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Liebe auf den ersten Blick: Ein Leben zwischen Deutschland und Bali

von Melissa Schumacher

Es war Liebe auf den ersten Blick.

Jana verliebt sich in einer Bar auf Bali Hals über Kopf in Pendul. Heute führt sie ein glückliches Leben zwischen Deutschland und Bali.

Im Interview berichtet sie über ihr Kennenlernen, interkulturelle Problemchen und ihr heutiges Leben zu Zweit.

Wie hast du deinen heutigen Mann auf Bali kennengelernt?

Ganz klassisch in einer Bar auf Bali. Wir hatten uns schon vorher ein paar mal gesehen, aber an diesem Abend fingen wir an uns zu unterhalten und konnten gar nicht wieder aufhören. Bis zum Morgengrauen saßen wir dort – das Barpersonal hatte wohl auch gemerkt, was los war, wollte uns nicht rausschmeißen und hat sich netterweise einfach in der Bar schlafen gelegt 🙂

Ab diesem Abend haben wir ständig alles zusammen gemacht. Die Selbstverständlichkeit, mit der alles passiert, ist unglaublich und wahnsinnig schön. Da gab es keine Spielchen, drei Tage nicht melden und den ganzen Quatsch.

Spannend war auch, wie gut wir uns verstanden haben, obwohl wir sprachlich erst zueinander finden mussten, aber es hat gar keine Sprache gebraucht. Wir haben es einfach spüren dürfen.

In den ersten Wochen war ich noch etwas zögerlich, denn man hört so viel Schlechtes. Aber dann war alles ziemlich schnell klar.

Ein Dreiviertel Jahr später waren wir verheiratet und jetzt, ein weiteres Jahr später, sitze ich zum Beantworten dieser Fragen auf unserer Veranda mit Blick auf ein Reisfeld und balanciere den Laptop auf meinem schwangeren Bauch.

Obwohl mit uns alles sehr schnell ging, konnte ich schon sehr früh mit Sicherheit sagen: Den will ich! Und mein Mann: er wusste gleich, was los ist, und hatte nie den Hauch eines Zweifels.

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Senang di indonesia! Time for music…

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Wie habt ihr die erste Zeit in eurer Beziehung gehandhabt?

Wir hatten da großes Glück, dass mein Mann direkt mit mir zusammen nach Deutschland kommen konnte.

Beruflich konnte er sich eine Auszeit nehmen und wir haben auch auf Anhieb ein Schengenvisum für einen dreimonatigen Aufenthalt bekommen.

Danach kam eine kleine Durststrecke, in der ich in Deutschland gearbeitet habe und er in Indonesien drei Monate warten musste, bis er das zweite Visum beantragen konnte.

Wir haben bei seinem zweiten Besuch geheiratet und sind dann gemeinsam für ein halbes Jahr nach Bali gegangen.

Als ich dann Anfang 2019 wieder zum Arbeiten nach Deutschland musste, waren wir nochmal für einige Monate getrennt, da wir zwar verheiratet waren, mein Mann aber den A1 Deutschtest noch nicht bestanden hatte.

Die Visa Bestimmungen sind streng, da ist kein Platz für Romantik.

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Frisch verheiratet in Dänemark. Wir haben erst zwei Wochen vor dem Hochzeitstermin erfahren das es überhaupt klappt.

Wie und Wo lebt ihr aktuell?

Jetzt leben wir während des Sommer-Halbjahres in Deutschland und im Winter in Ubud auf Bali. Mein Mann ist Tätowierer und wir haben ein eigenes Tattoo Studio in Ubud, das Satapak Studio Traditional Tattoo Bali  – unser absolutes Herzensprojekt.

Pendul ist ein passionierter Künstler, der mit seiner offenen und ehrlichen Art die Menschen begeistert. Im Satapak Studio schaffen wir gemeinsam einen Raum, in dem es um die Kunst geht, und in dem sich unsere Gäste willkommen und aufgehoben fühlen.

Bis zur Babypause habe ich in der Nähe von Hamburg in einem Open Air Theater als Kostümleitung gearbeitet und plane derzeit ein Modelabel, das Kunst und Fashion miteinander verbindet.

Mittlerweile dürfen wir beide sowohl in Deutschland als auch in Indonesien arbeiten. Dadurch sind wir sehr flexibel und können uns aussuchen, wann wir uns wo aufhalten.

In beiden Ländern hat das Leben Vor- und Nachteile. Wir wollen auf beides nicht verzichten und picken uns einfach das Beste aus beiden Welten heraus. Der totale Luxus.

Wie lief eure Hochzeit ab? Hast du Tipps für andere Paare, die heiraten wollen?

Die Planung der Hochzeit war nicht unkompliziert, das war eine sehr anstrengende und nervenaufreibende Zeit. Sowohl in Deutschland als auch in Indonesien ist es schwer, an verbindliche Informationen zu kommen.

Im Standesamt in Deutschland war man sehr, sehr nett, allerdings gab uns die Beamtin eine lange Liste mit Papieren, die mein Mann benötigte. Und sie sagte uns auch gleich, dass das Oberlandesgericht sehr häufig die ausländischen Papiere nicht anerkennt. Das ist oft ein langwieriger und teurer Prozess, zumal einige dieser Papiere in Indonesien so gar nicht zu erhalten sind.

Deswegen haben wir den leichteren Weg gewählt und in Dänemark geheiratet. Dort werden weniger Papiere verlangt und diese für gewöhnlich auch anerkannt.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass es immer auf das Paar und dessen Vorgeschichte ankommt. Es gibt mit Sicherheit einfachere Fälle, bei denen es die Umstände zulassen, dass in Deutschland geheiratet werden kann.

Indonesien mussten wir ausschließen, da man dort der gleichen Religion angehören muss. Einer Religion beizutreten kommt für mich persönlich nicht in Frage, schon gar nicht wenn mir das irgendeine Behörde aufzwingen will.

Für die Beschaffung der indonesischen Papiere, deren Übersetzung und Legalisierung würde ich mir im Nachhinein einen Agenten nehmen. Das kostet zwar Geld, spart aber unheimlich Nerven. Wenn man nicht gerade in Jakarta lebt – dort befindet sich die deutsche Botschaft – kommen ohnehin viele Reisekosten und Zeitaufwand auf einen zu. Da ist ein Agent in meinen Augen die bessere Alternative.

TIPP

Es gibt eine Übersetzer-Liste von der Seite der deutschen Botschaft. Bevor man auf eigene Faust die Dokumente besorgt und die dann unter Umständen nicht richtig sind (ausgestellt von der falschen Behörde oder formelle Fehler usw.), sollte man zu aller erst einen Übersetzer kontaktieren. Die arbeiten entweder mit Agenten zusammen oder wissen zumindest genau, welche Dokumente man von welcher Behörde braucht. Die meisten Agenten übernehmen auch gleich den Legalisations-Service.

Hochzeitsfeier

Gefeiert haben wir eine Woche nach der Standesamtlichen Trauung mit unseren Freunden in Hamburg.

In welchen Situationen spürst du, dass du und dein Mann unterschiedliche kulturelle Hintergründe habt?

Also: generell wehre ich mich ein bisschen gegen allzu klischeehaftes „alles auf die Kultur schieben“. Die meisten Unterschiede machen sich – wie bei den meisten Paaren – dadurch bemerkbar, dass wir Mann und Frau sind.

Dennoch gibt es einige Verhaltensweisen, die auch auf kulturelle Unterschiede zurückzuführen sind. Das merke ich auch im Gespräch mit anderen deutsch-indonesischen Paaren. Am Ende sind es immer die gleichen Themen.

Es ist ja auch kein Wunder: die deutsche Zielstrebigkeit und ‚es nie ist es genug Mentalität‚ trifft auf das indonesische ’santai‘ (indonesisch für ‚immer mit der Ruhe, entspannt‚) und eine gewisse stoische Gelassenheit, die für Indonesien so charakteristisch ist.

Gegebenheiten kritisch zu betrachten und eventuell zu verbessern ist – meiner Erfahrung nach – gänzlich unverbreitet.

Der größte Unterschied liegt, glaube ich, im Umgang mit Konflikten. Wir Deutschen lernen ja, uns möglichst nichts gefallen zu lassen und immer offen anzusprechen, wenn uns etwas nicht passt. Und das bitte auch in aller Offenheit und bis alles ins aller kleinste Detail geklärt und verstanden wurde.

Das machen Indonesier eigentlich nicht. Konflikte werden eher selten offen angesprochen. Das wird vielerorts als unhöflich angesehen. Während ich also meinem Mann durchaus sage, wenn mir etwas nicht passt und auch hin und wider einem gepflegten Streit gegenüber nicht abgeneigt bin, würde mein Mann sich eher zurück ziehen, wenn er ärgerlich ist. Auch vermeidet er, wenn möglich, eine Aussprache. Er beendet Streits lieber damit, dass er mir etwas zu essen bringt.

Spannenderweise finde ich diese Methode ganz gut. Ich finde inzwischen, man muss nicht jeden Konflikt bis ins kleinste Detail und immer und immer… wieder behandeln. Man legt dadurch nämlich ganz schön viel Fokus auf Problemchen und schenkt diesen damit viel Aufmerksamkeit und Platz zum Wachsen, anstatt die Aufmerksamkeit auf Schöneres zu richten.

Der Umgang mit Geld ist ein weiteres ein Thema. Geld hat in Indonesien einen sehr geringen Stellenwert. Wenn was da ist, dann wird es ausgegeben und wenn nichts da ist, dann ist halt gerade nichts da. Kein Grund, sich großartig Stress zu machen.

Die meisten Deutschen hingegen machen sich ja sehr viel Stress wegen des Geldes. In unserer Gesellschaft ist das auch nötig. Am besten ist, das Geld kommt in großen Mengen, bleibt und vermehrt sich. Ans Teilen mit anderen ist da gar nicht zu denken.

Geld ist ein sensibles Thema und führt oft zu Konflikten. Man muss dann einfach darüber sprechen. Ich setze mich weiterhin dafür ein, dass wir beim Thema Geld eher meinen Weg gehen.

Auch Zeit wird ganz unterschiedlich bewertet. Ich meine: In der indonesischen Sprache ist der einzige sprachliche Indikator dafür, dass man von der Zukunft spricht, das Wort “morgen”, egal ob es um den folgenden Tag oder um etwas in der vagen Zukunft geht. Das kann dann schon mal für Verwirrung sorgen.

Es kommt auch nicht wirklich darauf an, wie lange etwas dauert. Es macht auch nichts aus, zu warten oder jemanden warten zu lassen, während es in Deutschland ja sehr unhöflich ist, jemandem die Zeit zu stehlen. Denke nur mal daran wenn die U-Bahn zwei Minuten zu spät kommt! Wir Deutschen sind halt nun mal pünktlich und stolz darauf.

Zum Abschluss ist es mir aber ganz wichtig zu sagen, dass ich diese kulturellen Unterschiede nicht im Geringsten als Belastung sehe, ganz im Gegenteil. Ich sehe sie als absolute Bereicherung an.

Kleine Beziehungsprobleme gibt es in jeder Partnerschaft. Aber wer hat schon die Möglichkeit, dabei eine ganz neue Kultur kennenlernen zu dürfen?

Wir picken uns das Beste aus beiden Kulturen heraus und gestalten unser Zusammenleben, wie es uns richtig erscheint. Mit erweiterten Ressourcen sozusagen.

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Zu Besuch bei Freunden

Wie sieht es mit dem religiösen Hintergrund deines Mannes und seiner Familie aus?

Meine Familie war mit Sicherheit erstmal skeptisch. Das hat sich aber mit dem ersten treffen erledigt. Jetzt freuen sie sich einfach mit uns und empfinden Pendul als totale Bereicherung für die Familie.

Bei Penduls Familie war das ähnlich, wobei die Religion ganz klar einen höheren Stellenwert hat, aber Penduls Mutter freut sich auch über die blonde Frau, die ihren Sohn zu einem pflichtbewussteren Mann gemacht hat.

Was alle anderen sagen, interessiert uns überhaupt nicht.

Offenheit, Toleranz, Gelassenheit.

Ich bin entspannter geworden und lasse Dinge mehr auf mich zukommen. Und mein Mann? Er hat die Vorteile von Disziplin und Zielstrebigkeit für sich entdeckt.

So die Theorie – wir lernen täglich voneinander.

Strandtag mit Mamah

Strandtag mit Penduls Mamah

Wo siehst du deine Zukunft? Eher in Indonesien oder in Deutschland? Oder weiterhin beides?

Erstmal weiterhin halb/halb und im Laufe der Zeit wird sich wahrscheinlich ganz natürlich eine Tendenz entwickeln. Oder auch nicht…

Was willst du anderen interkulturellen Paaren auf den Weg geben?

Es gibt einige Steine, die uns, meist von Seiten der Behörden, in den Weg gelegt werden. Wir persönlich hatten das Glück, von unserer Familie und Freunden nur Zustimmung zu erhalten, aber das ist längst nicht immer so.

Auch Rassismus kann ein Thema sein. Am allerwichtigsten ist es, die Partnerschaft nicht zu vernachlässigen, und diese Hürden gemeinsam als Team zu nehmen.

Unsere Partnerschaft hat das sehr gestärkt.

In manchen Momenten fühlt sich das vielleicht an wie zwei gegen den Rest der Welt.

Ich finde das sehr romantisch…

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Great day at @danskapogo_official

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