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Warum Indonesier für eine Pilgerfahrt nach Mekka reisen

von Gunda Wörlein

Jedes Jahr findet ein Ereignis statt, das Millionen von Gläubigen zusammenbringt und eine der größten Menschenansammlungen weltweit ist: die Pilgerfahrt nach Mekka, auch Hadsch genannt.

Die Pilgerfahrt nach Mekka ist das Höchste, was ein Muslim in seinem Leben machen kann. Auch Tausende von Indonesiern zieht es jährlich in die Heilige Stadt, die im Westen von Saudi-Arabien liegt.

Was genau steckt hinter dieser Reise? Wie läuft eine Pilgerfahrt nach Mekka ab? Und welche Bedeutung hat die Reise für muslimische Indonesier?

In diesem Artikel erfährst du das Wichtigste zum Hadsch, der jährlichen Pilgerreise nach Mekka.

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Die Pilgerfahrt nach Mekka ist das Höchste, was ein Muslim in seinem Leben machen kann.

Die fünf Säulen des Islam

Der Islam ist nach dem Christentum die zweitgrößte Religion auf der Welt. In Indonesien leben mit einem Anteil von fast 90 % etwa 207 Millionen Muslime. Es ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit.

Das heilige Buch des Islam ist der Koran. Als Wort Gottes enthält er die grundlegenden Glaubenslehren und Gesetze dieser Religion. Des Weiteren wird die Sunna, eine Sammlung der Taten und Worte des Propheten Mohammeds (Hadithe) zur Ergänzung des Korans herangezogen.

In dieser Sammlung, genauer gesagt in der Gabriel-Hadith, finden wir die fünf Säulen des Islams (Rukun). Sie stellen die wichtigsten Regeln und Hauptpflichten jedes Muslims dar.

  1. Schahada/Sahadat
    Schahada wird das islamische Glaubensbekenntnis genannt. Mit diesem bekennen sich Muslime dazu, dass es nur einen Gott (Allah) gibt und Mohammed sein Gesandter ist. Menschen, die zum Islam konvertieren, treten in der Regel mit dem Ablegen ihrer Schahada in die Religion ein.

  2. Salat/Sholat
    Sholat wird das Pflichtgebet genannt, das Gläubige fünfmal am Tag zu festgelegten Zeiten und in Richtung Mekka ablegen. Freitags wird das Mittagsgebet in der Regel gemeinsam in der Moschee vollzogen.

  3. Zakat
    Unter Zakat verstehen wir die Almosengabe, die Arme und sozial Benachteiligte unterstützen soll und mindestens einmal im Jahr von Gläubigen erwartet wird.

  4. Saum/Puasa
    Waktu Puasa (= Fastenzeit) bezeichnet das vorgeschriebene Fasten zum Fastenmonat Ramadan. Dieser Monat folgt dem islamischen Mondjahr und verschiebt sich jedes Jahr um 11 Tage nach vorne. Zu Ramadan sollten Gläubige Enthaltsamkeit üben und dürfen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Auch sollten Muslime während dieser Zeit auf Geschlechtsverkehr, das Rauchen und schlechte Gedanken verzichten.

  5. Hadsch/Haji
    Als Hadsch wird die Pilgerfahrt nach Mekka bezeichnet, die am Ende des islamischen Mondjahrs stattfindet und die jeder Muslim einmal in seinem Leben gemacht haben sollte. Entscheidend hierbei sind die finanziellen und gesundheitlichen Umstände des Gläubigen.

Die fünf Säulen des Islam bauen mehr oder weniger aufeinander auf. Das Glaubensbekenntnis bildet die Grundlage der Religion. Das Fasten und die Pilgerfahrt sind fortgeschrittene Praktiken, die vor allem von besonders gläubigen Muslimen vollzogen werden.

Interessant dabei ist, dass die Pilgerfahrt nach Mekka nicht zwingend für jedermann vorgeschrieben ist, sondern von der individuellen Situation eines Einzelnen abhängt – wie auch die Übersetzung von Rudi Paret zeigt:

„Und die Menschen sind Gott gegenüber verpflichtet, die Wallfahrt nach dem Haus zu machen – soweit sie dazu eine Möglichkeit finden.“

Sure 3, Vers 97

Demnach sollten nur Gläubige, die sowohl körperlich als auch finanziell dazu in der Lage sind, für eine Pilgerfahrt nach Mekka reisen.

Nur Gläubige, die sowohl körperlich als auch finanziell dazu in der Lage sind, sollten für eine Pilgerfahrt nach Mekka reisen.

Einen spannenden Überblick über die Religionen Indonesiens erhältst du in unserem Beitrag Religion in Indonesien: Ein spannender Überblick

Die Ursprünge des Hadsch

Die Anfänge des Hadsch finden sich bereits zu vorislamischer Zeit, als die Menschen der Region noch einer altarabischen Religion folgten. Zu jener Zeit galten die Rituale jedoch keiner bestimmten Gottheit, sondern vermutlich der Sonnenverehrung.

Islamisiert wurden sie erst im Jahr 632, als der Prophet Mohammed selbst die Rituale vor Ort vollzog und sie neu ordnete. Da er kurz danach das Zeitliche segnete, wird die Reise Mohammeds auch als Abschiedswallfahrt bezeichnet.

„Hadsch“ bedeutet „an einen Ort zu reisen, um ihn zu besuchen“. Für Muslime heißt das nach Mekka zu fahren und die Pilgerrituale zu vollziehen.

„Hadsch“ bedeutet für Muslime nach Mekka zu fahren und die Pilgerrituale zu vollziehen.

Die Heilige Stadt Mekka

Während früher große Pilgerkarawanen monatelang unterwegs waren, um nach Mekka zu reisen, können Gläubige heute einfach in einen Flieger steigen. Die Heilige Stadt Mekka liegt im Westen von Saudi-Arabien und ist über den Flughafen Jeddah zu erreichen.

Der Zutritt zu Mekka ist ausschließlich Muslimen vorbehalten und das religiöse Großereignis stellt das Land jährlich vor neue Herausforderungen. In der Stadt selbst leben etwa 2 Millionen Einwohner, doch die Infrastruktur und Lebensmittelversorgung in Mekka müssen jährlich rund 2,5 Millionen zusätzlichen Gläubigen gerecht werden.

Auch wenn in der Vergangenheit bereits zahlreiche Vorfälle wie Massenpanik, Gewalt und die Besetzung der Heiligen Moschee im Jahr 1979 für negative Schlagzeilen gesorgt hatten, stellt die Stadt einen wichtigen Wirtschaftsfaktor sowie eine bedeutende Quelle des Prestiges für Saudi-Arabien dar.

Doch welche Bedeutung hat Mekka für Muslime und den Islam? Warum reisen jährlich Millionen Menschen in die Heilige Stadt, um ihren islamischen Glauben zu vertiefen?

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Die Stadt Mekka und das gebirgige Umland

Mekka – Geburtsstadt von Mohammed

Mekka ist die Geburtsstadt des Propheten Mohammed. Im Jahr 570 hat er hier das Licht der Welt erblickt. Außerdem soll Mohammed in dieser Stadt auf dem Berg Hira den Koran, das heiligste Buch des Islam, empfangen haben.

Der zweitwichtigste Pilgerort neben Mekka ist Medina, die Stadt, in der Mohammed im Jahr 632 im Alter von 62 Jahren starb. Mekka und Medina werden aus diesem Grund als Wiege des Islams bezeichnet.

Heilige Moschee und Kaaba – ältestes Gotteshaus der Welt

Mittelpunkt von Mekka bildet die Heilige bzw. Große Moschee. In ihrem Innenhof befindet sich die Kaaba, das „Haus Gottes“, ein fensterloses, würfelartiges Gebäude und zugleich ältestes Gotteshaus der Welt.

Dem islamischen Glauben zufolge wurde die Kaaba einstmals vom Propheten Adam erbaut und ihre Ruine von den Propheten Abraham und Ismael im Auftrag Gottes als Wallfahrtsstätte wieder erbaut. Das verdeutlicht, dass sie bereits in vorislamischer Zeit als zentrales Heiligtum der arabischen Stämme eine bedeutende Rolle spielte.

Die Kaaba ist etwa 11×12 Meter groß und etwa 13 Meter hoch. Sie steht auf einem 25 Zentimeter hohen Marmorsockel. In der südöstlichen Ecke befindet sich auf ca. 1,5 Metern Höhe ein schwarzer Stein, der möglicherweise ein Meteorit ist und den der Engel Gabriel dem Propheten Abraham gegeben haben soll.

An der Nord-Ost-Wand befindet sich ein Eingang, der über eine Holztreppe erreicht werden kann. Das Innere der Kaaba ist jedoch verschlossen und wird nur zweimal im Jahr für Reinigungsrituale geöffnet. Diese finden 15 Tage vor Ramadan sowie vor der jährlichen Pilgerreise statt.

Im Inneren stützen drei Säulen die Decke und die Wände sind bis zur Hälfte mit Marmor verkleidet. Den oberen Teil der Innenwände ziert ein grünes Tuch mit Koranversen, die mit goldenen Fäden auf das Tuch gestickt wurden. Die äußeren Wände der Kaaba werden von einem schwarzen Brokatvorhang (Kiswa) verdeckt, der ebenfalls mit goldenen Koranversen bestickt wurde und jährlich erneuert wird.

Ein Stück von der Nord-Ost-Wand der Kaaba entfernt steht die Abraham-Stätte, ein kleiner Fels, den Abraham für die Fertigstellung benutzt haben soll. Er befindet sich in einem goldfarbenen Gitterschrein.

Vor der Nord-West-Wand der Kaaba befindet sich eine halbkreisförmige, weiße Marmormauer, die Hatim genannt wird. Sie ist 90 Zentimeter hoch und 1,5 Meter breit. Zwischen der Mauer und der Kaaba befinden sich die Gräber des Propheten Ismaels und seiner Mutter Hagar. Dieser Bereich wird Hidschr genannt und darf während des Tawaf (Umrundung der Kaaba) nicht betreten werden.

Die Kaaba ist das wichtigste Heiligtum des Islam und jedes Gebet, das ein Muslim ablegt, soll in ihre Richtung (Qibla) ausgelegt sein. Aus diesem Grund findest du auch in vielen Hotels muslimisch geprägter Länder an der Decke einen Pfeil in Richtung Kaaba mit der Aufschrift „Qibla“.

Die Kaaba ist das wichtigste Heiligtum des Islam und jedes Gebet, das ein Muslim ablegt, soll in ihre Richtung (Qibla) ausgelegt sein.

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Kaaba, das „Haus Gottes“, stellt den Mittelpunkt von Mekka dar

Der Zeitpunkt der Pilgerreise nach Mekka

Bei Pilgerreisen nach Mekka wird zwischen zwei Pilgerfahrten unterschieden: die große Pilgerfahrt (Hadsch) und die kleine Pilgerfahrt (Umra/Umroh).

Der Hadsch, die große, jährliche Pilgerfahrt nach Mekka, wird am Ende jedes islamischen Mondjahrs im Monat Dhul-Hidscha durchgeführt. Sie ist nur an bestimmten Tagen, in der Regel in der Zeit vom 8. bis 12. Tag des Dhul-Hidscha, möglich.

Die kleine Pilgerfahrt Umra kann zu jeder beliebigen Jahreszeit vollzogen werden. Anders als der Hadsch ist diese Pilgerreise Kaaba und dem anschließenden Lauf zwischen den Hügeln (siehe weiter unten) gewidmet und nimmt weniger Zeit in Anspruch. Gläubige machen die Umra verstärkt zu Ramadan sowie in der Zeit vor und nach dem Hadsch.

Beide Pilgerfahrten können auch stellvertretend für einen Verstorbenen durchgeführt werden mit der Voraussetzung, dass die eigene Umra bereits vollzogen wurde.

Die Voraussetzungen für eine Pilgerreise nach Mekka

Damit ein gläubiger Muslim eine Pilgerreise nach Mekka antreten darf bzw. eine Pilgerreise zur Pflicht wird, müssen u. a. folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Islamischer Glaube bzw. Muslim-Sein
  2. Zurechnungsfähigkeit
    (für geistig behinderte oder senile Personen besteht keine Pflicht)
  3. Volljährigkeit bzw. religiöse Mündigkeit
  4. Persönliche Freiheit
    (Gefangene sind von der Hadsch-Pflicht ausgenommen)
  5. Wissen über die Pflichtmäßigkeit des Hadsch
    (z. B. sind „neue“ Muslime, die durch das Aussprechen des Glaubensbekenntnisses Muslim werden, von der Pflicht ausgenommen, solange sie nichts davon wissen)
  6. Ausreichende finanzielle Mittel
    (verpflichtet sind nur Muslime, die nach der Deckung ihres täglichen Bedarfs einen Überschuss für die Reise, den Transport und den Unterhalt während der Reise haben)
  7. Frauen dürfen nur in männlicher Begleitung reisen
    (Ehemann oder naher Verwandter)

Hast du bereits von den Scharia Gesetzen im Islam gehört? Mehr dazu in unserem Beitrag Scharia Gesetze: Alles, was du wissen solltest

Der Ablauf einer Pilgerfahrt in Mekka

Der jährliche Hadsch wird innerhalb von 4 bis 6 Tagen durchgeführt.

Ihram-Zustand

Zu Beginn der Pilgerreise versetzen Gläubige sich in einen Weihezustand, der Ihram genannt wird. Vor dem Eintritt in den Ihram-Zustand rasieren sie sich und schneiden ihre Haare sowie ihre Fingernägel. Anschließend wickeln sich die männlichen Pilger zwei weiße, ungesäumte Tücher um den Körper und ziehen Sandalen an.

Frauen tragen die übliche islamkonforme Kleidung, sind jedoch nicht vollverschleiert. Während des Ihram sind bestimmte Dinge verboten. Muslime dürfen sich nicht rasieren, kämmen oder ihre Haare und Nägel schneiden. Auch dürfen Kopf, Hände und Füße während dieser Zeit nicht bedeckt sein.

Betreten der Heiligen Moschee & erster Tawaf

Der Hadsch beginnt mit dem Betreten der Moschee in der Heiligen Stadt Mekka. Der Pilger spricht ein Bittgebet und vollzieht im Anschluss den Ankunftstawaf um die Kaaba. Jeder Tawaf (= 7 Umrundungen) beginnt in der südöstlichen Ecke, wo sich der schwarze Stein befindet und verläuft entgegen dem Uhrzeigersinn. Während des Tawaf sowie im Anschluss der Umrundungen spricht der Gläubige weitere Gebete.

Der Lauf zwischen Safa und Marwa (Sa’i)

Nach dem Ankunftstawaf beginnt der Lauf zwischen den Hügeln Safa und Marwa, der auf Arabisch Sa’i genannt wird. Insgesamt siebenmal laufen die Gläubigen zwischen den Hügeln hin und her, während sie zahlreiche Gebete sprechen.

Bei diesem Lauf soll die Suche nach Wasser nachempfunden werden, wie Hagar, die Mutter des Propheten Ismaels und Nebenfrau von Abraham, sie damals erlebte. Den Erzählungen nach entsprang dort, wo sie ihr Kind ablegte, schließlich eine Quelle (Zamzam-Quelle).

Lauf nach Mina

Im Anschluss beginnt mit dem Lauf in das 5 Kilometer entfernte Mina der eigentliche Hadsch. Hier werden in einer gigantischen Zeltstadt für die nächsten Tage 3 Millionen Menschen untergebracht.

Ebene Arafat

Nach einer Nacht in Mina begeben sich die Pilger nach Arafat, einer felsigen Ebene 20 Kilometer östlich von Mekka. Sie bleiben auf und um den „Berg der Barmherzigkeit“, die Stelle, an der Mohammed vor rund 1.400 Jahren seine letzte Predigt gehalten hatte, bis zum Einbruch der Dunkelheit und beten.

Für die meisten Pilger stellt das Stehen im Bereich dieser Ebene den emotionalsten Teil dar. Hier wird Gott in der Regel um Vergebung gebeten und nicht selten ziehen die Pilger ein Resümee ihres bisherigen Lebens. Nach Sonnenuntergang ziehen sie weiter nach Muzdalifa, wo sie eine Nacht bleiben.

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Der „Berg der Barmherzigkeit“ in Arafat

Steinigung des Teufels

Vor Sonnenaufgang geht es am nächsten Tag, dem Tag des Opferfestes, wieder nach Mina. Hier findet unter der Dscharamat-Brücke die symbolische Steinigung des Teufels statt. Die Dscharamat-Säulen befinden sich unter der Brücke, wo sie mittlerweile eine hohe Mauer bilden. Die Pilger bewerfen die drei Säulen mit jeweils 7 Steinen, während sie beten.

Opfern & Rasieren der Haare

Im Anschluss an die „Steinigung“ werden Opfertiere geschlachtet. In der Regel erhalten Pilger nur einen kleinen Teil davon, der Rest wird an Arme verteilt. Der Tag des Opferfestes (Idul Adha) stellt neben Idul Fitri den höchsten muslimischen Feiertag dar und wird von Muslimen auf der ganzen Welt gefeiert.

Anschließend rasieren oder kürzen die Männer ihr Haupthaar (Halq) und Frauen schneiden sich eine Haarsträhne ab (Taqsir).

Austritt aus dem Ihram-Zustand

Nach einer weitere Runde Tawaf und Sa’i in Mekka treten die Pilger aus dem Ihram-Zustand aus. Für sie beginnt ein neues Leben, das frei von ihren früheren Sünden ist.

Übernachtungen in Mina

In der Regel bleiben die Pilger weitere 2 oder 3 Tage in Mina und es findet erneut eine symbolische Steinigung des Teufels an den drei Dschamarat statt.

Abschiedstawaf

Der Abschiedstawaf vor dem Verlassen der Heiligen Stadt ist Pflicht für alle Gläubigen. Hierbei werden weitere Gebete gesprochen. Danach erfolgt die Heimkehr der Pilger.

In der Regel stimmen sich die Gläubigen bereits Wochen vorher mit Gebeten und dem Lesen von Koranversen auf ihre Pilgerreise nach Mekka ein. Da es verschiedene Arten des Hadsch gibt, können die Abläufe variieren. Kein fester Bestandteil, aber häufig in Verbindung mit einer Pilgerreise, wird die Prophetenmoschee in Medina besucht, in der Mohammed begraben ist.

Die Beschneidung ist eine weitere Tradition aus dem Islam. Was es damit auf sich hat, erfährst du in unserem Beitrag Beschneidung Indonesien: Zwischen Tradition und Religion

Die Bedeutung der Pilgerreise nach Mekka für indonesische Muslime

Eine Pilgerfahrt nach Mekka (indonesisch: „naik haji“) zu machen, ist für viele indonesische Muslime das Höchste, was sie machen können. Nicht selten wird der Hadsch auch als Vollendung des Glaubens bezeichnet, da er alle charakteristischen Eigenschaften verschiedener Pflichthandlungen in sich vereint: Gebete, Geduld, Enthaltsamkeit, Hingabe, Almosengabe, Opfergabe und Bittgesuche um Vergebung.

Dabei ist eine Pilgerfahrt nicht nur eine Reise zu Gott, sondern auch zu sich selbst. Während Pilger Gott um die Vergebung ihrer Sünden bitten, vergeben sie auch sich selbst. Befreit von ihren alten, tief sitzenden Sünden kehren sie in ihr „neues Leben“ zurück.

Das ist ein Grund, warum viele Gläubige ihre Pilgerreise erst in hohem Alter antreten. Ein weiterer Grund sind die finanziellen Mittel, die für eine Pilgerreise nötig sind. Sehr häufig sparen Indonesier ein ganzes Leben auf eine Pilgerreise hin.

Hinzu kommt, dass Muslime in der Regel erst für die finanzielle Sicherheit ihrer Familie sorgen müssen, bevor sie mit dem überschüssigen Geld eine Pilgerreise antreten dürfen.

Indonesier können über Reiseagenturen Komplettpakete für den Hadsch und die Umra buchen. Umra-Pakete gibt es bereits um die 25 Millionen IDR (ca. 1650 Euro). Je nach Paket können Hadsch-Reisen zwischen 30 und 50 Millionen IDR (ca. 2000 bis 3300 Euro), aber auch zwischen 150 und 200 Millionen IDR (ca. 10.000 bis 13.000 Euro) kosten – für Indonesier eine ordentliche Stange Geld.

Nicht selten müssen sie dabei mit Wartezeiten von 8 Jahren oder länger rechnen. Stellvertretend können Pilgerreisen nach Mekka auch für Verstorbene angetreten werden – bei diesen langen Wartezeiten leider keine Seltenheit.

Belohnt werden gläubige Muslime in Indonesien nicht nur mit der Aussicht auf ein göttliches Paradies nach ihrem Ableben, sondern auch mit dem respektvollen Ehrentitel „Haji“. Dieser Titel zeugt von einem gewissen Status und steigert ihr Ansehen innerhalb der indonesischen Gemeinschaft.

Belohnt werden gläubige Muslime in Indonesien nach dem Hadsch nicht nur mit der Aussicht auf ein göttliches Paradies nach ihrem Ableben, sondern auch mit dem respektvollen Ehrentitel „Haji“.

Weitere Pilgerreisen

Die Pilgerreise nach Mekka ist nicht die einzige Pilgerreise, die es gibt. In der Regel hat jede Religion bzw. Lebensphilosophie Mittel und Wege, ihre Anhänger bei ihrer spirituellen Reise zu sich selbst zu begleiten.

In Bali beispielsweise gibt es zahlreiche Pilgerwege durch die Natur und in den Bergen, die dich in verschiedene Hindu-Tempel führen.

Der bekannteste, christliche Pilgerweg in Europa ist der Jakobsweg. Dieser bezeichnet eine Reihe von verschiedenen Pilgerwegen in Europa, die ein gemeinsames Ziel ansteuern: die Grabstätte des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in der Provinz Galizien in Spanien.

Zu den beliebtesten Routen gehört u.a. der portugiesische Jakobsweg, der Portugal von Lissabon im Süden über den Norden durchquert und bis nach Santiago de Compostela in Nordspanien führt.

Ein beliebter Startpunkt für den Jakobsweg in Spanien ist die nordspanische Stadt Bilbao, die auch eine gute (und günstige) Flugverbindung offenbart. Die Route von Bilbao nach Santiago de Compostela führt Pilger die Küste entlang, an Stränden vorbei, über gebirgige Landschaften und durch kleine Dörfer. Für diese Strecke werden mindestens 40 Tage benötigt.

Hast du bereits eine Pilgerreise gemacht? Oder kennst du jemanden, der eine Pilgerfahrt gemacht hat? Teile deine Erfahrung in den Kommentaren!

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Über die Autorin:

Autorenfoto Gunda mit Hartono

Gunda kommt aus der Tauch- und Tourismusbranche und war einige Jahre in Südostasien unterwegs, bevor sie ihr Herz an Indonesien verlor. Hier fand sie nicht nur ihre neue Heimat, sondern auch ihre große Liebe. Nach der Leitung eines Tauchresorts in Raja Ampat, entstand die Idee zu ihrer Webseite. Mittlerweile lebt sie als freie Autorin und Podcasterin mit ihrem Mann Hartono auf Morotai, wo die beiden sich eine kleine Selbstversorger-Farm aufbauen. Mehr von dieser Autorin lesen.

 
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