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Traditionelle javanische Hochzeiten: Magische Zeremonien und Neon-Desserts

von Melissa Schumacher

Ein Beitrag von Klara Weidemann

Eine Hochzeit mit 1.500 Gästen!

Die Enkeltochter unseres übernächsten Nachbarn heiratet! Als der elegant gestaltete Einladungsbrief unser kleines WG-Haus in Yogyakarta erreichte, war ich zuerst einmal ein bisschen stutzig.

Denn ich kannte weder Braut, noch Bräutigam, noch Brauteltern, noch unseren übernächsten Nachbarn.

Die Aufregung meiner indonesischen Mitbewohner schien aber groß. Anscheinend hatte die ganze Straße Briefe erhalten.

Mir war schon aufgefallen, dass in den letzten Tagen besonders viel vor den Häusern, den üblichen Orten zum Abhängen, Rauchen und Gitarre spielen, los gewesen war. Daher kam die Anfrage unseres Nachbarn, ob wir am Samstag vielleicht noch Platz für ein oder zwei Übernachtungsgäste hätten, nicht ganz überraschend: es waren über 1.500 Gäste zu der am Wochenende anstehenden Hochzeit geladen.

Nach mehrmaligem Herumfragen und mit Hilfe der zahlreichen, angereisten Gäste, von denen zwei auf unserer Couch unterkamen, fanden wir dann auch den Namen des zu vermählenden Paares heraus: Ryan und Kenyo.

Dass es bei dem ganzen Trubel aber sowieso kaum um die beiden ging, merkte ich im Verlauf des Wochenendes.

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Wegweiser zur Hochzeit von Ryan und Kenyo

Javanische Hochzeit: Eine weltweit einzigartige Hochzeitstradition

Traditionelle javanische Hochzeiten sind auf der ganzen Insel auch heute noch voll im Trend.

Sowohl zwischen den Wolkenkratzern Jakartas als auch in den Reisfeldern des ländlichen Yogyakartas, sowie den vielen kleinen (also, asiatisch „kleinen“) Städten Javas, gehört eine traditionelle Vermählung fast selbstverständlich zur Heirat mit dazu.

Kaum ein Paar lässt sich ausschließlich in der Kirche / Moschee / Tempel trauen.

Grundsätzlich ist es in Indonesien sowieso unmöglich, legal zu heiraten, wenn man unterschiedlichen Religionen angehört (viele ausländisch-indonesische Pärchen können davon ein Lied singen).

Obwohl die meisten Bewohner Javas muslimisch sind, haben sie trotzdem Wege gefunden, die jahrtausendealten Traditionen der javanischen Kultur mit ihrem Glauben zu vereinbaren.

Und diese Traditionen haben es in sich.

Herausgekommen ist eine weltweit einzigartige Hochzeitstradition. Ein paar Dinge, die bei einer klassischen, javanischen Hochzeit auf keinen Fall fehlen dürfen:

  • die funkelnden, prachtvollen, traditionellen Batik-Kleider inklusive Kris (Dolch), Jasminketten und gigantischen Haarteilen
  • mindestens 1.000 Gäste (bei einer einfachen, günstigen Hochzeit), nach oben gibt es keine Grenzen
  • pappsüße Süßspeisen in Neon-Farben
  • öffentliche Duschen für Braut und Bräutigam
  • stundenlange Fotoshootings mit allen anwesenden Gästen
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Eine Braut wird für ihre javanische Hochzeit hergerichtet

So läuft eine klassische javanische Hochzeit ab

Eine klassische javanische Hochzeit ist in zwei Zeremonien aufgeteilt: die Hajatan Prozession (= indon. “Feier“) und der eigentliche Haupt-Hochzeits-Akt.

Die Hajatan Prozession

Der erste Teil, der oft ein paar Tage vor der Hochzeit stattfindet, gilt als Vorbereitung der eigentlichen Eheschließung und ist vielleicht grob mit dem deutschen Polterabend vergleichbar. Sie soll die eigentliche Heiratsfeier vor Unglück bewahren und einen reibungslosen Ablauf garantieren.

Teil der Prozession ist beispielsweise, dass Familie und enge Freunde gemeinsam mit dem Brautpaar einen Pavillon voller Blumen dekorieren, die unterschiedliche Bedeutungen haben und Wünsche wie Hoffnung und Wohlstand symbolisieren.

Besonders unterhaltsam (für die Gäste, nicht für das Paar) ist das Siraman Ritual, was so viel wie „mit Wasser baden“ bedeutet.

Hierbei werden Braut und Bräutigam von sieben Personen, davon am wichtigsten der Brautvater, mit Kübeln voller Wasser übergossen.

Diese Reinigung soll das Paar auf den bevorstehenden, neuen Lebensabschnitt vorbereiten.

Neben vielen traditionellen Gerichten, die gemeinsam gegessen werden, gehört es zum festen Bestandteil des Hajatan, dass die Eltern des Paares ihre Kinder füttern. Damit haben sie ihre letzte Verpflichtung erfüllt, bevor sie die beiden in die Ehe entlassen.

Auf anderen javanischen Hochzeiten füttert sich das Paar selber gegenseitig – um zu veranschaulichen, dass sie von nun an füreinander sorgen werden.

Last but not least lässt die Feiergemeinde einen Hahn frei, was Unabhängigkeit symbolisiert.

All diese Traditionen variieren jedoch von Region zu Region oder werden nur teilweise ausgeführt. Bei der Hochzeit von Ryan und Kenyo, die ich besuchte, wurde beispielsweise die Wasserdusche zelebriert, einen freigelassenen Hahn konnte ich jedoch nirgends entdecken. Vielleicht war er aber auch einfach schneller als die Gäste.

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Ryan und Kenyo auf ihrer Hochzeit

Der Haupt-Hochzeits-Akt

Ist der große Tag dann gekommen, erinnert alles an eine perfekt eingespielte Inszenierung. Bei so vielen Gästen wohl notwendig, damit kein Chaos entsteht.

Das geht schon bei der Ankunft los: kilometerweit reihen sich die Autos der Gäste die Straße entlang. Ein Besucher erzählt mir, dass die Parkplatzgröße eines der wichtigsten Kriterien bei der Locationsuche darstellt (in Yogyakarta gibt es halt keinen öffentlichen Nahverkehr).

Als wir dann das Gelände betreten, sehe ich erstmal viele batikgekleidete Menschen um mich herum. Sehr viele. Am Ende eines großen, von Reisfeldern umgebenen Geländes erhebt sich dann ein klassisches javanisches Bauwerk, das Joglo genannt wird. Zu den Seiten hin ist es offen, dahinter verteilen sich unzählige Gazebos. Alles ist mit Lichterketten geschmückt und ich mache mir ernsthaft Sorgen, dass die Gebäudebalken aufgrund des überdimensionalen Blumenschmucks gleich zusammenbrechen.

Obwohl mir die komplette Hochzeit auf den ersten Blick extrem fremd vorkam, finden sich doch überraschend viele Parallelen zu deutschen Traditionen.

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Die Feierlichkeiten fanden in einem sogenannten Joglo statt

Die Hochzeits-Kleidung

Nehme man beispielsweise den wichtigsten Bestandteil einer jeden Vermählung: die Kleidung. Zwar ist es selbstverständlich, dass Braut und Bräutigam traditionelle javanische Trachten tragen. Aber auch hier ist die Wahl der Farbe meist weiß. Sie symbolisiert Reinheit und ist nicht nur – wie in europäischen Breitengraden – für die Braut bestimmt.

Ganz nebenbei können sich deutsche Paare noch ein bisschen was vom Glanz und Glamour der javanischen Brautmode abschauen. Die Outfits sind alles – außer unauffällig.

Sie bestehen beim Bräutigam aus Batikhosen, einem Batikhemd, sowie darum fließende Tücher. Die Tracht wird dodotan oder kemben genannt.

Batik symbolisiert hier übrigens ein gutes und ruhiges Leben, sie spielt die Hauptrolle in der indonesischen Mode: 2009 erklärte die UNESCO Batik sogar zum Kulturerbe des Archipels.

Auch die Braut trägt den langen Batikrock, der kebaya oder einfach Sarong heißt, sowie eine bestickte Bluse.

Alle Stoffe sind hauptsächlich mit Gold verziert, was zu den ausladenden, über und über mit Glitzersteinen bedeckten Kronen des Paares passt.

Darunter trägt die Braut nicht weniger als 9 Haarteile, die teilweise mit Schminke nachgezeichnet werden. Gerade dieser Kopfschmuck inklusive Make-Up lässt die Braut wie von einem anderen Stern aussehen – zumindest aus meiner Perspektive.

Je nach Region gibt es natürlich Unterschiede in der genauen Ausarbeitung der Tracht. Das Prinzip ist jedoch oft gleich.

Was nirgends fehlen darf: die Girlanden aus frischen Jasminblüten, die an Hals, Gürtel und Kopfschmuck angebracht sind. Sie stehen für die Liebe.

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Die Girlanden aus frischen Jasminblüten stehen für die Liebe

Was trägt man als Gast auf einer javanischen Hochzeit?

Ich selbst hatte mich an dem Tag für ein (zugegeben, irgendwo auf der Straße bei einem Händler erstandenes) Batikoberteil entschieden.

Vorher hatte ich bereits davon gehört, dass die verschiedenen Muster charakteristisch für unterschiedliche Regionen sind – woraufhin mich eine Familie auf der Hochzeit fragte, ob ich vor Kurzem in West-Java gewesen sei. Mein Oberteil sei typisch für die Gegend.

Daher merke: immer vorsichtig sein, welche Message man mit seiner Batik sendet.

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Bunte Batikhemden sind auf javanischen Hochzeiten hoch im Trend!

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Buntes Batik-Treiben auf der Hochzeit

Die spirituelle Zeremonie

Je nach Religion nimmt die spirituelle Zeremonie natürlich den größten Teil der Feierlichkeiten ein.

Je nachdem ob christlich, muslimisch, buddhistisch oder hinduistisch, unterscheiden sich die Abläufe nicht groß von denen in anderen Ländern.

Zu den javanischen Besonderheiten gehört jedoch, dass die Feier mit der sogenannten Panggih Zeremonie fortgesetzt wird. Panggih heißt soviel wie „treffen“ auf Indonesisch und besteht aus acht Teilen.

Sie beginnt damit, dass das Paar zusammengerollte Sirihblätter aufeinander wirft. Zum einen soll es ein Zeichen für gestohlene Herzen und Gehorsam sein, zum anderen soll das einseitige Treffen der Blätter Dominanz veranschaulichen – oder eben Gleichheit, wenn beide treffen.

Dann steigt der Bräutigam auf ein rohes Ei und die Frau putzt seine Füße (symbolisiert die Hoffnung auf Kinder). Andere wiederum sagen, dass dieses Ritual veranschaulichen soll, dass die Braut zur Hilfe stehen soll, falls der Bräutigam mal Mist bauen sollte – sozusagen sollte sie wieder alles „in Ordnung“ bringen.

Daraufhin folgt das Wiegen des Brautpaars auf dem Schoß ihrer Väter – wobei diese dann bestätigen werden, dass beide das gleiche Gewicht haben (was vermitteln soll, dass beide gleich viel geliebt werden).

Die javanische Braut bekommt auch oftmals vom Bräutigam Blumen, Reis und Geld in ein Tuch geschüttet, als Zeichen für Schönheit, Fruchtbarkeit und Reichtum.

Es folgen noch weitere, kleine Rituale, die jedoch schnell im Trubel der Gäste untergehen. Auch gibt es währenddessen wenige Erklärungen. Das Paar und deren Angehörigen bewegen sich wie Tänzer durch die Räume und folgen einer unausgesprochenen Choreographie.

Die Bedeutung hinter all dem erschloss sich mir erst nach eingehender Recherche sowie zahlreichen Befragungen. Dabei berichtete mir ein Gast, dass kaum jemand der Anwesenden tatsächlich alle Bräuche und deren Hintergründe kenne – dafür gäbe es Hochzeitsplaner, die die Zeremonie ausarbeiten.

Grundsätzlich geht es jedoch meistens um den Gehorsam der Frau in der Ehe.

Das verwunderte mich, hatte ich Indonesien doch als sehr emanzipiertes Land mit starkem Matriarchat kennengelernt. In manchen Gegenden wird Besitz beispielsweise nur von Frau zu Frau weitergegeben, sie sind traditionell die Familienoberhäupter.

Als ich einmal einer indonesischen Freundin von der westlichen Tradition erzählte, dass Väter ihre Töchter bei der Hochzeit an den Altar führen und dem Ehemann „übergeben“, amüsierte sie sich köstlich über uns altmodische Europäer.

Im Laufe der Zeremonie stellte ich jedoch fest, wie verspielt und humorvoll die Familien mit den Traditionen umgingen. Es wurde viel gelacht und über die teilweise absurden Hintergrundgeschichten gescherzt: „Viele Paare in unserem Alter durchgehen diese ganze Zeremonie sowieso nur für die Eltern oder Großeltern“, erklärt mir meine Freundin Dinar, die mich begleitet. Es gehöre dazu, dass nach der öffentlichen Hochzeit noch eine kleine Feier im engsten Kreis stattfinde – die dann auch ohne jahrhundertealte Rituale auskäme.

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Eine javanische Hochzeit läuft verspielt und humorvoll ab

Der Höhepunkt einer javanischen Hochzeit: Essen und Fotomarathon

Sind die mehrere Stunden andauernden Zeremonien geschafft, folgt der (für die meisten Gäste) wichtigste Teil der Hochzeit: das Essen.

Während sich sämtliche Verwandtschaft auf das Buffet stürzt, muss das arme Hochzeitspaar jedoch auf der Bühne ausharren.

Für sie startet ein – ebenfalls mehrstündiger – Fotomarathon. Von jedem Gast wird erwartet, dass er für einen Händedruck und ein Foto bei den beiden vorbeischaut. Hier heißt es lächeln und posieren.

Was genau mit den Bildern am Ende eigentlich passiert, konnte mir niemand erklären. Ich jedoch nutzte meine Chance und arbeitete mich durch den Trubel und die unzähligen, verschiedenen Gerichte.

Die wichtigste Speise des Buffets nannte sich Tumpeng, ein Gericht, dass bei vielen feierlichen Anlässen wie Geburtstagen gegessen wird. Es besteht aus goldenem, kegelförmig angerichtetem Reis (die Farbe symbolisiert Reichtum), sowie unterschiedlichen, im Kreis darum arrangierten Beilagen. Dazu zählt Hühnchen, Ei, Tempeh, Tofu und Gemüse.

Das wahre Highlight des Hochzeitsessens erwartete mich jedoch am Nachspeisentisch. Wer jemals Fotos von einer Fullmoon-Neon-Party auf Koh Phangan gesehen hat, kann sich ungefähr das Farbenspektrum der Desserts vorstellen. Von knallpink über babyblau fand sich hier jede erdenkliche Form von Wackelpudding – typisch Indonesisch.

Tische gab es keine, die Feiergemeinde verteilte sich einfach irgendwo: Auf dem Boden, am Pool, unter den Bäumen.

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Für die Gäste ist das Essen eines der Highlights auf einer javanischen Hochzeit!

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Nachtisch auf einer javanischen Hochzeit: Hauptsache bunt!

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Wenn du es gerne süß und glibberig magst, bist du auf einer Hochzeit auf Java richtig!

Ausklang auf der javanischen Hochzeit

Eine lange Verschnaufpause blieb allerdings nicht – nachdem das Brautpaar seine Fotosession beendet hatte, stand Entertainment auf dem Programm. Zumindest für 30 Minuten. Hierbei performten Tänzer und Freunde des Paares, es gab einen Brautstraußwurf, sowie eine kurze Rede.

Relativ abrupt wurde den Gästen dann aber signalisiert, sich zu verabschieden.

Jeder bekam eine Geschenktüte mit kleinen Batikschals in die Hand gedrückt und wurde Richtung Parkplatz komplementiert (hier zählt jede Sekunde, um dem Mega-Stau zu entgehen).

Wahrscheinlich konnte das Hochzeitspaar seine private, kleine Feier nicht mehr länger erwarten. Die hatten sie sich aber auch reichlich verdient.

Über die Autorin:
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Klara ist 24, Münchner Kindl, bummelt aber gerne in anderen Ländern. Sie hat sich am unwahrscheinlichsten aller Orte in Indonesien verliebt: in Jakarta. Nichtsdestotrotz ist sie inzwischen nach Yogyakarta weitergezogen, um dort zwischen Tempeln und Reisfeldern zu studieren. Du kannst ihr auf Instagram oder auf ihrem Blog folgen.

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