Home Auswandern Wann ist ein Eco Resort wirklich Eco? Das Eco 1 x 1

Wann ist ein Eco Resort wirklich Eco? Das Eco 1 x 1

von Melissa Schumacher

Immer mehr Resorts bezeichnen sich als nachhaltig und umweltfreundlich.

Aber was steckt eigentlich dahinter? Was bedeutet „Eco“? Wann ist ein Resort wirklich Eco? Welche Faktoren sollten Resorts einhalten, um mit gutem Gewissen von sich selber zu sagen, dass man ökologisch nachhaltig arbeitet?

Gerade Indonesien ist aufgrund der mehr als 17.000 Inseln, vielfältigen Unterwasserwelt und üppigen Vegetation ein sehr sensibles Ökosystem, welches man als Resort unterstützen, anstatt zerstören sollte.

Ich bin der Frage “Wann ist ein Eco Resort wirklich Eco?“ mal auf den Grund gegangen und habe mithilfe von Anke, Besitzerin von Blue Bay Divers in Sahaung, eine Liste an Faktoren zusammengestellt,  die der Umwelt zu Gute kommen.

Folgende Tipps für ein nachhaltiges „Eco-Resort“ haben wir im heutigen Artikel gesammelt. Natürlich immer mit der Option der Erweiterung durch euch.

Außerdem freue ich mich, wenn ihr mir mitteilt, welche Resorts ihr kennt, die folgende Punkte des „Eco 1 x 1“ einhalten:

Das Eco 1 x 1

  1. Sag „Nein“ zu Plastik
  2. Wohin mit dem Dreck?
  3. 24/7 Elektrizität braucht niemand
  4. Sag „Ja“ zur manuellen Dusche
  5. Augen auf für den Baumarkt Natur
  6. Bau „mit“ der Natur
  7. Qualität statt Quantität

1. Sag „Nein“ zu Plastik  

Ja, Indonesien hat ein Müllproblem.

Es mangelt an einer vernünftigen Infrastruktur für die Müllentsorgung. Müllabfuhr? Sucht man vergeblich. Mülltonen? Meist Mangelware. Recycling? Kennt man nicht. Pfand auf Plastikflaschen? Gibt es nicht.

Gerade auf kleinen indonesischen Inseln, wie z.B. Sahaung, ist die Müllversorgung gleich Null. Es kommt einfach keiner, der den Müll abholt.

Als Eco Resort sollten man sich dieser Situation bewusst sein und dementsprechend möglichst auf Plastik und Dosengetränke verzichten.

Sicher kann jeder in seinem Urlaub mal auf Dosengetränke, wie Diet Cola oder Schweppes, verzichten. Es gibt die Möglichkeit, Getränke in Glasflaschen zu kaufen oder Aqua-Gallonen zu nutzen. Für diese  knapp 20 Liter Gallonen wird nämlich ein Pfand erhoben.

Auch gibt es auf Sahaung einen selbst gemachten Eistee, der zuckerfrei ist und in Glasbehältern für alle Gäste zur Verfügung steht.

Lesetipp6 einfache Tipps für plastikfreies Reisen in Indonesien

Galone

Aquagallonen sind die umweltfreundlichere Variante!

Falls doch mal Plastikmüll oder sonst etwas anfällt, das nicht verbrannt werden kann, sollte man wissen, wo die nächste Recyclingstation ist.

Oder die Gäste darum bitten, beispielsweise ihre leeren Batterien wieder mit nach Hause zu nehmen, was Anke konsequent durchzieht.

Jedoch sind auch Glasflaschen, die nicht recycelt werden, eine Belastung für das Ökosystem. Demnach hat Anke für die Mitarbeiter von Blue Bay Divers einen Anreiz geschaffen: Das Pfand für Glasflaschen, die für das Resort eingekauft werden, geht an die Angestellten, wenn diese die Flaschen einsammeln und verwalten und auch wieder im Laden abgeben.

Glasflaschen3

Besser Glas als Plastik…

 3. Wohin mit dem Dreck?

Als Eco Resort sollte man die Gäste darauf hinweisen, möglichst wenig Shampoo und Seife zu nutzen, da es meist kein vernünftiges Abwassersystem in Indonesien gibt.

Zudem sollte nichts in die Toilette geworfen werden, sondern separat in den Mülleimer. Denn wohin geht der Dreck? Meistens zurück ins Grundwasser und am Ende landet es doch alles im Meer.

Und genau das wollen wir nicht.

blaue bucht 2

Die blaue Bucht in Sahaung. So kann es nur aussehen, wenn es vernünftige Regelungen bzgl. Abwassersysteme gibt…

Als natürliches Abwassersystem für Eco Resortskönnen Sickergruben gebaut werden, bestehend aus verschiedenen Schichten mit Steinen und Kiesel.

Diese Sickergruben filtern das Wasser auf natürliche Weise.

3. 24/7 Elektrizität braucht niemand

Eine 24/7 Stromversorgung ist in Indonesien keine Selbstverständlichkeit. Warum benötigt man auch 24 Stunden Strom in einem Land, in dem man sich hauptsächlich draußen aufhält?

Als Eco Resort hat man zwei Möglichkeiten mit der mangelhaften Stromversorgung umzugehen; entweder man nutzt Solarstrom oder man entscheidet sich dazu, nur zu bestimmten Uhrzeiten Elektrizität anzubieten.

Bei Solarstrom besteht das Problem in der regelmäßigen Wartung. Denn dafür muss extra ein Fachmann anreisen, was teuer werden kann. Demnach macht es manchmal mehr Sinn, einfach komplett auf Strom zu verzichten.

Blue Bay Divers bietet beispielsweise nur zu bestimmten Uhrzeiten Strom an (von 12:00 Uhr bis 24:00 Uhr Strom an und von 6:00 bis 08:00 Uhr).

Weiterhin ist es nachhaltiger, die Wäsche und das Geschirr per Hand zu waschen, anstatt Wasch- bzw. Spülmaschinen zu nutzen. Die lokale Bevölkerung in Indonesien wäscht auch privat hauptsächlich manuell. Warum sollte man dies also nicht auch als Resort machen?

4. Sag „Ja“ zur manuellen Dusche 

Duschen in Indonesien bestehen aus einer kleinen Wanne mit kaltem Wasser und einer Kelle, mit der man sich das Wasser überkippt, sogenannte „mandi“.

Manche Resorts möchten jedoch westliche Duschen anbieten, um den Touristen mehr Komfort zu bieten.

Manual Shower 2

Manuelle Dusche in Indonesien: „Mandi“

Wenn man nach Indonesien reist, sollte man sich jedoch anpassen und die manuelle und kalte Dusche akzeptieren, um der Umwelt möglichst wenig zu schaden. Aber warum ist fließend Wasser eigentlich nicht nachhaltig?

Der Wasserverbrauch und Stromverbrauch ist bei fließenden und heißen Duschen mit Durchlauferhitzer grundsätzlich höher.  Und da auf Inseln in Indonesien sowieso meist  Wassermangel herrscht (vor allem in der Trockenzeit) sind Resorts dazu gezwungen, Wasser aus den Städten zu importieren. Dies wiederum führt zu mehr Bootstransfer.

Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit von Brackwasser bei fließenden Duschen durch den erhöhten Wasserverbrauch um einiges  höher.

Als Alternative zur Reduzierung des Stromverbrauchs kann Wasser durch Sonne erhitzt werden, sogenannte solarbetriebene Duschen. Außerdem kann Regenwasser als Notfallwasser für die Trockenzeit gesammelt werden.

Und wenn man dann doch unbedingt mal heiß duschen will, bietet Blue Bay Divers beispielsweise heißes Wasser im Eimer an. Dieser steht dann nach dem Tauchen im Bad bereit. Das ist dann nach einem Tauchgang wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag gleichzeitig sein.

So schätzt man auch mal die kleinen Dinge im Leben.

5. Augen auf für den Baumarkt Natur

Die Natur bietet einen riesigen Baumarkt an, bei dem man die Produkte der Natur nutzen kann ohne direkt eingreifen zu müssen.

Na, schau mal an, was da angeschwemmt wurde…  Und wie wärs mit dem Recyceln des alten Boots da am Strand? Und die Palmblätter da, kann man die nicht irgendwie weiter verwenden?

Schwemmholz stellt ein ideales Baumaterial für Möbel dar. Hierbei muss man rein gar nicht in die Natur eingreifen.

treibholzlampe 2

Lampe, die aus Schwemmholz gemacht wurde. Gefunden in Blue Bay Divers Sahaung

Zusätzlich besteht die Möglichkeit aus „Recyclewood“ neue Produkte herzustellen.

Wenn das Material noch brauchbar ist, kann man beispielsweise aus alten Booten Möbel zaubern.

LesetippGeschenk Tipp: Nachhaltige Schätze aus Bali

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Schreibtisch von Anke aus „Recycle Wood“ (altes Boot)

Bambus stellt zudem ein relativ nachhaltiges Material dar, da Bambus noch schneller nachwächst als reguläres Holz.

Bambusmöbel

Besser Bambus als Holz…

Für Dächer sollte man auf Wellblech verzichten. Anstatt dessen kann man „Katu“ (Palmblätter) benutzen. Also Augen auf im Baumarkt Natur.

Restaurant

Dächer aus Palmblättern (Blue Bay Divers Restaurant).

6. Bau „mit“ der Natur

Warum unnötig Bäume fällen um Bungalows zu bauen, wenn man sich auch freie Ecken suchen kann?

Baue „mit“ der  Natur, nicht gegen sie.

Blue Bay Divers hat ihre Bungalows beispielsweise so gebaut, dass möglichst wenige Bäume gefällt werden müssen.

7. Qualität statt Quantität

Egal, wie viel Mühe man sich gibt, um nachhaltig zu sein, zu viele Bungalows bzw. zu große Anlagen sind am Ende doch kontra-produktiv.

Trotz nachhaltiger Sickergruben oder reduzierter Elektrizität kann eine kleine Insel, wie z.B. Sahaung, niemals die breite Masse empfangen.

Man sollte sich also lieber dazu entscheiden, weniger Bungalows zu bauen, um demnach weniger in die Natur eingreifen zu müssen. Hier heißt es ganz klar „weniger ist mehr“.

19 Take Aways für zukünftige Eco Resorts

  1. Keine Plastikflaschen anbieten
  2. Gallonen für Trinkwasser nutzen
  3. Keine Batterien und andere nicht verwertbare Produkte
  4. Anreize zum Recycling von Glasflaschen schaffen
  5. Wenig Shampoo / Seife nutzen
  6. Nichts in die Toilette werfen (!)
  7. Natürliche Sickergruben errichten
  8. Solarstrom für Duschen nutzen
  9. Begrenzte Elektrizität anbieten
  10.  Auf Wasch- oder Spülmaschinen verzichten
  11.  Manuelle Duschen oder solarbetriebene Duschen
  12.  Regenwasser als Notfallwasser
  13.  Schwemmholz verarbeiten
  14.  Alte Holzprodukte wieder verwerten
  15.  Bambus anderen Holzprodukten vorziehen
  16.  Katu(Palmblätter) anstatt von Wellblech
  17.  Weniger Bungalows bauen
  18.  Nicht auf Massentourismus abzielen

Es gibt bestimmt noch mehr Faktoren, die ein Eco Resort wirklich Eco machen. Wenn ihr selber Ideen habt, her damit!

Ich freue mich über jeden Anreiz um den Tourismus in Indonesien nachhaltiger zu gestalten und das wunderschöne indonesische Inselreich zu schützen!

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Melissa von Indojunkie und Anke von Blue Bay Divers in Sahaung

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11 Kommentare

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11 Kommentare

Frank Weber 30. Mai 2015 - 5:58

Das die sogenannten Ökofanatiker nicht bis zu Ende denken.
95% der Touristen möchten nicht auf Ihren Lebensstandard verzichten. Viele davon erwarten sogar im Urlaub etwas mehr Luxus im Urlaub,
Eco kann schlimme Folgen haben für die Nationen welche vom Tourismus leben.
Es gibt viele Inseln auf der Welt die keine Infrastruktur und Elektrizität haben. Dort ist genügend Platz für alle fanatischen Eco Verfechter.

Antworte Frank
Monika Kolacek-Kern 4. Januar 2015 - 22:18

Hallo Anke,
ich würde auch Soft-Drinks nur gegen Aufpreis anbieten. Ihr habt so leckeres Kokswasser frisch aus den Kokosnüssen von den Palmen, das bei uns teuer als Energy-Drink verkauft wird. Gibt die Plantage auf Sahaung genug her, um die Gäste kontinuierlich zu versorgen? Echte Strohhalme statt der Plastikvariante machen den Genuss perfekt.
Man könnte den Gästen vor der Anreise auch noch eine Liste mit hilfreichen Tipps zukommen lassen (zB betr Entsorgung von mitgebrachtem Plastik im Heimatland, Batterien, Öko-Körperpflegeprodukte bzw überhaupt Reduktion von Körperpflegeprodukten während des Aufenthalts, einigermassen korallenverträglichen Sonnenschutzmitteln – da gibt es grosse Unterschiede – bzw Reduktion von Sonnenschutzmitteln durch „Vorbräunen“ & Schutzkleidung etc.) Und: Zigarettenstummel gehören nicht ins Meer, sie sind an Land schon giftig genug (http://www.sueddeutsche.de/wissen/zigaretten-als-umweltverschmutzung-viel-gift-in-der-kippe-1.1086893). Eure Bootscrews sollten ALLE mit gutem Bsp vorangehen.

Ihr seid definitiv auf dem richtigen Weg und wir haben viel bei Euch in dieser Hinsicht gelernt; macht weiter so!
LG
Monika

Antworte Monika
Micha 20. April 2014 - 1:49

Als Betreiber eines Eco-Resorts sollte man auch bereits beim Einkaufen in Kiosken und Supermärkten auf Plastiktüten und doppelt und dreifache Plastikverpackungen verzichten.

Umweltverträgliche Bioseifen den Gästen anbieten. In Manado gibt es z.B. einen Hersteller: http://www.mapalus-mokupa.org

Losen Tee statt Teebeutel – schmeckt auch besser.

Wiederaufladbare Batterien statt Einwegbatterien einsetzen.

Man muss nicht unbedingt ein Eco-Resort betreiben, um den ökologischen Gedanken umzusetzen. Kommt bei vielen Gästen auch sehr gut an.

Antworte Micha
MelissaIndo 23. April 2014 - 11:56

Vielen Dank für die wertvollen Tips, liebe Micha!
Du hast recht, jeder kann sein Leben etwas mehr öko gestalten.

Viele Grüße,
Barbara

Antworte MelissaIndo
anke 28. April 2014 - 6:19

hallo micha,
richtig. du hast vollkommen recht. man muss kein eco resort sein um eco zu operieren und die meisten gaeste sind dabei! es duerfen halt keine luxus verwoehnten gaeste sein, die auf spa und prosecco in dosen im urlaub nicht verzichten koennen.
gruesse aus sahaung island
anke und salmon

Antworte anke
Oli 17. April 2014 - 11:32

Ein sehr schöner Text zu einem wichtigen Thema, das uns allen am Herzen liegen sollte.

Nur bei einem Punkt bin ich stutzig geworden. Ich habe immer wieder gehört und gelesen, das eine Geschirrspühlmaschine und ich glaube auch eine Waschmaschine weniger Wasser benötigt als der Abwasch und die Wäsche vor Hand. Aber vielleicht ist das ja eine gezielte Fehlinformation durch die Hersteller.

Antworte Oli
anke 22. April 2014 - 4:09

hallo oli, danke fuer deinen beitrag. sicher gibt es wasser spar geschirr spuel und waschmaschinen. jedoch entscheiden wir uns hier fuer die handwaesche. zum einen kennen sich die frauen hier damit aus, da zuhause auch so gewaschen wird. zum anderen brauchen maschinen auch wieder extra strom und es ist fraglich, ob waschmaschinen, die es in manado zu kaufen gibt, den qualitativen und langzeit anspruch gerecht werden. und wenn diese dann kaputt sind, kommt das thema entsorgung auch wieder auf uns zu .. kurz um, ich bin der meinung, dass mit der handwaschen freundlicher fuer umwelt und natuerlicher ressourcen ist. danke und gruss aus sahaung, anke

Antworte anke
Oli 23. April 2014 - 22:23

Hallo Anke, vielen Dank für die Antwort. So wie du das darstellst, macht das tatsächlich Sinn – unabhängig vom Wasserverbrauch…

Antworte Oli

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