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Die letzten Tribes von Halmahera

von Melissa Schumacher

Ein Beitrag von Christine Reckewell

Für meinen diesjährigen Trip nach Indonesien hatte ich den Wunsch einen freilebenden Kakadu zu sehen und die letzten Tribes von Halmahera zu besuchen.

Ich fragte meinen Guide Alex (mit dem ich bereits auf den Dukono Vulkan gestiegen bin). Er verspricht mir, dass er mit mir auf die Suche gehen wird.

LesetippHalmahera: Aufstieg auf den Dukono Vulkan

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Guide Alex auf dem Weg zu neuen Abenteuern!

Togutil, die Nomaden von Halmahera

Die Sache ist jedoch nicht so ganz so einfach, denn einige der Stämme auf Halmahera, u.a. die Togutil, leben noch heute als Halbnomaden auf Halmahera, sodass sie ihren Standort regelmäßig wechseln und damit nicht so leicht aufzufinden sind.

Sie leben u.a. in den Wäldern des Aketajawe-Lolobata National Park entlang des Akelamo River und Dodaga River. Sie leben von dem, was der Wald und die Flüsse ihnen liefert, und das ist vor allem Sago, das für sie als Grundnahrungsmittel dient. Sie hausen oftmals in Hütten aus Holz und Bambus ohne Wände und Böden.

Anreise zum Kupu Kupu Beach

Ich fliege von Jakarta über Manado nach Galela und verbringe einige Tage in den „KupaKupa Cottages“ bei Lutz und Ona am Kupa Kupa Beach bei Tobelo.

Alex hat inzwischen recherchiert und wir wollen in den Osten der Insel. Dort soll es noch einige friedliche Stämme geben, die wir nun aufsuchen wollen.

Der bequemste Weg wäre mit dem Boot von Tobelo nach Labi Labi zu fahren. Da es jedoch Sonntag ist, fährt kein Boot. Somit nehmen den langen und beschwerlichen Landweg per Motorbike.

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Erstmal Kraft tanken am Kupa Kupa Beach

Aufbruch nach Labi Labi

Wir machen uns mit dem Motorbike also auf dem Weg nach Labi Labi. Auf dem Weg kommen wir an japanischen Bunkern vorbei und auch an einem gesunkenen japanischen Schiff aus dem 2. Weltkrieg, welches noch zur Hälfte aus dem Meer ragt.

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Japanische Bunker direkt am Strand

Im Wasser rund um das gesunkene Schiff liegen bis heute noch etliche scharfe Bomben und Waffen. 2008 wurden einige von ihnen gesprengt.

Nach diesen historischen Highlights geht es weiter zum Bidadari Waterfall – dieser wäre eigentlich ein touristisches Highlight, wenn er sich nicht auf dem Gebiet der Tribes befände. Es gab sogar schon Toilettenhäuschen und einen Shelter für zukünftige Touristen.

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Der Bidadari Waterfall

Seit den 80ern holt die Regierung immer mehr Muslime von Java nach Halmahera. Dies hat natürlich politische Hintergründe.
 Diese besetzen das Land und vertreiben so die Tribes. Sie nehmen ihr Land, fischen mit Gift und nehmen den Tieren im Dschungel ihren Lebensraum, weil sie die Bäume fällen.
 Dies führt dazu, dass die Tribes immer mehr von ihrem Grund und Boden verdrängt werden.

Deshalb sollen hier am Bidadari Wasserfall auch die Toilettenhäuschen von den Tribes zerstört worden sein – es ist schließlich ihr Land!

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Zerfallene Toilettenhäuschen am Bidadari Wasserfall

Weiße Kakadus und Ankunft in Labi Labi

Nach insgesamt 300 km anstrengender Fahrt kommen wir zum Nationalpark bei Subaim und können bei dem Ranger Jeffrey und seiner Familie übernachten.

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Unser Zimmer für eine Nacht

Er gleitet uns durch den Nationalpark und ich bekomme neben dem „Bird of Paradise“ und vielen bunten Loris auch meinen geliebten weißen Kakadu zu sehen.

Inzwischen sind wir schon drei Tage unterwegs und gelangen am vierten Tag in das kleine Örtchen mit Namen „Labi Labi“. Immer wieder erkundigt sich Alex unterwegs nach den Tribes.

In Labi Labi können wir in dem Haus von Alex Freund Mathias übernachten. Hier erfahren wir auch, dass es nahe des Dorfes eine 4-köpfigeTribe-Familie am Fluss lebt und etwas weiter im Dschungel eine weitere größere Familie.

Sowohl Mathias als auch Alex sprechen die Sprache dieser Stämme und somit ist die größte Hürde –nämlich als Besucher bei den Stämmen willkommen zu sein – genommen.

Flüsse, anstatt von Straßen

Der Weg zu der größeren Familie ist nicht ohne, da wir den Fluss mehrere Male durchqueren müssen – und dies teilweise mit einem Wasserstand bis zur Brust und mit Strömung.

Aber ich möchte das alles auf mich nehmen. Als Gastgeschenke kaufen wir abends noch Tabak, Blättchen, Salz und Süßigkeiten.

Morgens gegen 9 Uhr brechen wir auf. Mir wird geraten, feste Schuhe und eine dicke Hose anzuziehen, denn ich muss ja im Dschungel vor allerlei Getier geschützt sein.

Bis zur ersten Familie ist es nicht sehr weit und wir durchqueren den Fluss nur ein Mal. Ich zögere erst, ob ich mich denn nun entkleiden soll, um durch den Fluss zu waten? Natürlich geht es aber in kompletter Montur durch den Fluss hindurch!

Ich trage nur mein Handy für die Fotos und eine Flasche Wasser mit mir – dies gebe ich sicherheitshalber mal in Alex Hände. Mathias nimmt mich an die Hand, denn ich bin doch etwas unsicher im Wasser. Aber diese Überquerung war nur der Auftakt, und der leichteste Part dieser Reise.

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11 x geht es heute noch durch den Fluss hindurch

Bei Buyono zu Besuch

Die Tribe-Familie hat uns schon erspäht und die hübsche Frau, die noch eben unbekleidet war, wirft sich schnell ein Tuch um ihren Körper. Den stolzen Gatten Buyono finden wir in seiner traditionellen Kleidung vor.

Sie leben mit zwei Kindern in einer offenen Rattanhütte direkt am Wasser. Wir verteilen einige der Geschenke und die Männer unterhalten sich in der Stammes-Sprache. Alle sind am Rauchen und ich darf alles fotografieren.

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Wir werden herzlich aufgenommen

Nach einem kurzen Aufenthalt wollen wir weiter zu der anderen Familie und Buyono will uns begleiten.

Nun wird es richtig hart: noch weitere 11 Mal (!) müssen wir durch den Fluss. Tatsächlich wechselt der Wasserstand von Hüfthoch bis Brusthoch. Da der Untergrund ja immer steinig ist und die Strömung teilweise sehr stark, komme ich nie ohne Hilfe aus.

Der weitere Weg durch den Dschungel wird dann durch die klatschnasse und dadurch schwere Kleidung nicht leichter.

Nach drei Stunden sind wir am Ziel: vor der letzten Flussüberquerung sehen wir am gegenüberliegenden Flussufer die einfachen Hütten der Familie.

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Das Dorf ist bereits ersichtlich

Noch einmal durch den Fluss. Die Hütten sind jedoch leer.

Ein paar hundert Meter weiter treffen wir dann aber auf die Familie. Sie ist dabei einen riesigen Berg von Kokosnüssen aufzubrechen und das darin befindliche Fruchtmark in Säcke zu füllen.

Auch hier ist wieder nur der Mann – Buyonos Bruder – traditionell gekleidet.

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Typische Werkzeug zum Fischen

Ein ganz wichtiger Bestandteil ihrer Tradition ist der Bambusgurt, den sie eng um die Hüfte tragen und ein Zeichen ihrer Männlichkeit ist. Ich erkenne, dass dieser Bastgurt auch gern zum Einstecken der Machete genutzt wird.

Nachdem auch hier die Geschenke verteilt sind, palabern die Männer und es werden Fotos gemacht.

Haut-Brandings sind ein Zeichen der Männlichkeit. Das Motto: Männer mit makelloser Haus sind „not strong“.

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Beschwerlicher Rückweg

Den Rückweg, wieder mit den 12-maligen Flussüberquerungen, schaffe ich wieder unbeschadet.

Nach dem köstlichen Abendessen bei Mathias – bestehend aus einem riesigen gegrillten Fisch – bekommen wir noch überraschend Besuch von der jungen Tribe-Frau mit einem der Kinder.

Sie haben Hunger und nehmen dankbar Essen von uns an.

Als Gegenleistung bringt sie am nächsten Tag einen großen Sack voll Sago. Dies ist hier auf Halmahera ein vielgenutztes Produkt, welches aus der Sagopalme gewonnen wird.

Mathias Frau wird es trocknen und später fein mahlen und zu Sagokuchen verarbeiten.

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Rückweg durch den Dschungel

Fazit meines Abenteuers

Sollte man den Togutil wünschen, dass sie an ihren Traditionen festhalten? Sollte man ihnen die Fortschritte verwehren, die das Leben für uns einfacher machen?

Irgendwann wird jeder in Indonesien ein Smartphone besitzen – egal in welcher entlegenen Region man lebt.

Derzeit ziehen auf alle Fälle immer mehr Mitglieder der Togutil-Communities aus dem Urwald in die Dörfer. Denn das Leben im Urwald ist beschwerlich. Wenn sie ein erfülltes Leben hätten, wäre die junge Frau doch nicht zu uns gekommen, um nach etwas Essen zu fragen. Ein schwieriges Thema…

Meinen ausführlichen Bericht zu diesem Abenteuer kannst du auf umdiewelt.de nachlesen!

Guide-Tipp für Morotai, Halmahera und Ternate

Alex hat erst vor Kurzem seine Bachelor-Arbeit zum Thema Natur und Religion fertig geschrieben. Er setzt sich für die Umwelt von Halmahera ein. Er zeigt dir gerne mehr von seiner Kultur auf den Molukken.

Übersichtskarte Halmahera

Text und Fotos: Christine Reckewell

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3 Kommentare

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3 Kommentare

Greg 14. Juni 2018 - 9:45

Abgesehen davon, dass mir dein Trip und deine Story recht flach und wenig nachvollziehbar vorkommt (ausser dein Ziel freilebende Kakadus zu beobachten; aber warum kein Foto vom „kakatua putih“?) solltest du noch wissen, das „togutil“ Hinterwäldler meint, was diese Menschen, die „orang tobelo dalam“ oder auch „tayawi“ verständlicherweise nicht wirklich gerne hören. Apropos „hutan tayawi“: Offensichtlich warst du auch gar nicht am richtigen Ort. (Schmetterlinge heisst auf Indonesische übrigens kupu-kupu.)

Antworte Greg
Christine 31. Juli 2018 - 20:32

Hallo Greg, es tut mir leid, dass mein Beitrag dir nicht gefällt.
Ich habe erst im höheren Alter mit Reisen dieser Art begonnen und versuche meine Begeisterung durch das Schreiben auszudrücken und vielleicht andere damit anzustecken. Des Weiteren möchte ich damit den Tourismus auf Halmahera etwas unterstützen und auch den Guide Alex- der wiederum einen großen Teil seines Geldes für den Naturschutz vor Ort investiert und der auch weiss wie man am besten Besucher zu den Stämmen bringt ohne ihre Privatsphäre groß zu stören.
Es liegt mir fern, irgendjemanden zu beleidigen oder zu verletzen und ich bin dankbar für jeden Hinweis auf Fehler.
Meine Informationen und den Namen „Togutils“ habe ich vom Guide und dem Ranger des Np.
Für schöne Kakadu-Fotos fehlte mir leider die gute Kamera-ich habe immer nur mein Handy dabei, aber ich habe sie im Kopf gespeichert.
Falls du einen Blog o.ä. hast, gib mir doch bitte deinen Link, ich bin immer offen für Neues…

Antworte Christine
Anonymous 12. Juni 2018 - 19:52

Ich denke die Ziviliisation ist unaufhaltsam. Die Ureinwohner wollen Zugang zu modernen Errungenschaften und gleichzeitig schwinden auch die Lebensräume und die natürlichen Ressourcen. Also sind sie früher oder später auf die Zivilisation angewiesen, um nicht zu hungern.

Auf Papua leben viele Ureinwohner in traditionellen Hütten, haben aber Solarzellen auf dem Dach und tragen westliche Kleidung. SIe kaufen Reis (und andere früher nicht vorhandene Sachen) in den Städen ein, und versorgen sich ansonsten selbst. Das skurrilste Erlebnis war wohl der Häuptling, der 3 Tagesreisen zu Fuss von der nächsten kleineren Stadt entfernt lebte. Er hatte einen voll funktionstüchtigen Fernseher mit DVD-Player in der Ureinwohnerhütte, gespiesen über Solarzellen und eine grosse Batterie. Da sitzt die Familie dann am Feuer und schaut Rambo 4.

Ich denke das Problem ist nicht die Zivilisation, sondern die Frage der eigenen Entscheidung und der Aufklärung, damit die Ureinwohner nicht ausgenutzt werden.

Zuletzt sind es glaube ich hauptsächlich wir Westler, die uns die reinen, romantischen Ureinwohner zum Anschauen und Träumen wünschen. Wer ein beschwerliches Leben in der Natur führt, ist da eher pragmatischer. Wir selber würden ja auch keinesfalls langfristig auf alle modernen Kulturgüter verzichten. Die meisten können ja nicht einmal auf ihre Handys verzichten.

Ich habe mittlerweile schon einige Zeit bei Ureinwohnern verbracht, und finde es persönlich sogar eher dumm, nicht einige Annehmlichkeiten anzunehmen. Warum sich in den Bergen mangelernährt durch kalten Regen zittern, wenn man Handschuhe und Regenschutz tragen und weit mehr Gemüsesorten und Früchte anbauen könnte? Da machts doch keinen Sinn, sich eine traditonelle Matte aus Blättern über die Schultern zu legen, wos überall reinregnet und kein Windschutz vorhanden ist.

Wichtig fände ich halt, dass die kulturelle Identität und die in der Natur erlernten Skills erhalten bleiben. Ureinwohner und Identitätskrise sind ja nochmal ein anderes, leider weit verbreitetes Thema.

Antworte Anonymous

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