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Minimalistische Einrichtung: Weniger Möbel, mehr Freiheit

von Melissa Schumacher

Nach nun bereits mehr als zehn Jahren ohne feste Bleibe lebe ich das erste Mal in einer eigenen Wohnung.

In den vergangenen Jahren durfte ich in wunderschönen (und weniger schönen) Airbnbs, Hotels, Zwischenmieten und Homestay auf der ganzen Welt leben und konnte mich dabei von verschiedenen Einrichtungsstilen und Wohnkonzepten aus den unterschiedlichsten Kulturen inspirieren lassen.

Eine Sache, die mich über die Jahre besonders fasziniert hat, ist eine minimalistisch Einrichtung mit wenig Möbeln und dadurch mehr Freiraum (und Freiheit), was vor allem im japanischen Raum zelebriert wird. Aber auch in indonesischen Häusern findet das Leben auch heute noch zu einem großen Teil inmitten eines Raumes auf den Boden statt.

Und genau darum geht es auch in diesem Artikel. Welche Vorteile besitzt ein Haushalt mit weniger Möbeln und was sollte man bei einer minimalistischen Einrichtung beachten?

Ich freue mich auf deine Gedanken zu dem Thema unterhalb des Artikels.

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1) Bodennahe Lebensweise mit weniger Möbeln

Ein alter marokkanischer Mann saß gehockt am Straßenrand an einem schattigen Platz. Ich schätzte ihn auf 70, oder vielleicht sogar 80? Er saß mit eng angewinkelten Beinen an ein Haus gelehnt. Als der Muezzin zum Gebet rief, sprang er in Nullkommanichts auf und verschwand in Richtung Moschee. Dieser Moment beeindruckte mich nachhaltig.

Ich stellte mir einen älteren Mann in Deutschland vor. Erstmal würde dieser mit Sicherheit nicht am Straßenrand, gehockt, auf den anstehenden Gottesdienst am Sonntag warten. Und des Weiteren sahen seine Bewegungen in meinem Kopf irgendwie weniger dynamisch aus.

Daraufhin begann ich viel über das Thema „Auf dem Boden sitzen“ nachzudenken.

Wieso sitzen wir Erwachsenen so selten auf dem Boden? Wieso sitzt man so viel auf Stühlen und Bänken? Wieso gibt es keine Klassenräume voller Sitzkissen statt ungemütlichen Holzstühlen, die man noch nicht mal kippeln darf? Wieso halten wir Menschen, die auf dem Boden sitzen, so schnell für Obdachlose oder Bettler?

In so vielen Kulturen spielt sich das Leben auch heute noch auf dem Boden ab, wie z. B. in Indonesien, Südkorea oder Japan. Und interessanterweise ist die ältere Generation in diesen Ländern auch im hohen Alter noch verhältnismäßig beweglich.

Ich will gar nicht zu sehr in die Tiefe gehen an dieser Stelle. Aber ich habe für mich persönlich festgestellt, dass ich eine Wohnung haben möchte, in der ich dazu motiviert werde, häufiger auf dem Boden zu sitzen.

Ich persönlich liebe es, auf dem Boden zu sitzen – vor allem beim Essen, Fernsehen gucken oder beim Kaffeetrinken mit Freunden. Dabei kannst du deine Sitzart stets variieren, vom Schneidersitz über einen Knie- oder Fersensitz bis hin zur Hocke.

Dein Rücken, deine Hüften und deine Beweglichkeit werden es dir in der Zukunft danken. Mehr zu den gesundheitlichen Vor- und Nachteilen rund ums „Bodensitzen“ gibt es in diesem Artikel, in diesem Podcast oder im Buch The Align Method.

3 Tipps für mehr Zeit auf dem Boden in den eigenen vier Wänden

Hin und wieder auf dem Boden essen

Der einfachste Weg mehrmals am Tag ein wenig Zeit auf dem Boden zu verbringen, ist eine gemütliche Essecke. Wir haben uns für einen niedrigen Bambustisch als Wohnzimmertisch entschieden, den wir jedoch vor allem als Esstisch nutzen. Dabei sitzen wir auf einem weichen Teppich oder auf Sitzkissen am Tisch. Damit sparst du einen klobigen Esstisch, eine Menge Stühle und verwöhnst deinen Körper mit ein wenig Abwechslung beim Sitzen. Wenn wir dann doch mal mehr Besuch kriegen, können wir unseren großen Schreibtisch zu einem Esstisch umfunktionieren.

Bodensofa statt klobige Couch

Wir haben auch keine richtige Couch, sondern eine Klappmatratze aus Kapok, die wir als Sofaersatz nutzen und gleichzeitig zu einer Gästematratze umfunktionieren können. Unser Bodensofa ist so bequem, dass man sich wunderbar ausruhen kann. Trotzdem wird man irgendwie nicht zum stundenlangen Netzflix-Binge-Watching verleitet. Und das ist eine gute Sache, denn je bequemer unser Alltag wird, desto weniger bewegen wir uns. Da ich beruflich viel sitze, ist es mir wichtig, mich zumindest im Alltag mehr zu bewegen.

Futonmatratze auf dem Boden

In Asien habe ich gelernt, dass man nicht unbedingt ein richtiges Bett für einen guten Schlaf braucht. In vielen Ländern schläft man lediglich auf einer dünnen Matratze direkt auf dem Boden (z. B. in Japan oder Südkorea). Auch wir haben uns dazu entschieden, auf Bettgestell, Lattenrost & Co. zu verzichten und direkt auf dem Boden auf einer japanischen Futonmatratze zu schlafen. Dadurch sparst du nicht nur eine Menge Geld und Platz, sondern trainierst auch jedes Mal beim Aufstehen deine Beweglichkeit. Bedenke jedoch, dass du eine bodennahe Matratze regelmäßig lüften solltest.

Je bequemer unser Alltag wird, desto weniger bewegen wir uns.

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2) Multifunktionale Möbelstücke

Vor allem kleine Wohnungen profitieren von Möbelstücken, die mehrere Einsatzmöglichkeiten mitbringen.

Unser Futonbett wird beispielsweise mit wenigen Handgriffen zu einer gemütlichen Sofaecke (siehe Foto weiter unten). Optional kann man sie auch wegräumen und schon hat man eine große Fläche, wo man mit mehreren Personen Yoga praktizieren oder tanzen kann.

Unsere Hocker aus Bananenstauden dienen mit einem Tablett als Ablage oder Tisch, ohne Tablett als niedrige und hohe Sitzmöglichkeit sowie als Fußablage.

Unseren großer Tisch nutzen wir hauptsächlich als Schreibtisch direkt an der Wand. Wenn Besuch kommt, können wir den Tisch mit wenigen Handgriffen zu einen großen Ess- oder Coworkingtisch inmitten des Raumes umfunktionieren.

Unser größeres Bodensofa ist ausgeklappt eine Gästematratze. Unsere Weinkisten mit Polsterdeckel dienen als Stauraum und Sitzmöglichkeit.

Unsere Deckenstange nutzen wir für sportliche Aktivitäten (z. B. Klimmzüge und TRX), als Blumenhalterung sowie für unsere gemütliche Hängematte oder unseren Hängesessel, welche wiederum Urlaubsfeeling in die eigenen vier Wände zaubert.

Außerdem haben wir vier kleine viereckige Regale, die man aufeinander oder nebeneinander stapeln kann, um sie variable als Aufbewahrungsregal nutzen zu können, wodurch sie überall hin passen.

Durch multifunktionale Möbel und Gadgets benötigen wir persönlich keine große Wohnung, sparen dabei viel Geld, was uns wiederum mehr Freiheit bringt, und können unsere 42 Quadratmeter trotzdem optimal nutzen und sind für alle Eventualitäten gewappnet.

3) Schnell und einfach Umziehen

In der aktuellen Zeit sind regelmäßige Wohnungswechsel nicht unüblich.

Woran denkst du, wenn du an einen Umzug denkst?

Die meisten von uns haben sicherlich Bilder vor Augen, auf denen man mit mehreren Personen ein schweres Ecksofa oder ein großes Bettgestell aus dem Obergeschoss in einen gemieteten teuren Transporter schleppt, um die Möbel dann wieder quer durch die Stadt in die 4. Etage der neuen Wohnung zu tragen.

Wer kennt das Gefühl, was einem bei dem bloßen Gedanken daran, überkommt? 

Uns ist es wichtig, dass wir nur wenige schwere Möbel besitzen. Für unseren Einzug haben wir keinerlei Hilfe benötigt. All unsere Möbel sind so leicht, dass wir sie selber tragen konnten. Wir hatten jedoch auch das Glück, dass die Wohnung bereits einen Kühlschrank und einen Herd besaß.

Außerdem passen unsere Möbel alle in unseren Dacia Dokker Minicamper. Damit sparen wir bei einem Umzug viele Nerven, Geld und Schweiß.

4) Weniger Schränke zwingen dich zum regelmäßigen Ausmisten

Größe Schränke und viele Aufbewahrungsmöglichkeiten verleiten einen dazu, viel Zeug anzusammeln. Ganz nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn.

Wenn du also weniger bis keine Schränke besitzt, lebst du automatisch minimalistischer, da du häufiger ausmisten musst (Dinge bei Ebay Kleinanzeigen verkaufen oder an Freunde verschenken).

Außerdem sparst du ohne Schränke auch wieder eine Menge Schlepperei beim Ein- und Umzug, Geld sowie Platz und Zeit (beim Suchen von Dingen), was wiederum mehr Freiheit im Alltag bedeutet.

Wir haben beispielsweise keinen Kleiderschrank, sondern lediglich eine Kleiderstange für den Großteil unserer Kleidung und zwei Schubladen für Unterwäsche und Socken. Da die Kleiderstange immer unordentlich und vollgeladen aussah, habe ich mich dazu durchgerungen, einen großen Teil meiner Klamotten auszusortieren, was ich schon ewig machen wollte. Jetzt hängen auf meiner Stange nur noch Kleidungsstücke, die ich liebe und wirklich nutze, was eine große Erleichterung war.

Außerdem haben wir nur ein kleines Bücherregal, wodurch wir die meisten gelesenen Bücher an Freunde abgeben, verkaufen oder in unseren Hausflur für unsere Nachbarn legen. Ein paar Lieblingsbücher dürfen natürlich bleiben 🙂

Und ansonsten haben wir nur zwei Weinkisten als Aufbewahrungstruhen, die gleichzeitig zwei Sitzmöglichkeiten darstellen und eine große Truhe, die wir auch als Nachttisch und Spiegelablage einsetzen.

Wenn ich Dinge nicht regelmäßig nutze, kommen sie in die Truhen. Hin und wieder schaue ich dann in die Truhen und verkaufe die Sachen auf Ebay Kleinanzeigen. Es kam noch nie vor, dass ich es bereut habe, irgendetwas verkauft zu haben.

In neunundneunzig Fällen von hundert lohnt es sich nicht, ein Ding aufzubewahren. Es nimmt nur Raum fort, belastet dich; hast du schon gemerkt, dass du nicht die Sachen besitzt, sondern dass sie dich besitzen?

Kurt Tucholsky, deutscher Journalist und Schriftsteller, 1890 – 1935

5) Pflanzen statt Deko für eine bessere Luftqualität

Ich persönlich finde, dass jedes Element in meiner Wohnung irgendwie eine Aufgabe erfüllte sollte – außer vielleicht Bilder an der Wand.

Aus diesem Grund bin ich kein großer Fan von Dekoelementen, die nur „fürs Auge“ sind. Trotz allem stehe ich total auf eine gemütliche Atmosphäre.

Deswegen setze ich persönlich auf Pflanzen statt Deko. Denn Pflanzen schaffen ein wunderbares Feeling, verbessern gleichzeitig die Luftqualität in deiner Wohnung und sind meiner Meinung nach auch gut für die Seele, weil sie lebendig sind und keine „toten“ Gegenstände.

Aber das ist natürlich meine ganz persönliche Meinung. Vielleicht ist Deko für deine Seele eine Wohltat und macht dich glücklich. Und das ist das Wichtigste.

6) Schneller und einfacher Saubermachen durch weniger Möbel

Wenn wir unsere Wohnung auf Vordermann bringen wollen, können wir die wenigen Möbel, die wir haben, schnell und einfach verrücken, sodass wir alles schnell und gründlich reinigen können.

Auch Staubroboter können besser arbeiten, wenn eine Wohnung mit weniger Möbeln bestückt ist. Viele Möbel werden zudem zu nervigen Staubfängern. Wir haben beispielsweise keinerlei Schränke, wo sich der Staub drauf ablagert.

Auch unsere Futonmatratze ist leichter als eine normale Matratze und deswegen einfacher zu lüften. Da unsere Matratze jedoch auf dem Boden liegt, müssen wir sie (vor allem im Sommer) häufiger lüften, als wenn sie auf einem Lattenrost liegen würde. Diesen Punkt sehe ich jedoch als zusätzlichen Fitnessfaktor im Alltag an.

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7) Weniger Möbel, weniger Ausgaben, mehr Freiheit

Dies ist der letzte und meiner Meinung nach wichtigste Punkt. Durch weniger Möbel brauchst du eine kleinere Wohnung. Dadurch sparst du gleich doppelt Geld.

Du musst weniger Geld für deine Wohnungseinrichtung sowie deine Miete ausgeben. Das eine sind einmalige Kosten, das andere sind Fixkosten. Vor allem das Sparen von Fixkosten schafft viel Freiheit, da man weniger Geld pro Monat braucht und somit auch weniger arbeiten muss und dadurch mehr Zeit für andere Dinge hat.

Des Weiteren wirst du zu weniger Konsum gezwungen, da du weniger Möglichkeiten zur Aufbewahrung hast.

Im Großen und Ganzen kann man zusammenfassend sagen, dass eine Wohnung dich darin unterstützen sollte, ein gesundes, erfülltes und zufriedenes Leben zu führen.

Für mich persönlich heißt das:

  1. Mehr Beweglichkeit im Alltag mit Hilfe von bodennahen Möbeln und zusätzlichem Stehtisch zum Arbeiten
  2. Weniger unnötiges Zeug ansammeln durch weniger Schränke, Regale und Aufbewahrungsmöglichkeiten
  3. Mehr Platz und Flexibilität in der Wohnung durch multifunktionale Möbel
  4. Weniger Ausgaben durch eine kleinere Wohnung und weniger Möbel und weniger Konsum

Buy less, choose well, make it last. 

Vivienne Westwood, englische Modedesignerin, *1941

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