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Netzpython: Der lautlose Jäger des indonesischen Regenwaldes

von Sebastian Würfel

Ein Beitrag von Michael Leitzinger

Seit Menschengedenken spucken in unseren Köpfen diverse Ansichten herum was Schlangen betrifft. In zahlreichen Kulturen des Erdballes spielt dieses Reptil eine besondere Rolle in Religionen, Mythen und Legenden.

Symbolträchtig unter Ärzten und Apotheker aber wiederum bei vielen Menschen oft als verschlagen und falsch verstanden.

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Netzpythons sind wahre Meister im Anpassen an ihre Umwelt. Foto: Linda Ellger

Schlangen besiedelten bereits unsere Wälder bevor die Evolution den Menschen erschaffen hat. Wir drangen über tausende von Jahren in ihr Refugium ein und nicht umgekehrt.

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Tagsüber verbringt der Netzpython lange Zeit im Geäst von belaubten Bäumen. Foto: Linda Ellger

Heute sind viele Schlangen streng geschützt und teils ist ihre Art bedroht .

Ihr Lebensraum wird dezimiert, die schillernde Haut für die Herstellung von Schuhen verwendet und das weisse Fleisch zum Verzehr auf Märkten angeboten.

Python Indonesien: Horrormeldung aus Sulawesi

Die riesige Ausbeulung im Körper eines Pythons machte die Bewohner eines Dorfes misstrauisch. Merkwürdig aufgebläht und träge lag das Tier in unmittelbarer Nähe zu einer Palmölplantage da.

Eine düstere Vorahnung machte sich unter den Bewohnern breit. Kurzerhand töteten sie die Python, schnitten sie der Länge mit ihrem Buschmesser auf und fanden den vermißten 25-jährigen Plantagenarbeiter Akbar Salubiro samt seinen Gummistiefeln im Magen des Reptils.

Unfälle zwischen Mensch und Python kommen vor, jedoch selten wie in diesem geschildertem Fall. Der Mensch steht normalerweise nicht auf dem Speiseplan von Pythons. Vorzugsweise werden Vögel, Ratten, Schweine und Ziegen erbeutet, tot gewürgt und komplett verschlungen.

Danach legt das Tier eine längere Fastenzeit ein, bevor es wieder lautlos auf Jagd geht.

Lesetipp: Eigentlich fressen Pythons keine Menschen (Artikel in der Welt)

Netzpythons sind die Giganten des indonesischen Dschungels

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Netzpython im Quarantäneterrarium der Tierklinik von Tomohon.

Die Netzpython (Malayopython r. reticulatus) zählt zu den “Big Four”. Mit einer bewiesenen Länge von bis zu 10 Metern ist sie das längste derzeit auf der Erde lebende Reptil.

Gefolgt von der 8,9 Meter langen aus Südamerika stammenden Großen Anakonda (Eunectes murinus). Gleich darauf der afrikanische Felsenpython (Python sebae) mit 7,3 Metern und die 6,5 Meter lange, südostasiatische Tigerpython (Python molurus bivittatus).

In Gefangenschaft gehaltene Netzpythons können sehr zutraulich werden. Speziell wenn man sie als Babyschlange pflegt.

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Python Indonesien: Die in Gefangenschaft aufgewachsene Netzpython “Amelia” ist handzahm aber dennoch kein Kuscheltier.

Etwas Biologie zur Netzpython in Indonesien

Auf der Insel Sulawesi und ihren dazugehörigen kleineren Inseln trifft man drei Unterarten des Netzpythons an. In Nord-, Zentral- und Ost-Sulawesi beherrscht die Netzpython (Malayopython r. reticulatus) die Wälder.

In Süd-Sulawesi ist die vier Meter lange Malayopython Reticulatus Saputrai beheimatet und nur auf der kleinen Insel Tanahjamea im äußersten Süden kommt Malayopython Reticulatus Jampeanus vor. Sie erreicht gerade einmal eine Länge von zwei Metern.

Wissenschaftler unterschieden sie sich an der Länge wie an der unterarttypischen unterschiedlichen Kopfzeichnungen.

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Der Netzpython hat ein großes Verbreitungsgebiet. Von Nordostindien bis auf die Molukken Foto: Andreas Löschner

Alle haben sie eines gemeinsam: sie sind eierlegend. Bis zu 100 Eier zählt ein Gelege das von der “Mutter” rund um die Uhr bewacht wird. Die Jungschlangen schlüpfen nach 2-3 Monaten.

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Python Indonesien: Bei dieser Tigerpython (Albino) aus der Tierklinik Tomohon sieht man sehr deutlich das Grubenorgan.

Diese Schlangen sind mit einem besonderen Sinnesorgan ausgestattet, einem wärmeempfindlichen Grubenorgan an der Schnautze und am oberen Maulbereich, mit dem die Python im Dunklen Warmblüter wie Vögel und Nager orten kann.

Schlangen wie der Python gibt es in Indonesien auf dem Markt

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Der Python hat es auch in Indonesien nicht leicht: Hier wird die Haut einer Netzpython auf dem Markt von Tomohon abgeflammt. Foto: Linda Ellger

Tomohon, eine Stadt mit über 90.000 Bewohnern, liegt im Hochland von Nord Sulawesi. Neben den malerischen Seen, versteckten Wasserfällen und aktiven Vulkanen, zieht der weltberühmte Markt von Tomohon zahlreiche Einheimische aber auch immer mehr Touristen an.

Im überschaubaren Bereich “Extrem Market” werden Hunde, Katzen, Haus- und Wildschweine, Baumratten und Fledermäuse wie auch Pythons – hierzulande Patola genannt – verkauft. Die meisten Tiere stammen jedoch aus Zentral-Sulawesi.

Tiefgefroren treten sie ihre Reise nach Nord-Sulawesi an, wo sie als Delikatesse bei denen im Minahasa Hochland lebenden Menschen gelten. Kaum zu glauben, pro Monat werden bis zu zwei Tonnen Pythonfleisch für Rp 50.000/Kilo (ca. Euro 3,-) verkauft.

Rehabiltitationszentrum und Klinik in Tomohon

Was viele nicht wissen, in Tomohon befindet sich eine Tierklinik. Hinter einem hohen, grünen Blechzaun befindet sich die Auffangstelle für verwarloste, kranke, gerettete und beschlagnahmte Tiere.

Zwei Behandlungsräume für Operationen und Eingriffe, ein Raum für genesende Tiere, ein großer Freilauf für Hunde, ein Wartebereich mit Stühlen und Bänken für die Besitzer und eine mehrstöckige Terrarienanlage kann diese Einrichtung derzeit aufweisen.

Die Besitzerin Anne hat ein Abkommen mit den Schlangenmetzgern des Marktes. Wenn lebende Pythons auf den gefliesten Verkaufstischen landen, werden diese vom Klinik-Team abgeholt.

Meist waren sie tagelang ohne Wasser und weisen Parasiten auf. Reptilienspezialisten kümmern sich so lange um sie, bis sie wieder einen stabilen Gesundheitszustand erreicht haben und in der Wildnis ausgesetzt werden können.

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Der Gang in die Freiheit für drei Netzpythons

Viel Zeit, ausreichend Geduld und einiges an Geld für Futter, Medikamente und Strom für Wärmelampen bringt monatlich das engagierte Team rund um Anne und Dr. John auf.

Unverständlich ist es darum um so mehr, dass sie für jede Schlange, die sie in ihrem natürlichen Lebensraum aussetzen, Rp 250.000 an die indonesische Forstbehörde zahlen müssen.

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Der Autor zusammen mit Frank und Anne an der Grenze zum Tabu-Wald. Foto: Andreas Löschner

Es war einmal wieder soweit. Drei Exemplare wurden für die Auswilderung vorbereitet. Ein letztes Mal kontrollierte Frank, einer der guten Seelen der Klinik, die Schlangen auf Parasiten, blickt in den Rachenraum und prüft die Kloake.

Der geländegängige Pickup war abfahrtsbereit. Schnell noch Taschenlampen, einen Schlangenhacken und Trinkwasser verstaut. Dann ging es los.

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Der dampfende Regenwald – das neue zu Hause für die drei Pythons. Foto: Andreas Löschner

Ziel war ein großflächiges Waldgebiet, das von den Einheimischen gemieden wird. Darin soll es spucken. Im zweiten Weltkrieg lieferten sich die Japaner mit den Minahasa einen blutigen Kampf und zerstörten ein Dorf in diesem Wald, dessen Grundmauern heute noch zu finden sind.

Tabuzone! Gut für die drei Netzpythons. Dichte schutzbietende Vegetation, zwei klare Flüsse und jede Menge Nahrung warteten auf sie. Ein Lebensraum, wie er nicht besser sein könnte.

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Stunde Fußmarsch zur Auswilderungsstelle. Da können die Schlangen besonders schwer werden. Foto: Andreas Löschner

Die ehemaligen Wege waren fast zugewachsen. Lästige Mücken umschwirrten uns. Glitschig war der Untergrund. Nach gut einer Stunde erreichten wir eine Lichtung in der Dämmerung.

Jetzt wurde es Zeit bevor die Dunkelheit einbrach. Frank öffnete vorsichtig die Transportbehälter doch freiwillig wollte keines der Tiere seine Transportkiste verlassen. Also kam der mitgebrachte Schlangenhacken zum Einsatz.

Netzpython Indonesien bei der Auswilderung

Auf Distanz damit das Tier nicht beist. Bisse können sehr schmerzhaft sein. Foto: Andreas Löschner

Sie erzüngelten nach und nach den Geruch der Freiheit, glitten durch das feuchte Gras, umschlängelten einen umgestürtzten Baum und verschwanden still und leise im dichten Grün des Regenwaldes.

Wolken legten sich auf die Wipfel der Urwaldbäume und schlagartig wurde es dunkel. Wie wenn jemand plötzlich den Lichtschalter umgelegt hatte. Es war Zeit die Taschenlampen anzuknipsen und uns auf den Rückmarsch zu machen. Ein letzter Blick zurück. Es war ein großartiges Gefühl dabei gewesen zu sein.

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18.00 Uhr, die Dunkelheit bricht schlagartig in den Inneren Tropen ein. Foto: Andreas Löschner

Echtes Abenteuer: Schlangen im Regenwald Nord-Sulawesis

Wenn du dich für Schlangen in Indonesien interessierst: Der Autor Michael Leitzinger bietet verschiedene Touren als Reiseguide im Norden Sulawesis an. Auf einer dieser Touren gehst du auf Suche nach den eigentlichen Juwelen des Regenwaldes – den Amphibien und Reptilien.

Text & Fotos (außer speziell markierte Fotos): Michael Leitzinger

Über den Autor: Michael ist Manager der Bobocha Cottages auf Siladen, Expeditionsleiter und so oft es geht in der Natur unterwegs. Neben Tauchen, Kochen und Bergsteigen erforscht er gerne unbekannte Inseln, undurchdringliche Regenwälder und Naturvölker. Für namhafte Fernsehsender organisiert er Drehs und ist seit 1990 vom Indonesien-Virus befallen.

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