Ein Tag mit den Korallen-Rettern in Flores

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Ein Beitrag von Martina Biendl von ohnekopfundkragen.de

coral-guardian-komodoGemeinsam mit dem Fischer Komang sitze ich in einem Ketinting, einem typischen indonesischen Boot mit Seitenausleger. Der freundliche Mann mit den lachenden Augen fährt mich zurück zum Ausgangspunkt meines Tagesausflugs, auf dem ich so viel lernen und erfahren durfte. Während mir das Wasser ins Gesicht peitscht, erinnere ich mich an die vergangenen acht Stunden und bin schwer beeindruckt. Ich durfte einen Tag mit dem Team von Coral Guardian verbringen, einer gemeinnützigen Organisation (NGO), die sich ein großes Ziel gesteckt hat: Korallenriffe nachhaltig zu schützen und wiederaufzubauen.

Martin Colognoli, einer der Gründer von Coral Guardian, und seine Kollegen Julien, Sutopo, Dullah, Juna und Cual haben mir gezeigt, wie ihre Arbeit rund um die Insel Flores in der Region Komodo abläuft. Schon seit einigen Jahren ist das Team dort aktiv und setzt dabei auf die Einbindung der lokalen Bevölkerung. Wie das funktioniert, durfte ich live miterleben.

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Autorin Martina mit dem Team von Coral Guardian Komodo

Coral Guardian: Was steckt dahinter?

Indonesien bietet rund um die großen Inseln Flores, Rinca und Komodo eine unglaubliche Unterwasserwelt. Korallen sind der der wichtigste Lebensraum für die dortigen Meeresbewohner aller Art, welche wiederum als Nahrungsmittel und wirtschaftliche Ressource sehr wichtig für die lokale Bevölkerung sind. Doch die Natur wird mehr und mehr zerstört – durch Dynamitfischen, durch Boote und Anker sowie durch den schnell wachsenden Tourismus. Denn die Gegend ist berühmt für einzigartige Tauchspots und wunderbare Inseln, die immer mehr Reisende anlocken – und mehr Menschen bedeuten gleichzeitig auch mehr Zerstörung für die Korallenriffe.

Bei den Locals herrscht weitestgehend Unwissen über das Leben unter Wasser. „Viele Menschen hier sind Fischer. Sie leben in kleinen Dörfern auf kleinen Inseln und haben oft keinerlei Schulbildung“, erklärt Sutopo, der beim Projekt in Flores von Anfang an dabei ist.

„Seit vielen Generationen fischen sie mit Dynamit, werfen ihren Müll ins Meer und ihre Anker auf Korallenriffe. Woher sollen sie wissen, wie wichtig diese Riffe für das Gleichgewicht der Meereswelt sind?“

Coral Guardian: Verständnis und Eigenverantwortung stärken

Genau da setzt Coral Guardian seit 2010 mit seiner Arbeit an: Das Team will die Küstenbewohner befähigen, ihre Riffe selbst zu schützen: „Es nützt überhaupt nichts, den Menschen hier einfach zu sagen: ‚Ab jetzt macht ihr alles anders, um eure Zukunft zu sichern.‘ Nein. Sie müssen verstehen und mitgestalten, um sich und ihre Sitten zu verändern.“

Innerhalb von drei Jahren sollen die lokalen Bewohner verstehen, weshalb Korallenriffe für ihr Leben und ihre Zukunft eine entscheidende Rolle spielen, und lernen, wie sie sie besser schützen und für ihren Lebensunterhalt nutzen können.

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Coral Guardian: In drei Schritten zum Erfolg

Das Projekt läuft unter dem Slogan „Empowering Coastal Communities“. Nach drei Jahren Zusammenarbeit sollen die Locals selbständig weitermachen können, und Coral Guardian zieht sich aus dem Projekt zurück. Die drei Schritte der Projektarbeit:

1. Verstehen und Schützen

Gemeinsam mit lokalen Fischern sammelt das Team abgebrochene Korallen im Meer. Sie können rund zwei Monate überleben und fangen wieder an zu wachsen, wenn sie einen neuen, passenden Ankerpunkt bekommen. Das Team hat dafür spezielle Gestelle unter Wasser angebracht, auf denen die Fragmente mit Kabelbindern befestigt werden.

Rund um Flores haben die Freiwilligen schon rund 20.000 Korallenstücke gerettet. Der Clou an der Sache: Die lokalen Helfer adoptieren sozusagen ihre eigenen Korallen, für die sie Verantwortung übernehmen.

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Einer der vielen Korallen-Tische von Coral Guardian

2. Beobachten und Lernen

Einmal im Monat besucht die Gruppe die Korallen-Tische und verfolgt deren Wachstum. Bis zu einem Zentimeter gewinnen die Stücke monatlich an Größe. Schnell siedeln sich Fische und andere Meeresbewohner rund um die Korallen an. So sehen die Fischer, dass die Korallen keine tote Materie sind, sondern für das Leben unter Wasser mit verantwortlich sind. Und dass die Locals ihren Kindern so den Fischfang weiter ermöglichen können.

3. Eigenverantwortung und Weiterverfolgung


Ist das Grundprinzip verstanden, geht es an die Planung der Zukunft: Die Fischer lernen, wie sie künftig mit ihrer Arbeit Geld verdienen und gleichzeitig die Ozeane schützen können. Coral Guardian zeigt ihnen, wie nachhaltiger und verantwortungsvoller Tourismus funktioniert und wie sie Teil dessen werden können. Die Fischer verstehen, dass Reisende nur kommen, wenn die Unterwasserwelt nicht zerstört wird.

Bis dahin ist der Weg jedoch lang. Am Anfang dauert es seine Zeit, bis die ersten Fischer Interesse zeigen. Sind ein paar an Bord, verbreiten sie ihre Erfahrungen in den Dörfern weiter. Auch Martin und Julien, die selbst einige Monate im Jahr in Labuan Bajo verbringen, führen viele Gespräche.

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Unglaubliche Gastfreundschaft im Fischerdorf

Am Tag meines Besuchs statten wir dem Fischerdorf auf der Insel Seraya Besar einen Besuch ab. Hier leben die Mitarbeiter von Coral Guardian. Schon beim Anlegen am Steg werden wir mit Winken und Lachen begrüßt.

Coral Guardian ist ein häufiger und willkommener Gast bei den Fischern und deren Familien, die sich vor vielen Jahrzehnten an diesem Ort niedergelassen haben.

Kaum setzen wir den ersten Fuß aufs Festland, sitzen wir auch schon mit einer Tasse Kaffee vor einen kleinen Warung.

„Wenn wir das Fischerdorf besuchen, beginnen wir nie direkt mit den geschäftlichen Themen“, lacht Martin. „Erst einmal trinken wir Tee und Kaffee und reden über die Familien, den Fischfang und tauschen ein paar Geschichten aus.“

Insgesamt dreimal laden uns Locals in ihre Häuser zu Gebäck ein. Unter ihnen ist auch Dullah, der gerade eine neue Couch-Garnitur gekauft hat und sie uns stolz präsentiert. Seit zwei Jahren ist er für Coral Guardian im Einsatz. Er spricht mit seinen Bekannten und lädt sie ein, die künstlichen Korallenriffe vor der Insel Pulau Hatamin zu begutachten. Und er hat Dienst auf der kleinen Insel, die oft von Touristenbooten oder Fischern besucht wird. Seine Aufgabe: Den Besuchern das Projekt erklären und darauf achten, dass niemand im Bereich der Korallen einen Anker wirft oder gar das Riff mit dem Boot beschädigt.

„Wenn wir als Franzosen diese Dinge predigten, hätten wir wenig Erfolg“, sagt Julien. „Wie wir alle, so hören auch die Locals hier mehr auf ihre Freunde. So können wir viel mehr erreichen.“

Die letzte Einladung kommt von Komang, der ebenfalls längere Zeit für Coral Guardian gearbeitet hat. Als er Martin und Julien sieht, folgt eine herzliche Umarmung. Auch hier nehmen wir Platz im Haus des Fischers und essen Roti, indonesisches Gebäck. Viele lustige Geschichten werden ausgetauscht, aber auch über die Korallen sprechen die Männer.

Dass die Franzosen Martin und Julien für die Locals weit mehr sind als nur Besucher, ist offensichtlich. Und genau das macht das Projekt zu etwas Besonderem. Die beiden respektieren und fördern die Einheimischen und zeigen ihnen einen guten Weg in die Zukunft auf.

Der Erfolg zeigt sich nicht nur an den wachsenden Korallengärten und der höheren Fischvielfalt. Er zeigt sich in den herzlichen Begrüßungen, den offenen Gesprächen und dem vielen Händeschütteln auf den Straßen rund um Labuan Bajo.

Als mich Komang zurück in die quirlige Stadt bringt, nehme ich mir einen nächsten Besuch auf der Koralleninsel vor. Schon fünf Tage später paddle ich tatsächlich mit dem Kayak dorthin, um zu schnorcheln – und noch bevor ich mein Handtuch in den Sand lege, bietet mir einer der Fischer eine Kanne Kaffee an.

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Du willst die Arbeit von Coral Guardian unterstützen?

Dann kannst du eine Woche als Volunteer dabei sein:

Lesetipp bei National GeographicHow a remote Indonesian island community is reclaiming its fishing heritage by restoring ruined coral reefs

Kamera: Sony Alpha 6000 Systemkamera

[su_box title=”Über die Autorin Martina Biendl”]

Martina_BiendlAuf ihren Reisen sucht Tina die schönsten Orte und abgelegensten Winkel auf der Welt – und findet dabei viel mehr: Freunde fürs Leben, wertvolle Erfahrungen, unfassbare Momente und am Ende auch ein bisschen sich selbst. Seit ihrer Weltreise betreibt sie den Blog ohnekopfundkragen.de und teilt ihr Erfahrungen und Reisebilder. [/su_box]

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