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Tiwah Zeremonie: Der Weg in den Himmel Kalimantans

von Corinna Pleuser

Im Mai hatte ich das Glück in Zentral Kalimantan auf einem Dorf zu einem Tiwah eingeladen zu sein.

Die Tiwah Zeremonien ist eine sehr wichtige Zeremonie im Rahmen des Kaharingan Glauben.

Tiwah ermöglicht den Verstorbenen endgültig Erlösung zu finden indem ihre Knochen wieder ausgegraben werden und in kleine Schreine gebracht werden.

Der Kaharingan Glaube ist der traditionelle Glaube der Dayaks, auch wenn viele gleichzeitig Christen oder Muslime sind. Die Dayaks sind die Einheimischen Kalimantans und besitzen noch heute einen starken Glauben an Geister und übernatürliche Kräfte. Sie leben nach wie vor sehr verbunden mit der Natur, die in jedem Tanz oder Ritual die Hauptrolle spielt.

Jede Tiwah Zeremonie ist etwas anders, da diese immer von ganzen Dörfern abgehalten werden und sehr davon abhängen wie viel Geld und Vorbereitungszeit zur Verfügung steht. Aber in den Grundzügen sind sie sich alle sehr ähnlich und es ist definitiv ein unvergessliches Erlebnis!

Da bei meinem Tiwah am eigentlichen Datum noch niemand fertig war mit den Vorbereitungen, wurde es spontan vier Tage nach hinten verlegt. Deswegen konnten wir den Kern des Rituals leider nicht miterleben, dafür aber die genauso interessanten Vorbereitungen. Währenddessen konnten wir unglaublich viel über die Kultur der Dayak und ihren Glauben lernen.

Das Tiwah in Tumbang Manggu

Bevor wir nach Kalimantan gingen hatten wir schon davon gehört, dass in einem Dorf nahe Palangkaraya eine Tiwah Zeremonie abgehalten wird. Diese Zeremonien sind eher selten, da sie sehr teuer sind und die meisten Dörfer sie sich nur ca. alle 20 Jahre leisten können. In Tumbang Manggu, dem Dorf in das wir eingeladen wurden war dies die erste Zeremonie seit 25 Jahren. Insgesamt nahmen 44 Familien teil. Die verbliebenen Knochen von 74 Menschen wurden ausgegraben und teilweise von weiter her an den Ort des Tiwahs transportiert.

Während eines Tiwahs werden die schon vor Jahren unter der Erde beerdigten Knochen der Vorfahren wieder ausgegraben und mit Hilfe von speziellen Ritualen und Schamanen in sogenannte Sandungs verlegt. Diese Sandungs sind ähnlich kleinen Schreinen aus Holz und auf Stelzen gebaut mit allerlei Verzierungen die den Toten den Weg ins Nirwana erleichtern sollen.

Holzfigur für das Sandung

Holzfigur für das Sandung

Jeder Sandung wird mehrere Verstorbene beherbergen und führt die Lebensweise der Dayak fort, die traditionell schon immer in den Bertangs (Gemeinschaftshäuser) zu Vielen zusammen wohnen.

Normalerweise hat jede Familie ihren eigenen Sandung für ihre Verstorbenen. Falls dies nicht der Fall ist, muss ein neuer gebaut werden.

Treppe zu einem Bertang

Treppe zu einem Bertang

Die Vorbereitungen für Tiwah

Die Vorbereitungen für ein Tiwah sind sehr aufwendig. Zunächst müssen die Sandungs gebaut werden und die ganzen Familien anreisen. Auch die Basire (Schamane) müssen teilweise aus anderen Dörfern anreisen, da bei einem Tiwah mindestens drei Basire benötigt werden. Dann werden durch Balians die Sandungs gereinigt und gesegnet – sowie auch private Häuser.

Gleichzeitig reinigen sich alle Angehörigen der Verstorbenen durch einen speziellen Tanz neben dem Gemeinschaftshaus, der auf eine ganz bestimmte und festgelegte Weise um ein sogenanntes Sangkaraya herum getanzt wird. Das Sangkaraya besteht aus heiligem Wasser in der Mitte, Batiktüchern die an Stöcken aufgesteckt stehen, einem Schrein und Feuer.

Während der Balians und auch des Tanzes trinken alle Anwesenden Unmengen von Baram – den lokalen Reiswein.

Der Tanz um das Sangkaraya herum

Der Tanz um das Sangkaraya herum

Vorbereitung: Ein Balian

In einem Balian reinigen mindestens drei Basire gleichzeitig entweder die Angehörigen und ihr Haus, die Sandungs oder die Knochen. Dabei singen sie in Sangiang, eine Sprache die nur sie sprechen, und trommeln.

Man sagt während sie singen verbinden sie sich mit den Geistern welche ihnen sagen was sie zu singen haben.

Es ist wirklich unglaublich beeindruckend, denn alle drei singen in perfekter Harmonie über drei oder mehr Stunden lang ununterbrochen. Dabei werden immer wieder Opfergaben vor ihnen hingelegt und sie stellen ihre Füße auf große Gongs, da sie den Boden nicht berühren dürfen.

Während alldem trinken, essen und rauchen so viele Menschen wie in das Haus hineinpassen ununterbrochen. Die Stimmung ist recht fröhlich aber respektvoll und es wird auch hier unglaublich viel Baram herumgereicht. Als Ausländer bist du dort auf jeden Fall auch ein beliebtes Foto-Objekt!

Am Ende des Balians schauen alle nach Osten und werden gesegnet mit Wasser, Reis, Kreide und Eiweiß. Danach geht es weiter zum nächsten Haus. Auch das Gemeinschaftshaus wird einem Balian unterzogen, mit allen Basiren zusammen.

Die Basire beim großen Balian

Die Basire beim großen Balian

Vorbereitung: Die Knochen

Nachdem alles gereinigt und gesegnet wurden, werden die Knochen ausgegraben, gereinigt, und auch durch ein Balian gesegnet. Dann werden sie alle an einem Ort gesammelt und in die Sandungs gebracht. Während all dem werden außerdem Unmengen an Tieren geopfert, also solltest du dich darauf auf jeden Fall vorbereiten!

EIn Basir opfert ein Huhn

EIn Basir opfert ein Huhn

Wie du von dem nächsten Tiwah erfahren kannst

Tiwahs finden über ganz Kalimantan verstreut statt, aber man erfährt am ehesten durch Kontakte wo und wann genau. Falls du also an einem Tiwah teilnehmen möchtest, solltest du am besten so viel wie möglich mit Einheimischen reden und sie darauf ansprechen. Oft werden die Tiwahs auch ein bisschen wie Partys auf Plakaten angepriesen.

Du kannst auch im Voraus Central Borneo Guide and Tours kontaktieren, Yun Pratiwi weiß immer was in und um Palangkaraya in Kalimantan passiert!

Falls du die Chance bekommst an einem teilzunehmen, solltest du dir diese jedoch auf keinen Fall entgehen lassen. Die Dayak nehmen dich in ihre Familie auf und du wirst ihren starken Glauben und ihre Verbundenheit mit der Natur und ihren Vorfahren aus der Nähe intensiv miterleben!

Text: Corinna Pleuser

Über die Autorin: Corinna war vor und während ihrem Studium viel unterwegs, lernte Indonesisch und wohnt jetzt seit einem Jahr dort. Auf Reisen möchte sie neue Möglichkeiten finden um Ideen, Projekte und Initiativen zu entwickeln. Dabei geht es ihr viel um Umweltschutz, nachhaltiges Wirtschaften und Kreativität.

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