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Pencak Silat: Der letzte Manca-Meister der tödlichen Hände

von Melissa Schumacher

Ein Beitrag von Kaspar Anderegg 

Mitten im Dschungel Indonesiens trainiert der letzte Manca-Meister seinen Lehrlingen die Kunst der tödlichen Hände – ausschließlich nachts und weit weg von den Blicken der Öffentlichkeit.

„Manca“ ist eine Variation der indonesischen Martial Arts Technik „Pencak Silat“.

Sie wird nur auf der Insel Buton südlich von Sulawesi praktiziert.

Von der jahrhundertealten Tradition, die jeweils von wenigen ausgewählten Meistern an die nächste Generation weitergegeben wurde, existiert nur noch ein Lehrer, Yunis (Name geändert).

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Yunis, der letzte Manca-Meister der tödlichen Hände

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„Manca“ ist eine Variation der indonesischen Martial Arts Technik „Pencak Silat“.

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Manca wird von wenigen ausgewählten Meistern an die nächste Generation weitergegeben

Magisches Wasser

 im Dschungel

Als wir zum nächtlichen Training im Dschungel Butons eingeladen werden, wähnen wir uns wie in einem Film.

Bevor die Übungen beginnen, trinken alle Studenten einen Schluck eines „magisch“ gesegneten Wassers – das Weihwasser des Todes. Es soll dabei helfen, die mit Garantie auftretenden Schmerzen zu vergessen.

Der lehmige, steinige Boden ist hart. Der Meister macht keine halben Sachen. Sämtliche Griffe und Schläge von Manca haben nur ein Ziel: KO durch Verletzung oder durch Tod.

Regeln gibt es keine.

Hier wird trainiert, wie man dem Gegner auf 20 verschiedene Arten die Hoden zerstören kann.

Für jeden Knochen, und vor allem für jedes wichtige Gelenk des Körpers, gibt es Techniken, diesen zu brechen.

Die Krokodilstechnik ist besonders brutal. Der Meister liegt auf dem Rücken am Boden. Die Hände sind zu Klauen geformt. Blitzartig schnellt er hoch, „sticht“ dem Gegner mit einer Hand die Augen aus, während er ihm mit der anderen Hand die Hoden verdreht. Der darauffolgende Genickbruch setzt dem Leiden ein Ende.

Manca ist so konzipiert, dass der Gegner, falls nötig, in maximal 3 Minuten tödlich verletzt wird.

Die Schüler fallen beim Training mehrmals zu Boden. Jeder Körperkontakt schmerzt. Nur mit Mühe verstecken sie die Schmerzen. Doch Yunis motiviert sie weiter. Mit bescheidener Freundlichkeit und harter Hand.

Er weiß genau, wer zu welchen Techniken fähig ist, und kümmert sich mit Leidenschaft einzeln um jeden seiner Studenten.

Neben dem Training lässt er seine meist jungen Schüler in Ruhe Scherze machen, Kaffee trinken, und Mensch sein. Eine Hierarchie gibt es nicht. Niemand muss sich vor Yunis verbeugen. Respektiert wird er sowieso.

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Manca ist so konzipiert, dass der Gegner, falls nötig, in maximal 3 Minuten tödlich verletzt wird.

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Yunis wählt seine Schüler persönlich aus

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Nächtlichen Manca-Training im Dschungel Butons

Strenger Ehrenkodex

Hinter der grausam erscheinenden Kampfkunst steckt ein strenger Ehrenkodex.

Manca darf nicht in der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Es darf nur für die Verteidigung eingesetzt werden, und nur, wenn Gefahr für das eigene Leben besteht.

Es darf auf keinen Fall zum Prahlen benutzt werden.

Yunis sucht sich seine Schüler genau aus. „Ich schaue ihnen ins Herz, und erkenne sofort, ob sie bereit und reif genug sind, mit dem Training zu beginnen.“

Es macht Sinn, dass Manca nur nachts im Dschungel trainiert wird. Damit die Kunst nicht missbraucht wird. Damit die geheimen Techniken nicht in falsche Hände gelangen.

Wir fragen Yunis, ob er uns seine gefährlichsten, effektivsten Techniken zeigen kann. Er verneint. Es hätte nichts mit Magie zu tun, aber er müsse eine spezielle Form der Konzentration anwenden, eine andere mentale Form annehmen, um diese zu nutzen.

Es sei gefährlich. Niemand sonst kennt Yunis geheimste Techniken. „Nur jemand mit sehr bewusstem Herz, kann seine dämonischen Seiten gezielt einsetzen. Meine Studenten könnten mich beim Training töten, wenn ich ihnen diese Techniken lehren würde.“

Ein Blick in Yunis Augen genügt, um ihm sofort zu glauben.

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Manca-Meister verfolgen einem strengen Ehrenkodex

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Manca darf nur für die Verteidigung eingesetzt werden, und nur, wenn Gefahr für das eigene Leben besteht.

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Die Manca-Techniken dürfen nicht in der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Wer ist Yunis?

Der letzte Meister der tödlichen Hände lebt ein bescheidenes Leben.

Er darf von seinen Schülern kein Geld annehmen, und ist auf die wenigen Spenden angewiesen.

Unsere Einladung zum Essen, zu einer Dose Coca-Cola lehnt er ab. „Nur Wasser bitte!“

Tagsüber arbeitet er als Bauarbeiter, oder auf dem Feld, hilft dort aus, wo Arbeit vorhanden ist. Er ist ein eher scheuer Mensch, der nicht gerne im Mittelpunkt steht.

Ein fürsorglicher Familienvater, der nur wegen seiner Familie noch auf Buton lebt. Selber würde er gerne reisen, und die Welt sehen.

Yunis ist sehr schlank, fast mager, drahtig, und kleiner, als die meisten anderen Männer vom Dorf.

Er erlaubt uns, sein Haus zu besuchen. Mit Staunen betrachten wir die bescheidene Einrichtung. Die Matratze auf dem Boden. Die traditionellen Küchengeräte. Das Wohnzimmer mit dem Holzboden. Die Taschenlampe, die als einzige Lichtquelle dient in der Nacht. Die Toilette ist draußen.

Yunis könnte irgendein älterer indonesischer Landarbeiter sein, der mit Mühe seinen Lebensunterhalt verbringt.

Doch von seinen 56 Jahren Leben, hat er 44 Jahre der Kampfkunst gewidmet.

Er lebt mitten im Moment.

Wir sitzen in seinem Pfahlhaus aus Holz auf dem Boden, zusammen mit seiner Familie. Yunis Schwiegermutter bringt uns Kaffee. Yunis sitzt in der Lotusstellung und scheint voll Adrenalin zu sein, konstant in einer Art Meditation aus Zerstörung, Bescheidenheit, Wohlwollen und Frieden.

Yunis ist Manca. Bescheiden, liebevoll, stolz, ehrenvoll, humorvoll.

Er lächelt konstant. Das ehrliche, schöne, unaufgezwungene Lächeln eines simplen, zufriedenen Menschen.

Yunis ist ein Mensch, mit dem man gerne zusammen ist, bei dem man sich sicher fühlt. Doch aus Selbstverteidigung heraus, hat er bereits Menschen getötet. Wenn unbedingt nötig, ist er ein Dämon.

Zum Abschied schaut er uns eine Minute lang in die Augen. Sein intensiver Blick, der lange Händedruck sind ungewohnt. Wir fühlen eine Wärme im Herz. Ein Abschied wie ein Gebet.

Vielleicht ist Yunis nicht der letzte Meister, sondern der letzte Priester der tödlichen Hände.

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Der letzte Meister der tödlichen Hände lebt ein bescheidenes Leben.

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Yunis arbeitet als Bauarbeiter, oder hilft dort aus, wo Arbeit vorhanden ist.

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Yunis ist sehr schlank, fast mager, drahtig, und kleiner, als die meisten anderen Männer vom Dorf.

Text: Kaspar Anderegg
Fotos: Hila Rasuli

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