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Flores: Bergdorf Waerebo, Penti und die Caci Kämpfer

von Lisa Scheffold

Waerebo ist ein altes, traditionelles Dorf in der Provinz Manggarai im Westen von Flores. Es liegt auf einer idyllischen  Hochebene, umgeben von einer eindrucksvollen Berglandschaft und ist nur erreichbar wenn man eine 3-4 stündige, steile und schweißtreibende Wanderung auf sich nimmt.

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der erste Blick auf Waerebo

Erlebe Penti – das traditionelle Opferfest

Ich habe unterwegs auf Flores vom Penti – dem jährlichen Opferfest zum Ende des landwirtschaftlichen Jahres – gehört, das Mitte November stattfinden sollte. Also habe ich mich aufgemacht nach Ruteng um von dort aus zur rechten Zeit im Dorf zu sein.

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die Caci Kämpfe

Die Informationen vor Ort waren unterschiedlich, man war sich ob des Datums nicht einig. Als es nun plötzlich hieß, das Fest finde am nächsten Tag  statt, musste ich schnell eine Möglichkeit finden, dort hin zu kommen. Von Ruteng aus sind es drei Stunden Fahrt nach Denge, dem Startpunkt der Wanderung.

Mit dem Moped entlang der Südküste

Da ich auf die Schnelle keinen Roller für 3-4 Tage auftreiben konnte und mir etwas mulmig war bei dem Gedanken, 3 Stunden alleine durch den Dschungel zu wandern, bot mir ein  Lehrer der Schule neben meiner Unterkunft kurzerhand an, mit mir dort hinzufahren. Also los, holpernd und polternd mit einem sehr schwachen Moped über die Passhöhen und runter an die Südküste.

In Denge gibt es einen einzigen Homestay, Pak Blasius ist sehr herzlich und hilft mit Infos und Kaffee weiter.

Da wir noch davon ausgingen, dass das Fest am nächsten Tag stattfinden wird, machten wir uns um 6 Uhr morgens auf den Weg um gegen 9 im Dorf zu sein, am Penti teilnehmen zu können und am Nachmittag die Rückkehr antreten können.

Trekking-Tour durch den Dschungel

Ich habe Geschichten gehört von Blutegeln, die sich am und im Körper der Wandernden Unterschlupf suchen und war darauf hingewiesen worden, möglichst kurze Sachen zu tragen, damit die fiesen Teile gleich sichtbar sind und sich nicht heimlich entlang langer Hosen nach oben schleichen können.

Aber, nach den ersten Schritten in dem Dschungel war klar: hier ist es so trocken, es hat noch nicht geregnet, keine Spur von Blutegeln. Wer aber zur Regenzeit unterwegs ist, sollte das berückschtigen.

Unterwegs treffen wir viele Dorfler die vollgepackt mit Reissäcken, Hühnern in liebevoll geflochtenen Palmblatttaschen und Schweinen unterm Arm in ihren Flipflops den Pfad hochsprinten.

Kurz nach überqueren des Passes kann man schon einen ersten Blick auf Waerebo erhaschen, zauberhaft wie die im Kreis angelegten Spitzhäuser von Wolken umschmeichelt werden.

Besucherregeln und Klingeln als Ankündigung

Weiter unten, kurz vor dem Dorfeingang wurde ein kleiner Ausguck gebaut, hier findet man zum einen eine Tafel mit Regeln die man zu befolgen hat (angemessene Kleidung, kein Küssen in der Öffentlichkeit, etc.) und zum Anderen ein angeschnittenes Bambusrohr das beim ruckartigen schütteln laut ertönt und als „Klingel“ zur Ankündigung von Gästen dient.

Da ist es nun, Waerebo. Der Dorfplatz ist gefüllt mit fußballspielenden Kindern, zwischen den Häusern bereiten Frauen Essen zu, waschen Klamotten, Männer sitzen plaudernd vor den Häusern – kein Zeichen von Festlichkeit. Denn unterwegs wird uns von Manggarais, die ihre Familie zum Anlass des Pentis besuchen, mitgeteilt, dass das Fest erst am nächsten Tag stattfindet. Also wieder Planänderung, wir werden wohl eine Nacht in Waerebo verbringen.

Als Besucher und Tourist in Waerebo

Zu den Pflichten des Gastes gehört es nun als allererstes sich beim Haupthaus und den direkten Nachfahren des Dorfgründers vorzustellen und einen kleinen Betrag in die Dorfkasse zu spenden (ca. 30 000 IDR). Das läuft ziemlich routiniert und ohne die für Indonesien übliche neugierige Befragung von Toruisten. Insgesamt scheint hier der Besuch von Weißen sehr üblich, man wird nicht weiter beachtet – das ist für Indonesien sehr ungewöhnlich, ermöglicht aber andererseits unbemerkt Fotos zu machen.

Eines der Häuser ist als Besucherhaus ausgebaut worden. Im Kreis angeordnet findet man etwa 30 Schlafmatten, die Mitarbeiter der Tourismusorganisation laden sofort zum Tee und Talk ein und eine kleine Souvenir-Ecke zeigt Sarongs, Jutebeutel und Schlüsselanhänger. Eine Übernachtung kosten 320 000 Rupiah, inklusive drei Mahlzeiten und Tee und Kaffee. Da am nächsten Tag Penti war, wurden nochmal 100 000 Rupiah draufgeschlagen.

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die Kinder Waerebos begrüßen die Besucher

So vergeht nun der Tag mit spazieren im Dorf, die Idylle genießen, den Kindern beim Spielen zuschauen, Kaffee trinken und Ausbauen meiner indonesisch Kenntnisse mit einer Gruppe aus Jakarta angereister Fotografen von National Geographic Indonesia. Der Sternenhimmel ist phantastisch, man kann auf dem Dorfplatz liegen und stundenlang in die Vergangenheit schauen. Ein zauberhafter Ort.

Die Caci Zeremonie

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die Kämpfe

Am nächsten Morgen um acht beginnt der Spuk. Zunächst werden im Haupthaus die spirituellen Instrumente, Trommeln und Gongs, gespielt – begleitet von Gesang.

Prozessionsartig mit Gesang und Gebet macht sich dann die Dorfgemeinde, aufgeteilt in drei Gruppen, an verschiedene wichtige Orte der Umgebung auf: zum Garten, zur Quelle und zum Hauptopferplatz in der Mitte des Dorfes. Nun beginnen die Rituale. Ein Huhn wird geopfert (an anderer Stelle ein Schwein) indem der Hals angeschnitten wird, das Blut den Opferstein benetzt und später mit Federn vermischt drappiert wird. Das Huhn wird nun ins Feuer gelegt und der Dorfälteste wird später gebeten die Zukunft aus dem Inneren des Huhns zu lesen.

Mich würde interessieren was er gesehen hat. Das Fleisch, gemischt mit Reis und begleitet von Gebeten wird nun zum Blut und den Federn auf den Opferstein gestreut. Und drumherum etwa 30 Touristen die mit vollem Körpereinsatz versuchen das beste Foto zu kriegen.

Hier findet nun auch die Ankleidung der Kämpfer statt, und sobald die Montur sitzt, machen sich alle wieder auf zurück ins Dorf und der für Manggarai berühmte Caci Kampf-Tanz beginnt.

Caci – der rituelle Peitschenkampf

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die traditionelle Ausrüstung

Caci ist ein ritueller Peitschen-Kampf und ist ein Hauptelement der Mangarraischen Kultur und Identität. Ein einzigartiges und ästhetisches Vergnügen für die Zuschauer. Es wird gesungen und gelacht. Die Glocken an den Füßen der Kontrahenten lassen jeden Schritt hörbar werden.

Der Ablauf des Caci Kampfes

flores-4Caci wird von zwei männlichen Kämpfern ausgetragen, einer der beiden kommt üblicherweise aus einem anderen Dorf um zu kämpfen – hier in Waerebo wird zwischen den Familien gekämpft. Die Zuschauer feuern ihre Favoriten lauthals an, was Caci zu einem sehr lebhaften Ereignis macht. Geht der Peitschenhieb daneben wird lauthals gelacht. Einen Treffer abzubekommen bedeutet aber nicht automatisch den Kampf zu verlieren, es ist viel wichtiger wo der Schlag landet. Ein Schlag ins Gesicht oder auf den Kopf heißt, daß das Spiel verloren ist. Wird allerdings der Rücken getroffen bedeutet, dass die Ernte des nächsten Jahres gut und umfangreich sein wird.

Die traditionelle Caci Ausrüstung

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die Ausrüstung der Kämpfer

Die Caci Ausrüstung, bestehend aus einer Peitsche, einem Schutzschild, Masken und Stöcken, ist voller Symbole; die Peitsche des Angreifers ist aus Rattan mit einem ledernen Griff. Symbolisch steht es für das männliche, das phallische Element, den Vater und den Himmel. Das runde Schild des Angegriffenen steht für das weibliche, den Mutterleib und die Erde. Üblicherweise wird es aus Bambus, Rattan und Büffelhaut hergestellt. Wie man sich denken kann werden so also bei jedem Schlag der Peitsche auf das Schild das männliche und das weibliche Element vereint, als Symbol der sexuellen Einheit als essentielle Voraussetzung Leben zu erschaffen.

das Blut ist ein Opfer für die Vorfahren

Die Köpfe der Kämpfer sind bedeckt mit einer hölzernen oder ledernen Maske die in Stoff gewickelt und mit am Hinterkopf herabhängenden Ziegenhaar geschmückt  ist. Die Zwei Hörner an der Maske repräsentieren die Stärke des Wasserbüffels. Als zusätzlichen Schutz hält der Angegriffene noch einen Stock in seiner linken Hand.

Obwohl Caci ein spielerisches Ereignis ist, hat es auch eine wichtige Bedeutung für das Opferritual. Das Blut das durch die Peitschenhiebe vergossen wird (wenn, dann nur Tröpfchenweise) ist ein Opfer für die Vorfahren, die im Gegenzug die Fruchtbarkeit des Bodens gewährleisten.

Über das Dorf Waerebo

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die Dorfidylle im Nebel

Zusammen mit der Unterstützung eines Architektenteams aus Jakarta und der indonesischen Regierung hat die lokale Gemeinde vier der Mbaru Niang – oder „Trommelhäuser“ in Manggarai – renoviert. Die runde, konische Form der Häuser wurde in der tradionellen Art und Weise renoviert. Anders als bei heutigen, rechteckigen Gebäuden befindet sich die Feuerstelle des Hauses in der Mitte. Das massive Dach, hergestellt aus Palmblatt-Streifen, wird von einem zentralen, hölzernen Pfosten gestützt.

Das Zeremonien- oder Haupthaus das größer ist als die anderen – beherbergt die heiligen Trommeln und Gongs, hier werden auch verschiedene andere Zeremonien und Rituale abgehalten. Das Haus ist ein Gemeinschaftshaus, acht Familien die alle von dem gleichen Vorfahren abstammen, leben hier unter einem Dach. Dieser Aufbau symbolisiert die Einheit des Clans, die heiligen Instrumente bilden hier das Medium um mit den Vorfahren zu kommunizeren.

Die Geschichte Waerebos

floresNach Überlieferung war der Vater des Dorfes Waerebo ein Mann namens Maro. Erschöpft von dem Leben als Nomade, entschloss er sich in einem Gebiet umgeben von Bergen sesshaft zu werden und nannte diesen Ort Waerebo. Seit dieser Zeit lebt nun die achtzehnte Generation in Waerebo. Doch wegen der isolierten Lage haben viele der Einwohner noch einen zweiten Wohnsitz in Kombo, ein Dorf am Fuße der Berge, in dem die Kinder zur Schule gehen.

Ein wichtiger Teil des Lebens – der Anbau von Nass-Reis – findet auf den Reisfeldern in Kombo statt, während der Wald um Waerebo für den Kaffeeanbau genutzt wird. Das stetige hin- und herwandern zwischen den beiden Dörfern, beladen mit schweren Ladungen, sorgt dafür daß die Waereboianer sehr fit und gesund sind.

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Die Rückkehr nach Denge

Nach der etwa zweistündigen Opfer-Zeremonie und nochmal zwei Stunden Caci verlassen wir das Dorf und machen uns auf den Weg zurück nach Denge. Schnelle zwei Stunden mit höllisch brennenden Knien … Mittagessen bei Pak Blasius und wieder auf’s Moped. Den Platten haben wir zum Glück erst in Ruteng …

Insgesamt war es ein sehr schönes, eindrucksvolles und etwas mystisches Erlebnis. Die Fahrt von Ruteng über das Gebirge und entlang der Südküste, durch Reisfelder und kleine Dörfer ist schon ein Genuss an sich. Die Gespräche mit Pak Blasius waren sehr interessant und aufschlussreich, Waerebo ist phantastisch schön, der Kaffee den man dort oben bekommt ist unschlagbar (und natürlich als Souvenir erhältlich).

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Vorbereitungen für Penti
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Gespannte Zuschauer der Caci Kämpfe
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Auf dem Weg zur Opferzeremonie
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Das kleine Mädchen wartet gespannt
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Ob jung, oder alt - jeder ist vertreten!
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Caci-Kämpfer in Aktion

Penti als Touristenattraktion?

flores-3Allerdings denke ich mit ein wenig gemischten Gefühlen zurück, da uns später Pak Blasius bei der Rückkehr nach Denge erzählt, daß der Besuch der Touristen zwar von staatlicher Seite gefördert wird, die Häuser wurden restauriert, überall in Flores findet man Werbung für das Dorf, das heißt aber nicht, dass die Menschen in Waerebo tatsächlich davon profitieren.

Das Geld, das die Touristen dort lassen, bleibt nicht im Dorf sondern geht an die Tourismusbehörde bzw. die kommerzielle Tourismusorganisation. Ich hatte dort auch das Gefühl, daß das zur Folge hat, dass man nicht die Bewohner selbst besucht. Es war schwierig, dort ins Gespräch zu kommen – trotz indonesisch –, es fehlt die indonesische Willkommenskultur (die hier nur von den Volunteers von SwissContact übernommen wird) und die Touristen bleiben unter sich. Zudem sind die Informationen die man vor Ort über Waerebo bekommt eher spärlich.

Waerebo ist wirklich einzigartig

Sicher, der Ort ist wirklich einzigartig und ich empfehle jedem dort unbedingt hochzuwandern um die eindrucksvolle Landschaft und das wunderschöne Dorf zu genießen und mit anderen indonesischen Touristen zu plaudern, aber ein wirklich echter Besuch bei den Menschen aus Waerebo war es zumindest für mich – vielleicht aber auch weil ich schon lange in Indonesien bin – nicht.

Praktische Tipps für Waerebo

flores-2Von Ruteng aus entweder mit dem Moped 3-4 Stunden nach Denge, oder früh morgens mit dem Bus. Die Übernachtung bei Pak Blasius kostet 200 000 IDR für ein Zwei-Bett-Zimmer und ist inklusive Abendessen und Frühstück. Ihr solltet in Denge genug Wasser einkaufen, in Waerebo gibt es zwar welches, aber unterwegs nicht. Zigaretten kann man dort auch nicht kaufen, Raucher sollten also in Denge vorsorgen.

Die Wanderung ist anstrengend, weil es heiß und steil ist, schwierig ist sie jedoch nicht. Einplanen solltet ihr insgesamt drei Tage, einen für die Anreise von Ruteng, einen für Wanderung und Aufenthalt in Waerebo, einen für den Abstieg nach Denge und die Rückfahrt nach Ruteng. Das Penti in Waerebo findet jedes Jahr am 16. November statt, andernorts in Manggarai kann man rund um dieses Datum – irgendwann zwischen Anfang und Mitte November – auch Caci erleben, da jedes Dorf dieses Fest veranstaltet.

Bei „Indojunkie Vibes“ findest du eine mehrtägige Flores Rundreise. Dich erwarten einzigartige Landschaften mit Kraterseen, Stränden, Hotsprings, Wasserfällen und traditionelle Dörfer.

zur Rundreise

Fotos und Text: Katrin Meyer

Über die Autorin: Katrins Liebe für Indonesien hat sich innerhalb kürzester Zeit als große Liebe herausgestellt. Zunächst gab es nur eine einmonatige Begegnung mit Bali und ein paar Stopps auf Java. Danach war schon klar, zurück zum Büroalltag wird jetzt nicht mehr so einfach. Drei Monate später ging es dann für 5 Monate mit halber Stelle als Grafikerin und Laptop im Gepäck wieder nach Indonesien. Während dieser Zeit entschloss sie dann in Deutschland alles aufzugeben und auf unbestimmte Zeit nach Indonesien zurück zu kommen und hier was eigenes zu machen. Momentan arbeitet sie am Aufbau einer Kinder-Kreativwerkstatt und eines Cafés auf Flores. Schau auch mal bei ihr in Maumere (Strand-Camping) vorbei.

Es braucht nicht viel zum glücklich sein. Happiness comes in salty water.

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