Tana Toraja auf Sulawesi ist anders. Hier werden Beerdigungen zu mehrtägigen Festen, die Toten ruhen in Felswänden und fremde Besucher sind herzlich willkommen.
Eine Beerdigung als Highlight deiner Indonesien-Reise? Was sich für uns intim und traurig anhört, wird bei den Toraja in Sulawesi zu einem rauschenden Fest, ein unvergessliches Erlebnis für jeden Reisenden, der den Weg hierher gefunden hat.
Tana Toraja ist eine Region im Hochland von Sulawesi (Indonesien) und bekannt für ihre einzigartigen Beerdigungszeremonien, Felsengräber und traditionellen Tongkonan-Häuser.
Außerdem: Vor kurzem wurden nahe bei Makassar, der Hauptstadt Süd-Sulawesis, die ältesten Höhlenmalereien der Menschheit entdeckt. Im Toraja Hochland in Süd-Sulawesi findest du eine der ältesten animistischen Kulturen, deren Traditionen Kolonialzeit und Christianisierung getrotzt haben und sich heute nahtlos in ein modernes Leben einfügen.
Eine Besonderheit: fremde Besucher sind dabei immer willkommen.
Tana Toraja auf einen Blick
✓ Hauptorte: Rantepao (Nord) und Makale (Süd), 20 km voneinander entfernt
✓ Nächster Flughafen: Toraja (TRT) bei Makale, oder Makassar (UPG) mit Busverbindung
✓ Busfahrt von Makassar: ca. 10 bis 11 Stunden
✓ Büffelpreis: ab 1.000 Euro, besondere Tiere erreichen den Wert eines Luxusautos
✓ Empfohlene Aufenthaltsdauer: mindestens 3 Tage
✓ Beste Reisezeit: Mai bis Oktober
✓ Religion: überwiegend christlich, animistische Traditionen (Aluk to Dolo) bis heute lebendig
✓ UNESCO-Tentativliste: Mehrere traditionelle Toraja-Siedlungen, darunter Ke’te Kesu und Lemo, seit 2009 auf Indonesiens Vorschlagsliste für das Weltkulturerbe
Unterkünfte in Rantepao und Umgebung
Pia’s Poppies Hotel
In diesem Hotel habe ich unser Buch geschrieben und es ist mein klarer Favorit. Die Atmosphäre ist sehr familiär – schließlich ist das Haus schon in 2. Generation familiengeführt. Und die dritte Generation spielt fröhlich zwischen den Gästen. Die Zimmer sind groß aber einfach, der Garten wunderschön bewachsen. Die Küche bietet viele traditionelle Toraja Gerichte.
Pison Hotel
Liegt genau gegenüber von Pia’s Poppies und ist recht beliebt. Hinter dem Hotel (auch von außen zugänglich) findet ihr Kaana Toraya Coffee, ein guter Ort, um den berühmten Kaffee der Gegend zu genießen, den sie hier selbst rösten.
Toraja Heritage Hotel
Mitte der 1990’er Jahre gegründet, war dies das erste und für viele Jahre auch das einzige Vier-Sterne-Hotel in Rantepao. Annehmlichkeiten wie ein Swimmingpool verbinden sich hier mit einem traditionellen Ambiente.
Homestays (unsere Empfehlung!)
Östlich von Rantepao, etwas weiter als Ke’te Kesu‘, könnt ihr ganz traditionell zwischen Tongkonans und Alangs (Reisscheunen) wohnen, nämlich im Ne‘ Pakku Manja Family Home. Meyske heißt eure Gastgeberin hier, eine sehr agile und stets interessierte junge Frau, die mit ihrer Familie im unteren Teil des Hauses wohnt, währen im Obergeschoss vier Zimmer für Gäste zur Verfügung stehen.
Beliebt ist auch das Rosalina Homestay im Süden der Stadt mit schönem Blick über die angrenzenden Reisfelder.
Wer sind die Toraja?
Die Toraja sind nach den Bugis und Makassaresen die kleinste der drei großen Volksgruppen Süd-Sulawesis. Sie leben im Bergland rund um die beiden Städte Rantepao und Makale.
Tana Toraja („Land der Toraja“) wurde 2008 in zwei Bezirke aufgeteilt, Toraja Utara („Nord Toraja“) um Rantepao und Tana Toraja um die Stadt Makale, die nur 20 Kilometer weiter südlich liegt.
Während ihre Nachbarn islamisch sind, bekennt sich die überwiegende Mehrheit der Toraja zum Christentum. Den Missionaren gelang es aber nicht, den Toraja ihre traditionellen Praktiken auszutreiben. „They are just so stubborn“, wie ein Priester mir mal mit einem Schulterzucken erklärte.
Dieser Sturheit verdanken wir die Bewahrung einer einmaligen, animistisch geprägten Kultur!

Lesetipp: SIM-Karte Indonesien: Mobiles Internet vor Ort
Wenn du länger in Indonesien unterwegs bist, lohnt sich eine lokale SIM oder eSIM, damit du direkt mobiles Internet hast. Unsere Erfahrung: Telkomsel bietet die beste Netzabdeckung, auch außerhalb der großen Städte.
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Was gibt es zu entdecken? Sehenswürdigkeiten in Tana Toraja
Beerdigungszeremonien in Tana Toraja
„Ist eine Beerdigung nicht zu intim? Stören wir nicht die Trauernden?“
Diese Frage wurde mir oft gestellt, und die Antwort ist ein klares Nein. Natürlich trauern auch Toraja um ihre Verstorbenen. Aber bei der Beerdigung liegt der Tod schon Monate, manchmal Jahre zurück. All diese Zeit bleibt die oder der Verstorbene, sorgfältig einbalsamiert, im Haus der Familie. Eine lange Zeit also, um Abschied zu nehmen.
Die Zeremonie ist dann der endgültige Aufbruch des Toten zu einer langen, schwierigen Reise ins Land Puya, das Reich der Totengeister. Alle, auch Touristen, sind eingeladen, diese Abreise gemeinsam zu feiern, den Verstorbenen aufzumuntern und zu erfreuen.
Je mehr Gäste, desto größer die Ehre, je aufwendiger das Fest, desto besser gelingt die Passage – und das Prestige der Familie steigt.
Tag 1: Beerdigungszeremonien in Tana Toraja
Eine typische Beerdigung dauert drei Tage. Sie beginnt mit dem Empfang der Gäste am ersten Tag. In langen Reihen ziehen die Mitglieder befreundeter Tongkonans auf den Festplatz, begleitet von Musik, Gesängen, Tänzen und dem endlosen Redefluss des „Ankündigers“. Anschließend werden die Gäste mit traditionellen Speisen verköstigt.


Tag 2: Beerdigungszeremonien in Tana Toraja
Am zweiten Tag werden die Wasserbüffel auf den Festplatz getrieben und einige von ihnen mit einen Schnitt durch den Hals getötet. Je mehr Büffel geopfert werden, desto höher das Ansehen der Trauerfamilie. Später werden die Hörner der toten Büffel am Stützpfosten vor der Fassade des Tongkonans angebracht. Das Fleisch wird für die Gäste gekocht und an die Gemeinschaft verteilt.
Büffelkämpfe können ebenfalls stattfinden, meist am ersten Tag oder am zweiten vor der Opferzeremonie.

Tag 3: Beerdigungszeremonien in Tana Toraja
Am dritten Tag wird der Sarg des Verstorbenen in einer fröhlich und ausgelassen anmutenden Prozession zum endgültigen Ort des Begräbnisses geleitet.

Felsengräber und Grabhöhlen in Tana Toraja
Stell dir vor, du seist einer der ersten europäischen Abenteuerreisenden, die Tana Toraja erreichten. Du trittst aus dem dichten, dunklen Wald auf eine grüne Lichtung. Vor dir ragt eine Felswand im gleißenden Sonnenlicht auf. Als sich deine Augen an die Helle gewöhnen, erkennst du die Toten: sie stehen aneinandergereiht auf langen, im Fels verankerten Balkonen und starren mit reglosen Augen auf dich herab.
In Wahrheit sind es nicht die Toten selbst, sondern ihre holzgeschnitzten Abbillder, Tau-Tau genannt. Und statt durch den Wald zu marschieren, wirst du die Grabfelsen der Toraja mit dem Auto erreichen. Doch der Eindruck ist auch heute noch überwältigend.
Die Toten der Toraja finden ihre letzten Ruhestätten in Felsen, entweder in natürlichen Höhlen oder in Nischen, die in den Stein gehauen werden. Manchmal wird der Sarg auch an Felsvorsprüngen aufgehängt. In moderner Zeit werden auch kleine Beton-Mausoleen gebaut.
Niemals aber kommt ein Sarg in die Erde!
Die beeindruckendsten Grabfelsen findest du in Kete Kesu, einem der ältesten Tongkonan-Dörfer der Region.
Lesetipp: Tana Toraja Felsengräber auf eigene Faust entdecken
Tongkonan – Die traditionellen Häuser der Toraja
So heißen die traditionellen Häuser der Toraja, die mit ihren mächtigen geschwungenen Dächern das Bild der Landschaft prägen.
Die Giebel der Tongkonan sind stets nach Norden ausgerichtet, meist stehen sie in parallel in einer Reihe, gespiegelt von ähnlichen aber kleineren Gebäuden, den Alang (Reisscheunen).
Die meisten Tongkonan sind erstaunlich gut erhalten, immer wieder werden auch neue gebaut. Und doch sind viele unbewohnt, weil sie den Anforderungen an ein modernes Leben nicht genügen können.
Warum aber scheuen Menschen weder Kosten noch Mühen ihr Tongkonan zu bewahren, wenn es dann einfach leer steht?
Die Antwort führt uns zurück zu den Toten. Das Tongkonan ist das Haus der Vorfahren, der Ahnen. Die Zugehörigkeit zu einem Tongkonan definiert die Identität der Toraja. Treffen sich zwei Toraja in der Fremde, so fragen sie nicht nach dem Namen der Familie, dem Ort der Herkunft, sondern nach ihrem jeweiligen Tongkonan. Die Häuser selbst sind durch die lange Geschichte der Ahnen miteinander verbunden in einem Netz von Verwandtschaften und Freundschaftsbeziehungen.


Die Landschaft
Das Toraja Hochland liegt in einer wunderschönen Landschaft, geprägt von Hügeln und Reisterrassen, unterbrochen von kleinen Wäldchen und verstreuten Dörfern.
Hinter jeder Biegung ändert sich der Blick, laden die kühn geschwungene Dächer der Tongkonan zu neuen Entdeckungen ein.
Nach Norden hin werden die Berge steiler und gewähren wunderbare Aussichten auf diese magisch anmutende Welt.

Toraja – hinter den Kulissen (und mehr als nur Beerdigungszeremonien)
Der Totenkult von Tana Toraja ist weit mehr als ein Ritual – er ist das Fundament einer ganzen Kultur.
Gut möglich, dass ihr jetzt denkt, die Kultur der Toraja drehe sich hauptsächlich um Sterben und Tod. Denn dies ist das Schauspiel, welches wir als Besucher zu sehen bekommen.
Wirklich verstehen lässt es sich aber nur, wenn wir auch schauen, was sich hinter den Kulissen verbirgt.
Rambu Tuka‘ – Rituale des Lebens
Beerdigungen und andere Rituale, die mit Tod und Ahnen zu tun haben, werden Rambu Solo‘ genannt.
Daneben gibt es aber auch eine andere Kategorie, nämlich Rambu Tuka‘ Rituale, die dem Leben und der Fruchtbarkeit gewidmet sind, z.b. Hausweihen und Ernteriten.
Diesen werden Touristen aber kaum jemals begegnen, denn sie spielen sich in einem kleineren, eher privaten Rahmen ab. Außerdem stoßen sie auf den Widerstand der Kirche, die zwar ihren Frieden mit den großen Beerdigungen geschlossen hat, Opfergaben an die „Geister“ der Natur aber als unchristlich ablehnt.
Bei einem Rambu Tuka‘ Ritual
An einem sonnigen Morgen, zwischen Gestrüpp und Bananenstauden am Rande eines Gartens, treffen wir auf eine Handvoll älterer Männer und Frauen. Sie kochen schwarzen, weißen und gelben Reis über einem offenen Feuer. Ein Huhn wird geschlachtet und landet ebenfalls im Kochtopf. Die Stimmung ist friedlich, entspannt aber konzentriert. Wir sind Zeugen eines Rambu Tuka‘ Rituals zum Abschluss der Ernte.
Rambu Solo‘ („der absteigende Rauch“) finden statt, wenn die Sonne zum westlichen Horizont absteigt, also am Nachmittag oder Abend, Rambu Tuka‘ („der aufsteigende Rauch“) dagegen werden am Vormittag und an einem Ort östlich des Tongkonans ausgeführt.
Im Westen liegt das Reich des Todes.
Im Osten das Reich des ursprünglichen Lebens.
Der Norden ist die Richtung des Lebens, weshalb die Giebel der Tongkonan auch stets nach Norden ausgerichtet sind.
Im Süden liegt Puya, der Ort der Totengeister (bombo).
Zum Abschluss des Rituals werden die fertigen Speisen in die Zweige eines kleinen Baumes gehängt. Eine leichte Brise kommt auf und trägt den Duft und die „Essenz“ der Gaben über die angrenzenden Reisfelder, hinaus zu den Kräften, die dort walten.
Die Balance zwischen den Menschen und der Natur wird gewahrt, die Ernte des kommenden Jahres möge reichhaltig werden.


Aluk to Dolo – Die traditionelle Religion der Toraja
Die Beerdigungen, die Gräber, die Tongkonan – alles, was euch in Toraja begegnet, ist Ausdruck einer alten, animistischen Religion namens Aluk to Dolo („Weg der Ahnen“). Diese Religion kennt neben einem obersten, ursprünglichen Gott (Pong Matua) zahlreiche übersinnliche Wesen, die mit natürlichen Phänomenen assoziiert sind.
Am besten trifft es wohl der englische Ausdruck „Spirit“. Auch die Ahnen selbst sind Teil dieser spirituellen Welt.
Für die protestantischen Missionare, die im 18. Jahrhundert die Hochebenen Süd Sulawesis erreichten, war diese animistische Religion natürlich die Konkurrenz, die es zu überwinden galt. Entweder Christentum oder Aluk, das gilt auch heute noch, wie mir Dr. Anggui, der Vorsitzende des Kirchenrats, in einem Interview bestätigt. Im Gegensatz zu vielen anderen Volksgruppen Indonesiens waren die Toraja aber nicht bereit, ihre alten Rituale aufzugeben.
Die „Zauberformel“ um diesen Konflikt aufzulösen hat einen Namen: Adat, Tradition. „Adat ist nicht Aluk“, sagt Dr. Anggui. Die Kirche hat ihren Frieden mit den alten traditionellen Praktiken geschlossen – sofern diese als reine Tradition und nicht religiös begründet werden oder der christlichen Lehre offensichtlich widersprechen.
Die Rede des Tominaa
Noch gibt es Anhänger von Aluk to Dolo, doch sie sind nicht leicht zu finden. Wir fahren zu einem kleinen Dorf und treffen dort Ne‘ Yoksi, einer der letzten Tominaa, so lautet der Titel der Führer der alten Religion.
Er erzählt von seinem Leben, davon, dass all seine Kinder sich inzwischen zum Christentum oder Islam bekennen, von seiner Furcht, dass die alten Lehren und das traditionelle Wissen bald für immer verschwunden sein werden.
Er erläutert seine Überzeugung, dass Adat und Aluk untrennbar verwoben sind: „Die Tradition (Adat) sagt uns, was getan werden muss, somit wissen wir auch, was nicht getan werden darf. Der Grund für solche Tabus ist aber nichts anderes, als das solche verbotenen Handlungen den Lehren der Religion (Aluk) widersprechen würden.“
Die Rede des Tominaa wurde zum schwierigsten Abschnitt beim Schreiben unseres Buchs. Es war in gewisser Weise die Quadratur eines Kreises. Ein journalistischer Text in unserer Kultur ist wie eine Rutschbahn – man findet einen Einstieg, und von da geht es mühelos und ohne Hindernisse geradewegs zu einem vorbestimmten Ende. Logische Widersprüche sind nicht erlaubt.
Ganz anders die Rede Ne‘ Yoksis. Schon seine Antwort auf unsere erste Frage wollte gar kein Ende nehmen. Sie umkreiste das Thema, entfernte sich und kam wieder zurück. Und oft genug schien er Dingen zu widersprechen, die er zuvor gesagt hatte.
Zurück im Hotel hörten mein Co-Autor Lisa und ich die Aufnahme ab und mir wurde klar, wie schwierig es werden würde, das Denken einer oralen Tradition für Leser darzustellen, die aus einer schriftlich geprägten Kultur stammen.
Lisa übersetzte für mich aus der Toraja Sprache ins Englische, manchmal auch in Bahasa Indonesia, wenn ich sein Englisch nicht verstand. Dann diskutierten wir stundenlang, was der Tominaa gemeint haben könnte. Schließlich schrieb ich einen Text, der den Kreis der Gedanken Ne‘ Yoksis „geradebog“. Mir war nicht wirklich wohl dabei, und so übersetzten wir meinen Text zurück in Bahasa und machten uns erneut auf den Weg ins Dorf des Tominaa.
Ich hatte mich sehr bemüht, nichts zu schreiben, was Ne‘ Yoksi nicht wirklich gesagt hatte. Nur einmal hatte ich ihm einen Gedanken „untergeschoben“. Zu unserem Erstaunen hatten wir erfahren, dass der Meister des Rambu Tuka‘ Rituals katholisch war. Wie ging das mit animistischen Opferriten zusammen? Aus Ne‘ Yayus Rede hatte ich auf eine Antwort geschlossen, obwohl er es so nicht gesagt hatte:
„Der Erfolg eines Aluk-Rituals hängt nur von der korrekten Ausführung statt, nicht vom Glauben des Ausführenden.“
Dies hatte ich in meinen Text eingefügt.
Lisa las Ne‘ Yayu unseren Text vor, und zu meiner großen Erleichterung zeigte sich der Tominaa zufrieden. Eine Stelle gefiel ihm sogar besonders gut – es war der Satz, den ich eingeschoben hatte!

Animismus und Totenkult in Tana Toraja
Im Christentum ist die Seele der unteilbare Wesenskern des Menschen. Animistische Religionen haben da ein differenzierteres Bild.
Nach dem Tod wird der nicht körperliche Teil des Menschen zum bombo, der bei der Beerdigung endgültig ins Totenreich Puya reist.
In der oftmals langen Zeit zwischen Tod und Beerdigung gilt der Verstorbene nicht als tot, sondern als krank. Er bleibt als bombo im Haus präsent, wird angesprochen und (symbolisch) versorgt.
Und auch als Ahnen spielen die Verstorbenen weiter eine Rolle für das Diesseits. Für wichtige Personen wird oft ein Tau-Tau, ein hölzernes Abbild geschnitzt. Dies ist aber weit mehr als eine Figur, auch das Tau-Tau ist von der Persönlichkeit des Verstorbenen „beseelt“, es ist ein bombo dikita, ein sichtbarer Totengeist.
In Kale Landorundun werden wir Zeugen einer seltenen Zeremonie. Die hoch verehrte Großmutter des Tongkonan ist in der vorherigen Nacht gestorben. Nun thront sie auf einer geschmückten Bühne über einer Gruppe Frauen, die auf dem Boden hocken – und mit ihr sprechen.
„Mama, ein fremder Fotograf ist von weit her angereist, nur um ein Portrait von dir zu machen“ sagt die Tochter mit weicher Stimme. „Siehst du, wie alle dich lieben!“

Streit um die Tau-Tau
Die Vorstellung von beseelten Tau-Tau ging der protestantischen Kirche dann doch zu weit, das roch zu sehr nach Götzenkult. So berichtet die Ethnologin Kathleen Adams von einem denkwürdigen Streit.
Die Kirche wollte die Aufstellung von Tau-Taus bei Beerdigungen verhindern und drohte andernfalls mit dem Fernbleiben ihrer Pfarrer.
Die Sprecher der Toraja konterten, auch in Europa würden Fotos von Verstorbenen aufgestellt, und schließlich sei dies adat, Tradition, die es auch gemäß dem Leitspruch der indonesischen Nation, „Einheit in Vielfalt“, zu bewahren gelte.
Schließlich einigte man auf den Kompromiss, dass die Figuren bleiben durften, aber eher am Rand aufzustellen seien und keine besondere Verehrung erfahren durften.
Das hindert die Toraja aber bis heute nicht daran, ihre Tau-Tau zu besuchen, über die neuesten Familiengeschichten zu plaudern und die eine oder andere Zigarette fürs Jenseits da zu lassen.
Kultur und Traditionen: Tana Toraja zwischen Tradition und Moderne
Toraja, einst schwer zugänglich hinter dichtem Dschungel in entfernten Bergen gelegen, hat sich in atemberaubendem Tempo zu einem Teil der modernen Welt entwickelt. Das alltägliche Leben wie auch die althergebrachte Kultur haben sich dadurch ebenso verändert wie durch die erfolgreiche christliche Missionierung.
Ursprünglich war die Gesellschaft in Stände unterteilt.
Es gab die „Adligen“, mächtige Familien, deren Tongkonans auf eine lange Ahnenreihe zurückblicken konnten.
Daneben gab es „freie Bürger“ und Sklaven. Was uns heute als Kultur der Toraja begegnet, war niemals die Kultur aller Toraja.
Nur die adligen Clans durften ihre Häuser mit kunstvollen Schnitzereien und Ornamenten verzieren, den Freien blieb dies verwehrt. Und Sklaven hatten natürlich keine eigenen Tongkonan.
Auch die Tau-Tau waren stets ein Privileg der Mächtigen.
1970 kamen die ersten ausländischen Touristen nach Toraja – es waren 16. Ihre Erfahrungen sprachen sich herum.
25 Jahre später waren es schon 60.000 Ausländer und 175.000 indonesische Besucher.
2024 kam eine halbe Million Besucher (die neuen Zahlen sind nicht mehr nach Herkunft aufgeschlüsselt).
Dieses Interesse veränderte auch etwas in Toraja – jene, die früher nur am Rande standen, begannen sich mit dieser Kultur zu identifizieren. Es entstand ein allgemeines Bewusstsein, einzigartig und wichtig zu sein. Das Selbstbewusstsein gegenüber den größeren und politisch besser vernetzten Nachbarvölkern stieg an.
Eine Beerdigung ist eine sehr kostspielige Angelegenheit, die nur gemeinsam zu stemmen ist.
Ein Wasserbüffel ist nicht für unter 1000 Euro zu erwerben, besondere Tiere erreichen den Wert eines Luxusautos.
Diese finanzielle Herausforderung bringt die Menschen zusammen.
Jeder, der zum Tongkonan des Verstorbenen gehört, muss sich an den Vorbereitungen beteiligen, ganz gleich, wo in der Welt er sich gerade aufhält. Und ebenso leisten befreundete Tongkonans einen Beitrag in Form von Gastgeschenken.
Prestige spielte dabei immer eine große Rolle. Nicht umsonst werden die Hörner der geopferten Büffel vor dem Tongkonan ausgestellt, um die Bedeutung der Bewohner zu manifestieren.
Mit der Moderne kam aber eine neue, potenziell disruptive Macht ins Spiel: Geld. Mit Geld lässt sich Prestige „kaufen“, auch wenn die eigene Ahnenreihe eher bescheiden ist. Zumindest kann man den Versuch unternehmen.
Früher waren 24 geopferte Büffel ein Ausweis höchstens Ansehens. In jüngster Zeit aber fanden Beerdigungen statt, bei denen 100 und mehr Büffel geopfert wurden.
Die Kultur der Toraja ist nicht aus dem Museum, sie ist gelebtes Leben. Eben deshalb ist eine Reise dorthin auch so faszinierend. Wie sich das Leben aber in Zukunft entwickeln wird, ist hier, wie überall, offen.

Die schönsten Orte in Tana Toraja (Süd-Sulawesi)
Pasar Bolu
Der große Wasserbüffel Markt in Rantepao. Erkundigt euch, an welchem Tag der Markt geöffnet ist.
Ke’te Kesu‘
Das Tongkonan-Dorf liegt etwa 10 Kilometer südöstlich von Rantepao und ist seit 2001 ein Kandidat für eine der UNESCO Weltkulturerbe Stätten. Die Tongkonan dort sind sehr alt und haben aufgrund ihrer langen Ahnenreihe einen hohen Status. Eines der Häuser wurde als Museum eingerichtet. Hinter dem Dorf befindet sich eine Grab-Höhle und Felsen mit hängenden Särgen.
Londa
Südlich von Rantepao nahe der Straße nach Makale gelegen. Am Ende eines kleinen Talkessels liegt die Bestattungshöhle von Londa. Jungs mit Gaslampen führen euch ins Innere. An der äußeren Felswand sieht man hängende Särge. Auf einem Balkon über dem Höhleneingang stehen und sitzen die Tau-Tau der Toten und schauen wie von einer Theaterloge auf die Besucher hinab.
Buntu
Auch Buntu Kalando ist einen Besuch wert. Hier thront ein traditionelles Tongkonan auf einem Hügel mit Blick über die Reisfelder.

Die besten (kostenlosen) Kreditkarten für Indonesien
Wir empfehlen, 2 bis 3 verschiedene Kreditkarten dabei zu haben. Wenn eine Kreditkarte mal nicht funktioniert oder verloren gehen sollte, hast du damit noch ausreichend Backups. Und ganz wichtig zu wissen: die Geldautomaten (ATMs) in Indonesien spucken zuerst das Geld aus und erst DANN die Karte!
Folgende Kreditkarten sind allesamt kostenlos:
Deutschland-Kreditkarte Classic (Kreditkarte)
TF Mastercard Gold (Kreditkarte)
C24 Mastercard (Debit Card)
DKB (Debit Card)
Lemo
Ein Foto des Grab-Felsens von Lemo war es, was in mir erstmals den Wunsch weckte, Toraja zu besuchen. Die Tau-Taus, die von dieser mächtigen Felswand unbeweglich ins Tal schauen, sind für mich immer noch ein überwältigender Anblick. Lemo liegt ebenfalls nahe der Straße nach Makale, etwas südlich von Londa.

Bori‘
Kalimbuang Bori‘ ist eine Grabstätte nahe bei Rantepao in nördlicher Richtung, die bekannt ist für ihr Menhir-Feld, also mächtige, senkrecht gestellte Steinblöcke wie in Stonehenge oder der Bretagne. Ja, Toraja ist auch eine megalithische Kultur.

Lombok Parinding
Kurz bevor ihr Bori‘ erreicht, geht es links zu der etwas versteckt gelegenen, alten und durchaus sehenswerten Grabhöhle von Lombok Parinding.

Batutumonga und Lo’ko Mata
Nördlich von Bori‘ geht es steil in die Berge nach Batutumonga, wo ihr bei gutem Wetter wunderschöne Ausblicke über die Reisterrassen genießen könnt. Etwas weiter noch findet ihr die Felsgräber von Lo’ko Mata.

Sangalla‘
Die Region Sangalla‘ liegt nordöstlich von Makale und war die Heimat bedeutender Adelsfamilien. Adat (Tradition) im Süden unterscheidet sich in vielen Aspekten von den Traditionen Nord-Torajas, was dem flüchtigen Besucher jedoch kaum auffallen dürfte. Dennoch ist diese Gegend auf jeden Fall einen Besuch wert.
Suaya
Bestattungsfelsen mit den alten „Königsgräbern“ Sangalla’s.
Tampang Allo
Eine Grabhöhle mit „magischer“ Atmosphäre mit alten Tau-Tau, die von der Höhlenwand über ihre Särge blicken. Vor einiger Zeit wurde die Anlage jedoch renoviert und aufgeräumt, ihre Wirkung soll dadurch gelitten haben.

Kote‘
Hier findet ihr Babygräber – im Stamm eines mächtigen Baums! Sie sind auch bekannt als Kambira und gehören zu den bewegendsten Orten in Tana Toraja. Wenn Kinder sterben, bevor ihnen Milchzähne gewachsen sind, ist dies die traditionelle Form der Bestattung. Die Kleinen ersparen sich dadurch den mühsamen Weg nach Puya, kehren stattdessen direkt zurück zu ihrem Ursprung im Osten.
Der Baum liegt etwas versteckt abseits der Straße. Fragt Einheimische nach dem Weg, wenn ihr in der Nähe seid.

Unsere Empfehlung für Unterkünfte in Rantepao und Umgebung
✓ Pia’s Poppies Hotel
In diesem Hotel habe ich unser Buch geschrieben und es ist mein klarer Favorit.
✓ Pison Hotel
Liegt genau gegenüber von Pia’s Poppies und ist recht beliebt.
✓ Toraja Heritage Hotel
Vier-Sterne-Hotel in Rantepao mit Swimmingpool und traditionellem Ambiente.
Homestays
✓ Traditionell wohnen zwischen Tongkonans und Reisscheunen im Ne‘ Pakku Manja Family Home.
✓ Rosalina Homestay mit schönem Blick über die angrenzenden Reisfelder.
Reisetipps & Routen durch das Toraja Hochland
Immer mehr Besucher kommen ins Toraja Hochland, um dort durch die wundervolle Landschaft zu wandern. Hierfür sollte man einen Guide nehmen. Wenn euch das aber zu anstrengend ist, könnt ihr einen Motorroller mieten und auf kleinen Nebenstraßen die Gegend erkunden.
Die Straße von Makale nach Rantepao und weiter nach Palopo ist stark befahren, kann aber zum Glück weitgehend gemieden werden. Der Zustand der kleinen Straßen lässt sich allerdings schwer vorhersagen.
Wer nach Westen oder in die nördlichen Berge fahren will, sollte sich besser vorher informieren. Hier zwei Vorschläge für solche Ausflüge.
INDOJUNKIE TIPP
Tana Toraja Tours
Die mehrtägige Tour von Local Guides führt Reisende durch das Hochland von Tana Toraja und bietet authentische Einblicke in die einzigartige Kultur der Region.
Neben Besuchen traditioneller Dörfer und beeindruckender Begräbnisstätten, darunter Felsgräber und Höhlen, umfasst die Tour auch Wanderungen durch Reisfelder, Bambuswälder sowie Kaffee- und Kakaoplantagen. Je nach Reisezeit können Besucher zudem eine der außergewöhnlichen Bestattungszeremonien miterleben und so die jahrhundertealten Traditionen der Toraja hautnah erfahren.
Über Local Guides:
Local Guides ist eine Gemeinschaft lokaler Guides in Indonesien mit einer großen Leidenschaft für die Natur und ihre Umwelt. Sie setzen sich für den Schutz der Regenwälder ein, unterstützen lokale Gemeinschaften und bieten Ökotouren zu lokalen Preisen an, um verantwortungsvolles Reisen zu fördern.
Die Südroute
Die Länge dieser Route ist 40 Kilometer, was nicht viel klingt. Aber je nachdem wie oft man sich verfährt und in welchem Zustand die Straßen sind, ergibt dies durchaus eine Tagestour.
Wegbeschreibung:
Vom Kreisverkehr im Süden von Rantepao startet die Route in östlicher Richtung nach Ke’te Kesu’. Von dort folgt ihr der Hauptstraße für etwa 2,5 Kilometer, bis eine Abzweigung nach Süden führt.
Ab hier verläuft die Strecke durch eine abwechslungsreiche Landschaft weiter südwärts, vorbei an Orten wie Tampang Allo und schließlich Suaya (insgesamt etwa 11 Kilometer).
Von Suaya aus sind es weitere 8 Kilometer bis zum sogenannten „Baby Grave Tree“, der auch auf Google Maps so verzeichnet ist. Fahrt dafür zunächst etwa 3,4 Kilometer in Richtung Makale und biegt dann rechts ab, um wieder nach Norden zu gelangen. Für den letzten Abschnitt empfiehlt es sich, Google Maps zur Orientierung zu nutzen, da die Beschilderung vor Ort nicht immer eindeutig ist.
Das letzte Ziel ist der Bestattungsfelsen von Lemo. Vom Babygrab aus führt die Route wieder nach Norden, ungefähr parallel zur Straße zwischen Makale und Rantepao. Auf Google Maps findet ihr den Ort unter „Kuburan Batu Lemo“. Achtet jedoch darauf, nicht direkt auf die Hauptstraße geleitet zu werden.
Von Lemo aus geht es schließlich zurück auf die große Straße in Richtung Rantepao. Alternativ könnt ihr den Sa’dan-Fluss überqueren und auf der westlichen Seite einen ruhigeren Rückweg wählen. Entlang dieser Strecke befindet sich zudem ein weiteres Baby-Baumgrab.
Die Nordroute
Diese Route ist deutlich steiler als die Südroute und besticht vor allem mit herrlichen Aussichten über die Reisterrassen. Die Länge der Route ist 45 Kilometer.
Wegbeschreibung:
Startet in Rantepao und überquert die nördliche Brücke (Jembatan Malango’). Direkt danach biegt ihr links ab. Am Ortsausgang folgt ihr der Straße und nehmt anschließend zweimal die rechte Abzweigung auf die Jalan Poros Barana.
Diese geht später in die Jalan Poros Parinding Bori über und führt euch durch eine landschaftlich reizvolle Gegend mit Reisfeldern und traditionellen Dörfern mit Tongkonan-Häusern bis zum Menhir-Platz von Bori’ (Rante Kalimburan Bori’).
Von dort folgt ihr der Straße weiter, bis ihr in Rantepangli auf die größere Straße Jalan Poros Tallunglipu – Sa’dan Sangkaropi trefft. Hier biegt ihr links ab (Richtung Norden) und fahrt weiter bis zur Jalan Palawa, die links in die Berge abzweigt.
Dieser Straße folgt ihr hinauf nach Batutumonga und weiter bis nach Lo’ko Mata. Es gibt auch direktere Verbindungen von Bori’ nach Batutumonga, diese sind jedoch sehr steil – informiert euch am besten vor Ort über die aktuellen Bedingungen.
Für den Rückweg könnt ihr in Batutumonga scharf rechts abbiegen und gelangt über eine relativ direkte Strecke zurück nach Rantepao. Unterwegs passiert ihr den Pana’ Child Grave Rock Cemetery.
Buchtipp über die Toraja-Kultur: Toraja Culture

Bevor ich 2015 erstmals nach Toraja aufbrach, suchte ich nach einem Buch zur Vorbereitung. „Je mehr man weiß, desto mehr sieht man“ ist mein Motto, gerade wenn es zu Völkern und Kulturen geht, die der eigenen so fremd sind wie die der Toraja.
Das Problem:
Es gab kein Buch über die Toraja Kutlur. Jedenfalls kein allgemeinverständliches.
Wissenschaftliche Abhandlungen gibt es viele zu den Toraja, und am Ende habe ich dann mangels Alternativen tatsächlich „Art and Politics“ der Ethnologin Kathleen Adams gelesen.
Jahre später gab es immer noch nichts über die Toraja zu lesen. In Rantepaos Buchladen fand ich lediglich zwei abgegriffene Abhandlungen auf Bahasa. Ansonsten wurde dort hauptsächlich Wandfarbe verkauft.
„Wollen wir nicht selbst eines schreiben?“ fragte ich meinen Freund Lisa Soba, der sein Geld als Guide und Verkäufer traditioneller Messer verdient. „Ich habe inzwischen so viele gute Fotos!“

2019 haben wir unser Buch dann tatsächlich geschrieben. Zuvor führte mich Lisa aber noch zu Orten und Veranstaltungen, die Außenstehende kaum je zu sehen bekommen.
Zu einem Ma‘ Nene‘ Ritual, bei dem die Toten aus ihren Gräbern geholt und, wenn nötig, neu eingekleidet werden, zum oben beschriebenen Rambu Tuka‘ Ritual, auf eine „Lichterbeerdigung“, bei der Kinder die Hauptrolle spielen.
Ma‘ Nene‘ Ritual:
Bei einem Ma‘ Nene‘ Ritual werden die Toten aus ihren Gräbern geholt und, wenn nötig, wieder neu eingekleidet.
In Kale Londorundun trafen wir die Großmutter des Tongkonan, die nachts zuvor verstorben war, und im Dorf Dusun Sarong Kila‘ sprachen wir mit Ne‘ Yoksi, dem Tominaa.
Es sollte ein informatives Buch sein, aber auch leicht verständlich. Und es sollte mit hochwertigen Fotos einen bleibenden Eindruck der wunderbaren Welt Torajas hinterlassen. Außerdem sollte es für jeden bezahlbar bleiben. Das war nur möglich, weil wir mithilfe von Freunden die Produktion in Indonesien organisierten. Unser Layouter lebt in Makassar, gedruckt wurde es in Yogyakarta.
Die Covid-Pandemie führte zu einem jähen Stopp der Produktion, aber in gemeinsamer Anstrengung haben wir es dann doch geschafft, unser „Toraja Culture“ fertig zu stellen und nunmehr allen anzubieten, die ihre exotischen Eindrücke in Toraja zu einer echten Erfahrung vertiefen wollen.
Häufig gestellte Fragen zu Tana Toraja auf Sulawesi
Anreise nach Tana Toraja: Wie kommt man hin?
Die meisten Reisenden nehmen den Bus von Makassar nach Rantepao. Es gibt einen Tag- und einen Nachtbus (Abfahrt 9 Uhr bzw. 21 Uhr), die Fahrtzeit beträgt ungefähr 11 bzw. 10 Stunden. Die Busse sind sehr bequem und halten oft direkt am Hotel in Rantepao. Preis etwa 200.000 IDR.
Wer zu dritt oder viert reist, kann auch erwägen, in Makassar ein Auto mit Fahrer für etwa denselben Preis pro Person zu mieten.
Wer von Norden anreist, kann einen Bus ab Poso nehmen. Diese Strecke ist deutlich länger und die Busse sind nicht so bequem. Detaillierte Infos zur Anreise gibt es im Artikel weiter oben.
Welche Anbieter gibt es und wo fahren die Busse los?
Die Busse fahren nicht in Makassars Innenstadt los, sondern etwa 30 Minuten nördlich aus der Region Daya. Dort kauft man auch die Tickets. Es gibt derzeit fünf Anbieter: Metro Permai, Litha, New Liman, Bintang Prima und Manggala.
Kann man auch fliegen?
Seit einigen Jahren ist der neue Flughafen Toraja (TRT) in Betrieb. Wings Air bietet Flüge von Makassar am Mittwoch und Freitag an (ca. 70 Euro). Der Flughafen befindet sich allerdings südlich von Makale. Die Fahrt von dort nach Rantepao mit dem Taxi dauert etwa eine Stunde.
Es ist immer die Rede von Rantepao, kann man nicht auch in Makale bleiben?
Makale ist die Hauptstadt des südlichen Distrikts Tana Toraja, Rantepao die des nördlichen Distrikts Toraja Utara. Beide Städte sind nur 20 Kilometer voneinander entfernt, und es gibt natürlich auch Hotels in Makale. Rantepao hat sich jedoch zum Zentrum für Touristen und Backpacker entwickelt. Dort finden sich am einfachsten Guides und preiswerte Unterkünfte, und einige der berühmtesten Sehenswürdigkeiten liegen in unmittelbarer Nähe.
Unterkünfte in Rantepao und Umgebung
Pia’s Poppies Hotel
In diesem Hotel habe ich unser Buch geschrieben und es ist mein klarer Favorit. Die Atmosphäre ist sehr familiär – schließlich ist das Haus schon in 2. Generation familiengeführt. Und die dritte Generation spielt fröhlich zwischen den Gästen. Die Zimmer sind groß aber einfach, der Garten wunderschön bewachsen. Die Küche bietet viele traditionelle Toraja Gerichte.
Pison Hotel
Liegt genau gegenüber von Pia’s Poppies und ist recht beliebt. Hinter dem Hotel (auch von außen zugänglich) findet ihr Kaana Toraya Coffee, ein guter Ort, um den berühmten Kaffee der Gegend zu genießen, den sie hier selbst rösten.
Toraja Heritage Hotel
Mitte der 1990’er Jahre gegründet, war dies das erste und für viele Jahre auch das einzige Vier-Sterne-Hotel in Rantepao. Annehmlichkeiten wie ein Swimmingpool verbinden sich hier mit einem traditionellen Ambiente.
Homestays
Östlich von Rantepao, etwas weiter als Ke’te Kesu‘, könnt ihr ganz traditionell zwischen Tongkonans und Alangs (Reisscheunen) wohnen, nämlich im Ne‘ Pakku Manja Family Home. Meyske heißt eure Gastgeberin hier, eine sehr agile und stets interessierte junge Frau, die mit ihrer Familie im unteren Teil des Hauses wohnt, währen im Obergeschoss vier Zimmer für Gäste zur Verfügung stehen.
Beliebt ist auch das Rosalina Homestay im Süden der Stadt mit schönem Blick über die angrenzenden Reisfelder.
Wie lange sollte man in Tana Toraja bleiben?
Empfehlenswert sind mindestens drei Tage in Tana Toraja – das sollte das absolute Minimum sein. So lässt sich an einem Tag eine Beerdigungszeremonie erleben, am nächsten die wichtigsten Grabfelsen und Tongkonan-Dörfer besuchen und an einem weiteren Tag die Gegend auf eigene Faust erkunden.
Wer tiefer eintauchen möchte, kann wunderbar bis zu zehn Tage einplanen, denn Tana Toraja hat deutlich mehr zu bieten, als ein kurzer Besuch erfassen kann.
Braucht man einen Guide und wo findet man den?
Für Tana Toraja wird ein Guide empfohlen – zumindest für einen Tag. Er kann eine Beerdigung organisieren, viele Fragen zur Kultur beantworten und dabei helfen, den Ablauf und die Ziele der Entdeckungstour festzulegen. Am einfachsten lassen sich Guides über die jeweilige Unterkunft vermitteln.
Kann man den Guides trauen oder gibt es schwarze Schafe?
Die meisten Guides in Rantepao sind ausgebildet und zertifiziert. Es gibt sogar Fortbildungen. Wichtig ist, dass der Guide sympathisch wirkt und möglichst gut Englisch spricht. Der Preis hängt hauptsächlich vom Umfang der Tour ab, also davon, ob etwa ein Auto gemietet wird oder ob man mit dem Motorroller fährt. Offenes Misstrauen oder aggressives Feilschen wie mit einem Straßenhändler wirkt auf die Guides demütigend und sollte daher vermieden werden.
INDOJUNKIE TIPP
Tana Toraja Tours: Die mehrtägige Tour von Local Guides führt Reisende durch das Hochland von Tana Toraja und bietet authentische Einblicke in die einzigartige Kultur der Region.
Neben Besuchen traditioneller Dörfer und Begräbnisstätten, darunter Felsgräber und Höhlen, umfasst die Tour auch Wanderungen durch Reisfelder, Bambuswälder sowie Kaffee- und Kakaoplantagen. Je nach Reisezeit können Besucher zudem eine der Bestattungszeremonien miterleben und so die jahrhundertealten Traditionen der Toraja hautnah erfahren.
Über Local Guides:
Local Guides ist eine Gemeinschaft lokaler Guides in Indonesien mit einer großen Leidenschaft für die Natur und ihre Umwelt. Sie setzen sich für den Schutz der Regenwälder ein, unterstützen lokale Gemeinschaften und bieten Ökotouren zu lokalen Preisen an, um verantwortungsvolles Reisen zu fördern.
Kann man auch auf eigene Faust eine Beerdigung finden?
Ja, das ist möglich, auch ohne Guide wird man nicht abgewiesen. Die Gegend zwischen Makale und Rantepao ist zwar die am stärksten touristisch erschlossene Route durch Tana Toraja, abseits davon wartet jedoch eine weniger touristisch erschlossene Landschaft.
Wie muss man sich für eine Beerdigung anziehen, wird ein Gastgeschenk erwartet?
Die Trauerfarbe ist schwarz. Wer keine dunkle Kleidung dabei hat, kann sich auf dem Markt einen schwarzen Sarong kaufen. Abgewiesen wird man aber auch ohne nicht. Ein Gastgeschenk ist tatsächlich Standard. Eine Stange Zigaretten gilt als ausreichend. Der Guide wird das vor dem Besuch mit euch besprechen.
Kann man die Region rund um Rantepao auch auf eigene Faust erkunden?
Eine gute Möglichkeit ist, einen Roller zu mieten und die wunderschöne Landschaft auf eigene Faust zu erkunden. Dabei sollte die vielbefahrene Hauptstraße zwischen Makale und Rantepao möglichst gemieden werden, denn die zahlreichen kleinen Nebenstraßen sind deutlich reizvoller, auch wenn der Straßenzustand stellenweise schlecht sein kann.
Was ist die beste Reisezeit für Tana Toraja in Süd-Sulawesi?
Die Regenzeit in Süd-Sulawesi dauert von November bis April. Eine Reise zwischen Mai und Oktober ist daher empfehlenswert. Aufgrund des Klimawandels lässt sich das Wetter aber auch hier immer schwieriger vorhersagen.
Lesetipp:
Indonesien Wetter & Klima: Trockenzeit, Regenzeit und beste Reisezeit
Gibt es dein Buch „Toraja Culture“ auch vor Ort zu kaufen?
Ja. Mehrere Hotels und Homestays in Tana Toraja bieten das Buch für ihre Gäste an. Falls es vor Ort nicht zu finden ist, einfach den Guide fragen.
Text und Fotos: Collin Key
Über den Autor:
Collin Key – es begann mit einer Ausbildung zum Journalist. Aber anstatt über den örtlichen Kaninchenzüchterverein zu berichten, verwirklichte Collin seinen Traum: eine Reise um den Globus. „Ich weiß noch, wie ich am Ufer des Bosporus stand und mir die bange Frage stellte, was da drüben, in Asien, wohl auf mich zukommen würde. Damals gab es noch kein Internet.“ Was kam, war eine lebenslange Faszination. Nach der Reise studierte Collin, indische und westliche Philosophie. Fotografiert hatte er schon immer, heute gibt er Fotokurse und ist Contributor für Getty Images. Seit einem ersten Besuch im Jahr 2015 ist Indonesien seine neue Liebe“ Ich habe vielleicht 30 Inseln besucht, in Indonesien gibt es rund 17.000. Da ist noch einiges zu tun.“
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