Was kriecht und krabbelt denn da in Indonesien?

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Was kriecht und krabbelt denn da in Indonesien-Auf Touren wird mir immer wieder die gleiche Frage gestellt: „Micha, ist dieses Tier giftig?“. Worauf ich stets antworte: „Vieles ist absolut ungiftig, für den Menschen sind einige Bisse nicht bedrohlich, lediglich schmerzhaft. Nur der Biss einiger Schlangenarten kann tödliche Folgen mit sich tragen.

Nichts anfassen, zu nahe kommen, ärgern oder in die Enge treiben – dann bleibt man verschont. Viele Krabbler in Indonesien sind lohnenswerte und dankbare Fotomotive. Einige unter ihnen möchte ich an dieser Stelle porträtieren und euch einen kleinen Einblick in ihre Lebensweise verschaffen.

Riesen-Radnetzspinnen

RadnetzspinneWahre Sonnenanbeter sind diese 8cm großen und farbenprächtigen Seidenspinnen, die ihre Netze nicht nur im Urwald, sondern auch in Parks und in der Nähe menschlicher Siedlungen weben. Kein Grund zur Besorgnis, denn sie sind vollkommen harmlos. Mit ihren großen, goldglänzenden Netzen können sie größere Fluginsekten wie Heuschrecken, Libellen, Falter und sogar kleine Fledermäuse und Vögel fangen. Mancherorts findet man sogar Gemeinschaftsnetze, die von zahlreichen Individuen bewohnt werden.

Riesenkrabbenspinnen

Durch die Fähigkeit vorwärts, seitwärts und rückwärts zu laufen, kam diese tropische, große Spinne zu ihrem Namen. Sie jagen ohne Netz. Schaben zählen zu ihrer Leibspeise. Ihre Giftklauen können die menschliche Haut durchdringen und das Spinnengift kann örtliche starke Schmerzen und auch Schwellungen verursachen. Trotzdem kein Grund zur Beunruhigung – es bleiben keine Symptome zurück.

Springspinnen

Spinne_3

Wahre Meister im Weitsprung dank ihrer kurzen aber kräftigen Beine. Mit einer Körperlänge von nur 2 cm können sie einen halben Meter weit springen und das sogar sehr zielgenau! Safty first! Jeder Sprung ist durch einen Sicherheitsfaden abgesichert.

Häufig anzutreffen, wo auch viele Fluginsekten zu finden sind: Sträucher, Blumen, Außenwänden von Häusern und Hütten. Mit acht Augen fixiert die sehr nützliche und zudem harmlose Spinne ihre Opfer, bevor sie zum Sprung ansetzt.

Geiselskorpione

Skorpion_2Nachts gehen sie auf Beutezug. Insekten und Tausendfüßler müssen sich vor den 8cm großen skorpionartigen Spinnentieren in Acht nehmen. Auf dem ersten Blick erinnern sie an Skorpione, doch ihre Scheren sind bei weitem nicht so kräftig und beweglich wie die ihrer Verwandten. Obwohl sie weder Giftstachel noch Giftdrüsen besitzen, können sie Schmerzen zufügen.  Aus ihrem Körperende können sie bis zu 50 cm weit eine ätzende und stinkende Flüssigkeit verspritzen, die auf der Haut zu Rötungen führen – bei Augenkontakt sogar starke Schmerzen zufügen. Sofort das betroffene Auge mit klarem Wasser ausspülen!

Tausendfüßer

HundertfüsserEine urtümliche Tiergruppe die es bereits im geologischen Zeitalter des Silur (vor 410.000.000 Jahren) gab und eine der ersten Landbewohner darstellten. Noch heute ernähren sie sich von Aas, toten Pflanzen und überreifen Früchten. Besonders nach Regenfällen sind sie munter unterwegs. Im Schnitt besitzen diese bis zu 50 cm langen Gliedertiere 750 Beine. Giftklauen und schmerzhafte Bisse Fehlanzeige. Dafür aber können viele Arten eine ätzende Flüssigkeit aus ihren Drüsen absondern, die zu Hautausschlägen und starken Juckreiz bei Augenkontakt führen kann.

Hundertfüßer oder Skolopender

Hundertfüssler_1Drei Dinge unterscheiden sich vom Vorgänger: Hundertfüßer ernähren sich von wirbellosen Tieren, haben eine ungerade Zahl an Beinpaaren und sie sind giftig!

Tagsüber liegen sie unter Steinen und Wurzeln. Erst nachts verlassen sie ihre Verstecke. Die lichtscheuen bis zu 30cm langen Gliedertiere können sehr schmerzhaft zubeißen, wenn man sie stört und in die Enge treibt.

Ausgewachsene Exemplare injizieren mit ihrem zu Giftklauen umgewandeltem Beinpaar ausreichend Gift, dass bei Menschen zu starken Schwellungen der betroffenen Stelle und zu Schmerzen führt. Lähmungserscheinungen, die über mehrere Tagen anhalten können, sind keine Seltenheit. Zudem tritt Schwindel und Taubheitsgefühl auf. Ein Biss hinterlässt große Wunden, die so rasch wie möglich desinfiziert werden müssen.

Weberameisen

Weberameisen

Bäume, Büsche und Sträucher, das ist der Lebensraum, der bis zu 2 cm langen und mit kräftigen Kieferzangen bewaffneten Weberameisen. Ihren Namen verdanken sie ihrer Fähigkeit, mehrere Blätter miteinander zu Nestern zu vernähen. Larven sind ihnen dabei behilflich, die sie in ihren Mundwerkzeugen fest halten. Mittels eines Sekret, dass die Larve aussondert, werden die Blätter „zusammengenäht“.

Achtung! Kommt man mit diesen aggressiven Krabblern in Berührung, verbeißen sie sich rasch in die Haut und verursachen schmerzhafte Bisse. Dabei tropfen sie zusätzlich ein brennendes Sekret in die frische Wunde. Aua!

Libellen

Libelle

Ob groß oder klein, alle Libellenarten sind harmlos. Stets in Gewässernähe anzutreffen, jagen diese „Kunstflieger“ ihre Beute in der Luft bei einer Fluggeschwindigkeit von 13 m/s! Mittels erstem Beinpaar halten sie das Beutetier (Mücken, Fliegen, …) fest.

Auffällig sind ihre riesigen Facettenaugen, die aus tausenden von Einzelaugen bestehen und sechsmal schneller Bewegungen erfassen können, als das menschliche Auge. Zusätzlich verfügen sie über drei Punktaugen. Wahrscheinlich nutzen sie diese für die Orientierung.

Zikaden

Singzikaden

Eher zu hören als zu sehen und im Dschungel die mit Abstand lautesten Insektengruppe. Oft erinnern ihre Laute an Motoren oder Sägewerke und können so manchem den Schlaf rauben.

Diesen „Gesang“ erzeugen sie durch ein Organ, das sich am Beginn des Hinterleibs befindet. Singmuskeln bringen die Schallplatten in diesem Trommelorgan zum Vibrieren. Männchen bezwecken eines – Weibchen herbei zu locken. Die Weibchen hingegen „singen“ einfach nur so.

Auf Grund ihres schweren Körperbaus sind diese bis zu 12 cm langen Singzikaden (Cicadidae) behäbige und schlechte Flieger. Baum- und Pflanzensäfte zählen zu ihrer bevorzugten Nahrung, die sie mittels Rüssel entnehmen. Dadurch schaden sie dem Baum aber in keinster Weise.

Erst einmal zum erwachsenen Insekt herangewachsen, was 9 Monate bis mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann und das jeweilige Tier fünf Häutungen durchlaufen muss, bleiben ihr nur noch ein paar Monate bis sie eines natürlichen Todes, oft an einem Ast festgekrallt, stirbt und allmählich von Flechten und Moosen bewachsen wird.

Gottesanbeterin

Gottesanbeterin

Verwandtschaftlich fühlt sich diese Fangschrecke eher zu den Schaben als zu den Heuschrecken hingezogen. 1.800 Arten dieser Meister im Tarnen besiedeln den Globus und sind für uns Menschen absolut ungefährlich. Wegen ihrer gebetsartigen Beobachtungshaltung kam sie zu ihrem außergewöhnlichen Namen. Sekunden schnell kann sie ihren Fangapparat (erstes Beinpaar), wie ein Klappmesser öffnen. In den kleinen Zähnen, mit denen der Fangapparat bestückt ist, bleibt dann die Beute (Mücken, Fliegen, kleine Spinnen) hängen, die dann genüsslich verspeist wird.

Nashorn- und Hirschkäfer

Hirschkäfer_Hand

Imposante Erscheinungen, die bedrohlich wirken, aber tatsächlich ganz harmlos sind. Speziell die Männchen haben riesige Geweihe mit denen sie regelrechte Kämpfe mit gleichgeschlechtlichen Artgenossen ausfechten. Leider werden viele von ihnen als Käferpräparat an Touristen verkauft, was ihr bitte nicht unterstützen sollt.

Behaarte Raupen

Raupe_haarig

Echt gemein! Kleine Giftbeutel sitzen auf den Haaren von vielen behaarten Raupen. Bei Berührung mit der Haut: Juck- und Brechreiz, allergische Reaktionen, Fieber. Achtung vor Kokongespinsten! Bei der Verpuppung verteilen die Raupen zu gerne ihre Brennhaare darin. Einatmen durch den Mund: Entzündung und Anschwellen im Rachen, was nach 24 Stunden aber meist abheilt. Am Besten Finger weg!

Schwarznarbenkröten

Schwarznarbenkröte

In ganz Südostasien weit verbreitet ist diese zu den Echten Kröten gehörende Spezies. Sie ist anpassungsfähig, besiedelt verschiedene Lebensräume und auch von Menschen erschaffene Kulturlandschaften. Aber Vorsicht ist geboten! Diese Amphibie ist recht giftig – vom Ei bis zum ausgewachsenen Exemplar.

Bei Hautkontakt betroffene Stelle schnellstmöglich mit Seife waschen und Augen und Schleimhautkontakt dringlich vermeiden.

Giftschlangen

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Eigentlich ist es wert, den Schlangen einen eigenen Bericht zu widmen. Seit Menschen Gedenken, herrscht Furcht und Angst vor Schlangen, dabei sind lediglich 1/3 der über 2.500 Schlangenarten weltweit  giftig.

Bissunfälle ereignen sich meist, wenn Schlange und Mensch unverhofft aufeinander stoßen. Dabei unterscheidet man Verteidigungsbisse, bei denen wenig Gift injiziert wird und Jagdbisse, bei denen viel Gift in das Opfertier dringt.

In Indonesien zählen Todesotter (Papua), verschiedene Kraitarten (Bali, Java, Sumatra, Kalimantan, Sulawesi), Korallenschlangen (Sumatra, Java, Kalimantan, Sulawesi), Taipan (Papua), Indonesische Kobra und Königskobra (Sumatra, Java, Bali, Lombok, Sumbawa, Komodo, Flores, Sulawesi), Schwarzschlange (Papua), Braunschlange (Papua) zu den giftigsten Arten.

Ungiftige Schlangen

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Durch Unkenntnis und Angst werden jährlich hunderte von Nattern grundlos mit dem Buschmesser von der einheimischen Bevölkerung erschlagen. In Nord Sulawesi z.B. gelten Netzpythons als Delikatesse und werden auf Märkten im Minahasa Hochland angeboten.

Geckos

Sie klettern Wände hinauf und huschen Decken entlang dank ihrer Haftlamellen an ihren verbreiteten Zehen. Bei Gefahr werfen sie sogar ihren Schwanz ab um den Fressfeind zu entkommen. Meist nachts aktiv findet man diese harmlosen Reptilien in der Nähe von Lichtquellen, wo sie auf Beutezug gehen und eifrig Mücken vertilgen.

Tipps für das perfekte Fotos der Krabbeltiere:

Beobachten ist das eine, Fotografieren das andere. Man muss kein Profi sein, um tolle Makrofotos zu schiessen, wenn man diese 7 goldene Regeln der Makrofotografie einhält:

  • Regel Nr.1: Stell deinen Wecker früh, denn z.B. Insekten bleiben in den Morgenstunden eher ruhig sitzen
  • Regel Nr.2: Spiele und experimentiere mit dem Licht, denn jede Tageszeit hat ihre Farben 
  • Regel Nr.3: Arbeite mit verschiedenen Perspektiven
  • Regel Nr.4: Auch mal auf Augenhöhe mit deinem Motiv gehen
  • Regel Nr.5: Spiele mit vorhandenen Formen, das macht die Aufnahme interessanter
  • Regel Nr.6: Übe vor deinem Shooting mit kleiner Blendenöffnung zu fotografieren
  • Regel Nr.7: Beleuchte dein Motiv richtig – Blitz abschalten, Reflektoren verwenden

Dann bleibt mir nur noch zu sagen:

“Geht stehts mit offenen Augen durch die Natur, passt auf wohin ihr tretet, was ihr anfasst und hinterlasst nur eure Fußabdrücke.”

Text und Fotos: Michael Leitzinger

Michael LeitzingerÜber den Autor: Michael ist Resortmanager der Montain View Resorts in Tomohon, Expeditionsleiter und so oft es geht in der Natur unterwegs. Neben Tauchen, Kochen und Bergsteigen erforscht er gerne unbekannte Inseln, undurchdringliche Regenwälder und Naturvölker. Für namhafte Fernsehsender organisiert er Drehs und ist seit 1990 vom Indonesien-Virus befallen.

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