
Wenn man auf Bali unterwegs ist, sieht man etwas, das erst völlig normal wirkt: Kinder mit Smartphones. Sie scrollen, schauen Videos, spielen Games. Was man hingegen kaum sieht? Kinder mit Brillen.
Und je länger man darauf achtet, desto absurder wirkt dieser Widerspruch. Denn eigentlich müsste es genau umgekehrt sein: mehr Naharbeit, mehr Bildschirme, mehr Kurzsichtigkeit. Doch auf Bali tragen nur wenige Kinder eine Brille. Haben balinesische Kinder einfach bessere Augen als in unseren Breitengraden?
Leider nein. Der Unterschied liegt nicht in der Biologie – sondern darin, dass Sehschwächen hier viel seltener erkannt und behandelt werden.

Globale Kurzsichtigkeits-Epidemie
In einer Welt, in der Kinder immer früher und immer häufiger auf Bildschirme schauen, steigt die Rate von Kurzsichtigkeit jedes Jahr dramatisch an.
Studien sprechen von einer „globalen Myopie-Epidemie“ und schätzen, dass 2050 rund 50 Prozent der Weltbevölkerung kurzsichtig sein werden.
Schon jetzt sind laut Studien 30 Prozent der Weltbevölkerung betroffen – und die Zahlen steigen (WHO Vision Report 2022).
Auf Bali dagegen tragen die allerwenigsten Kinder eine Brille. Nicht, weil ihre Augen besser sind. Sondern weil die Sehschwäche bei ihnen schlicht und einfach nie entdeckt wird. Und das hat Folgen für ihre Schulbildung, für ihre Entwicklung und damit ihre Zukunft.
Eine unentdeckte Sehschwäche kann schwere Folgen für die Zukunft eines Kindes haben.
Deswegen haben wir uns mit der NGO Lichtblicke in der Welt und Maison Mata, einem modernen Optiker und Design-Studio in Bali, zusammengetan und im November 2025 eine öffentliche Grundschule (SD) besucht.
Unser Ziel war einfach formuliert, aber in der Umsetzung riesig: die Augen aller 334 Kinder zu testen, jede Sehschwäche zu erkennen und jedem Kind, das eine Brille braucht, kostenlos eine passende Fassung samt Gläsern zur Verfügung zu stellen. Du wirst überrascht sein, wie viele Kinder tatsächlich eine Brille brauchten.

Warum Sehschwächen bei Kindern auf Bali so oft unentdeckt bleiben
In Indonesien gibt es keine staatlich organisiertes Augentests. Es gibt keine Vorsorge, wie man sie aus Deutschland kennt.
Augentests in Deutschland im Vergleich:
In Deutschland gehören Augentests zu den U-Untersuchungen beim Kinderarzt und werden regelmäßig dokumentiert. Zudem gibt es zusätzliche Programme in Kitas/Schulen.
Viele Eltern wissen schlicht nicht, dass ihr Kind schlecht sieht. Es fehlt an Wissen darüber, wie wichtig regelmäßige Augenchecks sind und welche Anzeichen überhaupt auf eine Sehschwäche hindeuten.
Gleichzeitig spielt oft auch die Sorge vor den Kosten für eine Brille eine Rolle. All das führt dazu, dass Sehprobleme häufig erst dann entdeckt werden, wenn sie den Schulalltag, die Konzentration und die Entwicklung eines Kindes schon deutlich beeinträchtigen.
Viele Kinder auf Bali sitzen also in der Schule, können die Tafel nicht lesen, kneifen die Augen zusammen, verlieren die Konzentration, bekommen Kopfweh – und niemand weiß, dass die Ursache eine einfache Kurzsichtigkeit ist.
Stattdessen werden sie als „unaufmerksam“, „langsam“ oder „unmotiviert“ abgestempelt. Dabei bräuchten sie nur eines: eine Brille.
Und genau deshalb war für uns klar: Wir wollen hier ansetzen. Direkt in der Schule. Direkt bei den Kindern.

Unser Projekt: Kostenloser Augencheck & kostenlose Brillen in Schulen auf Bali
Gemeinsam mit Maison Mata, einem modernen Optiker, haben wir im November 2025 eine öffentliche Grundschule (SD) besucht. Unser Ziel war es, die Augen aller 334 Kinder zu testen. Und jedem Kind, das eine Brille braucht, auch eine ermöglichen. Was dann folgte, waren zwei Tage, die wir nie wieder vergessen werden.
Wie die Verbindung entstand
Die Idee für dieses Projekt ist nicht vom Himmel gefallen – sie ist über Umwege, Gespräche und die richtigen Menschen zur richtigen Zeit entstanden. Eine dieser Menschen ist Rayu, die viele Indojunkie-Leser vielleicht schon kennen: Sie ist neben Steffen das Herz von unserem Indonesisch-Crashkurs. Und rate mal, wo sie arbeitet? Richtig. Bei Maison Mata. 
Und wie kam die Verbindung mit Lichtblicke in der Welt zustande? Seit Ende 2024 arbeite ich an einem Coffee Table Book über alternative Wohnformen – und einer der Partner für das Buch ist Neugrad Eifel (Tiny-House-Ferienwohnungen in meiner Heimat in der Eifel). Bei einem langen Gespräch mit dem Besitzer Frank erzählte ich von meiner Arbeit bei Indojunkie, meinen vielen Jahren in Indonesien und meinen Projekten vor Ort. Dabei stellte sich heraus, dass er nicht nur Tiny Houses liebt, sondern auch einen eigenen Verein für Sehgesundheit aufgebaut hat: Lichtblicke in der Welt.
„Wenn du mal eine Idee für ein Projekt rund um Sehgesundheit in Indonesien hast – sag Bescheid. Ich unterstütze das.“
Dieser Satz blieb hängen.
Zurück in Indonesien schrieb ich Rayu. Ich fragte sie, ob wir zusammen etwas für Kinder auf Bali machen könnten. Und weil Maison Mata nicht nur Brillen herstellt, sondern auch ein enormes Herz für soziale Projekte hat, mussten wir nicht lange überlegen. Rayu war sofort dabei. Ihr Team auch. Und von da an ging alles ganz schnell: Ideen, Pläne, Termine – und plötzlich standen wir gemeinsam in einer Grundschule auf Bali und testeten 334 Kinderaugen.
Ein Blick hinter die Kulissen
Wir begannen früh morgens, als die ersten Kinder schon im Hof standen, einige neugierig, einige schüchtern, viele einfach nur aufgeregt.
Das Equipment wurde aufgebaut, Testbildschirme aufgestellt, und dann ging es los: Kind für Kind, Klasse für Klasse, Stunde um Stunde. Insgesamt haben wir drei Tage gebraucht.

1. Sehtests für jedes einzelne Kind
Von den Kleinsten in Klasse 1 bis zu den fast schon jugendlichen Kindern in Klasse 6: Insgesamt wurden 334 Kinder getestet.
Wir haben jedes Kind vorher gefragt, ob es schon einmal einen Sehtest gemacht hat. Ich erinnere mich, dass gerade einmal eine Handvoll Kinder „Ja“ gesagt hat.
Zuerst durfte jedes Kind durch die kleine Messmaschine schauen, bei der man einen winzigen Heißluftballon in der Ferne fixiert. Das Gerät misst eine erste Einschätzung der Sehstärke und sorgt dafür, dass wir schnell erkennen, in welche Richtung der Test gehen muss.

Im zweiten Schritt kam der klassische Sehtest: Die Kinder setzten unterschiedlich starke Testgläser auf und blickten auf einen Bildschirm in der Ferne. Durch Wechseln der Gläser konnten wir genau bestimmen, welche Stärke sie wirklich brauchen.

2. Fassung auswählen
Kinder, die eine Brille brauchten, durften sich sofort eine Fassung aussuchen. Maison Mata hatte eine ganze Auswahl moderner, stylischer und hochwertiger Kinderbrillen mitgebracht, die die Kinder noch lange tragen können. Uns war wichtig, dass die Fassungen zeitloser sind und nicht zu kindlich wirken, damit die Kinder nicht zu schnell aus dem Design herauswachsen.





3. Anfertigung der Gläser
Die Werte und Fassungen wurden direkt vor Ort notiert, um die Gläser dann anschließend anzufertigen. Unterstützt wurde unsere Aktion dabei von Marken wie Zeiss und Hoya, die ein Kontingent kostenloser Gläser zur Verfügung gestellt haben.

4. Rückbesuch in der Schule
Sobald alle Brillen fertig sind, haben wir die Schule wieder besucht, um die Fassungen individuell anzupassen, einzustellen und den Kindern alles zu erklären.



Die Ergebnisse der Augentests sprechen für sich
Insgesamt wurden 334 Kinder getestet. Bei 182 von ihnen (54,5 %) war die Sehkraft unauffällig.
Doch 152 Kinder (also 45,5 %) benötigen tatsächlich eine Brille. Das bedeutet: Fast jedes zweite Kind in dieser Schule hat eine Fehlsichtigkeit, die vorher niemand bemerkt hatte.
- 182 Kinder (54.5 %) hatten normale Sehkraft
- 152 Kinder (45.5 %) brauchen eine Brille
Schweregrad-Aufteilung
Von den Kindern mit Sehschwäche hatten 32,9 % (110 Kinder) nur eine leichte Fehlsichtigkeit, die oft unbemerkt bleibt, aber trotzdem bereits das Lesen und die Konzentration beeinflussen kann.
37 Kinder (11,1 %) zeigten eine moderate Sehschwäche, die sich schon deutlich mehr auf den Unterricht auswirkt.
Und 5 Kinder (1,5 %) hatten eine schwere Fehlsichtigkeit, bei der eine Brille dringend notwendig ist, um überhaupt klar sehen und richtig lernen zu können.
- 110 Kinder (32.9 %) – leichte Sehschwäche (SPH: −0.50 bis −1.00 | CYL: bis −1.00)
- 37 Kinder (11.1 %) – moderate Sehschwäche (SPH: −1.25 bis −3.00 | CYL: −1.25 bis −2.00)
- 5 Kinder (1.5 %) – schwere Fälle, die dringend eine Brille benötigen (SPH stärker als −3.00 | CYL stärker als −2.00)
Warum dieses Projekt mehr ist als ein „Nette-Geste-Charity-Projekt“
Eine Brille ist kein Luxus. Sie ist ein Werkzeug, das Bildung verbessert.
Ein Kind, das klar sieht, lernt schneller, liest selbstbewusster, bewegt sich sicherer, beteiligt sich mehr im Unterricht und hat dadurch am Ende bessere Chancen im Leben.
Gerne würden wir jedes Jahr ein bis zwei Schulen auf Bali besuchen, kostenlose Augentests durchführen und jedem einzelnen Kind, das eine Brille braucht, auch eine ermöglichen.
Schritt für Schritt möchten wir so hunderten von Kindern eine bessere Sicht – und damit eine bessere Zukunft – schenken.

Wer hinter dem Projekt steht
Indojunkie
Indojunkie ist seit über zehn Jahren nicht nur ein Reiseblog – sondern vor allem eine Community, die Menschen miteinander verbindet. Unsere Reichweite ermöglicht es uns, Themen sichtbar zu machen, die sonst in der Masse untergehen würden.
Für dieses Projekt konnten wir genau diese Stärke einsetzen: Die Verbindung zwischen der deutschen NGO Lichtblicke in der Welt und dem balinesischen Optiker Maison Mata ist genau so entstanden.
Maison Mata
Maison Mata steht für hochwertige Brillen, modernes Design, extrem präzise Augenmessungen und eine riesige Portion Herz. Sie haben das Know-how, das Team, das Equipment und die Leidenschaft, die es für so ein Projekt braucht.
Lichtblicke in der Welt
Der Verein Lichtblicke in der Welt unterstützt Projekte rund um Sehgesundheit. Die Initiative arbeitet mit lokalen Partnern weltweit zusammen. Auch unser Brillenprojekt auf Bali wurde durch Lichtblicke in der Welt finanziell unterstützt – ein „Lichtblick“ im wahrsten Sinne des Wortes, der den Schulalltag der Kinder und ihre Zukunft nachhaltig verändern wird.
Zeiss & Hoya
Die führenden Glas- und Kontaktlinsenhersteller, Zeiss, Hoya und Acuvue, stehen für Qualität, Langlebigkeit und Präzision. Genau das, was bei Kinderbrillen wichtig ist, die jeden Tag etwas aushalten müssen. Diese Unternehmen haben unser Projekt mit kostenlosen Gläsern und Kontaktlinsen unterstützt.

Fazit: Ein Augenblick, der ein Leben verändern kann
Wir hoffen, dass dies erst der Anfang ist. Dass wir Jahr für Jahr mehr Schulen erreichen. Und dass wir gemeinsam mit euch, der Community, weiter dafür sorgen können, dass kein Kind aus finanziellen oder strukturellen Gründen mit schlechter Sicht lernen muss.
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