt kein Handbuch, indem die Herstellung und das Brennen ausführlich erläutert wird. Die Herstellungsmethode wird von Generation zu Generation überliefert. Doch jeder Brenner hatte seine Lehrjahre bei einem alten Hasen gehabt.

Rudi Loho aus Tomohon, den man es gleich beim ersten Besuch anmerkt: Cap Tikus Brenner aus Lust, Leidenschaft und Berufung. Er nahm sich sehr viel Zeit, mir die Herstellungsprozesse zu erläutern und zu zeigen.

Der Saguer, so erklärt Rudi, hat von Region zu Region einen anderen Namen. Hier in Tomohon nennt man ihn Pehe, in Tonsea Lepen und in den Gebieten Tontemboan, Tondano, Timpa, Bantik und Bentenan heisst er Tipas. Das liegt daran, dass weiterhin lokale Sprachen in der Minahasa-Region gesprochen werden.

Cap Tikus Zuckerpalme_2
Zuckerpalme

Saguer-Gewinnung

Zu Beginn werden die Enden der Palmemblütensträuße durch mehrtägiges Schlagen mittels eines Holzknüppels gequetscht.

Wenn die Zeit gekommen ist, werden die Sträuße mit dem Buschmesser abgeschlagen und ein extra angefertigtes Bambusrohr (eine Art Ausflusshilfe) wird daran befestigt um den Saft in einen Kanister rinnen zu lassen.

Dieser Saft ist von der Konsistenz wie Wasser, milchig trüb und schmeckt zuckersüß.

Cap Tikus Arbeiten an der Zuckerpalme
Das Austrittsloch des Nira-Wassers wird mit einem Messer erweitert. Foto: Andreas Eich

Zweimal pro Tag, in der Früh und am späten Nachmittag, wird das Behältnis ausgetauscht. Bis zu 23 Liter können innerhalb von 24 Stunden fließen. Als Steighilfe dient eine Bambusstange mit Trittkerben.

Diese Aktivität nennt der Palmzuckerbauer „Batifar“.

Cap Tikus Leiter
Die Aufstiegshilfe besteht aus einer für die ersten zwei Zehen eingekerbten Bambusstange. Foto: Andreas Eich

Bis zu 23 Liter können innerhalb von 24 Stunden fließen.

Gärung

Nun ist es an der Zeit, den Saguer, der in voluminöseren Kanistern umgefüllt wurde, ein paar Tage gären zu lassen, bis er zum Brennen bereit ist.

Brennung

Die Brennblase, die aus der Hälfte eines 200-Liter-Benzinfasses hergestellt wurde und mit einem hölzernen Deckel verschlossen ist, stellt das Herzstück der Destilierie im Porno (einfache Waldhütte) dar.

Im Deckel befindet sich eine Einfüllöffnung. Aus ihm führt ebenfalls ein dickes Bambusrohr aus dem Dach des Pornos hinaus. Im unteren Teil des Fasses liegt der Abfluss.

Nun füllt Rudi 80 Liter Saguer in das Brennfass und befeuert den Inhalt mit einem Holzfeuer. Dabei muss er peinlichst darauf achten, die richtige Temperatur zu halten. Da er kein Thermometer besitzt, verlässt sich Rudi auf seine jahrelange Erfahrung. 

Cap Tikus Einfuellen des Saguers
Cap Tikus-Brenner Rudi füllt den vergorenen Saguer in die Brenntonne.

Kühlung

Nach gut zwei Stunden ist der Siedepunkt erreicht und der „Saguerdampf“ steigt allmählich im Bambusrohr empor. Über weitere vier Bambusrohre (entspricht einer Kühlspirale) erkaltet er langsam und fliesst, leicht gekühlt, zuletzt in gläserne Flaschen.

Aus den 80 Litern entstehen ganze 17 Flaschen (620 ml) hochprozentiger Cap Tikus, der dann wiederum in Kanistern zum Lagern umgefüllt wird.

Das restlich verbliebene Saguerwasser lässt Rudi ab. In diesem Moment eilen alle seine freilaufenden Hühner herbei um sich zu laben.

Die Bambus-Kühlspirale wird je nach Verwendung zwei bis dreimal im Jahr komplett erneuert. Auch dass Fass ist nicht ewig nutzbar. Es wird jährlich ausgewechselt. 

Cap Tikus Brennerei_1
Das Porno – Die Destilatbambusrohre befinden sich über der Hütte

Qualitätscheck: Schüttelt man eine Flasche Cap Tikus und es entstehen kleine Bläschen, die nach oben steigen, handelt es sich um einen „Edel Cap Tikus“. Passiert das nicht, muss man von einem minderwertigerem Produkt ausgehen.

Minahasa-Lebensgefühl im Glas: 6 Cocktails mit Cap Tikus

Minahasa Mojito
Alle Zutaten hintereinander in ein hohes Glas gießen: 5 cl Cap Tikus, 2,5 cl Limettensaft, 2 cl Zuckersirup, 6 bis 8 frische Minzeblätter. Zuletzt mit ca. 4 cl Sodawasser/ saurem Sprudel auffüllen.

Minahasa Coconut Mojito
1 Limette vierteln und mit 10 Minzeblättern in ein hohes Glas (Longdrinkglas) geben. 1 TL Kokosblütenzucker zufügen und mit dem Stößel zerdrücken.  2 cl Cap Tikus aufgiessen und mit 100 ml Kokoswasser und zerstossenem Eis (Crashed Ice) auffüllen.

Minahasa Caipirinha
Ein Glas (350 ml), 4-6 cl Cap Tikus, ¼ Limette in Achtel schneiden und mit einem Stößel zerstampfen, 2 TL brauner Zucker (Palmzucker) zugeben, verrühren und mit vielen Eiswürfeln auffüllen.

Cap Tikus Attack
4 cl Cap Tikus und 1 cl Grenadine in ein Longdrinkglas gießen. Eiswürfel dazu geben und mit Orangensaft auffüllen.

Cap Tikus & Sprite/Coke
Ein Longdrinkglas, 4 cl Cap Tikus, mit kalter Zitronenlimonade/Coke auffüllen. Wer will kann natürlich auch Eiswürfel hinzufügen. 

Fliegender Holländer – für die kalten Tage im Jahr
700 ml Cap Tikus, 250 g Zucker und Saft von 6 Zitronen verrühren und anschliessend erhitzen (nicht zum Kochen bringen). 750 ml Wasser dazu geben und erwärmen. In einer Bowle (dickbauchiger Gasbehälter) servieren. 

Cap Tikus Arten: Saledo & Pinaraci

Der Saledo ist hauptsächlich in Nord Minahasa bekannt. Dem Cap Tikus wird nach dem Brennvorgang Palmzucker (gula merah) zugeführt. Fortan nennt man ihn Saledo. Es werden nur geringe Mengen hergestellt, die meistens innerhalb der Familie getrunken werden.

Unter einem Pinarachi versteht man eine bauchige Flasche gefüllt mit Gewürzen (Sternanis, Nelken, Muskatnüssen, Pfefferkörner, Zimtstangen, Knoblauchzehen, Beeren, etc.), diversen Hölzern und Wurzeln, die man mit mindestens 50%igen Cap Tikus auffüllt.

Die Flasche darf niemals ganz leer werden. Immer wieder frisch nachgefüllt, wird sie über Jahre hinweg benutzt.

In manchen Haushalten findet man Pinarachi-Flaschen mit jungen Kobras, schwarzen Skorpionen, rot-braunen Hundertfüsslern, ja sogar Pfoten von Rehen,  die durch den Cap Tikus konserviert wurden. Es kostet dann schon einiges an Überwindung davon zu verkosten, wenn man es nicht besser bleiben lässt. 

Cap Tikus Pinaraci
Cap Tikus Pinaraci

Wo kann man Cap Tikus verkosten?

In Tomohon gibt es den Ausflugsort „Tuur Ma’asering“, der zum Dorf Kumelembuai zählt. Nach Entrichtung des Eintritts in Höhe von IDR 15.000 (ca. Euro 0,9)/Person bekommt der Besucher  wahlweise ein Glas frischen und schäumenden Saguer oder ein Glas Cap Tikus zur Begrüßung.

Umgeben von vielen Zuckerpalmen, kann man den Brennvorgang auch mitverfolgen. Ein Restaurant bietet indonesische Speisen, alkoholfreie Getränke, Kaffee und Tee an.

Cap Tikus Om Piet Pinaraci_2

Wo kann man Cap Tikus kaufen?

 
Der legaleCap Tikus 1978“ kann in Manado und Tomohon in allen Multi Marts, Carefour Supermärkten, einigen Souvenirläden und am Flughafen Sam Ratulangi Manado erworben werden.

Legaler Cap Tikus
CT Original und CT mit Kaffeegeschmack, 45% Alkohol, 320 ml Glasflasche mit Rattenetikett )IDR 80.000/Flasche).
Im Geschenkkarton mit zwei CT Flaschen und 2 Schnapsgläsern mit Logoaufdruck (IDR 200.000).

Er ist mittlerweile auch in Spirituosenläden und in Supermärkten auf Bali und Jakarta erhältlich.

Der illegale Cap Tikus, abgefüllt in 600 ml Plastikwasserflaschen, wird unterm Ladentisch in vielen kleinen Lädchen in der gesamten Minahasa-Region, Manado, Bitung und Tomhon ab IDR 25.000/Flasche verkauft.

Direkt an der Produktionsstätte kostet die 600 ml Flasche IDR 20.000 – doch muss die Flasche bzw. müssen die Flaschen selbst mitgebracht werden.

CV Minahasa Adventure bietet geführte Touren zu Destillerien an. Von der Ernte des Saguers bis hin zum Brennen können die Vorgänge mit verfolgt und fotografisch dokumentiert werden.

Cap Tikus
Autor Michael in der Cap Tikus Brennerei

Anlässe um Cap Tikus zu trinken

Eigentlich gibt es immer einen Anlass, Cap Tikus zu trinken! Cap wird bereits in den frühen Morgenstunden genossen, um gestärkt der Feldarbeit nachzugehen. Er ist in keinster Weise ein reines Männergetraenk. Auch Frauen ‚zwitschern“ gerne einen.

Vor dem Essen gilt er als Appetit anregend und nach dem Essen verdauungsfördernd. In vielen Minahasa-Restaurants steht neben der Kasse eine grosse Flasche zur Selbstbedienung.

In den Abendstunden ist es im Minahasa-Hochland oft recht frisch. Da dient er natürlich zum innerlichen Aufwärmen.
Keine Geburtstag, keine Taufe, keine Hochzeit, keine Trauerfeier ohne reichlich von diesem Elixier.

Gerade kurz vor Weihnachten kommt es öfters zu Lieferengpässen, da der Cap Tikus in dieser besinnlichen Zeit in Unmengen gekauft und verzehrt wird. Aus diesem Grund ruft der Pfarrer im Anschluss an seine Christmette auf, mit Bedacht zu trinken. 

Holzhäuser auf Pfählen mit zwei Treppenaufgängen(Rumah panggung) waren und sind heute noch die traditionellen Häuser bei den Minahasa. Ist die Giebelsäule, auf der die Firstpfette ruht, errichtet, findet das Richtfest (Rumambak) zu ehren der früheren Gottheit Opo Wananatas statt. Zuerst überreicht der Bauherr seinem Vorarbeiter eine Flasche Cap, die dieser unter dem Haus vergräbt. Weitere Flaschen machen dann unter den Arbeitern die Runde. Ein Buffet wird aufgefahren und die Gesellschaft tanzt den Tari Maenget. Dabei wird gesungen „Tuasan e gin eten wale“ (Wir trinken und begießen das neue Haus) und gefeiert bis in die späte Nacht hinein. 

Selbst Schamanen, die heute noch an sakralen Plätzen Kranke heilen, trinken Cap Tikus während sie sich in Trance befinden.

Auf der Insel Siau lebt ein alter Schamane, der mit einem Cocktail aus Cap Tikus und Patronen einen Zaubertrank „mixt“.

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Schamane auf der Insel Siau

Das Cap Tikus Dorf

Wir befinden uns im Jahre 2021 n. Chr. In ganz Minahasa ist der Vertrieb von schwarz gebranntem Cap Tikus offiziell untersagt. In ganz Minahasa? Nein! Das Dorf Wanga Amongema nimmt eine absolute Sonderstellung ein.
In diesem beschaulichen Örtchen brennt jede dritte Familie Cap Tikus, dessen sehr gute Qualität in der gesamten Region geschätzt wird. Sie haben sogar das Recht an der Hauptstrasse an kleinen Ständen ihr Produkt öffentlich zu veräußern.

Hält in Wanga Amongema ein junger Mann die Hand um die Tochter eines Schnapsbrenners an, so ist dessen erste Frage: „Wieviele Zuckerpalmen besitzt du?“ 

Vertrieb von illegalem Cap Tikus

Abgefüllt in lichtundurchlässige Flaschen und Kanister tritt der illegale Cap Tikus seine Schiffsreise von Nord Sulawesi auf die Molukken, nach West Papua und Papua an. Dort angekommen wird er vom Käufer meist mit Wasser gestreckt und dann für teures Geld verkauft.

Es ist nicht selten, dass die dortige Polizei Lieferungen beschlagnahmt und diese dann öffentlich wirksam auf einem Platz mit einer Strassenwalze regelrecht platt macht. Ich konnte es einmal vor vielen Jahren in Wamena im Baliemtal/Papua selbst mit erleben. Allein schon vom Geruch dieser Unmengen wurde ich benebelt.

Schädlichkeit von Cap Tikus

Wie jede Spirituose kann auch der Cap Tikus zur Abhängigkeit führen. Billiger und schlecht gebrannter hat schon so manchen Konsumenten erblinden lassen.

Während früher die alten Minahasa-Leute Cap Tikus ausschließlich tranken, um sich innerlich zu wärmen, so hat sich die Trinkkultur in unseren Tagen verändert – speziell von den Jüngeren, um sich rasch und billig „abzuschiessen“.

Zahlreiche Morddelikte führen auf den starken Genuss von diesem Brand zurück. 

Über den Autor: Meinen ersten Cap Tikus hatte ich vor vielen vielen Jahren bei einer manadonesischen Familie in Sentani/Papua getrunken. In Nord Sulawesi, zahlreiche  Jahre später, machte ich mich mit einem österreichischen Edelbrenner auf die Suche nach den versteckt liegenenden Cap Tikus-Produktionsstätten, um ihm die Herstellung zu demonstrieren. Nach vielem Fragen in Dörfern führte uns schliesslich ein junger Mann über einen lehmigen Trampelpfad, entlang an einem Maisfeld in einen dichten Urwald hinein. Hundegebell drang uns entgegen und auf einmal standen wir inmitten einer Lichtung, dessen Herzstück eine Bambushütte zierte. In aller Ruhe und Gemütlichkeit sassen darin zwei Männer, die den „Minahasa-Whiskey“ brannten. Einer davon war Rudi. So begann eine lange Freundschaft , die immer wieder mit frisch erzeugtem Cap Tikus begossen wird. 

 
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1 Kommentar

Pierre Bühler 18. April 2022 - 13:00

Ich würde gerne copi vino, Palmzucker und Cap Tikus kaufen, habe aber das Pech, dass ich in der Schweiz wohne. Gibt es einen Ausweg um in der Schweiz an diese Produkte zu kommen?

Antworte Pierre

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